Rom (Stadt)

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lateinisch: Roma;

Hauptstadt von Italien. Rom ist beidseitig des Tiber auf sieben Hügeln gelegen und hat 2,5 Millionen Einwohner. Hier finden sich zahlreiche weltliche und päpstliche Universitäten, Hochschulen und Akademien. Rom ist Amtssitz des Papstes (Vatikan). Der Tourismus ist eine der wichtigsten Einnahmequellen der Stadt, obwohl die Stadt auch als Handelszentrum und Industriestandort große Bedeutung hat (z.B. Papier-, Metall- und pharmazeutische Industrie). Rom ist ein Zentrum der italienischen Filmindustrie.

Kunst und Kultur


Rom ist eine der faszinierendsten Städte der Welt. Hier finden sich Bauwerke aus allen großen Epochen der abendländischen Geschichte. Aus antiker Zeit erhalten sind (z.T. als Ruine) unter anderem das Forum Romanum, die Trajanssäule, das Kapitol mit der (von Michelangelo dort aufgestellten) Reiterstatue Mark Aurels, das Kolosseum, der Ehrenbogen für Konstantin (315), das Pantheon, die Mark-Aurel-Säule, das Mausoleum Hadrians (die heutige Engelsburg) und die Caracallathermen. Aus frühchristlicher Zeit sind sehenswert die Basiliken S. Giovanni in Laterano (326 [?] ff.), S. Paolo fuori la mura (um 386 bis ca. 410) und S. Maria Maggiore (432ff.) sowie die Zentralbauten S. Giovanni in Fonte (frühes 4. Jh.) und S. Constanza (um 340). Bedeutende romanische Kirchen sind die Oberkirche von S. Clemente (1228 geweiht), S. Maria in Trastevere (um 1140 umgebaut). Eindrucksvoll ist die gotische Kirche S. Maria sopra Minerva (um 1280ff.).

Der erste Renaissancepalast in Rom ist der Palazzo Venezia (1451 bis 91). Bedeutende Kirchenbauten des 16. Jh.s sind der Tempietto in S. Pietro in Montorio (Bramante), die Peterskirche und Il Gesù. Das barocke Stadtbild Roms wurde entscheidend von Gian Lorenzo Bernini geprägt (unter anderem Kolonnaden des Petersplatzes, 1656-67, zahlreiche Brunnenanlagen). Herausragendstes Bauwerk des 18. Jh.s ist die Spanische Treppe (1723-25). Bedeutende Bauwerke im 20. Jh. sind der Bahnhof Stazione Termini (vollendet 1950) und die Bauten für die Olympischen Spiele 1960.

In Rom gibt es zahlreiche Museen, Galerien und Bibliotheken, unter anderem die Vatikanischen Sammlungen, die Gemäldegalerie des Vatikan (Pinacoteca Vaticana), Galleria Borghese (Antike Kunst, Alte Malerei, Plastik), Galleria dell' Accademia di San Lucca (Alte Malerei), Galleria Nazionale d' Arte Moderna. Wichtige Einrichtungen sind unter anderem das Zentralinstitut für Restaurierungen, das Deutsche Archäologische Institut und die Nationalbibliothek.

Geschichte

Die Geschichte Roms ist auch die Geschichte eines Weltreiches: Rom war Mittelpunkt und Wiege des Imperium Romanum (Römisches Reich). Im Mittelalter, nach dem Fall des Römischen Reiches, behielt Rom seine weltgeschichtliche Bedeutung, weil es der Amtssitz des Papstes war, der die Geschichte des Abendlandes entscheidend beeinflusst hat. Hervorgegangen ist die Stadt aus einer um 1000 v.Chr. in der Nähe des Übergangs der alten Salzstraße über den Tiber auf dem Palatin (Roma quadrata) errichteten Siedlung der Latiner. Neben diese latinischen Bergsiedlungen (7 Hügel: Palatin, Capitol, Aventin, Caelius, Viminal, Quirinal, Esquilin) traten später die sabinischen Hügeldörfer. Außerdem erfolgte seit Ende des 7. Jh.s die Ausbreitung der Etrusker von Norden her. Nach der Sage wurde Rom 753 v.Chr. von Romulus zur Stadt erhoben, mit einer Viereckmauer umgeben und wohl ihm zu Ehren mit dem etruskischen Namen Roma benannt (Merkspruch: Sieben Fünf Drei, Rom schlüpft aus dem Ei).

Rom wurde Mittelpunkt des römischen Stadtstaates unter sabinisch-latinisch-etruskischen Königen. Um 500 v.Chr. wurde die Etruskerherrschaft gestürzt und eine Republik errichtet. In der Folge entwickelten sich Forum und Kapitol zum Mittelpunkt der jungen römischen Republik, die einen schweren Rückschlag erlitt, als die Stadt 387 v.Chr. durch die Gallier mit Ausnahme des Kapitols erstürmt und zerstört wurde. Die wieder aufgebaute Stadt wurde nach der Zerstörung Korinths (146 v.Chr.) mit erbeuteten griechischen Kunstwerken ausgestattet, durch Cäsar erweitert (Forum Julium, Basilica Julia) und von Augustus in eine "Marmorstadt" verwandelt.

Nach dem Brand 64 n.Chr. wurden unter Nero und unter seinen Nachfolgern großzügige Neuanlagen angelegt (Kaiserpalast auf dem Palatin, Kolosseum des Vespasian, Titusbogen, Trajanssäule). Die Bevölkerung wuchs auf über eine Million an, die Bedeutung der Stadt aber sank seit der Verlegung des Regierungssitzes des Weltreiches nach Byzanz-Konstantinopel (330 n.Chr.). Durch die Plünderungen der Westgoten (410) und Vandalen (455) wurde Rom in eine Ruinenstadt verwandelt, blieb aber weiterhin Residenz der Päpste. Seit dem 8. Jh. war Rom Hauptstadt des Kirchenstaates (Pippin'sche Schenkung).

Die Kämpfe der Adelsgeschlechter untereinander und mit dem Papst hemmten Rom in seiner Entwicklung trotz seiner Erhebung zur Krönungsstadt der deutschen Kaiser (seit 800). Die Stadt wurde 1084 durch die Normannen unter Robert Guiscard geplündert. Einen Tiefpunkt der Stadtgeschichte bedeutete das Exil der Päpste in Avignon (1309-1378). Erst in der Renaissance kam es zu einer neuen Blüte. Rom blieb das Ziel großer Pilgerscharen (Petrusgrab). Im 17. Jh. kam es zur Ausbreitung der Stadt am rechten Tiberufer.

1798 wurde Rom durch Franzosen besetzt und Römische Republik, 1809-1814 dann Teil des französischen Kaiserreiches. Nach der Rückkehr des Papstes (1814 bis 1870) entstanden fortwährende Wirren durch den Gegensatz zwischen den päpstlichen Reformbestrebungen (gestützt auf französischen Schutz) und der nationalitalienischen Einheitsbewegung. 1871 erfolgte die Besetzung durch italienische Truppen und die Ausrufung Roms zur Hauptstadt Italiens, was das Ende des Kirchenstaates bedeutete. Der Kirchenstaat wurde 1929 (Lateranverträge) durch Mussolini wiederhergestellt: Die Vatikanstadt ist souveräner Staat der Päpste.

1957 wurde in Rom mit den Römischen Verträgen die EWG (EG) gegründet.