Nikosia

    Aus Länder-Lexikon.de


    türkisch: Lefkosa, griechisch: Lefkosia;

    Die Stadt im Zentrum der Mittelmeerinsel Zypern hat knapp 280 000 Einwohner. Seit 1974 verläuft durch Nikosia die Grenze zwischen dem griechisch-zypriotischen und dem türkisch-zypriotischen Teilstaat. Nikosia ist in seiner Gesamtheit völkerrechtlich die Hauptstadt der Republik Zypern. Der Nordteil ist jedoch zudem de facto Hauptstadt der Türkischen Republik Nordzypern. Hier leben etwa 55 500 der Einwohner.

    Nikosia ist eine Erzdiözese. In der Stadt gibt es mehrere Universitäten. Bedeutend ist die Textil- und Lederindustrie. Im Nordteil befindet sich der Flughafen Ercan, für den Südteil wird der Flughafen Larnaka genutzt.

    Kunst und Kultur

    Das Zypernmuseum bietet dem Besucher ein Bild der Kulturgeschichte Zyperns. Mehr als 150 christliche Ikonen können im Ikonenmuseum besichtigt werden.

    Die Altstadt Nikosias wird von einer venezianischen Stadtmauer (16. Jahrhundert) umschlossen. Die Festungsmauer verfügt über elf Bastionen, die noch erhalten sind.

    Faneromeni-Kirche

    Im Südteil von Nikosia gibt es zahlreiche orthodoxe Kirchen. Die größte unter ihnen ist die Faneromeni-Kirche. Erwähnenswert ist auch die Johannes-Kathedrale (17. Jahrhundert).

    Im türkischen Norden ist mit der Karawanserei Büyük Han das wahrscheinlich älteste türkische Gebäude der gesamten Stadt zu finden. Interessant ist auch der zentrale Atatürk-Platz. Die Selimiye-Moschee wurde ursprünglich im 13. Jahrhundert als Sophienkathedrale erbaut, 1571 dann aber von den Türken in ein muslimisches Gotteshaus umgewandelt. Die Bibliothek des Sultans Mahmud II. beherbergt eine große Sammlung islamischer Schriftstücke.

    Geschichte

    Nikosia ist seit dem 7. Jahrhundert v.Chr. nachgewiesen. Im 4. Jahrhundert n.Chr. wurde die Stadt Bischofssitz. In der Zeit der Araber-Einfälle (648 bis 965) flüchteten viele Byzantiner aus den Küstenregionen in das Landesinnere und ernannten Nikosia zur Landeshauptstadt.

    Die größte Blütezeit erlebte Nikosia während der Lusignan-Zeit (1192 bis 1489): Nikosia wurde Sitz der Lusignan-Könige. Später wurde die Stadt durch Genuesen und Mamelucken geplündert und zerstört, doch die Grundsubstanz blieb erhalten.

    Als die Venezianer in Nikosia siedelten, errichteten sie von 1567 bis 1570 einen festungsartigen Stadtwall, um sich der türkischen Angriffe erwehren zu können. Dennoch gelang es den Türken, 1570 die Stadt einzunehmen. Unter ihrer Herrschaft veränderte sich das Stadtbild: Kathedralen und Kirchen wurden zu Moscheen umgewandelt, es entstanden Basare und Karawansereien. 1878 verpachtete das Osmanische Reich die Insel Zypern an Großbritannien. 1925 wurde die Insel britische Kronkolonie. 1960 wurde Zypern unabhängig.

    Im Juli 1974 kam es zu einem von der Athener Militärjunta gestützten Putsch auf Zypern gegen den amtierenden Präsidenten Makários, der sich für ein selbstständiges und geeintes Zypern ausgesprochen hatte. Als Nachfolger von Makários wurde Nikos Samson eingesetzt, der den Anschluss der Insel an Griechenland forderte. Nur wenige Tage später landeten türkische Truppen im Norden Zyperns und brachten den ganzen Nordosten unter ihre Kontrolle. Seitdem ist Zypern de facto zweigeteilt, wobei die Grenzlinie mitten durch die Nikosia verläuft.