Sambia Geschichte

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Inhaltsverzeichnis

Frühgeschichte bis zum 19. Jahrhundert

Archäologische Funde weisen darauf hin, dass das Gebiet des heutigen Sambia vermutlich schon vor 50 000 bis 70 000 Jahren besiedelt war. Ab dem 3. Jahrhundert n.Chr. wanderten bantusprechende Völker (z.B. Tonga, Shona, Rozwi, Ndbele), die Ackerbau und Viehzucht betrieben, in die Region ein. Etwa ab dem 10. Jahrhundert n.Chr. bildeten sie die Mehrheit der Bevölkerung.

Bereits im 10. Jahrhundert betrieben die Bantuvölker Handel mit Arabern, gehandelt wurde mit Kupfer, Gold und Elfenbein. Im 16. Jahrhundert forschten Portugiesen nach den vermuteten reichen Bodenschätzen des Landes und konzentrierten sich dabei auf die Region des Copperbelt (Kupfergürtel) im Nordwesten des Landes. Im Nordosten begannen Araber einen regen Handel mit Sklaven zu betreiben, die aus dem Süden Afrikas kommend in den Norden verschleppt wurden.

19. Jahrhundert

Im 17. Jahrhundert kam es zu einer neuen Einwanderungswelle von Bantuvölkern, die sich überwiegend im Westen des Landes ansiedelten. Hier entstand das Reich der Barotse (Rozwi), das um 1835 von den Kololo unter ihrem Führer Sebetwane erobert wurde.

Zwischen 1835 und 1873 bereiste der britische Afrikaforscher David Livingstone wiederholte Male das Gebiet des heutigen Sambia und entdeckte dabei 1855 die 110 m hohen Wasserfälle des Sambesi, die er zu Ehren der britischen Königin "Victoriafälle" nannte. Rund 30 Jahre später wurden die ersten Missionsstationen gegründet.

1891 wurde der östliche Teil des heutigen Sambia von der "British South Africa Company" in Besitz genommen. Cecil Rhodes, Premierminister der Kapkolonie und wohlhabender Minenbesitzer, hatte kurz zuvor mit der ansässigen Bevölkerung einen "Schutzvertrag" ausgehandelt. 1899 wurde das Gebiet britisches Protektorat unter der Bezeichnung "Nordwest-Rhodesien" (nach Cecil Rhodes). 1911 wurde das Gebiet mit "Nordost-Rhodesien" vereint zum Kronprotektorat Nordrhodesien. Die Grenze zu Südrhodesien (heute Simbabwe) bildete der Fluss Sambesi. 1923 wurden beide Rhodesien zu britischen Kronkolonien.

20. Jahrhundert

In den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts begannen die Briten mit der Förderung von Kupfer im Copperbelt im Nordosten Nordrhodesien (das rund ein Drittel der weltweiten Kupfervorkommen birgt). Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs bildete sich nach mehreren Streiks der schwarzen Bergwerksarbeiter der "Northern Rhodesian Congress" (NRC, ab 1951 "Northern Rhodesian African National Congress", ANC) als Vertretung der schwarzen Bevölkerung. Trotz heftiger Proteste wurde Nordrhodesien im September 1953 mit Südrhodesien (heute Simbabwe) und Njassaland (heute Malawi) zur "Zentralafrikanischen Föderation" zusammengeschlossen (bis 1963).

1959 gründete Kenneth Kaunda aus mehreren Splittergruppen des ANC die "United National Independance Party" (UNIP), deren erklärte Ziele die Auflösung der Zentralafrikanischen Föderation und ein unabhängiges und souveränes Nordrhodesien unter dem Namen "Sambia" waren. Nach kurzer Zeit verbot die Kolonialverwaltung die UNIP und inhaftierte Kaunda und viele seiner Anhänger. Doch die anhaltenden Streiks und Boykotts der schwarzen Bevölkerung in Nordrhodesien führten dazu, dass 1963 die Zentralafrikanische Föderation aufgelöst wurde, Nordrhodesien die innere Autonomie erhielt und Parlamentswahlen abgehalten wurden. Die UNIP gewann die absolute Mehrheit der Stimmen und Kenneth Kaunda wurde erster Regierungschef Sambias (bis 1990).

Im Oktober 1964 entließ Großbritannien das Land als präsidiale Republik mit der Hauptstadt Lusaka offiziell in die Unabhängigkeit. Ein Jahr später wurde Barotseland an Sambia als autonome Provinz angegliedert.

Staatschef Kaundas Politik war in den ersten Jahren westorientiert, orientierte sich dann aber zunehmend am Sozialismus: 1968 ließ er einen Großteil der Unternehmen in Sambia verstaatlichen, was die ohnehin schwach entwickelten Wirtschaft stagnieren ließ. 1971 wurden die UNIP zur Einheitspartei erklärt und oppositionelle Parteien verboten.

Sambia unterstützte in den 1970er Jahren die rhodesischen Rebellenorganisationen ZANU und ZAPU, die gegen die weiße Minderheitsregierung in Rhodesien kämpften. Gegenschläge von rhodesischen Regierungstruppen auf dem Boden Sambias führten zu Zerstörungen von Brücken, Eisenbahnlinien und Straßen, dadurch kam es in vielen Teilen Sambias zu Versorgungsengpässen. Zudem führte ein Verfall des Weltmarktpreises für Kupfer (dem wichtigsten Exportgut Sambias) im Jahr 1975 dazu, dass sich die wirtschaftliche Lage des Landes drastisch verschlechterte und der Bevölkerung eine Hungersnot drohte. Umfangreiche Hilfslieferungen aus dem Ausland konnten dies verhindern. Die Lage entspannte sich erst nach der Beendigung des Rhodesien-Konfliktes 1979/80.

1980 nahm Sambia die wirtschaftlichen Beziehungen zu Rhodesien, das nun Simbabwe hieß, wieder auf. Im gleichen Jahr gehörte das Land mit weiteren neun afrikanischen Staaten zu den Mitbegründern der "Entwicklungsgemeinschaft des Südlichen Afrika" (Southern African Development Community/SADC). Das Ziel der Organisation war die engere wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedsstaaten (z.B. durch Abschaffung von Zollschranken und Einrichtung einer Freihandelszone) und die Erhaltung des Friedens in der Region Südafrika.

1989 wurde von Frederick Chiluba, dem bisherigen Präsident des Gewerkschaftsverbandes, die "Movement for Multi-Party Democracy" (MMD, Bewegung für eine Mehrparteiendemokratie) ins Leben gerufen. Bei den Wahlen 1990, bei denen auch oppositionelle politische Parteien zugelassen waren, ging die MMD als Sieger hervor, Chiluba löste Kenneth Kaunda nach 27-jähriger Amtszeit im Amt des Staats- und Regierungschefs ab. Zu diesem Zeitpunkt war die Auslandsverschuldung Sambias auf ca. sieben Milliarden US-Dollar angestiegen. Um die wirtschaftliche Lage des Landes zu verbessern, kündigte Chiluba die Reprivatisierung der Unternehmen an. Dennoch verschlechterten sich in den nächsten Jahren die Lebensbedingungen für die Bevölkerung Sambias durch eine anhaltende Dürre dramatisch. Eine weitere Belastung stellten ab 1994 die rund 100 000 Flüchtlinge aus dem benachbarten Angola dar.

Die Wahlen im November 1996 wurden von den Oppositionsparteien, die dem Präsidenten und der regierenden MMD Korruption und Misswirtschaft vorwarfen, boykottiert. Das führte dazu, dass Chiluba als Oberhaupt Sambias in seinem Amt bestätigt wurde. Ein gescheiterter Putschversuch im Oktober 1997 führte zur Verhaftung zahlreicher Oppositionspolitiker.

Sambia im neuen Jahrtausend

Bei den Wahlen zum Staatspräsidenten im Dezember 2001 (Chiluba musste nach erheblichen Protesten in Sambia auf eine erneute Kandidatur verzichten) berichteten ausländische Wahlbeobachter von gravierenden Unregelmäßigkeiten bei der Wahl. Obwohl aller Wahrscheinlichkeit nach der Oppositionelle Anderson Mazoka die Mehrheit der Stimmen gewann, wurde dennoch der von Chiluba vorgeschlagene Kandidat der MMD, Levy Mwanawasa, zum Präsidenten vereidigt. Bei Aufständen in Lusaka nach der Vereidigung des neuen Präsidenten kamen mehrere Menschen ums Leben. Mwanawasa wurde bei den Wahlen 2006 im Amt bestätigt; diese Wahlen waren nach Beurteilung internationaler Beobachter demokratischer als im Jahr 2001. Eine nationale Verfassungskonferenz berät seit Dezember 2007 über eine Reform der Verfassung und des Wahlrechts. Nachdem Mwanawasa im August 2008 an einem Schlaganfall gestorben war, wurde sein kommissarischer Nachfolger, Vizepräsident Rupiah Banda (MMD), bei Wahlen im Oktober 2008 im Präsidentschaftsamt bestätigt. Der ehemalige Staatspräsident Frederick Chiluba wurde im August 2009 von dem Vorwurf der Koruption freigesprochen. Der Prozess dauerte insgesamt sieben Jahre. Staatspräsident ist seit September 2011 Michael Chilufya Sata (PF). Schwerpunkte seines Regierungsprogramms sind insbesondere die Armutsbekämpfung, der Kampf gegen Korruption sowie die Prävention von HIV.