Namibia Geschichte

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    Seit mindestens 6000 v.Chr. lebten auf dem Gebiet des heutigen Namibia Angehörige der San als Sammler und Kleintierjäger. Etwa ab 500 n.Chr. wanderten verschiedene bantusprechende Völker wie z.B. die Damara in das Land ein.

    1486 betrat der portugiesische Seefahrer Diego Cão als erster Europäer bei Kaap Kruis die Küste des heutigen Namibia. Ein aufgestelltes Kreuz markierte den Besitzanspruch Portugals auf dieses Gebiet. Etwa um die gleiche Zeit wanderten von Norden her kommend weitere Völker ein: die Viehzucht und Ackerbau betreibenden Ovambo und Okavango ließen sich überwiegend im Norden nieder, während im Süden die Hirtenvölker der Nama (die zu den Khoi-Khoin gehörten) und Herero lebten. In den Auseinandersetzungen zwischen diesen beiden Völkern konnten sich die Herero durchsetzen, im 18. Jahrhundert mussten sie allerdings ihre Machtposition an die aus dem Süden eingewanderten Orlam abgeben. Die Orlam brachten das Christentum und die Sprache Afrikaans der Buren mit sich.

    Mitte des 19. Jahrhunderts gründete die deutsche "Rheinische Missionsgesellschaft" erste Niederlassungen entlang der namibischen Küste. In der zweiten Hälfte des gleichen Jahrhunderts wanderten die Baster (Nachkommen weißer Väter und schwarzer Mütter) aus Südafrika ein und gründeten an der Stelle einer ehemaligen Mission die Stadt Rehoboth. 1878 nahm Großbritannien die "Walfischbucht" (Walvis Bay) in Besitz und unterstellten sie ihrer Kapkolonie.

    Fünf Jahre später erwarb der deutsche Kaufmann Adolf Lüderitz von den Nama einen rund 150 km breiten Küstenstreifen, der von der Mündung des Oranje-Flusses bis fast hinauf zur Walfischbucht reichte. Ein Jahr später wurde dieses Gebiet als "Deutsch-Südwestafrika" zum deutschen Schutzgebiet erklärt. Verstärkt begann die Besiedelung von weiteren Gebieten durch Deutsche. 1892 wurde das gesamte Gebiet zwischen den Flüssen Kunene im Norden und Oranje im Süden zur deutschen Kolonie erklärt. Die ansässigen Völker wurden unterworfen bzw. vertrieben: Nach den Aufständen der Orlam, Nama und Herero wurden diese in die Wüstengebiete abgedrängt, wo ein großer Teil von ihnen zugrunde ging. Von den rund 80 000 Hereros überlebten schätzungsweise nur 15 000. Die verbleibenden Stämme wurden weitgehend enteignet bzw. es wurde ihnen durch die Wegnahme des Viehs die Lebensgrundlage entzogen.

    Erste Funde von Diamantenfeldern ließen die Kolonie Deutsch-Südwestafrika eine wirtschaftliche Blütezeit erleben. 1914 wurde das Gebiet von den britischen Truppen der Südafrikanischen Union besetzt, nach dem Ende des Ersten Weltkriegs erhielt die Union das Völkerbundsmandat für Deutsch-Südwestafrika. Obwohl die UNO eine Angliederung des Gebietes an Südafrika ablehnte (1946), wurde das Land von dessen Regierung wie ein Teil Südafrikas verwaltet und regiert. Das beinhaltete im Rahmen der strengen Rassentrennungspolitik (Apartheid) u.a. Zwangsumsiedlung der schwarzen Bevölkerung in dafür vorgesehen Reservate (Homelands).

    Ende der 1950er Jahre wurde die sozialistische Befreiungsfront "Southwest African People's Organisation" (SWAPO) gegründet, die für eine Befreiung des Landes von der südafrikanischen Vorherrschaft kämpfte. 1966 wurde Südafrika die Mandatsherrschaft über Südwestafrika durch einen Beschluss der UNO-Generalversammlung entzogen, de facto änderte sich aber nichts an den herrschenden Strukturen. Ab 1968 wurde die Bezeichnung "Namibia" für das ehemalige Südwestafrika eingeführt (nach der Wüste Namib).

    Nachdem die UNO die Anwesenheit Südafrikas in Namibia für illegal erklärt hatte (1971), erkannte sie die SWAPO als legitime Vertretung des namibischen Volkes an (1973). 1975 kam es auf Initiative Südafrikas zur so genannten "Turnhallenkonferenz" in Windhoek, an der Vertreter der elf größten Bevölkerungsgruppen in Namibia teilnahmen und einen Verfassungsentwurf ausarbeiteten, der eine multirassische Übergangsregierung und die Unabhängigkeit des Landes vorsah. Die SWAPO, die inzwischen von Angola aus operierte, war an diesen Gesprächen nicht beteiligt.

    Die 1978 abgehaltenen Wahlen wurden von der SWAPO boykottiert, die gewählte "Demokratische Turnhallenallianz" (DTA) wurde von der UNO nicht anerkannt, ebenso wenig die 1985 gebildete Übergangsregierung der DTA. 1988 stimmte Südafrika im Rahmen eines Friedensabkommens mit Angola und Kuba der Unabhängigkeit Namibias zu (im Gegenzug wurden die kubanischen Truppen aus Angola abgezogen). Bei den Wahlen 1989 zur verfassungsgebenden Versammlung erzielte die SWAPO die absolute Mehrheit. Im gleichen Jahr verließen die letzten südafrikanischen Truppen das Land.

    Im März 1990 wurde die Unabhängigkeit der Republik Namibia ausgerufen. Erster Staatspräsident wurde der SWAPO-Vorsitzende Samuel Nujoma, der gleichzeitig das Amt des Regierungschefs innehatte. In einem Vertrag von 1991 einigten sich Namibia und Südafrika auf eine gemeinsame Nutzung und Verwaltung des einzigen Tiefseehafen Namibias in der Walfischbucht (seit 1878 von Südafrika besetzt). Um die wirtschaftliche Abhängigkeit von Südafrika zu reduzieren, wurde in Namibia 1993 eine eigene Währung eingeführt (Namibia-Dollar). Ein Jahr später wurde Nujoma in seinem Amt als Staatspräsident bestätigt. Per Gesetz wurde die schrittweise Übergabe von Land an schwarze Farmer beschlossen: zu diesem Zeitpunkt waren rund 50 % des Landes in Händen von Weißen, die einen Anteil von rund 6 % an der Gesamtbevölkerung hatten. Doch die von Nujoma verfolgte Politik der "Reconciliation" (Versöhnung) ermöglichte ein weitgehend friedliches Miteinander in Namibia. Bei den Wahlen im Dezember 1999 errang die regierende SWAPO-Partei des amtierenden Präsidenten Nujoma erneut die Mehrheit der Stimmen, Nujoma wurde im März 2000 für eine dritte Amtszeit vereidigt. Für die Wahlen 2004 schlug er Hifikepunye Lucas Pohamba als seinen Nachfolger vor, der ihn 2005 als Präsident und 2007 auch als Parteivorsitzender der SWAPO ablöste. Nujoma und drei hohe SWAPO-Funktionäre wurden Mitte 2007 von Phil ya Nangoloh, Direktor der Nationalen Gesellschaft für Menschenrechte (NSHR), wegen Menschenrechtsverletzungen vor und nach der Unabhängigkeit vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag angeklagt.

    Gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen Anhängern der Parteien SWAPO und RDP prägten die Parlaments- und Präsidentschaftswahlen im November 2009. Die Abstimmungen wurden zwar als fair und frei eingestuft, Unregelmäßigkeiten bei den Auszählungen und die verzögerte Bekanntgabe des Wahlergebnisses lassen daran zweifeln. Zudem wurde der NSHR (Namibische Gesellschaft für Menschenrecht) während des Wahlzeitraums vorübergehend der Beobachterstatus entzogen. Die Präsidentschaftswahlen gewann der Amtsinhaber Hifikepunye Lucas Pohamba mit 75 % der Stimmen und auch bei den Parlamentswahlen konnte die SWAPO mit 74 % eine deutliche Mehrheit erreichen.