Rumänien Geschichte

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Inhaltsverzeichnis

Anfänge

Im 2. Jahrtausend v.Chr. siedelten auf dem Gebiet des heutigen Rumänien die indogermanischen Daker und Geten. Ab dem 7. Jahrhundert v.Chr. ist die Verarbeitung von Eisen zu Waffen, Arbeitsgeräten und Schmuck nachgewiesen.

Wechselnde Fremdherrschaft

Der Dakerkönig Burebista einte im 1. Jahrhundert v.Chr. die ansässigen Stämme und widersetzte sich den Eroberungsversuchen des Römischen Reiches. Erst die römischen Truppen unter Kaiser Trajan konnten im 1. Jahrhundert n.Chr. die Städte am Schwarzen Meer und Teile der Dobrudschda erobern. Im Jahr 106 n.Chr. wurde die Residenz des Dakerkönigs Decebal von den Römern eingenommen und das Gebiet gemeinsam mit dem heutigen Moldawien zur römischen Provinz Dakien erklärt.

Im 3. Jahrhundert zogen sich die Römer aufgrund der vordringenden Westgoten zunächst bis an die Donaugrenze zurück. Die Einwanderungswellen der Hunnen, Awaren und Slawen ab dem 4. Jahrhundert führten zu einer allmählichen Vermischung der dakisch-römischen Bevölkerung mit den neuen Siedlern, was zur Herausbildung des rumänischen Volkes führte. Ab dem Beginn des 7. Jahrhunderts war die Herrschaft des (Ost-)Römischen Reiches über das Land endgültig zu Ende.

Den Slawen folgten im Verlauf der nächsten Jahrhunderte als Einwanderer Ungarn (Magyaren) und Turkvölker (10./11. Jahrhundert), wobei sich die Ungarn überwiegend in Transsilvanien (Karpatenraum) niederließen und dieser Gegend durch die Aufteilung in sieben Verwaltungsbezirke den Namen "Siebenbürgen" verliehen. In großen Teilen Siebenbürgens wanderten Angehörige des Deutschen Ritterordens und deutsche Siedler (Siebenbürger Sachsen genannt) ein, die den ungarischen Königen dienten. Sie wurden im 13. Jahrhundert als "sächsische Nation" anerkannt und erhielten das Selbstverwaltungsrecht.

Osmanische Vorherrschaft

Im 14. Jahrhundert entstanden im Süden des heutigen Rumänien das Fürstentum Walachei und östlich der Karpaten das Fürstentum Moldau, zu dem unter anderem einige heutige ukrainische Gebiete wie die so genannte "Bukowina" und das Gebiet zwischen den Flüssen Dnjestr und Donau gehörten. Gegen Ende des gleichen Jahrhunderts begannen die Truppen des Osmanischen (türkischen) Reiches vorzurücken. Das Fürstentum Walachei stellte sich zunächst freiwillig unter die Oberhoheit der Osmanen und konnte sich eine gewissen Eigenständigkeit erhalten. Für kurze Zeit gelang es dem Walachenfürsten Vlad III. Tepes ("Vlad der Pfähler"), nach erbitterten Kämpfen die Vorherrschaft der Osmanen abzustreifen, doch nach seinem Tod 1477 wurde deren Oberhoheit erneuert. Ab 1456 war auch das Fürstentum Moldau unterworfen, 1526 geriet auch Transsilvanien (Siebenbürgen) unter osmanische Herrschaft.

Im 16. Jahrhundert erhielten die Fürstentümer in ihrem Kampf gegen die Osmanen Hilfe von den österreichischen Habsburgern. Im Frieden von Karlowitz 1699 verzichteten die Osmanen nach mehreren schweren Niederlagen auf ganz Ungarn und Siebenbürgen, worauf diese Gebiete unter die Vorherrschaft der Habsburger kamen. 1718 eroberten diese auch den westlichen Teil des Fürstentums Walachei, 1775 kamen Teile des Fürstentums Moldau (Bukowina) ebenfalls unter habsburgische Herrschaft. Die restlichen Teile der Fürstentümer unterstanden nach wie vor dem Osmanischen Reich, das für eine Zeitlang die herrschende rumänische Oberschicht durch griechische Adlige (Phanarioten) ersetzte. Nach mehreren Aufständen der rumänischen Bevölkerung gegen die griechischen Statthalter wurden ab 1822 wieder einheimische Fürsten eingesetzt.

Befreiung von der osmanischen Vorherrschaft

1859 wurden die Fürstentümer Moldau und Walachei unter einem gemeinsamen Herrscher, dem moldauischen Oberst Alexandru Ioan Cuza, in Personalunion vereint und erhielten 1862 den gemeinsamen Namen "Rumänien". Der neue Staat stand nach wie vor unter osmanischer Oberhoheit. Nur fünf Jahre später wurde Karl I. von Hohenzollern-Sigmaringen Nachfolger Cuzas. Ihm gelang es 1877 (8. russisch-türkischer Krieg) mit Hilfe des russischen Zarenreiches, Rumänien endgültig von der osmanischen Herrschaft zu befreien. Der Staat wurde auf dem Berliner Kongress 1878 von den europäischen Großmächten anerkannt. Südbessarabien, das heutige Moldawien, musste an das zaristische Russland abgegeben werden, Nord-Dobrudschda kam zum Staatsgebiet hinzu.

1881 wurde aus dem Fürstentum Rumänien ein Königreich unter König Carol I. (Karl von Hohenzollern-Sigmaringen). Nach dem Zweiten Balkankrieg 1913 (im Ersten Balkankrieg 1912 war das Land neutral geblieben) erhielt Rumänien durch den "Frieden von Bukarest" die Süd-Dobrudschda von Bulgarien zugesprochen.

Die beiden Weltkriege und ihre Folgen

Am Ersten Weltkrieg nahm Rumänien an der Seite der alliierten Mächte (Frankreich, Großbritannien, Russland) teil. Durch die Pariser Friedensverträge von 1920 wurden dem Land der Ostteil des Banats, ganz Transsilvanien (Siebenbürgen), die Bukowina, Bessarabien und die gesamte Dobrudschda zugesprochen. Damit verdoppelte sich das bisherige Staatsgebiet. Zur Sicherung der Grenzen schloss Rumänien ein Jahr später Bündnisverträge mit der Tschechoslowakei, Jugoslawien und Polen ("Kleine Entente").

In der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen kam es zu innenpolitischen Spannungen und zahlreichen Regierungswechseln im Land. Rechte Kräfte wie die faschistische Partei "Eiserne Garde" gewannen erheblichen Einfluss. Zu Beginn der 30er Jahre stand das Land am Rande des wirtschaftlichen Ruins. 1938, nachdem die rechtsextremen Kräfte die Parlamentswahlen gewonnen hatten, setzte der Monarch Carol II. (bis 1940) die Verfassung außer Kraft und verbot alle politischen Parteien.

1940 musste Rumänien auf Druck des nationalsozialistischen Deutschlands den nördlichen Teil Siebenbürgens an Ungarn, die Nordbukowina und Bessarabien an die UdSSR und die Süd-Dobrudschda an Bulgarien abtreten. Ab 1941 machte sich General Ion Antonescu mit Hilfe der "Eisernen Garde" zum Alleinherrscher über Rumänien. Antonescu lehnte sich eng an das faschistische Deutschland an und trat an der Seite der Achsenmächte 1941 in den Zweiten Weltkrieg ein. Vorübergehend wurden die Bukowina und Bessarabien wieder rumänisch. 1944 ließ der rumänische Monarch Mihail I. General Antonescu inhaftieren und erklärte dem Deutschen Reich völlig überraschend den Krieg. Bereits vorher hatte er Geheimverhandlungen mit den Westmächten und der UdSSR aufgenommen. Innerhalb weniger Monate wurde ganz Rumänien von sowjetischen Truppen besetzt.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die Grenzen Rumäniens endgültig festgelegt: Nord-Siebenbürgen gehörte wieder zum Staatsterritorium, während die Süd-Dobrudschda bei Bulgarien verblieb. Bessarabien und die Nord-Bukowina verblieben unter sowjetischer Herrschaft. Auf sowjetischen Druck hin etablierte sich die von Kommunisten und Sozialisten gesteuerte Partei "Nationaldemokratische Front" als führende politische Kraft in Rumänien. Infolge einer Bodenreform wurden große Teile des Landes verstaatlicht.

1947 wurde der Monarch zur Abdankung gezwungen und die Volksrepublik Rumänien ausgerufen. Kommunisten und Sozialisten schlossen sich zur Einheitspartei RAP (Rumänische Arbeiterpartei) zusammen, dessen Führer der moskautreue Georghe Georghiu-Dej wurde. Nach sowjetischem Vorbild wurden die politische Opposition verboten, Industrie und Handel verstaatlicht, die Landwirtschaft zwangskollektiviert und die Gesellschaft nach sowjetischem Vorbild umgestaltet. Rumänien gehörte zu den Gründungsmitgliedern der COMECON (1949, Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe) und des Warschauer Paktes, der 1955 als Gegengewicht zum westlichen Verteidigungsbündnis NATO gegründet wurde. Im gleichen Jahr trat das Land der UNO bei.

1958 wurden die letzten sowjetischen Truppen aus Rumänien abgezogen.

Rumänien unter Ceaucescu

Nach Georghe Georghiu-Dejs Tod 1965 wurde Nicolae Ceaucescu neuer Führer der Einheitspartei RAP, der diese zur "Kommunistischen Partei Rumäniens" (KPR) umformte. Im gleichen Jahr wurde das Land in "Sozialistische Republik Rumänien" umbenannt. Zwei Jahre später übernahm Ceaucescu auch das Amt des Staatsoberhauptes (bis 1989). Als "Conducator" (Führer) errichtete er in Rumänien mit Hilfe der Geheimpolizei Securitate ein autoritäres Regime. Bedeutende politische Ämter wurden alle mit getreuen Gefolgsleuten besetzt. Während sich die wirtschaftliche Situation der rumänischen Bevölkerung rapide verschlechterte, ließ Ceaucescu in der Hauptstadt Bukarest überdimensionale Prachtbauten errichten, nachdem er ganze Altstadtviertel hatte abreißen lassen. Um die Auslandsverschuldung des Landes zu verringern, erließ er ein rigoroses Sparprogramm im Konsum- und Sozialbereich, obwohl ein Großteil der Bevölkerung bereits in Armut lebte. Sämtliche Demonstrationen und Streiks gegen die Maßnahmen der Regierung wurden mit großer Härte niedergeschlagen.

Außenpolitisch distanzierte sich Ceaucescu von der UdSSR und suchte die Annäherung an die Volksrepublik China und an die Westmächte. Der Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen unter Führung der UdSSR im Jahr 1968 in die Tschecheslowakei zur Niederschlagung des "Prager Frühlings" verurteilte der rumänische Staatschef ebenso wie die sowjetische Invasion in Afhanistan 1979. Gleichzeitig wurden mit den USA und der Europäischen Gemeinschaft Handelsverträge geschlossen.

Rumänien ab 1989

Die katastrophale wirtschaftliche Lage der Bevölkerung, die rigide Politik der rumänischen Staatsführung und der sich abzeichnende Zusammenbruch des Ostblocks führte Ende 1989 zum Ausbruch einer offenen Revolution. Ceaucescu wurde mit mehreren Mitgliedern seiner Familie von den Aufständischen inhaftiert und hingerichtet. Die politische Führung des Landes übernahm der Revolutionsrat "Front zur nationalen Rettung" (FSN) unter Vorsitz der Ex-Kommunisten Ion Iliescu und Petru Roman. Die "Sozialistische Republik Rumänien" wurde in "Republik Rumänien" umbenannt und das Mehrparteiensystem wieder eingeführt.

Ein Jahr später wurden die ersten freien Wahlen abgehalten, die die FSN mit überwältigender Mehrheit gewann. Trotz des Vorwufs der Wahlmanipulation durch die Opposition wurde Ion Illiescu zum Staatspräsidenten ernannt. Er löste die Geheimpolizei Securitate auf, verbot die Kommunistische Partei und leitete die ersten Schritte zur Privatisierung der Wirtschaft ein.

1993 wurde die Partei des amtierenden Staatspräsidenten Illiescu zur "Sozialdemokratischen Partei Rumäniens" (PDSR) umbenannt. Noch im gleichen Jahr wurde Rumänien Vollmitglied im Europarat und assoziiertes Mitglied der Europäischen Union (vorbehaltlich einer Reihe von Änderungen im rumänischen Rechts- und Verfassungssystems).

Innenpolitisch wurden die Führung des Alt-Kommunisten Illiescu und dessen Kabinett, die man für den weiter sinkenden Lebensstandard und den ausbleibenden Wirtschaftsaufschwung verantwortlich machte, immer wieder angefochten. Bei den Parlamentswahlen im November 1996 wurde das oppositionelle konservativ-liberale Parteienbündnis "Demokratischer Konvent" (CDR) unter der Führung von Emil Constantinescu in beiden Kammern des Parlaments stärkste politische Kraft. Der CDR setzte sich zusammen aus der Christlich-Demokratischen Bauernpartei (PNTCD), der Nationalliberalen Partei (PNL), einer weiteren liberalen Partei und einer kleineren, ökologisch orientierten Gruppierung. Bei der Wahl zum Amt des Staatspräsidenten konnte sich Emil Constantinescu mit rund 54 % der Stimmen durchsetzen. Der neue Regierungschef Victor Ciorbea startete ein umfangreiches "Programm zur Rettung der nationalen Wirtschaft", was im Laufe der nächsten zwei Jahre zwar zu einem leichten Anstieg des Wirtschaftswachstums führte, doch ein weiteres Ansteigen der Auslandsverschuldung (Ende 1998 ca. acht Milliarden US-Dollar) und die Verschlechterung der Lebensbedingungen der rumänischen Bevölkerung nicht verhindern konnte. Auch die Schließung unrentabler Unternehmen, die ein wesentlicher Bestandteil des Sparprogramms der rumänischen Regierung waren, lösten innenpolitische Spannungen aus.

Im Februar 2000 wurden zwischen Rumänien und der Europäischen Union die bis zu diesem Zeitpunkt verweigerten offiziellen Beitrittsverhandlungen aufgenommen. Bei den im gleichen Jahr abgehaltenen Parlamentswahlen wurde erneut die Partei des Ex-Kommunisten und Ex-Staatschefs Ion Iliescu stärkste politische Kraft, die bisherige Regierungskoalition des "Demokratischen Konvents" erlitt eine schwere Niederlage. Illiescu wurde zum zweiten Mal rumänischer Staatspräsident (Constantinescu war nach nur einer Amtszeit nicht mehr als Kandidat angetreten). Neuer Regierungschef des Landes wurde Adrian Nastase (PDSR), der einer Minderheitsregierung vorstand. Die rumänische Staatsführung bekräftigte erneut ihre Absicht, ihr Land in die Europäische Union und in die NATO zu integrieren und den wirtschaftlichen Aufbau des Landes auf der Basis der freien Marktwirtschaft voranzutreiben.

Im Dezember 2004 wurde Traian Basescu zum Präsidenten gewählt. Dieser geriet 2005 immer mehr in Opposition zum amtierenden Ministerpräsidenten Calin Popescu-Tariceanu (seit 2004). Der Präsident wurde zeitweilig wegen Verfassungsverletzungen und willkürlicher Anwendung der Gesetze suspendiert. Ein Referendum über seine Absetzung konnte Basecu aber mit 74,5 % der Stimmen für sich entscheiden und kehrte daher wieder ins Amt zurück. Ein Misstrauensvotum der Oppositionspartei PSD gegen die Minderheitsregierung Tariceanu scheiterte im Oktober 2007. Trotz dieser Querelen und Rücktritten von mehreren Ministern wegen Korruptionsvorwürfen war die Regierung (seit Dezember 2008 eine große Koalition aus liberaldemokratischer PD-L und sozialdemokratischer PSD) bestrebt, weiter EU-gemäße Reformen durchzuführen. Knapp ein Jahr nach Bildung der großen Koalition brach die Regierung zusammen. Auslöser war zunächst die Entlassung des Innenministers Dan Nica, worauf Rücktritte der anderen PSD-Minister folgten. Nach dem Sturz der Regierung im Oktober 2009 konnte zunächste keine Einigung über eine Neubildung erlangt werden. Präsidentschaftswahlen fanden im November statt. Bei der Stichwahl im folgenden Monat erreichte Basescu mit 50,3 % eine knappe Mehrheit gegenüber seinem Konkurrenten Geoana. Wegen Verdacht auf Wahlbetrug forderte die PSD eine Annullierung und Wiederholung der Stichwahl. Eine Nachzählung der für ungültig erklärten Stimmzettel brachte aber keine großen Änderungen mit sich.

Daraufhin bildete Emil Boc eine neue Regierung aus PD-L, UDMR und parteilosen Politikern. Die von der Regierung durchgeführten Sparmaßnahmen zur Eindämmung des Haushaltsdefizits führten 2010 zu Streiks und Protestdemonstrationen. Nach neuerlichen Massenprotesten im Januar 2012 erklärte Ministerpräsident Boc im Februar 2012 seinen Rücktritt. Das Parlament wählte Mihai Răzvan Ungureanu zum neuen Regierungschef. Nach Streitigkeiten über Sparmaßnahmen entzog die Volksvertretung seinem Kabinett aber bereits zwei Monate später das Vertrauen. Der Sozialdemokrat Victor Ponta bildete im Mai 2012 eine Mitte-links-Koalition. Staatspräsident und Regierung gehören damit unterschiedlichen politischen Lagern an. Im Juli 2012 leitete das Parlament ein erneutes Amtsenthebungsverfahren gegen Präsident Basescu ein. Das Referendum über die Amtsenthebung scheiterte jedoch. Im Dezember 2012 fanden Parlamentswahlen statt, bei denen das von Ponta geführte Regierungslager die Mehrheit gewinnen konnte.

Der Beitritt zur NATO erfolgte im März 2004; seit 2007 ist Rumänien Mitglied der Europäischen Union.