Portugal

Aus Länder-Lexikon.de

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Republik in Südwesteuropa auf der Iberischen Halbinsel am Atlantik, 92 289 km² (inklusive "Anliegende Inseln" der Azoren und Madeiras), 10,6 Mio. fast ausschließlich katholische Einwohner, Hauptstadt Lissabon, Amtssprache Portugiesisch.

Portugal (amtlich: República Portuguesa) ist das westlichste Land des europäischen Kontinents und nimmt mit einer Fläche von 92 289 km² rund 15 % der Iberischen Halbinsel ein. Im Osten grenzt das Land an Spanien (gemeinsame Grenze 1 215 km), im Westen und Süden an den Atlantischen Ozean. Die Nord-Süd-Ausdehnung des Landes beträgt maximal 560 km Luftlinie, vom Atlantik zur spanischen Grenze sind es an der breitesten Stelle rund 220 km.

Das Land ist durch die Serra da Estrela, das höchste Gebirge in Portugal (bis 1 991 m), in einen gebirgigen Norden und einen hügeligen und flacheren Südteil gegliedert. Die nordöstliche Hochebene, die zwischen 400 m und 1 000 m über dem Meeresspiegel liegt, ist eine Fortsetzung der spanischen Meseta und durch Flusstäler (z.B. des Douro) und tiefe Schluchten unterteilt. Nach Westen fällt das Land ab zu einer breiten und fruchtbaren Küstenebene.

Südlich der Serra da Estrela liegt das Tal des Tejo, der in Spanien entspringt und bei Portugals Hauptstadt Lissabon ins Meer mündet. Mit insgesamt knapp über 1 000 km ist der Tejo der längste Fluss der Iberischen Halbinsel. Auf beiden Seiten des Tejo liegt eines der fruchtbarsten Anbaugebiete Portugals, das Tiefland des Ribatejo. Das südliche Binnenland Portugals wird von der Landschaft des Alentejo eingenommen, die unterhalb von 400 m über dem Meeresspiegel liegt. Im südlichsten Teil des Landes geht das flachwellige Hügelland über in die Berglandschaft der Algarve, die sich von der spanischen Grenze bis zum südwestlichsten Punkt Portugals und ganz Europas hinziehen, dem Cabo de Sao Vicente. Die Hauptstadt Lissabon ist mit rund 565 000 Einwohnern (1,89 Millionen im Großraum) gleichzeit die größe Stadt Portugals. Weitere Städte sind Porto mit rund 265 000 Einwohnern und Vila Nova de Gaia (ca. 250 000 Einwohner).

Auch die Inselgruppe der Azoren, die rund 1 600 km westlich im Atlantik liegen, und die Insel Madeira nördlich der kanarischen Inseln gehören zu Portugal, sie sind autonome Regionen.

Klima

Portugals Klima ist auf Grund der Nord-Süd-Ausdehnung des Landes sehr unterschiedlich ausgeprägt. Im Norden des Landes sind atlantische, im Landesinneren auch kontinentale Einflüsse dominant. Im Süden herrscht eher mediterranes Klima. Die Niederschlagsmenge nimmt von Nord nach Süd ab: In Porto werden durchschnittlich 1 150 mm gemessen, in Faro an der Algarve rund 465 mm. Die höchste Niederschlagsmenge wird im nordwestlichen Bergland erreicht (bis 3 000 mm jährlich). Im Winter fällt im Bergland Schnee. Im Alentejo im südlichen Binnenland sind die Winter teilweise sehr kalt, während die Sommer oft heiß und trocken sind. Die Algarve, die durch einen Gebirgszug nach Norden hin abgeschirmt ist, hat kurze und milde Winter. Die durchschnittlichen Temperaturen im Januar liegen in Faro bei rund 12 °C (Juli 24 °C), in Porto im nördlichen Portugal bei ca. 9 °C (Juli 20 °C).

Das Klima der Azoren ist gekennzeichnet durch ständige, starke Winde und viel Niederschläge. Das so genannte "Azorenhoch", das maßgeblich das Wetter des europäischen Kontinents bestimmt, wird im Sommer als Hochdruckzone gebildet. Auf Madeira sorgt das Klima auf der Nordseite der Insel für häufige Niederschläge, während die Südseite trockener und wärmer ist.

Flora und Fauna

Ähnlich vielfältig wie das Klima ist die Pflanzenwelt in Portugal. In den feuchten Gebieten im Norden wachsen Kiefern, Buchen und Eichen (insgesamt sind rund 30 % der Landesfläche bewaldet, überwiegend der Norden). Im trockeneren Landesinneren kommen Kastanien und Birken hinzu. In ganz Portugal findet sich der aus Australien eingeführte Eukalyptusbaum. In Richtung Süden nimmt der Bestand an Olivenbäumen, Pinien, Kork- und Steineichen zu, dort finden sich auch Johannisbrotbäume, Feigen- und Mandelbäume. An der Algarve mit ihrem besonders milden Klima wachsen Zitrusfrüchte, Pfirsichbäume, Oleander, Bougainvillea und Hibiskus. In den höheren Berglagen der Serra da Estrela herrscht alpine Vegetation mit Moosen und Flechten vor.

Von den immergrünen Lorbeerwäldern, die früher die Azoren bedeckten, sind nur noch kleine Restbestände vorhanden. Sie mussten der landwirtschaftlichen Nutzfläche weichen. Auf Madeira, vor allem auf der teilweise unzugänglichen Nordseite, sind noch ursprüngliche Lorbeerwälder zu finden. Auch die Südseite der Insel bietet eine artenreiche Flora.

Wie in vielen anderen europäischen Ländern ist der Bestand an frei lebenden Wildtieren rückläufig. Doch finden Tierarten wie Wölfe oder Luchse noch Lebensräume im dünn besiedelten Landesinneren. In den Wäldern im Norden, vor allem im Peneda-Gerês-Nationalpark, sollen neben Rehen, Wildschweinen und Füchsen auch noch einige Wildpferde leben. Im Gebirge finden sich Steinböcke und Adler. Besonders die Vogelwelt ist vielfältig, in den Flüssen leben neben Forellen Karpfen und Hechte.

Bevölkerung

Portugal hat rund 10,57 Millionen Einwohner. Ein Großteil von ihnen lebt im Großraum Lissabon oder in bzw. im Einzugsbereich von Porto, der zweitgrößten Stadt des Landes und einem bedeutenden Wirtschaftszentrum. Im Gegensatz dazu sind Teile des Landesinneren sehr dünn besiedelt.

Etwa 98 % der Bevölkerung sind Portugiesen, die fast alle der römisch-katholischen Kirche angehören. Es gibt nur wenige protestantische, jüdische oder islamische Gemeinden. Die wenigen Ausländer im Land kommen überwiegend aus den ehemaligen portugiesischen Kolonien in Afrika oder aus Brasilien und leben meist in den größeren Städten. Dagegen leben viele Portugiesen in anderen Ländern: Mehrere Auswanderungswellen im 20. Jahrhundert führten dazu, dass heute rund 4,5 Millionen Portugiesen im Ausland wohnen, vor allem in Brasilien.

Amtssprache ist Portugiesisch; die Alphabetisierungsquote liegt bei knapp 94 % (im europäischen Vergleich ist dies ein sehr niedriger Wert). Noch 1970 waren rund 30 % der Bevölkerung Analphabeten, nach der Revolution 1974 wurde dem Bildungswesen größere Bedeutung zugemessen. Immer noch gibt es ein Bildungsgefälle zwischen dem städtischen und dem ländlichen Raum, hier mangelt es teilweise noch an Schulen. Die durchschnittliche Lebenserwartung beläuft sich auf 77,5 Jahre. Das Bevölkerungswachstum hat sich in den vergangenen Jahren verlangsamt und beträgt nur noch 0,4 %.

Politisches System

Portugal ist eine parlamentarische Demokratie. Die gültige Verfassung stammt von 1976. Staatsoberhaupt ist der Staatspräsident (seit März 2006 Anibal Cavaco Silva). Er ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte und wird für fünf Jahre direkt vom Volk gewählt (einmalige Wiederwahl möglich). Regierungschef ist der Ministerpräsident (seit Juni 2011 Pedro Passos Coelho). Er hat das Recht, die Minister vorzuschlagen, die dann vom Präsidenten ernannt werden.

Das portugiesische Parlament (Assambleia da Republica) hat 230 Sitze, die Mitglieder werden für vier Jahre gewählt. Die bedeutendsten Parteien sind die Sozialisten (PS) und die Sozialdemokraten (PSD). Wahlberechtigt sind Staatsbürger ab einem Alter von 18 Jahren. Es existiert außerdem ein Staatsrat mit beratender Funktion für den Präsidenten.

Das portugiesische Festland ist in 18 Distrikte (Distritos) aufgeteilt, diese wiederum in Bezirke (Concelhos). Madeira und die Azoren sind autonome Regionen, die seit 1976 mit eingeschränkter politischer und wirtschaftlicher Souveränität ausgestattet sind.

Wirtschaft

Der Wirtschaftsstandort Portugal ist in den letzten zehn Jahren durch die fortschreitende Globalisierung und zunehmende internationale Konkurrenz unter Druck geraten. Als problematisch für die Entwicklung erweisen sich weiterhin das mangelhafte Schul- und Ausbildungssystem, die hohe Neuverschuldung und die starken regionalen Unterschiede: Küstennahe Gebiete sind am Wachstumsprozess wesentlich mehr beteiligt als Gebiete im Landesinneren, was sich auch im Ausbau der Infrastruktur widerspiegelt.

Die Erträge der Landwirtschaft (rund 10 % der Erwerbstätigen sind hier beschäftigt) decken den Eigenbedarf der Bevölkerung nur in wenigen Bereichen (z.B. bei Wein, Oliven und Milchprodukten), die Produktivität ist aufgrund schlechter Böden, kleiner Betriebe und geringer Mechanisierung niedrig. Angebaut werden Mais, Oliven, Kartoffeln, Getreide, Gemüse, vor allem im Süden Zitrusfrüchte, Pfirsiche und Mandeln. Eine besondere Rolle im Export spielen der Portwein und der Kork der Korkeichen (Portugal gehört zu den weltgrößten Korkproduzenten). Die aus Australien eingeführten, extrem schnell wachsenden Eukalyptusbäume liefern den Rohstoff für die Zelluloseindustrie und werden entsprechend kultiviert. Vor Portugals 830 km langer Küste liegen fischreiche Fanggründe. Hier werden auf traditionelle Weise vor allem Sardinen, auch für den Export, gefischt.

Der bis zur Demokratisierung des Landes vernachlässigte Industriesektor erwirtschaftet inzwischen knapp ein Viertel des Bruttoinlandproduktes. Die wichtigsten Zentren liegen bei Porto und Lissabon. Eine Rolle spielen die Textil- und Lederwarenindustrie, Papier- und chemische Industrie, Stahlwerke und Elektro- und Elektronikindustrie. An Bodenschätzen sind unter anderem Kupfer, Zinnerze, Titan, Steinkohle, Wolfram und Gold vorhanden.

Die wichtigsten Handelspartner sind die anderen EU-Länder, vor allem Spanien, Deutschland und Frankreich. Der Tourismus spielt für die Wirtschaft eine bedeutende Rolle, etwa die Hälfte aller Touristen fahren an die Algarve.

Währung ist der Euro.


Fl portugal.jpg Wappen portugal.svg
República Portuguesa
Amtssprache

Portugiesisch

Hauptstadt

Lissabon

Staatsform Parlamentarische Demokratie
Fläche 92.289 km²
Einwohner 10.570.000
Währung Euro
Zeitzone UTC
KFZ-Kennzeichen P
Internet-TLD .pt
Telefonvorwahl 00351