Russland (Wirtschaft)
Aus Länder-Lexikon.de
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts befindet sich die russische Volkswirtschaft im Aufschwung. Grund hierfür ist einerseits eine Abwertung des Rubels Ende der 1990er Jahre, andererseits die stark gestiegenen Erdölpreise. Die Inflation beträgt aber immer noch hohe 11,9 % (2007). Im Jahr 2007 war die russische Wirtschaft die elftgrößte der Welt, das Wachstum betrug 8,1 %. Positive Impulse sind im Bereich der Telekommunikation zu verzeichnen, der hohe Zuwachsraten aufweist. Besondere Stärken des Wirtschaftsstandorts Russland sind die Bereiche Weltraumtechnologie, moderne Werkstoffe, Biotechnologie und Lasertechnik sowie eine gut ausgebildete Bevölkerung. Negative Auswirkungen auf die mittel- und langfristige Wirtschaftsentwicklung hat die hohe Staatsverschuldung, die sich in hohen Auslandsschulden ausdrückt. Zudem sind erhebliche Defizite in den Strukturen zahlreicher russischer Betriebe in Form von veralteten Betrieben, organisatorischen Mängeln und Nachwirkungen der einstigen Planwirtschaft festzustellen. Die Subprime-Krise (Immobilienkrise) in den USA und die plötzliche Illiquidität des bisher stark wachsenden Marktes mit forderungsbesicherten Wertpapieren löste 2007/2008 eine weltweite Finanz- und Vertrauenskrise aus, die auch vor Russland nicht Halt machte. Die Regierung reagierte unter anderem mit mehreren Gesetzen zur Stabilisierung des Finanzsektors mit einem Umfang von rund 112 Milliarden Euro. Die Finanzkrise zieht auch zunehmend die Realwirtschaft in Mitleidenschaft (u.a. Automobilhersteller); etliche Prognosen wurden weltweit bereits erheblich nach unten korrigiert.
Obwohl rund 16 % der Bevölkerung unter dem Existenzminimum leben und trotz hoher Einkommensunterschiede erscheint die soziale Lage im Lande stabil. Eine relativ niedrige Arbeitslosenquote von 6,1 % und zuletzt deutlich gestiegene Einkommen von durchschnittlich 413 Euro/ Monat signalisieren eine Verbesserung der sozialen Lage.
Wichtigste Exportgüter sind Erdöl und Erdgas sowie petrochemische Erzeugnisse. Eingeführt werden vorrangig Maschinen, Getreide, Textilien und Zucker. Wichtigste Exportpartner des Landes sind die Staaten Europas, beim Import spielen neben Europa auch Nordamerika und Japan sowie Entwicklungsländer wie Kuba eine wichtige Rolle.
Hauptbetriebsformen in der Landwirtschaft (12 % der Beschäftigten erwirtschaften hier 5 % des BIP) sind auch nach privatwirtschaftlichen Reformen noch Kooperativen, Kolchosen und Sowchosen. Wichtigste Anbauprodukte sind Kartoffeln und Getreide, wobei trotz hoher Erträge der Eigenbedarf an Getreide nicht gedeckt werden kann. Die Viehzucht stellt noch vor dem Pflanzenanbau den wichtigsten landwirtschaftlichen Bereich dar (Russland ist nach den USA größter Erzeuger von Kuhmilch). Rinderzucht wird vorwiegend im Wolgagebiet, in Westsibirien und dem europäischen Zentrum betrieben, Schweinezucht findet sich ebenfalls im Wolgagebiet, aber auch in Nordkaukasien und im zentralen Schwarzerdegebiet. Schafzucht weist Schwerpunkte in den Regionen Ostsibirien, Nordkaukasiens und dem Wolgagebiet auf. In der Fischerei und der Holzwirtschaft werden große Überschüsse erwirtschaftet, die in den Export gehen. In der Binnenfischerei liefert der Stör den weltweit begehrten russischen Kaviar.
Russland hat äußerst reiche Vorkommen an verschiedenen Bodenschätzen. Dazu zählen etwa 50 % der weltweit bekannten Kohlevorkommen. Daneben profitiert das Land von umfangreichen Lagerstätten an Erdöl und Erdgas insbesondere in Westsibirien, Sachalin, Nordkaukasien, der Teilrepublik Komi und den Erdölgebieten im Wolga-Ural-Bereich. Der Erzbergbau spielt ebenfalls eine bedeutende Rolle, entsprechend befinden sich zahlreiche Eisen- und Nichteisenerz-Verhüttungen im Land. Die Schwer- und Rüstungsindustrie konzentriert sich im Ural um Jekaterinburg, die chemische Industrie und die Erdölindustrie finden sich in den nördlichen und östlichen Landesteilen. An den alten Hauptindustriestandorten Moskau, dem Wolgagebiet, dem Nordwesten und dem Ural produzieren zahlreiche Maschinen- und Fahrzeugindustrien, aber auch Geräte- und Anlagenbauherstellung ist hier angesiedelt. Neben den alten Industriegebieten Moskau, Nischni Nowgorod, Sankt Petersburg, Saratow, Rostow und Wolgograd sind seit dem Zweiten Weltkrieg weitere Industriestandorte vorzugsweise im asiatischen Teil des Landes entstanden. Der Außenhandel wird vor allem mit Deutschland abgewickelt, außerdem mit China und der Ukraine.
Etwa zwei Drittel der benötigten Energie können mithilfe von fossilen Brennstoffen erzeugt werden, knapp 20 % durch Wasserkraft und der Rest durch Atomkraft.
Wichtigste Seehäfen Russlands sind Nachodka-Wostotschny, Wladiwostok, Sankt Petersburg, Murmansk, Archangelsk, Noworossisk und Astrachan. Hauptflughäfen sind Moskau und Sankt Petersburg.
Währung ist der Rubel (= 100 Kopeken).
[Bearbeiten] Anzeigen
[Bearbeiten] Neue und aktualisierte Artikel
Liste der EU-Länder - Dänemark - Argentinien - Sri Lanka - Costa Rica - Spanien - Tunesien