Südafrika Geschichte

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    Schon vor Beginn der christlichen Zeitrechnung lebten in Südafrika vermutlich Angehörige der San und der Khoikhoi. Ihr Ursprung ist nicht bekannt, zwischen beiden Völkern wird aufgrund gemeinsamer Merkmale der Sprache eine Verwandtschaft vermutet. Während die San als nomadisierende Jäger und Sammler lebten, lebten die Khoikhoi als Viehzüchter. Heute noch leben rund 60 000 San im südlichen Afrika.

    Etwa ab dem 5. Jahrhundert n.Chr. wanderten Angehörige der Bantu sprechenden Völker in den Süden Afrikas ein, zu ihnen gehörten z.B. die Sotho, die Zulu, die Tswana und die Xhosa. Sie betrieben überwiegen Viehzucht und teilweise auch Feldwirtschaft. Die bereits ansässigen Völker wurden in den Westen des Landes abgedrängt.

    Der Portugiese Bartolomëu Diaz umsegelte 1487 auf der Suche nach dem Seeweg nach Indien als erster Europäer die Südspitze des afrikanischen Kontinents. Rund zehn Jahre später landete der Portugiese Vasco da Gama nach geglückter Umschiffung des "stürmischen Kaps" (so von Diaz benannt, von da Gama in "Kap der Guten Hoffnung" umbenannt) an der südafrikanischen Küste. Entsprechend des Zeitpunkts nannte er die Küste "Natal" (Weihnachten).

    Die erste Niederlassung als Proviantstation für vorbeifahrende Schiffe gründete der Niederländer Jan van Riebeeck im Auftrag der niederländischen Vereinigten Ostindien-Kompanie im Jahre 1652 in der "Tafelbucht" (Kapstadt). Im Laufe der nächsten Jahre begann die Besiedlung der Südspitze des Landes durch Niederländer, Deutsche und Franzosen (Hugenotten). Die Angehörigen der ansässigen Stämme wurden ins Hinterland vertrieben oder als Sklaven für die Feldarbeit eingesetzt. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts lebten schätzungsweise über 1 200 Europäer in der Kapgegend. Sie nannten sich "Afrikaaner" und entwickelten eine eigene Sprache (Afrikaans). Aus dieser Sprache stammt auch der Begriff Buren.

    In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts drangen die so genannten Treck-Buren mit ihren Viehherden immer weiter in das Landesinnere vor und gerieten in Konflikt mit dem Volk der Xhosa (früher abwertend "Kaffern", "Ungläubige" genannt). 1779 kam es zum ersten von insgesamt neun "Kaffernkriegen" (die 1877 zu Ungunsten der Xhosa ausgingen). Ende des 18. Jahrhunderts lehnten sich die Buren (inzwischen rund 20 000 Weiße) gegen die Bevormundung und die Steuerbelastung durch die niederländische Ostindien-Kompanie auf. Die Südspitze Afrikas kam unter britische Kontrolle und wurde 1814 zur britischen Kronkolonie erklärt.

    Vermehrt siedelten sich nun Briten im Kapland an, die von ihnen durchgesetzten Reformen wie z.B. die Gleichstellung freier Farbiger mit Weißen, die Abschaffung der Zwangsarbeit und die Einführung des britischen Verwaltungssystems führten zu Auseinandersetzungen mit den Buren. Als Großbritannien 1833 die Sklaverei in der Kapkolonie offiziell verbot, wanderten Tausende von Buren aus Protest in Richtung Nordosten ab, wo sie nach der Verdrängung der dort ansässigen Zulu die unabhängigen Burenrepubliken "Natal" (1838), "Oranjefreistaat" (1854) und "Transvaal" (1860) gründeten. Das Volk der Zulu hatte in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts große Teile des Landesinneren unter seine Kontrolle gebracht und wurde erst 1879 von den britischen Truppen endgültig unterworfen. Als Natal 1856 britische Kronkolonie wurde, wurden die im Land verbleibenden Zulu in kleine Reservate eingesperrt.

    Die beiden anderen Burenrepubliken wurden von Großbritannien zunächst anerkannt, nachdem die ersten Diamentenfelder im Oranjefreistaat entdeckt worden waren, wurde das Gebiet 1871 aber annektiert. 1877 folgte die Burenrepublik Transvaal. Bereits fünf Jahre zuvor hatte die britische Kapkolonie von der Krone die innere Selbstverwaltung zugestanden bekommen. Doch schon 1881 erkämpften sich die Buren unter der Führung von Paulus (Ohm) Krüger wieder die Unabhängigkeit ihrer Republiken. In der Nähe von Johannesburg in Transvaal wurden wenig später die größten Goldvorkommen der Erde entdeckt. Zahlreiche europäische Einwanderer kamen ins Land.

    1890 wurde der Brite Cecil Rhodes neuer Premierminister der Kapkolonie. Er versuchte 1895 erneut, die Burenrepublik Transvaal zu erobern ("Jameson Raid"), doch ohne Erfolg. Durch den britischen Anspruch auf die Diamantenfelder und Goldvorkommen spitzte sich der Konflikt zwischen Briten und Buren weiter zu, so dass im Oktober 1899 der offene Krieg zwischen beiden Parteien ausbrach. 1902 endeten die Auseinandersetzungen mit dem Sieg der britischen Truppen, die Burenrepubliken wurden zunächst zu britischen Kronkolonien. 1910 wurden die Kapkolonie, der Oranjefreistaat, Transvaal und Natal der "Südafrikanischen Union" als Dominion Großbritanniens angegliedert. Die Union unterstand einem Generalgouverneur als Vertreter der britischen Krone, Regierungssitz war die Stadt Pretoria, erster Präsident wurde der Bure Louis Botha. Nur Weiße hatten politische Rechte. Bereits ein Jahr später wurde eine Reihe rassendiskriminierender Gesetze erlassen, z.B. durften Schwarzafrikaner außerhalb der Reservate kein Land erwerben und Nichtweißen war es nicht gestattet, qualifizierte Arbeiten auszuführen.

    Als Interessensvertretung für Schwarze wurde 1912 der "South African Native National Congress" (ab 1923 African National Congress, ANC) gegründet. Nur wenig später rief der indische Rechtsanwalt Mahatma Gandhi seine Landsleute, die als Plantagenarbeiter nach Südafrika geholt worden waren, zum gewaltlosen Widerstand gegen die Rassendiskriminierung auf (Gründung des "South African Indian Congress", SAJC).

    Auf politischer Ebene verlor die gemäßigte Burenpartei (South Africa Party) des regierenden Präsidenten Louis Botha gegenüber der neugegründeten National Party an Boden. Diese setzte sich für eine strikte Rassentrennung ein und für die Loslösung von Großbritannien. Im Ersten Weltkrieg kämpfte Südafrika an der Seite Großbritanniens, 1920 erhielt das Land das Völkerbundsmandat über Deutsch-Südwestafrika (heute Namibia).

    1924 gewann die burische National Party die Mehrheit der Stimmen bei den Parlamentswahlen, ihr Führer James Barry Munnick Hertzog wurde neuer südafrikanischer Premierminister (bis 1939). Unter ihm kam es zu einer erheblichen Verschärfung der Rassentrennung z.B. wurden rassisch getrennte Wohngebiete eingeführt und für Schwarze außerhalb der Kapkolonie galt Passzwang. Auch sexuelle Kontakte zwischen Schwarz und Weiß wurden unter strenge Strafe gestellt. 1931 erhielt die Südafrikanische Union die volle Souveränität innerhalb des britischen Commonwealth. Die National Party vereinte sich mit der Südafrikanischen Partei zur United Party, ein radikal-rassistischer Flügel der National Party spaltete sich ab und nannte sich weiterhin National Party (NP).

    Auch im Zweiten Weltkrieg nahm Südafrika mit rund 350 000 Mann an der Seite Großbritanniens teil. Nach dem Ende des Krieges verschärfte sich die Apartheid im Land erneut, als Daniel F. Malan von der National Party neuer südafrikanischer Premier wurde (bis 1954) und die Trennung der Rassen auf allen Ebenen vorantrieb. Weiße galten nun als eine Nation, die schwarze Bevölkerung wurde in zehn Nationen aufgeteilt, denen jeweils eigene Regionen (so genannte Homelands) zugewiesen wurden. Ein Verlassen ihrer Homelands war nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Schwarze, die in Großstädten arbeiteten und nicht täglich in ihr zugewiesenes Homeland zurückkehren konnten, lebten am Rand der Städte in so genannten Townships. Eine der ersten Townships, die eingerichtet wurden, war Soweto (Abkürzung für South Western Township) bei Johannesburg.

    In allen öffentlichen Bereichen des Lebens wie z.B. Schulen, Theatern, Transportmitteln usw. wurde eine strikte Rassentrennung praktiziert. Bis Ende der 1950er Jahre leistete der ANC gewaltlosen Widerstand, dann entstand aus einem Flügel der Bewegung der militante Pan-Africanist Congress (PAC), der sich nicht nur gegen die Rassentrennung, sondern für eine Vorherrschaft der Schwarzen einsetzte. Nach gewaltsamen Auseinandersetzungen wurden 1960 beide Gruppierungen verboten und ihre Anführer (u.a. Nelson Rolihlahla Mandela, Albert Luthuli, Walter Sisulu) später zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt. Beide Gruppen setzten daraufhin ihren Widerstand aus dem Untergrund fort.

    Internationale Kritik der UNO und des Commonwealth an der Apartheidspolitik der Regierung führte dazu, dass Südafrika 1961 aus dem Commonwealth austrat und die Republik ausgerufen wurde (mit Charles Swart, NP, als erstem Staatspräsident). Das Land geriet immer mehr in die politische Isolation: Die Organisation für Afrikanische Einheit (OAU) erkannte 1963 die beiden Widerstandsgruppen ANC und PAC offiziell an, im gleichen Jahr verhängte die UNO ein Waffen-Embargo gegen Südafrika. 1966 wurde Südafrika auch das UNO-Mandat für Südwestafrika (Namibia) entzogen. Die Isolation verstärkte sich, als das im Norden angrenzende britische Protektorat Betschuanaland als Botswana (1966) und das vollkommen von südafrikanischem Territorium umgebene Basutoland als Lesotho (1966) ihre Unabhängigkeit erhielten. Zwei Jahre später erhielt auch Swasiland seine Souveränität. Mitte der 70er Jahre folgten Angola und Mosambik.

    Die südafrikanische Führung entließ im Laufe von fünf Jahren (1976 bis 1981) vier Homelands (Transkei, Bophuthatswana, Venda, Ciskei) offiziell in die Unabhängigkeit und gestand ihnen eine Selbstverwaltung zu, die aber de facto unter der Kontrolle der weißen Regierung in Pretoria blieben. In den 1970er Jahren kam es zu einer Vielzahl blutiger Auseinandersetzungen zwischen der schwarzen Bevölkerung und Regierungstruppen, bei denen Hunderte von Menschen ihr Leben verloren. 1977 wurden alle Gruppierungen, die sich gegen die Apartheid einsetzen, von der Regierung in Pretoria verboten, obwohl es auch innerhalb der weißen Bevölkerungsschicht gemäßigte Parteien gab, die sich für eine Umkehr in der Rassenpolitik einsetzten.

    1984 erhielt Südafrika eine neue Verfassung, die die schwarze Mehrheit der Bevölkerung (rund 22 Millionen) erneut nicht zur Wahl berechtigte. Im neugewählten Parlament waren Farbige (Mischlinge) und Inder als Minderheiten vertreten. Pieter Willem Botha vereinte als erster das Amt des Staatspräsidenten und des Regierungschefs in einer Person. Nach schweren Unruhen wurde 1986 der Ausnahmezustand für das Land ausgerufen. Daraufhin verhängten die USA und die Länder der Europäischen Union ein Wirtschaftsembargo gegen Südafrika, das die Wirtschaft des Landes schwächte. Bothas Nachfolger Willem de Klerk (1989 bis 1994) als südafrikanisches Staatsoberhaupt unternahm erste Schritte zur Abschaffung der Rassendiskriminierung. 1990 wurden der ANC und andere bis zu diesem Zeitpunkt verbotene Oppositionsparteien wieder zugelassen. Nach offiziellen Gesprächen zwischen der Regierung de Klerk und dem Führer des ANC, Nelson Mandela, erklärte der ANC offiziell das Ende des bewaffneten Kampfes gegen die Regierung in Pretoria. Gemeinsam wurden die Richtlinien einer grundlegenden Reformpolitik bestimmt, die auch von einem Großteil der weißen Bevölkerung unterstützt wurden. Die Apartheid-Politik in Südafrika war offiziell beendet. Dennoch kam es weiterhin zu Unruhen zwischen rivalisierenden Schwarzenbewegungen (ANC-Anhänger vom Volk der Xhosa gegen die Inkatha-Bewegung des Zulu-Chefs Mangosuthu Buthelezi), die sich untereinander bekämpften. Auch eine Minderheit der weißen Bevölkerung war nicht bereit, die neue Ordnung anzuerkennen.

    Nach der Aufhebung des Handelsembargos erholte sich die Wirtschaft des Landes rasch wieder. 1994 trat eine Übergangsverfassung in Kraft, in der u.a. die Gleichberechtigung für Staatsbürger aller Rassen und das allgemeine Wahlrecht festgeschrieben wurden. Die präsidiale Republik mit demokratischer, rechtsstaatlicher Ordnung bestand nun aus den neun Provinzen Westkap, Ostkap, Nordkap, KwaZulu (Natal), Nord-Transvaal, Ost-Transvaal, PWV (Pretoria-Witwatersrand-Vereinigung), Nordwest und Oranjefreistaat mit jeweils eigenen Regionalparlamenten.

    Bei den ersten freien Parlamentswahlen 1994 gewann der ANC die Mehrheit der Stimmen, Nelson Mandela wurde der neue Regierungschef und Staatspräsident. Noch im gleichen Jahr wurde Südafrika Mitglied der OAU und trat wieder in den Commonwealth ein. Südafrika löste sich zunehmend aus seiner politischen Isolation und nahm vielfältige wirtschaftliche und politische Beziehungen zu anderen afrikanischen Ländern, zu den westlichen Industrienationen und zu asiatischen Ländern auf.

    Nach den Wahlen 2004, bei denen der ANC - diesmal mit fast 70 % - erneut die Mehrheit der Stimmen erhielt (zweitstärkste Partei wurde die Demokratische Allianz, dann folgte die Inkatha-Freiheitspartei), wurde der frühere Vize-Präsident und 1999 zum Staats- und Regierungschef gewählte Thabo Mvuyelwa Mbeki im Amt bestätigt. Nachdem er bereits Ende 2007 den Vorsitz des ANC und im September 2008 schließlich die offizielle Unterstützung durch die Partei verloren hatte (die Nationalversammlung wählt den Präsidenten), trat er kurz darauf zurück. Sein Nachfolger im Präsidentenamt wurde der stellvertretende ANC-Vorsitzende Kgalema Mothlanthe. Die Wahlen im Frühjahr 2009 konnte abermals der ANC für sich entscheiden. Jacob Zuma wurde anschließend zum Präsidenten gewählt und amtiert seit Mai 2009. Die Parlamentswahlen im Mai 2014 gewann der ANC mit Zuma erneut, wenn auch mit leichten Verlusten.

    Auch im neuen Jahrtausend sind die Folgen der jahrzehntelangen Rassentrennung nicht überwunden. In den Townships am Rande der Großstädte leben nach wie vor Hunderttausende von Menschen unter schlechten Bedingungen. Seuchen wie z.B. Cholera können immer wieder ausbrechen und sich rasch verbreiten (wie z.B. im Oktober 2000 in der Küstenprovinz KwaZulu/Natal). Ein großes Problem ist auch die hohe Infektionsrate der Bevölkerung mit der Immunschwächekrankheit Aids: Jeder zehnte bis fünfte Erwachsene ist infiziert. Südafrika hat eine der höchsten Mordraten der Welt. Im Frühjahr 2008 kam es landesweit zu Übergriffen auf Ausländer afrikanischer Abstammung. Insgesamt stieg die Kriminalitätsrate in den letzten Jahren an.

    Die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 fand in Südafrika statt. Für das Sportereignis wurden in neun Städten insgesamt zehn neue Stadien gebaut.