Paris

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an der Seine gelegene Hauptstadt von Frankreich, Departement 75. Die eigentliche Stadt hat 2,16 Millionen Einwohner, Großparis sogar 11,3 Millionen. Paris ist Sitz der Regierung, der Nationalversammlung, des Senates, aller Ministerien und zahlreicher internationaler Organisationen. Es gibt eine U-Bahn (Métro) und mehrere Flughäfen (Orly, Le Bourget, Paris-Nord). Paris ist Standort für viele Industrien (Mode-, Luxus-, Kunstartikel, Schmuck- und Parfümwaren, Porzellanindustrie; in den Vororten Auto- und Flugzeugbau, Filmindustrie).

Kunst und Kultur

Die Sorbonne-Universität in Paris

Um 1200 begann die Entwicklung der Universität (Sorbonne, in enger Anlehnung an die Mittelmeerkultur). 1660 wurde die alte Stadtmauer abgetragen und auf ihr der Ring der "Großen Boulevards" errichtet. 1784-91 und 1841 bis 45 erfolgte der Bau neuer Stadtbefestigungen. Zeitweilig war Paris die größte Festungsstadt der Erde. Es erfolgte ein weiterer großzügiger Ausbau der Stadt unter Napoleon I. (bis 1814) und Napoleon III. (Stadtpräfekt Baron Haussmann, 1853-70), wobei das mittelalterliche Stadtbild zu Gunsten von Repräsentativbauten, Straßen- und Platzanlagen vernichtet wurde.

Die Kathedrale »Notre Dame« in Paris

Kern der Stadt ist die Cité-Insel mit der Kathedrale Notre Dame de Paris, dem Justizpalast und Sainte-Chapelle (ein Werk der Hochgotik, zweigeschossig, 1248 geweiht, mit berühmten Glasfenstern des 13. Jh.s). Wahrzeichen der Stadt ist der Eiffelturm (für die Pariser Weltausstellung 1889 erbaut). Im nördlichen Stadtteil befinden sich Rathaus, Louvre, die Champs-Élysées (seit 1828 ausgebaut) und die Opéra. Noch weiter nördlich findet sich der Montmartre mit der Basilika Sacré-Cœur (geweiht 1913). Südlich der Seine liegt das Quartier Latin mit der Universität (Sorbonne) und anderen Hochschulen, dem Panthéon und dem Palais du Luxembourg. Hier liegen auch das Künstlerviertel Montparnasse, der Invalidendom und das Marsfeld (Eiffelturm). Im Westen liegt der Bois-de-Boulogne.

Weitere erwähnenswerte sakrale Bauten sind etwa die romanische Kirche St-Germain-des-Prés mit frühgotischem Chor (geweiht 1163), die gotischen Kirchen St-Germain-l'Auxerrois (12.-16. Jh.), St-Séverin (13.-16. Jh.) und St-Gervais-St-Protais (1494-1657), die barocken Kirchen Val-de-Grâce (1645/46, geweiht 1710), St-Sulpice (1646-1736) und die Madeleine-Kirche (1806-42). Im Invalidendom (1680 bis 1712) befindet sich das Grab Napoleons I. Bemerkenswerte Bauwerke sind auch das Panthéon und der Arc de Triomphe.

Moderne Bauten sind unter anderem die Gebäude der Cité Universitaire (1921ff.), das UNESCO-Haus (1955-58, erweitert 1965), das Centre d'Art et de Culture Georges-Pompidou (1972-77), das technische Museum Le Villette (1980 bis 86).

Berühmte Straßen, Plätze und Parks sind der Quai d'Orsay, der Place Vendôme (1699ff.), der Place de la Concorde (1755ff.) mit dem Obelisken von Luxor (13. Jh. v.Chr.), der Place des Vosges (1605-12) oder die Tuilerien. Die bekannte Brücke Pont-Neuf wurde 1607 geweiht.

Gläserne Pyramide vor dem Louvre in Paris

Mehr als 80 Museen gibt es in Paris, unter anderem den Louvre, die Nationalmuseen im Centre Georges-Pompidou (Schwerpunkt: französische Malerei vom 9. Jh. bis zur Gegenwart), das Musée de Cluny (mittelalterliche Kunst), das Musée d'Orsay (französische Kunst des 19./20. Jh.s), das Musée Marmottan (Impressionisten), das Musée des Arts Décoratifs (Kunsthandwerk, Islam, Ostasien u.a.) und das Musée Guimet (Ostasien, Indien). In der Nationalbibliothek befinden sich über 500 000 Handschriften. Es gibt zahlreiche Theater.

Paris war europäische Kulturstadt 1989.

Geschichte

Paris am Fauborg Saint-Honoré, Ecke Rue Boissy d´Anglas im Jahre 1837

Die erste Erwähnung der Stadt findet sich bei Cäsar als Lutetia Parisiorum ("Stadt im Moor"). Es handelte sich um eine Siedlung des keltischen Stamms der Parisier. Später wurde die Stadt von Kaiser Julian Apostata zum Mittelpunkt der gallischen Provinzverwaltung ausgebaut (356 n.Chr.). 486 wurde Paris fränkisch; nach 500 Hauptstadt des Frankenreiches. Die Stadt wurde im 9. Jh. mehrmals von Normannen belagert und geplündert. 987 wurde sie schließlich durch Hugo Capet zur Hauptstadt Frankreichs erhoben. Seit 1302 ist Paris Sitz des französischen Parlaments. Eine schwere Pestepidemie wütete 1348 unter den Einwohnern. 1420 wurde die Stadt durch die Zünfte an die Engländer ausgeliefert und erst 1436 durch den Feldherrn Dunois zurückerobert. Die Bartholomäusnacht vom 24. August 1572, in der Tausende von Hugenotten ermordet wurden, war ein Tiefpunkt der Stadtgeschichte. 1789 begann in Paris die Französische Revolution. 1871 und 1940 bis 44 wurde die Stadt von deutschen Truppen besetzt.