Nordamerika (Geschichte)

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Vorkolumbische Geschichte

Amerika ist vermutlich ursprünglich ein "menschenleerer" Kontinent gewesen. Erste Einwanderung (Jäger und Sammler) aus dem asiatischen Sibirien über die damals noch festländische oder vereiste Beringstraße ist seit etwa 15 000 v.Chr. (vielleicht schon früher) nachweisbar. Es gab auch Einwanderung über den Stillen Ozean, von Südasien her, über die pazifische Inselwelt. Kulturstufe der Mittelsteinzeit vermutlich seit 10 000 bis 2500 v.Chr.; früheste bekannte Menschenfunde: Fischgrätenhöhle bei Reno (Nevada) um 9500 v.Chr. und Santa-Rosa-Insel (kalifornische Küste) um 8000 v.Chr.; allmählicher Übergang zu sesshafter Lebensweise (steinzeitliche Talkulturen, Anfänge der Keramik), Besiedlung des ganzen Doppelkontinents bis Südpatagonien. Weitere Einwanderungswellen aus Südostasien über den Stillen Ozean, beginnend wahrscheinlich gegen Ende des 3. Jh.s v.Chr. Auch weiterhin Einsickern nomadisierender Jägervölker aus Sibirien, die aber meist im Norden des Kontinents blieben. Jäger, Sammler und Pflanzer entwickelten Hochkulturen, besonders in Mittelamerika und im Hochland von Peru. Aufnahme des Landbaus, später vor allem Maiskultur. Kulturzentrum war Mexiko mit der Teotihuacan-Kultur, davon stark beeinflusst das Reich der aus Nordamerika in Mexiko einbrechenden Tolteken (5./6. Jh. n.Chr.) und die Mayastaaten in Guatemala, San Salvador und auf der Halbinsel Yucatán. Im 13./15. Jh. n.Chr. bildete sich auf dem mexikanischen Hochland das Reich der kriegerischen Azteken, der Nachfolger der Tolteken. In Peru seit 1200 das Inkareich, Höhepunkt im 15. Jh. n.Chr.

Entdeckungsgeschichte vor Kolumbus

Um 1000 landeten zum ersten Male Europäer an der Atlantikküste Amerikas: 981 Entdeckung Grönlands durch den Wikinger Erik den Roten; 985 n.Chr. sichtete der Isländer Bjarni, durch Stürme vom Kurs nach dem von Erik dem Roten besiedelten Grönland abgetrieben, die Küste von Nordamerika; Leif, der Sohn Eriks, und dessen Bruder landeten in "Helluland" (wahrscheinlich Labrador), "Markland" (wahrscheinlich Neuschottland oder Neufundland) und "Vinland hit goda" = das gute Weinland, d.h. wahrscheinlich südlich des St.-Lorenz-Golfs. Daueransiedlung aber durch Indianerüberfälle unmöglich, immerhin noch Schiffsverbindung bis zum 14. Jh.; später Kenntnisse von Amerika in Europa bis Kolumbus fast ganz verloren gegangen.

Kolumbus und nachkolumbische Geschichte

1497/98 erreichte der Venezianer Caboto Neufundland, die Cap-Breton-Insel, den St.-Lorenz-Golf bis zur Hudsonmündung; 1513 landete Juan Ponce de Leon in Florida. 1517 durchforschte Hernandez de Cordoba Yucatán (Maya-Kultur).

Den Entdeckungen folgten Eroberungen, Zeit der Konquistadoren: Nach der Erkundung der mexikanischen Küste (1518) wurde 1519 bis 1521 Mexiko von Cortes erobert, die Kulturen der Azteken wurden vernichtet. Weitere Erfolge der Entdeckungsfahrten: Um eine Nordwestpassage zu erschließen, fuhr Frobisher 1576-1578 entlang der Küste Labradors bis zur Hudsonbai, fand John Davis 1585-1587 die nach ihm benannte Davisstraße (zwischen Grönland und Baffinsland); 1607 gelang Hudson die nordöstliche Einfahrt in das Polarmeer zwischen Spitzbergen und Grönland; 1725-1728 segelte Vitus Bering östlich durch die nach ihm benannte polare Meeresstraße, die Amerika von Asien trennt.

Erst im 16./17. Jh. traten England und Frankreich in der Neuen Welt als Kolonisatoren auf, Frankreich in Kanada und im Mississippi-Gebiet, England an der Atlantikküste, wo die "Neuenglandstaaten" entstanden; erste englische Kolonie Virginia (1607), Landung der Mayflower in Plymouth (1620); Neuenglandkolonien: Massachusetts (1630), Providence und Rhode Island, Connecticut, New Maren, New Hampshire, Maine, New Jersey, Pennsylvania, Maryland, Carolina und Georgia. Frankreich machte schon im 16. Jh. Versuche mit kolonialen Niederlassungen, die sich indes nicht hielten: 1541 Cartiers Kolonie bei Quebec, Colignys Hugenottensiedlung in Florida. Im Zuge der Kolonialpolitik Richelieus mehrere Gründungen: Port Royal in Akadien (1604), Quebec, Three Rivers und Montreal in Kanada (in der ersten Hälfte des 17. Jh.s); 1682 das große Gebiet beiderseits des Mississippi: Louisiana; ferner Handelsplätze auf Martinique, Guadeloupe und Barthelemy. Die Niederlande gründeten 1626 auf der Insel Manhattan Neu-Amsterdam (später New York). Die Rivalität zwischen England und Frankreich verursachte dauernde Kämpfe auch im kolonialen Amerika: 1629 Kanada vorübergehend in englischem Besitz, im Utrechter Frieden 1713 verlor Frankreich Akadien, Neufundland und die Hudsonbai an England. Die Entscheidung fiel im Kolonialkrieg, gleichzeitig mit dem Siebenjährigen Krieg, aus dem England siegreich als größte Kolonialmacht hervorging: Die französischen Truppen, vom Mutterland nicht genügend unterstützt, unterlagen den englischen; 1759 Eroberung Quebecs nach einem nächtlichen Überraschungsangriff des englischen Heeres. Der Friede von Paris (1763) sprach Kanada den Engländern zu, Louisiana wurde spanisch. 12 Jahre später Aufstand der 13 englischen Kolonien 1775, der zum Krieg mit dem Mutterland (Unabhängigkeitskrieg) und zur Gründung der Vereinigten Staaten von Nordamerika führte. Nur Kanada blieb britische Kolonie. In der ersten Hälfte des 19. Jh.s machte sich auch das spanische und portugiesische Südamerika unabhängig: Entstehung der selbstständigen Staaten Lateinamerikas. Die europäische Kolonialpolitik auf dem amerikanischen Kontinent war damit bis auf kleine Reste beendet.

Die machtpolitische Überlegenheit der Vereinigten Staaten von Nordamerika (USA) beherrschte von jetzt ab (wirtschaftlich und in zweiter Linie erst politisch) den Doppelkontinent: bis 1927 in der Form des Imperialismus, dann durch eine Politik des "guten Nachbarn" weiter auf dem Weg einer staatlichen "Dollardiplomatie". Im Zweiten Weltkrieg traten fast alle lateinamerikanischen Staaten an der Seite der Vereinigten Staaten in den Krieg. 1948 entstand in Bogotá unter der Führung der USA die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS).