Oman Geschichte

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    Vermutlich war das Gebiet des heutigen Oman schon in der Steinzeit besiedelt. Schon bevor das Gebiet um 630 islamisiert wurde, handelten die ansässigen Beduinenstämme mit Kupfer und Weihrauch. Der westliche Teil des Landes (Provinz Dhofar) gehörte zum Herrschaftsbereich der Sabäer.

    Nach der ersten Spaltung des Islam ab 657 wurde das heutige Sultanat Oman Rückzugsgebiet für die Anhänger des Ibadismus, einer Sonderform des Islam. Namensgeber war der Gründer dieser Bewegung, Abdulla bin Ibadh, der im 7. Jh. in Persien gegen die Verweltlichung des Islam und für die Rückbesinnung auf islamische Traditionen kämpfte. Trotz enger Orientierung am Koran blieben die Ibaditen relativ tolerant gegenüber Andersgläubigen. Der Imam der Ibaditen wurde von der Glaubensgemeinschaft im Land gewählt und konnte von diesen unter bestimmten Voraussetzungen auch wieder abgewählt werden. Im 9. Jh. gründeten die Ibaditen auf dem Gebiet des heutigen Oman ein eigenes Reich (Imamat), das im Laufe der nächsten Jahrhunderte eine bedeutende Handelsmacht im arabischen Raum wurde.

    1509 wurden die Stadt Maskat am Golf von Oman und mehrere andere Hafenstädte vom portugiesischen Seefahrer Alfonso de Albuquerque erobert. Im 17. Jh. gelang es dem Stamm der Jaruba, die verfeindeten Stämme Omans zu vereinen und mit gemeinsamen Kräften die Portugiesen aus dem Land zu vertreiben. Es gelang ihnen sogar, Besitzungen der Portugiesen in Ostafrika einzunehmen.

    Nach der Jaruba-Dynastie folgte gegen Mitte des 18. Jh.s die bis heute herrschende Said-Dynastie. In der ersten Hälfte des 19. Jh.s erreichte das Imamat den Höhepunkt seiner Macht, das Gebiet umfasste weite Teile der Küste Persiens und Gebiete an der Ostküste Afrikas. Die Insel Sansibar war sogar zeitweise Sitz der Residenz des Sultans von Oman. Maskat und Suhar waren bedeutende Zentren des Karawanen- und Seehandels mit Afrika, Indien und Persien. Gehandelt wurde vor allem mit Gewürzen und Sklaven aus Afrika. 1856 wurde Oman in das Sultanat Muskat und das Sultanat Sansibar geteilt.

    Seit dem Beginn des 19. Jh.s begann die europäische Großmacht Großbritannien ihren Einfluss am Persischen Golf auszuweiten. Bereits um 1800 wurden erste Verträge zwischen dem Oman und der Britisch-Ostindischen-Kompanie geschlossen, 1890 schloss der Sultan von Maskat erneut einen Schutzvertrag mit den Briten. Das Land blieb formell souverän, stand jedoch immer mehr unter dem Einfluss Großbritanniens. Mit Hilfe britischer Truppen gelang es dem Sultan Said Ibn Taimur, das 1913 von Bergstämmen im Landesinneren gegründete Ibaditen-Imamat zu besetzen, den Imam zu vertreiben und sich selbst zum religiösen Oberhaupt des Landes zu ernennen. Im Friedensvertrag von Seeb (1920) wurde festgelegt, dass der Sultan künftig die weltliche, der Imam die religiöse Macht im Land innehaben sollte.

    Durch die Eröffnung des Suezkanals 1896 und das Aufkommen der ersten europäischen Dampfschiffe, die den arabischen Segelschiffen weit überlegen waren, verlor der Oman als Seehandelsmacht an Bedeutung. Mitte des 20. Jh.s wurde in der Provinz Dhofar Erdöl gefunden, und dank des rasch florierenden Erdölexports stieg Oman rasch zu einem der wohlhabendsten Länder weltweit auf.

    Unter der extrem konservativen Regierung von Sultan Said Ibn Taimur, der eine Modernisierung des Landes abwehrte, blieb Oman trotz seines neuerworbenen Reichtums ein rückständiges Land: Die Sklaverei wurde aufrechterhalten, das Schulsystem war von Koranschulen geprägt (es existierten nur wenige Grundschulen, die nur von Knaben besucht werden durften und an denen Fremdsprachen streng verboten waren), das öffentliche Leben blieb stark eingeschränkt, landesweit gab es kaum Elektrizität. Mitte der 60er Jahre gab es gegen diese restriktive Politik erstmals interne Aufstände, 1970 wurde der amtierende Sultan von seinem Sohn Quabus Ibn Said (Ibn Taimur al-Said) in einem unblutigen Staatsstreich mit Hilfe englischer Offiziere abgesetzt. Der neue Sultan, der eine Ausbildung in Großbritannien absolviert hatte, öffnete das Land gegenüber Einflüssen von außen und modernisierte es. Zu seinen ersten Maßnahmen gehörte die Abschaffung der Sklaverei, die Aufhebung der Ausgangs- und Ausreisebeschränkungen und die Gleichstellung von Mann und Frau im öffentlichen Leben. Unangetastet blieb die Staatsform der Monarchie ohne Parlament und ohne politische Parteien und die Wahrung des Islam als Staatsreligion.

    Binnen kurzer Zeit wandelte sich das Land hin zu einem modernen Wohlfahrtsstaat mit gut ausgebauter Infrastruktur und Sozial-, Gesundheits- und Bildungssystem. Gleichzeitig löste sich das Land vom britischen Einfluss, erhielt jedoch weiterhin gute Beziehungen zu den westlichen Ländern aufrecht. 1971 zog sich Großbritannien aus der Golfregion zurück. Oman trat sowohl der UNO als auch der Arabischen Liga bei, einer 1945 in Kairo gegründeten Organisation, die die wirtschaftliche, politische und militärische Zusammenarbeit der arabischen Länder verbessern sollte. Innenpolitisch hatte sich der Sultan mit kommunistisch-orientierten Gruppierungen ("Volksfront zur Befreiung Omans und des Arabischen Golfs", FPLOGA; ab 1974 nur noch PLFO) in der Provinz Dhofar auseinanderzusetzen, die von Süd-Jemen und anderen Ländern unterstützt wurden. Endgültig konnte der Konflikt erst Anfang der 80er Jahre beigelegt werden.

    Nachdem Ende der 1970er Jahre der Fundamentalismus seinen Siegeszug im Iran angetreten hatte und der erste Golfkrieg zwischen Iran und Irak ausgebrochen war (bis 1988), schloss Oman einen Beistandspakt mit den USA und genehmigte einen Militärstützpunkt auf der Insel Masirah (vor der Südostküste Omans gelegen). 1981 wurde Oman Mitglied im Rat der Golfstaaten, in dem die Wirtschaft und die Verteidigung der Region koordiniert werden sollte. 2009 trat Sultan Qaboos bin Said Al Said für drei Tage seinen ersten Staatsbesuch seit 1979 in Iran an.

    Im zweiten Golfkrieg (1990/91) schloss sich das Land der anti-irakischen Koalition an. Im gleichen Jahr gründete der Sultan eine nationale Versammlung ("Madjlis al-Shura"), die nur beratende Funktion hat. Für die Madjlis al-Shura wurde 2002 das allgemeine Wahlrecht eingeführt; die ersten allgemeinen Wahlen fanden 2003 statt. 1996 erließ der Sultan erstmals eine verfassungsmäßige Ordnung ("Basic Law of the State"). 1997 wurde mit dem Nationalen Rat (Majlis al-Dawla) eine zweite parlamentarische Kammer geschaffen, die die Regierung und die Madjlis al-Shura berät und deren Mitglieder ernannt werden. Seit den 1990er Jahren versucht die Führung Omans, die Wirtschaft des Landes vom Erdölexport unabhängig zu machen und zu diversifizieren (voraussichtlich sind die Erdölreserven des Landes um 2020 erschöpft). Mit staatlicher Förderung begann der intensive Ausbau von Landwirtschaft, Fischerei, der Montanindustrie und des Dienstleistungssektors.