Saint Vincent und die Grenadinen Geschichte

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Entdeckung durch die Europäer

Als Christoph Kolumbus auf seiner dritten "Westindien"-Fahrt im Jahr 1498 die Insel entdeckte, war diese von Angehörigen des Volksstammes der Kariben besiedelt. Diese hatten vermutlich die ursprüngliche Bevölkerung der Aruak-Indianer vertrieben. Nach dem Tag der Entdeckung (22. Januar als Tag des Heiligen Vincent) erhielt die Insel ihren Namen. Eine Besiedlung durch die Spanier fand nicht statt.

Kampf um die Vorherrschaft

Ab dem Beginn des 17. Jh.s bemühten sich die europäischen Großmächte Frankreich und Großbritannien um die Vorherrschaft auf der Hauptinsel Saint Vincent und auf den Grenadinen. Zunächst einigten sich die Vertreter beider Länder auf eine neutrale Zone, doch um 1680 begannen die Briten entgegen den Abmachungen, die Insel Saint Vincent zu besiedeln und Plantagen für den Anbau von Zuckerrohr anzulegen. Die ansässigen Kariben wurden zurückgedrängt, leisteten den Siedlern aber erheblichen Widerstand. Zur Bewirtschaftung der Plantagen wurden afrikanische Sklaven auf die Insel gebracht. Aus der Vermischung von Schwarzen und Kariben im Laufe der nächsten Jahrzehnte entstanden die so genannten "Black Caribs", die sich wiederholt gegen die weiße Vorherrschaft auf der Insel zur Wehr setzten. 1773 wurde ihnen im Norden der Insel ein eigenes Territorium zugewiesen.

Zwischen Frankreich und Großbritannien entbrannte ein heftiger Kampf um die Insel, abwechselnd hatten beide Mächte in den nächsten hundert Jahren die Vorherrschaft inne. Großbritannien bekam die Insel 1783 im Vertrag von Versailles endgültig zugesprochen.

1795 kam es auf Saint Vincent zu einem Aufstand der "Black Caribs" und französischen Revolutionären gegen die weißen Plantagenbesitzer. Sie brachten die gesamte Insel unter ihre Kontrolle, zerstörten die Zuckerrohrplantagen und ermordeten weiße Kolonisten. Rund ein Jahr später hatten britische Truppen die Insel wieder zurückerobert: an die 5 000 Kariben und "Black Caribs" wurden auf die Insel Roatán vor der Küste von Honduras deportiert. Die auf der Insel verbleibenden Indianer kamen teilweise beim Ausbruch des Vulkans Soufrière 1812 ums Leben oder wurden in ein Reservat im Norden der Insel verbracht.

Nachdem die Sklaverei in den britischen Kolonien verboten worden war, kamen ab 1838 indische Vertragsarbeiter aus Asien, vor allem aus Indien, auf Saint Vincent, die zur Arbeit auf den Zuckerrohrplantagen eingesetzt wurden.

Unabhängigkeit des Staates

Die Insel Saint Vincent und die Grenadinen wurden wenig später der britischen Kolonie der Windward Islands angegliedert (bis 1958). Ab 1959 gehörten sie der Westindischen Föderation an, die aber nur bis 1962 Bestand hatte. 1969 erhielt Saint Vincent im Rahmen der Entkolonialisierung den Status eines mit Großbritannien assoziierten Staates und damit die innere Autonomie zugesprochen. Im Oktober 1979 schließlich erhielt der Inselstaat als parlamentarische Monarchie im Rahmen des britischen Commonwealth of Nations seine Unabhängigkeit.

Damit blieb die britische Monarchin Staatsoberhaupt und wurde auf den Inseln durch einen Generalgouverneur vertreten. Erster Premierminister und damit Regierungschef des Landes wurde Robert Milton Cato (bis 1984), der Führer der "Saint Vincent Labour Party". In seine Amtszeit fielen der Vulkanausbruch des Soufrière im gleichen Jahr und der Hurrikan Allen 1980, die der Wirtschaft des Landes schwere Schäden zufügten.

1984 löste die konservative "New Democratic Party" (NDP) die Labour Party als dominierende politische Kraft ab und stellte mit James Fitzallen Mitchell den neuen Premierminister. Bei den Wahlen 1989 wurde Mitchell erneut in seinem Amt bestätigt, ebenso 1994. Er bemühte sich um den Abbau der hohen Arbeitslosigkeit (zwischen 25 und 30 %), eine Steigerung des Exportvolumens und den Ausbau des Fremdenverkehrs. Bei den Wahlen im Juni 1998 blieb die NDP weiterhin stärkste Kraft im Parlament, musste aber deutliche Stimmenverluste hinnehmen. Mitchell blieb auch weiterhin Regierungschef von Saint Vincent und den Grenadinen. Er versuchte mit dem Verzicht auf Direktsteuern, ausländische Investoren ins Land zu holen. Das führte unter anderem dazu, dass der Inselstaat auf der so genannten "Schwarzen Liste" der OECD (Organization for Economic Co-operation an Development/ Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) auftauchte als eines der Länder, denen eine unlautere Steuerpolitik und eine mangelnde Kooperation bei der Bekämpfung der Geldwäsche vorgeworfen wurde. Im Jahr 2010 unterzeichnete die Regierung von Saint Vincent und die Grenadinen das letzte der zwölf erforderlichen Abkommen um von der Grauen Liste der OECD gestrichen zu werden.

Bei den Parlamentswahlen im März 2001 konnte die oppositionelle ULP (United Labour Party) die Mehrheit der Sitze erringen und stellte mit Ralph Gonsalves den neuen Premierminister des Landes. In seiner Regierungserklärung kündigte er den Aufbau einer Anti-Korruptionsbehörde an und plädierte für die Verabschiedung von schärferen Anti-Geldwäschegesetzen.

Premierminister Ralph Gonsalves regte im Jahr 2009 eine Änderung der bestehenden Staatsform (parlamentarische Monarchie) zu einer parlamentarischen Republik an. Der Verfassungsentwurf wurde sowohl von der Opposition, als auch von der Bevölkerung abgelehnt.