Nepal Geschichte

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Frühzeit bis Mittelalter

Um 1000 v.Chr. lebten in den nördlichen Regionen des heutigen Nepal Volksgruppen, die von Norden her ins Land kamen, während im Süden Völker indo-arischer Abstammung lebten. Um 560 v.Chr. wurde in Kapilawastu im Südwesten des heutigen Nepal Prinz Siddhartha Gautama geboren, der als Buddha weltberühmt wurde. Er reiste als Prediger der "vier edlen Wahrheiten" durch das Land, nach seinem Tode um 480 v.Chr. verbreiteten seine Anhänger seine Botschaft weiter.

Im 3. Jahrhundert v.Chr. stand das Gebiet unter Kontrolle der indischen Maurja-Dynastie, die fast den gesamten indischen Subkontinent beherrschte und deren Herrscher Anhänger des Buddhismus waren. In den ersten Jahrhunderten nach Christus übernahm die hinduistische Liccavi-Dynastie, die aus Nordindien stammte, die Herrschaft über das Kathmandu-Tal. 725 n.Chr. wurde Kathmandu, die Hauptstadt des heutigen Nepal, gegründet. Ab dem 9. Jahrhundert lenkte die eng mit Tibet verbundene Thakurie-Dynastie die Geschicke des Landes.

Unter der Malla-Dynastie, die zwischenzeitlich unter die Oberhoheit des islamischen Sultanats Delhi geriet, wurde der Hinduismus die beherrschende Religion im Land und das Kastensystem eingeführt. Nach dem Tod des Königs Yaksa Malla 1482 wurde das Reich aufgeteilt in mehrere Kleinkönigreiche, neben denen weitere Fürstentümer entstanden, die sich in den nächsten Jahrhunderten immer wieder bekriegten.

Eines dieser Kleinreiche war das Reich der Gurkha, eine Volksgruppe aus mehreren Ethnien, deren Mitglieder Nachkommen von Rajputen waren, die im 13. Jahrhundert aus Indien geflohenen waren. 1768 gelang es Prithvi Narayana Shah (die Schah-Dynastie regierte das Reich der Gurkhas seit 1559) nach jahrzehntelangen Kämpfen, zahlreiche Fürstentümer zum Königreich Nepal mit der Hauptstadt Kathmandu zu vereinigen.

Kolonialzeit

Nach kriegerischen Auseinandersetzungen um die Vorherrschaft im Terai mit Großbritannien (Gurkha-Krieg, 1814-16), das zu diesem Zeitpunkt den Großteil des indischen Subkontinents kontrollierte, wurde Nepal britisches Protektorat: Großbritannien verpflichtete sich, die Shah-Dynastie und die Grenzen Nepals zu akzeptieren, auf der anderen Seite musste Nepal einen ständigen Vertreter Großbritanniens in ihrer Hauptstadt akzeptieren und einige Gebiete an die britische Ostindien-Kompanie abgeben. Dieser Status führte innerhalb Nepals zu einer Aufsplitterung in pro- und antibritische Gruppierungen.

1846 wurde die bis dahin herrschende Shah-Dynastie durch die pro-britische Adelsfamilie Rana entmachtet (Khot-Massaker), bis 1951 herrschten die Angehörigen des Rana-Clans über Nepal. Die zu dieser Zeit herrschenden Könige waren quasi Gefangene in ihrem Palast und hatten nur noch repräsentative Aufgaben. Die Thronfolger wurden jeweils mit einer Rana-Tochter verheiratet.

Als Eliteeinheiten ausgebildete Gurkha-Truppen unterstützten Großbritannien bei der Niederschlagung des Großen Aufstandes in Indien 1857/58 und kämpften als Söldner im Ersten und Zweiten Weltkrieg an der Seite britischer Truppen. Im Gegenzug garantierte Großbritannien die Souveränität Nepals, das Land wurde nicht zur Kolonie.

Unabhängigkeit

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Rana-Regime von nepalesischen Oppositionellen, die in Indien lebten (Nepalesische Kongresspartei, NCP), gestürzt. König Tribhuvan Bir Bikram Shah, der 1950 nach Indien geflohen war (Indien hatte sich 1947 seine Unabhängigkeit von Großbritannien erkämpft), kehrte nach Nepal zurück und proklamierte die konstitutionelle Monarchie als Staatsform des Landes. Gleichzeitig hob er das Kastensystem auf und leitete die Öffnung und Demokratisierung des Landes ein. 1955 wurde Nepal Mitglied der Vereinten Nationen. 1959 wurde eine Verfassung verabschiedet, die Nepalesische Kongresspartei (NCP) gewann die ersten freien Wahlen.

Anfang der 60er Jahre wurden sämtliche Demokratiebewegungen in Nepal auf einen Schlag wieder beendet: König Mahendra Bir Bikram Shah verbot alle Parteien, setzte die Verfassung von 1959 außer Kraft und erließ 1962 eine neue, in der ein parteienloses Rätesystem (Panchayat-System) eingeführt wurde, das dem König wieder zu mehr Macht verhalf. Hintergrund für diese Maßnahmen war die Befürchtung, dass durch die indienorientierte Kongresspartei das Land indisches Protektorat werden könnte.

Anfang der 80er Jahre sah sich der König auf Grund einer erstarkenden Oppositionsbewegung im Land und zahlreichen Unruhen gezwungen, über das Rätesystem eine Volksabstimmung herbeizuführen, die überraschenderweise das System bestätigte. Erst 1990 wurde die Demokratiebewegung von einer so großen Mehrheit getragen, dass das Parteienverbot aufgehoben wurde und eine neue Verfassung den Staat in eine parlamentarische Monarchie umwandelte mit eingeschränkter Macht des Königs. Die Wahlen 1991 gewann die Nepalesische Kongresspartei (NCP). Als zweitstärkste politische Kraft kristallisierte sich ein kommunistisches Parteienbündnis (Communist Party of Nepal/ United Marxist-Leninists, CPN-UML) heraus, daneben existierte eine Vielzahl weiterer Parteien, was zu innenpolitischer Instabilität führte.

Zwischen 1991 und 1999 regierten immer wieder verschiedene Koalitionen, unter ihnen eine Regierung unter Führung des Kommunisten Man Mohan Adhikari (November 1994 bis November 1995). Ab Mitte der 1990er Jahre versuchten Rebellen der "Kommunistische Partei Nepals - Maoisten" (CPN-M; auch kurz Maoisten genannt), durch Anschläge eine Landreform zugunsten der landlosen Bauern zu erzwingen. Im Juni 2001 kam es im nepalesischen Königshaus zu einem Massaker, bei dem König Birendra und ein Großteil seiner Familie ums Leben kamen, angeblich durch einen Amoklauf des Kronprinzen Dipendra.

Als Nachfolger wurde der jüngere Bruder des Königs, Gyanendra Bir Bikram Shah Dev, inthronisiert, der als konservativ und reformfeindlich galt. Der neue König wurde von den Maoisten heftig angefeindet, immer wieder kam es zu Anschlägen, die sich nicht gegen die Zivilbevölkerung richteten, sondern gezielt gegen Vertreter des Staatsapparates. Im Mai 2002 löste König Gyanendra das Parlament auf. Anfang Februar 2005 ergriff er mit einem Militärputsch endgültig die Macht in Nepal und verhängte den Ausnahmezustand. Nach Massenprotesten übertrug er die Ausübung der Exekutive jedoch wieder an eine Regierung der sieben parlamentarischen Parteien und setzte das Parlament wieder ein. Schließlich wurde der Bürgerkrieg im November 2006 mit zwei Abkommen beendet.

Anfang 2007 wurde eine Übergangsverfassung verabschiedet und ein Übergangsparlament (mit Beteiligung von Maoisten), im April 2007 eine Übergangsregierung eingesetzt (ebenfalls mit Maoistenbeteiligung). Mit der Abstimmung im Parlament vom 28. Dezember 2007 wurden die Abschaffung der Monarchie und der Übergang zu einer "demokratischen Bundesrepublik" beschlossen. Im April 2008 fanden die Wahlen zur verfassunggebenden Versammlung statt, die gleichzeitig das Parlament darstellt. Dabei wurde die Partei der Maoisten mit etwa 29 % der Stimmen die stärkste Partei; da sie aber die absolute Mehrheit verfehlte, wurde die Bildung einer Koalitionsregierung notwendig. Seit 28. Mai 2008 ist Nepal eine Demokratische Bundesrepublik.

Mit der ergebnislosen Auflösung dieser ersten Verfassungsgebenden Versammlung im Mai 2012 begann eine innenpolitische Krise, die erst im März 2013 mit der Ernennung einer Übergangsregierung ihr Ende fand. Neuwahlen zu einer zweiten verfassungsgebenden Versammlung fanden im November 2013 statt. Die Maoisten hatten dabei große Verluste zu verbuchen.