Mikronesien Geschichte

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Entdeckung durch die Europäer

Im 1. Jahrtausend v.Chr. lebten bereits verschiedene Volksstämme auf einigen der Inseln, die heute zu den Föderierten Staaten von Mikronesien gehören. Man vermutet den Ursprung der Völker auf Neuguinea.

Der spanische Seefahrer Francisco Lazeano erforschte als erster Europäer die Inseln, denen er zu Ehren des spanischen Königs Karl II. den Namen Karolinen gab. Nach mehreren erfolglosen Versuchen, die ansässige Bevölkerung zum Christentum zu bekehren, verlor Spanien das Interesse an den Inseln wieder. Erst Ende des 19. Jh.s erneuerte Spanien seinen Anspruch auf die Karolinen wieder in Konkurrenz zu den Vereinigten Staaten von Amerika und dem Deutschen Reich. 1899 verkaufte die spanische Führung die Inseln (zusammen mit der Insel Palau im Westen und den Marianen im Osten) für eine Summe von rund 18 Millionen Goldmark an das Deutsche Reich.

Die beiden Weltkriege

Kurz nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 besetzten japanische Truppen die Karolinen. Fünf Jahre später wurden die Inseln zum Treuhandgebiet des Völkerbundes unter japanischer Verwaltung erklärt. In 20 Jahren kamen mehr als 7 000 japanische Siedler auf die Inseln. Auf den größeren Vulkaninseln, die über fruchtbare Böden verfügten, begann die wirtschaftliche Ausbeutung durch das Anlegen von weitläufigen Zuckerrohrplantagen. Auf den Koralleninseln wurden Kokospalmen angepflanzt zur Gewinnung von Kokosnussöl und Kopra. Auf den Inseln Yap und Pohnpei wurde mit dem Abbau der wenigen vorhandenen Rohstoffe begonnen. 1935 begann Japan mit dem Ausbau von militärischen Stützpunkten auf den Inseln.

Im Zweiten Weltkrieg waren die Karolinen Schauplatz von erbitterten Kämpfen zwischen US-amerikanischen und japanischen Streitkräften. Im Bundesstaat Truk (Chuuk) liegen heute noch in einer Lagune die Wracks von über 60 japanischen Schiffen aus dem Zweiten Weltkrieg, die inzwischen zum historischen Unterwasserdenkmal erklärt wurden.

1944 eroberten die USA die Karolinen, die nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zum UN-Treuhandgebiet unter US-amerikanischer Verwaltung erklärt wurden (gemeinsam mit Palau und den Marianen). In den nächsten Jahrzehnten dienten das Gebiet den USA als Lagerstätte für konventionelle und atomare Waffen. Auf den benachbarten Marshall-Inseln fanden mehrere Atomwaffentests der USA statt.

Unabhängigkeit Mikronesiens

1979 schlossen sich die vier Distrikte Kosrae, Pohnpei, Truk (Chuuk) und Yap zusammen und erklärten als "Föderierte Staaten von Mikronesien" einseitig die Unabhängigkeit. Eine gemeinsame bundesrepublikanische Verfassung, die heute noch in Kraft ist, sah für jeden der vier Staaten ein eigenes Parlament und einen eigenen Gouverneur vor. Sitz des Staatspräsidenten und des Kongresses war auf der Insel Pohnpei.

1986 wurden die Föderierten Staaten von Mikronesien von den USA nach Abschluss eines freien Assoziierungsvertrages anerkannt: Dieser sah die eingeschränkte Souveränität des Staates vor, dessen außenpolitische Interessen durch die USA vertreten wurden. Auch wurde den USA vertraglich die Einrichtung militärischer Basen auf den Inseln zugestanden. Als Gegenleistung erhielt der Inselstaat umfangreiche Wirtschaftshilfe.

Die endgültige Unabhängigkeit erhielten die Föderierten Staaten von Mikronesien im Dezember 1990, als die US-amerikanische Treuhandschaft durch die UNO für aufgelöst erklärt wurde. Staats- und Regierungschef des Landes war seit 1990 Bailey Olter. Auch weiterhin verbindetet ein freier Assoziierungsvertrag die Inseln mit den USA, die die Zuständigkeit für die Verteidigung beibehielten.

1991 wurde der Inselstaat in die UNO aufgenommen. 1997 wurde Jacob Nena neues Staatsoberhaupt, im Mai 1999 übernahm Leo Falcam das Amt des Staatspräsidenten und Regierungschefs. Er setzte die Bemühungen seines Vorgängers fort, durch den Ausbau der Fischerei und des Tourismus die finanzielle Abhängigkeit des Inselstaates von den USA zu reduzieren. Er wurde in seinem Amt 2003 von Joseph J. Urusemal abgelöst. Ihm folgte im Mai 2007 Emanuel (Manny) Mori.