São Tomé und Príncipe Geschichte

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    1470 wurden die beiden Inseln von portugiesischen Seefahrern entdeckt, bis zu diesem Zeitpunkt waren sie vermutlich unbewohnt. Später wurde die größere der beiden Inseln nach dem Tag der Landung (21. Dezember) und dessen Schutzpatron, dem heiligen Thomas, benannt, während die Insel Príncipe ihren Namen nach dem Titel des portugiesischen Thronprinzen erhielt.

    Bereits kurz nach ihrer Entdeckung wurden beide Inseln als Sträflingsinseln genutzt. Rund 20 Jahre später begannen die Portugiesen, mit Hilfe der Sträflinge und schwarzen Sklaven Plantagen für den Anbau von Zuckerrohr anzulegen. Große Teile des tropischen Regenwaldes, der beide Inseln fast ganz bedeckte, wurde dafür abgeholzt.

    Im 16. Jahrhundert waren die Inseln São Tomé und Príncipe wichtige Zwischenstationen für die portugiesischen Sklavenschiffe auf ihrem Weg nach Mittel- und Südamerika. Im 17. Jahrhundert fielen die Inseln kurzzeitig in die Hände der Niederlande, konnten jedoch 1645 von Portugal zurückerobert werden. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde der Anbau von Zuckerrohr eingestellt. Stattdessen begann man, Kaffee anzubauen. Nach dem offiziellen Verbot der Sklaverei (auf São Tomé und Príncipe im Jahr 1876) wurde neben Kaffee mit dem Anbau von Kakao begonnen. Um die Jahrhundertwende waren die Inseln der größte Kakaoproduzent weltweit.

    Trotz Abschaffung der Sklaverei änderten sich die Arbeitsbedingungen für die schwarzen Arbeiter (Kontraktarbeiter) auf den Plantagen nur wenig, was zu gesellschaftlichen Spannungen führte. In den 50er Jahre des 20. Jahrhunderts kam es zu mehreren Aufständen der Plantagenarbeiter gegen die portugiesischen Gutsherren, die von diesen niedergeschlagen wurden. 1951 wurden São Tomé und Príncipe wie auch die übrigen portugiesischen Kolonien zum Überseeterritorium erklärt, was eine beschränkte innere Selbstverwaltung beinhaltete. Die Nachkommen der schwarzafrikanischen Sklaven, die die Mehrheit der Bevölkerung ausmachten, hatte auch jetzt noch keine Bürgerrechte. 1954 trat ein sogenanntes "Eingeborenenstatut" in Kraft, das es Schwarzafrikanern unter bestimmten Voraussetzungen (regelmäßiges Einkommen, portugiesische Sprachkenntnisse) ermöglichte, das Bürgerrecht zu erlangen und dadurch den Status eines "Assimilados".

    1961 wurden auf São Tomé und Príncipe die Zwangsarbeit abgeschafft und allen Bewohnern das portugiesische Bürgerrecht zuerkannt. Durch den hohen Anteil an Analphabeten blieb dennoch ein großer Teil der Bevölkerung vom Wahlrecht ausgeschlossen. 1972 gründete Manuel Pinto da Costa die Unabhängigkeitsbewegung "Movimento de Libertação de São Tomé e Príncipe" (MLSTP). Ein Jahr später erhielten die Inseln die volle innere Selbstverwaltung, und nach der "Nelkenrevolution" in Portugal 1974 und dem Sturz der dortigen Regierung erlangten die beiden Inseln im Juli 1975 die Unabhängigkeit als "República Democrática de São Tomé e Príncipe".

    Staatschef wurde Präsident Manuel Pinto da Costa, Chef der Regierung Miguel Trovoada. Die sozialistisch orientierte MLSTP wurde zur Einheitspartei erklärt und die Plantagen verstaatlicht, worauf die meisten Europäer die Inseln verließen. 1978 wurde Regierungschef Miguel Trovoada vom Staatspräsidenten abgesetzt und unter dem Vorwurf eines geplanten Putschversuches verhaftet. Nach seiner Freilassung 1981 ging er ins Exil nach Portugal.

    Durch die Abwanderung der Europäer verloren die Inseln einen Großteil ihrer Facharbeiter. Die Produktion auf den nunmehr verstaatlichten Plantagen sank ab, was zu einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage der Bevölkerung führte. Entsprechend häuften sich die Rufe nach mehr Demokratie und es kam in den 1980er Jahren zu einer Reihe von fehlgeschlagenen Putschversuchen gegen die Regierung da Costa.

    1990 kam es zu einer Volksabstimmung für eine neue Verfassung, in der ein Mehrparteiensystem festgeschrieben wurde. Bei den ersten freien Wahlen im April 1991 wurde der aus dem Exil in Portugal zurückgekehrte Miguel Trovoada zum Staatspräsident gewählt. Bei den Parlamentswahlen siegte die "Partido de Convergência Democrática" (PCD, Demokratische Annäherungspartei), deren Führer Daniel Daio vom Staatpräsidenten zum Regierungschef ernannt wurde (ab Mai 1992 Noberto Costa Alegré, PCD). Zu den ersten Maßnahmen der neuen Staatsführung gehörte die Reprivatisierung der Kakaoplantagen. 1996 wurde Staatspräsident Miguel Trovoado erneut im Amt bestätigt. Im gleichen Jahr erhielt die Insel Príncipe ein eigenes Regionalparlament.

    Die Wirtschaft des Landes konzentrierte sich nach wie vor auf den Anbau von Kakao, der fast 90 % des Exportvolumens ausmachte. Der Inselstaat war in großem Maße von finanzieller Hilfe und Nahrungsmittellieferungen aus dem Ausland abhängig (rund 80 % des Nahrungsmittelbedarfs mussten importiert werden). Entsprechend hoch war die Auslandsverschuldung des Staates.

    Im Juli 2001 fanden Präsidentschaftswahlen in São Tomé und Príncipe statt. Nachdem sich Miguel Trovoado nach zwei Amtszeiten nicht mehr zur Wahl stellen konnte, traten der ehemalige Staatschef Manuel Pinto da Costa (Staatspräsident von 1975 bis 1991) und der Kandidat der Oppositionspartei ADI, Fradique de Menezes, gegeneinander an. Im September 2001 wurde Fradique de Menezes als neuer Staatspräsident von São Tomé und Príncipe vereidigt.

    Im Januar 2002 unterzeichneten São Tomé und Príncipe und Nigeria ein Abkommen über die gemeinsame Ausbeutung der Ölvorkommen in einem bisher umstrittenen Gebiet im Golf von Guinea (Nigeria soll 60 %, São Tomé und Príncipe 40 % der Einkommen erhalten).

    Im Juli 2003 kam es, während Präsident Fradique de Menezes auf einem Staatsbesuch war, unter der Führung von Major Fernando Pereira zu einem Militärputsch. Der Putsch wurde nach acht Tagen auf Druck der internationalen Gemeinschaft unblutig beendet. Der Bevölkerung wurde daraufhin eine stärkere Beteiligung an Regierungsentscheidungen eingeräumt und die Regierung wurde umgebildet. Bei den Präsidentschaftswahlen 2006 wurde Amtsinhaber de Menezes im Amt bestätigt. Im August 2011 setzte sich bei den Wahlen zum Präsidentschaftsamt schließlich Manuel Pinto da Costa durch, der erste Präsident nach der Unabhängigkeit im Jahr 1974. Der Beginn der Ölföderung wurde immer wieder verschoben. Zumindest bis dahin ist das Land weiter von der Unterstützung der internationalen Gebergemeinschaft abhängig und muss rigide Sparmaßnahmen umsetzen. An den Wirtschaftsproblemen des Landes sind nicht zuletzt die sehr häufigen Regierungswechsel schuld.