Niederlande (Wirtschaft)
Aus Länder-Lexikon.de
Mit einem durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommen von über 25 300 Euro (2003) sind die Niederlande ein sehr wohlhabendes Land, obwohl außer Erdgas und geringen Erdölvorkommen nur sehr wenige Bodenschätze vorhanden sind. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs entwickelte sich neben der traditionell starken Landwirtschaft ein leistungsfähiger und breit gestreuter Industriesektor. Seit dem Ausbau des Großhafens Europoort 1958 ist Rotterdam der weltweit größte Warenumschlagplatz, an dem auch die Erdöl-Supertanker entladen werden können. Wichtigste Handelspartner der Niederlande sind vor allem die Länder der Europäischen Union, aus denen rund zwei Drittel der Importe kommen bzw. in die rund drei Viertel der Exporte gehen. Importiert werden vor allem Maschinen, chemische Erzeugnisse, Nahrungsmittel und Erdöl, zu den wichtigsten Exportartikeln gehören neben landwirtschaftlichen Produkten Transportmittel, Lebendvieh, Tabak und Erdgas; der Handel findet vor allem mit anderen EU-Staaten sowie mit den USA statt. In den letzten Jahren hat sich das Wirtschaftswachstum deutlich verlangsamt; 2005 belief es sich nur noch auf geschätzte 1,1 %.
Heute arbeiten nur noch 2,1 % aller Erwerbstätigen in der stark technologisierten Landwirtschaft. Rund zwei Drittel der Landesfläche werden agrarisch genutzt, angebaut werden auf Freiflächen oder auch in großen Treibhäusern vor allem Kartoffeln, Getreide, Gemüse wie Tomaten, Gurken und Paprika und Gartenbauprodukte. Die Tulpe, Aushängeschild des niederländischen Gartenbaus, wurde im 16. Jahrhundert von Asien nach Holland eingeführt, inzwischen gibt es über 6 000 verschiedene Tulpenarten.
Bedeutend in der Landwirtschaft sind die Milch- und Molkereiprodukte, über die Landesgrenzen hinaus bekannt ist der holländische Käse. Hering, Scholle, Makrele, Kabeljau und Dorsch gehören zu den wichtigsten Fangfischen, auch Muscheln spielen eine Rolle in der Fischerei.
Ein Viertel des Bruttoinlandsprodukts werden durch industrielle Betriebe erwirtschaftet. Die umsatzstärksten Betriebe gehören zur Nahrungsmittel-, Elektro-, chemischen und zur Erdgas- und Erdölindustrie. Die Erdölverarbeitung konzentriert sich auf den Raum Rotterdam, nur ein kleiner Teil des Rohstoffs stammt aus eigenen Vorkommen. Mangels eigener Rohstoffe ist die Metall verarbeitende Industrie nur mäßig entwickelt, der Bedarf wird durch Rohstoffe aus Übersee, die nur teilweise im eigenen Land verarbeitet werden, gedeckt.
Die hohe Arbeitslosigkeit der 1980er Jahren konnte überwunden werden; inzwischen steigen die Zahlen jedoch wieder an (2006 auf 3,9 %).
Das Verkehrsnetz ist sehr gut ausgebaut, für den Warentransport stehen rund 125 000 km Straße, 2 800 km Schienen und etwa 5 000 km schiffbare Wasserwege zur Verfügung.
Währung ist der Euro.