Philippinen Geschichte

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Frühzeit bis 15. Jahrhundert

Etwa 25 000 Jahre v.Chr. fanden erste Besiedlungen der philippinischen Inseln statt, seit etwa 10 000 Jahren ist das Gebiet ständig besiedelt. Ungefähr um diese Zeit war der Meeresspiegel um etwa 100 Meter angestiegen und hatte aus dem zusammenhängenden Land zahlreiche Inseln entstehen lassen. Die Einwanderung vom asiatischen Festland geschah in zwei Abschnitten bereits in vorchristlicher Zeit. Im 9. Jahrhundert verstärkte sich durch intensive Handelsbeziehungen der Einfluss des chinesischen Kulturkreises, ab dem 15. Jahrhundert wurde der Islam über Brunei in Mindanao und den Suluinseln eingeführt.

Kolonialzeit

1521 landete der portugiesische Navigator und Forscher Fernão de Magalhães (Magellan) als erster Europäer im Auftrag des spanischen Königs auf der Insel Cebu. Zu dieser Zeit befanden sich auf den Inseln zwei mächtige Sultanate. Sie waren straff organisiert und leisteten den eindringenden Konquistadoren heftigen Widerstand. Trotzdem wurde im Jahr 1543 auf Cebu die erste dauerhafte Niederlassung der Spanier gegründet und die Inseln nach dem König von Spanien, Philipp II., benannt. Der spanische Klerus missionierte rigoros die einheimische Bevölkerung und bekehrte sie zum Christentum. Die moslemischen Reiche von Mindanao und Sulu (deren Bewohner von den Spaniern "moros" genannt werden) konnten von den katholischen Eroberern allerdings während ihrer 400-jährigen Herrschaft nie ganz unterworfen werden.

Ende des 16. Jahrhunderts kamen die Philippinen unter direkte Kontrolle des spanischen Königs und das hemmungslose Profitstreben weniger Privilegierter, rassische Diskriminierung und wirtschaftliche Unterdrückung der Einheimischen führten wiederholt zu blutigen Bauernaufständen. Eine Freiheitsbewegung entstand, deren Aufstände Mitte des 19. Jahrhunderts zunächst scheiterten, 1896-98 jedoch in der Revolution und der Proklamation der Republik der Philippinen mündeten. 1898 unterstützten die Philippinos die US-Amerikaner erfolgreich im Krieg gegen Spanien und erhielten als Gegenleistung von den USA die Zusage einer staatlichen Unabhängigkeit im Siegesfall. Im Vertrag von Paris wurde 1898 die spanische Präsenz im Pazifischen Ozean beendet und die Philippinen gingen in den Besitz der Vereinigten Staaten über, die sich nicht an ihre Zusage hielten. Nach einem mehrjährigen Guerillakrieg wurde der Inselstaat von 1902 bis 1946 amerikanische Kolonie. Obwohl nicht erfolgreich, waren die Philippinen das erste asiatische Land, das versuchte, seine Kolonialherren zu entmachten.

Unabhängigkeit

Auch wenn die US-Amerikaner die Philippinen nicht sofort in die Unabhängigkeit entließen: Bereits 1916 erhielt das Archipel eine beschränkte Selbstverwaltung. Insbesondere im Ausbildungsbereich konnten mit amerikanischer Unterstützung große Erfolge erzielt werden und 1935 wurde dem Land eine weitgehende Selbstverwaltung mit der Zusage auf völlige Unabhängigkeit im Jahr 1946 gegeben.

Nach einer dreijährigen Besetzung durch japanische Truppen im Rahmen des Zweiten Weltkriegs gelang es den USA und einer kommunistisch orientierten philippinischen Volksarmee, die Inseln zurückzuerobern. Etwa eine Million Philippinos waren dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer gefallen. Am 4. Juli 1946 wurde den Philippinen die Souveränität zugesprochen. Gleichzeitig sicherte sich die Supermacht USA das Recht, für 99 Jahre Militärstützpunkte auf den Philippinen zu unterhalten. Erster Präsident wurde Manuel Roxas, ihm folgte 1948 Elpidio Quirino. Er schloss Ende 1950 ein Wirtschaftsabkommen mit den USA, das den USA die Kontrolle über den Handelsverkehr, die Währungspolitik und den Aufbau neuer Industriezweige überantwortete.

Korruption, Machtmissbrauch und eine wachsende Partisanentätigkeit brachten den jungen Staat an den Rand des Ruins. 1961 wurde D. Macapagal Präsident, der eine pro-amerikanische Politik betrieb. Philippinische Truppen kämpften auf amerikanischer Seite in Korea, im Vietnamkrieg waren die Militärstützpunkte auf den Philippinen ein zentraler Ausgangspunkt der militärischen Interventionen der USA. 1965 wurde der Vorsitzende der Nationalistischen Partei (Partido Nacionalista), Ferdinand Edralin Marcos, zum neuen Präsidenten gewählt, doch auch ihm gelang es nicht, die die Wirtschaft lähmende Korruption zu unterbinden. Das Land ist Gründungsmitglied der ASEAN, der "Association of South East Asian Nations", die 1967 zur Förderung der wirtschaftlichen und politischen Zusammenarbeit gegründet wurde.

Corazon Cojuanco Aquino

1972 erklärte der Präsident nach Studentenunruhen und Kämpfen gegen islamistische Separatisten den Ausnahmezustand und es gelang ihm, mit einer manipulierten Volksabstimmung diktatorische Machtbefugnisse zu erlangen. Verhaftungen tausender Regimegegner waren in den 70er Jahren die Folge. Zu den Inhaftierten gehörte auch der Führer der liberalen Oppositionspartei, Benigno Aquino, der erst 1980 schwerkrank in die USA ausreisen durfte. Zugleich forcierte im Süden die muslimische Aufstandsbewegung, die Moro National Liberation Front, ihren Kampf, der zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen eskalierte.

1977 kam es nach Waffenstillstandsverhandlungen zwar zu einem Abkommen, in dem die Regierung dreizehn Provinzen im Süden das Recht auf Selbstverwaltung zubilligte, nachdem jedoch die mehrheitlich christliche Bevölkerung gegen die Autonomie votierte, setzte sich der Bürgerkrieg fort. 1981 wurde Marcos nochmals in manipulierten Wahlen im Amt bestätigt.

Als der Oppositionsführer Aquino 1983 trotz Warnungen aus dem US-amerikanischen Exil nach Manila zurückkehren wollte, wurde er von Soldaten der Philippinischen Armee noch beim Verlassen des Schiffes erschossen. Drei Jahre später verlor seine Witwe Corazón Aquino bei Präsidentschaftswahlen gegen Marcos, doch nach Aufdeckung des erneuten massiven Wahlbetrugs wurde Marcos ins Exil nach Hawaii gezwungen und Aquino zur neuen Präsidentin ernannt. Im Folgejahr kam es zur Verabschiedung einer neuen demokratischen Verfassung, doch die innenpolitisch zerfahrene Lage besserte sich nicht. Bis 1989 kam es zu sechs Putschversuchen.

1992 wurde der Christdemokrat Filel V. Ramos neuer Präsident des Landes und noch im gleichen Jahr verließen die amerikanischen Streitkräfte ihren letzten Militärstützpunkt im Land. Ramos wurde 1995 bei umstrittenen Wahlen im Amt bestätigt. Nachdem jedoch ein Referendum von Ramos gescheitert war, das ihm eine weitere Wiederwahl ermöglichen sollte, kam 1998 der ehemalige Schauspieler Joseph Ejercito Estrada durch einen überwältigenden Wahlsieg an die Macht. Insbesondere die Unterprivilegierten gaben ihm ihre Stimme, da sie sich von ihm eine Verbesserung ihrer Lage versprachen. Ende des Jahres 2000 geriet Präsident Estrada unter Korruptionsverdacht; nach Großdemonstrationen in der Hauptstadt wurde ein Amtsenthebungsverfahren gegen ihn eingeleitet. Er trat im Januar 2001 zurück. Sein Amt übernahm seine Stellvertreterin, die Ökonomin Gloria Macapagal Arroyo. Im Mai 2004 wurde sie in einer höchst umstrittenen Wahl als Präsidentin bestätigt. 2007 wurde Estrada der Korruption für schuldig befunden und zu lebenslangem Hausarrest verurteilt, jedoch von Arroyo begnadigt. Es kam in ihrer Amtszeit zu mehreren Putschversuchen des Militärs.

Nachdem es Mitte der 1990er Jahre zu einem Abkommen mit den Rebellen im Süden gekommen war, kündigte eine radikale Splittergruppe der ehemaligen Guerilla, die MILF (Moro Islamic Liberation Front), das Abkommen und begann auf Mindanao einen erneuten Bürgerkrieg. 2001 unterzeichnete die Regierung Arroyo ein Friedensabkommen mit der MILF. Eine weitere muslimische Rebellengruppe hatte Ostern 2000 eine Ferieninsel überfallen und Touristen als Geiseln genommen. Ab Juli 2007 kam es auf den im Inseln im Süden wieder verstärkt zu Übergriffen muslimischer Separatisten; Präsidentin Arroyo verkündete daraufhin eine neue Militäroffensive gegen die Abu-Sayyaf-Rebellen. Der Oberste Gerichtshof stoppte im August 2008 die Unterzeichnung eines Abkommens über die Autonomie des Bangsamoro Homeland auf der Insel Mindanao, auf das Regierung und MILF sich geeinigt hatten. Daraufhin kam es zu erneuten Gewalttaten der MILF-Rebellen und zu Gegenschlägen der Regierungstruppen. Bei den Präsidentschaftswahlen vom Mai 2010 siegte Benigno Aquino. Im Oktober 2012 wurde ein vorläufiges Friedensabkommen zwischen der Regierung und der MILF abgeschlossen.

Zwar wurden seit dem Sturz von Präsident Marcos 1986 die legalen Mittel zur Durchsetzung von Menschenrechten erheblich verstärkt (2006 wurde die Todesstrafe abgeschafft); die Rechtsnormen werden jedoch nicht eingehalten. In der Praxis kommt es immer wieder zu erheblichen Menschenrechtsverletzungen durch Militär- und Polizeikräfte.