Malta Geschichte

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Inhaltsverzeichnis

Anfänge

Archäologische Funde weisen auf eine Besiedlung der Insel Malta bereits in der Jungsteinzeit hin. Um 5000 v.Chr. kamen vermutlich Einwanderer aus Süditalien auf die Insel, Reste der von ihnen errichteten Megalithkultur sind heute noch zu besichtigen. Ab 1000 v.Chr. wurden die Naturhäfen der Insel von phönizischen Seefahrern als Stützpunkte genutzt. Rund 300 Jahre später folgten die Griechen, im 6. Jh. gehörte die Insel zum Reich von Karthago. Infolge des Zweiten Punischen Krieges (218-201 v.Chr.) fiel die Insel in die Hände der Römer, die sie "Melita" (Honiginsel) nannten.

Nach der Teilung des Römischen Reiches 395 n.Chr. fiel Malta an das Reich von Byzanz. Rund 40 Jahre später eroberten im Zuge der Völkerwanderung zunächst die Ostgoten die Insel, dann die germanischen Vandalen, ab 533 gehörte sie wieder zum byzantinischen Reich. Im 9. Jh. wurde Malta von muslimischen Arabern besetzt, die um 1091 von den Normannen vertrieben wurden. Malta wurde Teil des Königreichs Sizilien, das später um Süditalien erweitert wurde.

Mittelalter

Im Mittelalter hatten nacheinander die Staufer (ab 1194), das französische Haus Anjou (ab 1268), das spanische Aragón (ab 1284) und die spanische Linie der Habsburger (ab 1412) die Herrschaft über die Mittelmeerinsel inne. 1530 übergab der Habsburger Karl V. dem geistlichen Ritterorden der Johanniter, der durch die Türken von der Insel Rhodos vertrieben worden war, die Insel Malta als Lehen. Dieser benannte sich in Malteserorden um und wehrte in der Folgezeit mehrere Angriffe des Osmanischen Reiches auf die Insel als südlichste Bastion des europäischen Christentums erfolgreich ab. Nachdem 1565 das osmanische Heer nach viermonatiger Belagerung erfolglos abziehen musste, wurde die ganze Insel festungsartig ausgebaut, Valetta löste 1571 Mdina als Hauptstadt ab.

Neuzeit

1789 eroberte Napoleon Bonaparte im Rahmen seines Ägypten-Feldzugs die Insel, der Ordensstaat wurde aufgelöst, seine Anhänger verließen die Insel.

Im September 1800 besetzten die Briten unter der Führung von Admiral Lord Nelson Malta. Nach dem Ende der Napoleonischen Kriege wurde die Insel Kronkolonie Großbritanniens. Wie schon in den Jahrhunderten davor hatte Malta für seine britischen Besatzer eine große strategische Bedeutung. Sie bauten die Insel zu ihrem wichtigsten Flottenstützpunkt im Mittelmeer aus. Durch die Eröffnung des Suez-Kanals 1869 wurde Malta wichtige Zwischenstation auf dem neuen Seeweg nach Indien, der wertvollsten britischen Kolonie.

In beiden Weltkriegen im 20. Jh. diente die Insel den Alliierten Streitkräften als bedeutende Basis und Stützpunkt für ihre Truppen. 1941 starben an die 1 500 Malteser durch deutsche Bombenangriffe bzw. an den Folgen der deutschen Blockade der Insel. Für ihren hartnäckigen Widerstand gegen die deutschen Angriffe wurde den Maltesern das britische Georgskreuz (George Cross) verliehen, dessen Abbildung später in die Staatsflagge aufgenommen wurde.

Unabhängiger Staat

Auf der Insel selbst wurde der Ruf nach Unabhängigkeit vom britischen Mutterland immer lauter. 1921 gewährte Großbritannien vorübergehend eine beschränkte innere Selbstverwaltung, die aber wiederholt ausgesetzt wurde. Erst nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Malta die volle innere Autonomie gewährt, 1964 wurde das Land als konstitutionelle Monarchie im Rahmen des britischen Commonwealth in die Unabhängigkeit entlassen. Erster Premierminister und damit Regierungschef des Landes wurde Georgio Borg Olivier von der konservativ-liberalen Nationalist Party (NP). Großbritannien unterhielt weiterhin einen Marinestützpunkt auf der Insel, im Gegenzug erhielt die Regierung Maltas umfangreiche Finanzhilfen.

1971 kam die Labour Party in Malta an die Macht und war die dominierende politische Kraft bis 1987. Premierminister Dom Mintoff (bis 1984), der engen Kontakt mit der Sowjetunion und mit Libyen suchte, regierte als Autokrat. 1974 wurde Malta durch eine neue Verfassung zur parlamentarischen Republik. 1979 endete die britische militärische Präsenz auf der Insel. Mintoffs Nachfolger, der Labour Abgeordnete Carmelo Mifus Bonnici, setzte dessen Kurs der Entmachtung der katholischen Kirche in Malta fort, 1983 kam es zur Enteignung des kirchlichen Grundbesitzes.

Im gleichen Jahr wurde in Italien ein Vertrag ratifiziert, in dem die Neutralität Maltas garantiert wurde. 1987 wurde die Blockfreiheit und Neutralität des Landes in der Verfassung festgeschrieben. Im gleichen Jahr endete die Vorherrschaft der Labour Party, die eher westlich orientierte Nationalist Party (NP), die sich unter anderem für ein Ende des "Kulturkrieges" gegen die Kirche stark gemacht hatte, gewann die Parlamentswahlen und stellte mit Edward Fenech Adami den neuen Premierminister.

1990 stellte Malta den formellen Aufnahmeantrag in die Europäische Gemeinschaft (EG), der drei Jahre später prinzipiell befürwortet wurde. Die im Oktober 1996 erneut an die Macht kommende sozialistische Labour Party zog den EG-Aufnahmeantrag Maltas allerdings zurück und erklärte gleichzeitig den Austritt des Landes aus dem NATO-Programm "Partnership for peace", um die erklärte Neutralität des Landes zu wahren. 1998 wie auch 2003 gewann die Nationalist Party erneut die Parlamentswahlen und die Regierung formulierte den Beitritt zur Europäischen Union (EU) erneut als wichtigstes außenpolitisches Ziel. Nachdem die Bevölkerung Maltas einem Beitritt zur EU zugestimmt hatte, wurde Malta am 1. Mai 2004 neben zehn weiteren Kandidaten EU-Mitgliedsland. Seit dem 1. Januar 2008 ist der Euro die offizielle Währung Maltas. Am 30. Januar des selben Jahres stimmte das Parlament der Ratifizierung des EU-Reformvertrags zu.