Nauru Geschichte

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Inhaltsverzeichnis

Entdeckung durch die Europäer

Die Insel Nauru war bereits im 1. Jahrtausend v.Chr. besiedelt von Menschen, die ursprünglich vermutlich aus Neuguinea stammten. 1798 stieß der britische Seefahrer John Fearn auf die Insel und gab ihr den Namen "Pleasant Island". Die ersten europäischen Siedlungen wurden in den 30er Jahren des 19. Jh.s errichtet von Walfängern, die die Inseln regelmäßig anliefen.

Bis 1888 kam es zu einer Reihe von bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen europäischen Einwanderern und den Einheimischen, die sich ihrerseits untereinander bekämpften. Diese Konflikte wurden erst beendet, als das Deutsche Reich 1888 die Insel seinem Protektorat der Marshall-Inseln angliederte und die Waffen der verschiedenen Parteien beschlagnahmen ließ.

Ende des 19. Jh.s wurden die Phosphat-Vorkommen der Insel entdeckt. Das phosphatreiche Gestein war durch die Einsickerung von Vogelkot in den porösen Untergrund entstanden und als Grundlage für die Herstellung von Düngemitteln besonders wertvoll. 1908 begann der Abbau durch die englische Pacific Phosphate Company in Zusammenarbeit mit der deutschen Jaluit-Gesellschaft.

Die beiden Weltkriege

Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde Nauru von australischen Truppen besetzt. Nach der Niederlage Deutschlands wurde die Insel 1919 Völkermandatsgebiet unter gemeinsamer Verwaltung von Australien, Großbritannien und Neuseeland (im fünfjährigen Wechsel). Der Phosphatabbau wurde von der British Phosphate Commission weiter betrieben, die von den drei Staaten kontrolliert wurde.

1942 wurde Nauru im Rahmen des Zweiten Weltkriegs von japanischen Truppen erobert. Etwa 1 200 Nauruer wurden in japanische Arbeitslager auf den Karolinen verschleppt, wo rund die Hälfte von ihnen den Tod fand. Nach heftigen Kämpfen konnten alliierte Truppen die Insel zurückerobern. 1947 stellte die UNO (als Nachfolgeorganisation des Völkerbundes) Nauru als Treuhandgebiet unter die Verwaltung von Australien.

Die Unabhängigkeit Naurus

Am 31. Januar 1966 erhielt die Insel die innere Autonomie. Es wurde ein Gesetzgebender Rat und ein Ministerrat eingerichtet, dessen Mitglieder von der Bevölkerung gewählt wurden. Genau zwei Jahre später wurde Nauru eine unabhängige Republik im Rahmen des britischen Commonwealth of Nations. Zum ersten Staatspräsidenten der Republik wurde der Häuptling Hammer de Roburt vom Gesetzgebenden Rat gewählt. Er war laut Verfassung gleichzeitig Regierungschef des Landes. Außenpolitisch wurde Nauru zunächst von Australien vertreten.

1970 kaufte die Staatsführung von Nauru für eine Summe von rund 20 Millionen Australischen Dollars sämtliche Rechte für den Phosphatabbau auf der Insel auf, der von nun an in den Händen der staatlichen Nauru Phosphate Corporation lag.

1971 gehörte Nauru gemeinsam mit Australien, Neuseeland, Fidschi, West-Samoa, Papua-Neuguinea und Tonga zu den Gründungsmitgliedern des "Südpazifik-Forums", durch das die wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit der Region verbessert werden sollte.

Von 1976 bis 1978 wurde Bernard Dowiyogo Staatspräsident der Republik, dann wurde erneut Hammer de Roburt gewählt. Er musste 1989 aufgrund eines Misstrauensvotums von seinem Amt zurücktreten, nachdem er unter Korruptionsverdacht geraten war. Bernard Dowiyogo wurde zum zweiten Mal Staatspräsident und Regierungschef von Nauru, zusätzlich übernahm er das Amt des Außenministers.

Die Entwicklung seit 1990

In den 1990er Jahren zeigten sich negative Folgen des extensiv betriebenen Phosphatabbaus, große Teile der Insel glichen einer Mondlandschaft. Auch wurde absehbar, dass die Vorkommen bald erschöpft sein würden. Der 1992 im Amt bestätigte Präsident Bernard Dowiyogo verkündete, eine Rekultivierung des Landes durchführen zu wollen, um landwirtschaftliche Nutzflächen zu erhalten. 1993 verklagte die Regierung von Nauru Australien beim Internationalen Gerichtshof von Den Haag auf Schadensersatz für den Phosphatabbau bis zum Ende der 1960er Jahre. Australien musste 107 Millionen Australische Dollar zur Wiedergutmachung für die entstandenen Umweltschäden an Nauru bezahlen.

Bernard Dowiyogo blieb bis Februar 1997 im Amt des Staatsoberhauptes, sein Nachfolger wurde Kinza Clodumar. Schon nach einem Jahr wurde dieser durch René Harris als neuem Staatspräsident, Regierungschef und Außenminister abgelöst. Im September 1999 wurde Nauru Mitglied der Vereinten Nationen (UN). Bereits im April 2000 kam es zu einem erneuten Regierungswechsel: Bernard Dowiyogo wurde zum dritten Mal zum Staatsoberhaupt gewählt. Doch auch seine Amtszeit währte diesmal nicht lange: Ein Misstrauensvotum gegen ihn führte im März 2001 zu seinem Sturz und zur Wiederwahl von René Harris. Auch in den darauf folgenden Jahren änderte sich die Führung des Landes häufig; nach einem Misstrauensvotum 2004 wurde Ludwig Scotty Staatspräsident. Seine Reformpolitik wurde zwar von den Wählern bei den Parlamentswahlen Mitte 2007 bestätigt, infolge einer Regierungskrise wegen Korruptionsvorwürfen gegen Außen- und Finanzminister David Adeang musste Scotty jedoch nach einem verlorenen Misstrauensvotum sein Amt aufgeben. Im Dezember 2007 wurde eine neue Regierung unter Marcus Stephen vereidigt. Nach fortwährenden Machtkämpfen zwischen Präsident Stephen und dem Vorsitzenden der Opposition Adeang löste Stephen im April 2008 das Parlament auf. Bei den folgenden Neuwahlen konnte sich die Regierung eine solide Mehrheit im Parlament verschaffen.

Im Februar 2010 musste sich Marcus Stephen einem Misstrauensvotum stellen, welches er aber mit einer knappen Mehrheit gewann. Dieser Sieg wurde mit der Abwesenheit des oppositionellen Abgeordneten David Adeang begründet, der im Nachhinein behauptete am Betreten des Parlaments durch Polizisten gehindert worden zu sein. Aufgrund der Ankündigung eines erneuten Misstrauenvotums löste Marcus Stephen das Parlament im März 2010 auf und zog die für 2011 vorgesehenen Neuwahlen vor. Diese führten jedoch auch nach mehreren Wahldurchgängen zu einer Pattsituation: die 18 Sitze verteilten sich zu gleichen Teilen. Am 12. Juni rief der Präsident den Notstand aus und löste das Parlament nochmals auf. Neuwahlen am 19. Juni führten wiederum zu einer Gleichverteilung zwischen Anhängern und Gegnern des Präsidenten. Marcus Stephen schlug daraufhin eine Erhöhung der Parlamentsmandate auf 19 vor. Nach dem Rücktritt Stephens folgten Frederick Pitcher (für nur fünf Tage), Sprent Dabwido und schließlich im Juni 2013 der aktuelle Präsident Baron Waqa.

Alle Regierungen der Republik sahen sich mit dem Problem konfrontiert, dass die Haupteinnahmequelle der Insel (Phosphat) in absehbarer Zeit versiegen würde. Um ausländische Investoren auf die Insel zu holen, wurden Steuervorteile gewährt, die dazu führten, dass die Republik auf der so genannten "Schwarzen Liste" der OECD (Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) auftauchte als eines der Länder, denen Geldwäsche und/oder unlautere Steuerpolitik vorgeworfen wurden. Das Pro-Kopf-Einkommen der Bewohner Naurus – noch in den 1990ern einer der reichsten Staaten der Erde – liegt inzwischen ähnlich niedrig wie bei den umliegenden Pazifikstaaten.

Seit 2002 wurden auf Basis einer Vereinbarung mit Australien Flüchtlinge in Nauru interniert, was für Nauru eine lukrative Einnahmequelle darstellte. Nach einem Regierungswechsel in Australien wurde das Lager 2008 geschlossen, allerdings 2012 wiedereröffnet.