Saudi-Arabien Geschichte

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Mittelalter bis Neuzeit

Die eigentliche Geschichte der Arabischen Halbinsel bzw. Saudi-Arabiens beginnt mit der Flucht des Propheten Mohammed von Mekka nach Medina 622. Dieses Jahr ist der Beginn der islamischen Zeitrechnung. Bis zu diesem Zeitpunkt waren Gebiete des heutigen Saudi-Arabien Teile des Königreichs der Nabatäer, das um 100 n.Chr. von den Römern annektiert und zur römischen Provinz "Arabia" erklärt wurde. Die Einflussnahme der römischen Kultur auf das heutige Staatsgebiet blieb aber gering, die im Landesinneren lebenden Nomadenstämme (Beduinen) blieben davon weitgehend unberührt.

Abul Kasim Muhammad Ibn Abd Allah, als Prophet Mohammed Schöpfer des Islam, wurde um 570 in Mekka geboren und begann um 608 seine Niederschrift des Koran, dem heiligen Buch des Islam (114 Kapitel = Suren). 622 ging er von Mekka nach Medina, von dort aus begann er, die arabischen Stämme zu einen. Nach seinem Tod 632 setzten die so genannten Kalifen ("Stellvertreter Gottes") sein Werk fort, Mekka wurde religiöses Zentrum eines einheitlichen Staates, Medina dessen politisches Zentrum. Unter Kalif Omar I. und Kalif Othman dehnte sich im 7. Jahrhundert das arabische Reich aus, indem Ägypten, Syrien, Palästina, Mesopotamien (Irak) und Persien erobert wurden und arabische Truppen bis nach Nordafrika hinein vordrangen. Nach dem Tode Othmans spaltete sich die islamische Bewegung über der Frage nach dem rechtschaffenen Nachfolger des Propheten auf, als bedeutendste Parteien gingen die Schiiten und die Sunniten hervor (heute sind ca. 90 % aller Anhänger des Islam Sunniten). Der Sitz des Kalifen wurde nach Damaskus verlegt, dadurch verlor die Arabische Halbinsel ihre politische Bedeutung, wobei die heiligen Städte Mekka und Medina weiterhin Anziehungspunkt für alle Gläubigen blieben. Auf dem Gebiet des heutigen Saudi-Arabien bildeten sich eine Vielzahl von kleinen Reichen, über die einzelne Beduinenscheiche herrschten.

Im 13. Jahrhundert wurden die Küstengebiete von den aus Ägypten stammenden Mamelucken besetzt, Anfang des 16. Jahrhunderts eroberten die Osmanen weite Teile der Küstenregionen und des Nordens der Arabischen Halbinsel. Im Landesinneren war um 1450 das kleine Reich Al Riyad (heute: Riad) von Vorfahren der im heutigen Königreich regierenden Saud-Dynastie gegründet worden. Der Beduinenscheich Muhammad Ibn Saud verbündete sich um 1745 mit dem Scheich Mohammad Ibn Abd Al Wahhab, der die strenggläubige Sekte der Wahhabiten gegründet hatte. Sie begannen mithilfe ihrer Streitkräfte, die seit Jahrhunderten verfeindeten Stämme im Landesinneren zu vereinen.

19. und frühes 20. Jahrhundert

Es entstand das erste Wahhabitenreich, das 1806 Mekka erobern konnte, aber nur wenige Jahre später von den Osmanen vernichtet wurde (1818).

Die Saud-Dynastie begann erneut mit dem Aufbau eines Reiches, es gelang die Rückeroberung der saudischen Gebiete von der türkischen Oberherrschaft. 1902 besetzte Abd Al Aziz Ibn Saud III. die Stadt Riad, er gilt als Gründer des heutigen Königreichs Saudi-Arabien. Trotz osmanischer Oberhoheit gelang es der Familie, ihre Herrschaft über das Emirat zu sichern. 1915 wurde Ibn Saud III. von Großbritannien als unabhängiger Herrscher des Nadjd anerkannt, dieser wiederum schloss einen Schutzvertrag mit der Großmacht, die Kriegsgegner des Osmanischen Reiches war.

Nach dem Ersten Weltkrieg begannen Auseinandersetzungen zwischen den Saudis und dem Königreich der Haschemiten unter der Führung von Husain Ibn Ali, das über Hedschas im Norden des Landes und die heiligen Städte herrschte. 1926 ließ sich Ibn Saud III. zum König des Hedschas ausrufen, 1932 vereinte er die beiden Provinzen Nadjd und Hedschas und gab dem neuen Staat den Namen Saudi-Arabien.

1938 begann mit amerikanischer Hilfe die Erschließung der umfangreichen Erdölfelder, die fünf Jahre zuvor entdeckt worden waren (25 % der heute weltweit bekannten Vorkommen). Dieser Rohstoff (Export ab 1944) machte Saudi-Arabien zu einem wohlhabenden und wirtschaftlich einflussreichen Land. 1945 gehörte das Land zu den Gründungsmitgliedern der "Arabischen Liga", deren Ziel die engere wirtschaftliche, politische und militärische Zusammenarbeit der arabischen Staaten war. Innerhalb der Liga hatte das Königreich hohes Ansehen, nicht zuletzt als Hüter der beiden heiligsten Stätten des Islam. Im Konflikt mit Israel gehörte Saudi-Arabien zum anti-israelischen Lager, nahm an den Nahostkriegen aber nur durch finanzielle Unterstützung der arabischen Staaten teil. Auf der anderen Seite wurden die wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zu den USA weiter ausgebaut, denen u.a. ein Waffenstützpunkt innerhalb des Landes zugestanden wurde (Dhahran). 1960 begründete Saudi-Arabien mit dem Irak, Iran, Venezuela und Kuwait zusammen die OPEC (Organization of the Petroleum Exporting Countries), deren erklärtes Ziel es ist, den Förderländern garantierte und langfristige Einkünfte aus dem Erdölverkauf zu sichern durch die Stabilisierung der Rohölweltmarktpreise.

Neuere Entwicklungen

1964 wurde König Saud IV. auf Grund einer Krise, die er durch zu hohe Staatsausgaben hervorgerufen hatte, zur Abdankung gezwungen, auf den Thron folgte ihm sein Bruder Faisal. Saudi-Arabien blieb weiterhin absolute Monarchie. Ohne die traditionellen islamischen Werte zu verletzten, führte König Faisal umfangreiche Reformen im Justiz-, Sozial- und Bildungswesen durch. Im Vorfeld des 3. Nahostkrieges ("Sechs-Tage-Krieg") näherte sich Saudi-Arabien an Ägypten an, mit dem es seit den 50er Jahren Streitigkeiten wegen der Jemenfrage gab (Bürgerkrieg im Jemen 1962-70, Ägypten unterstützte finanziell und militärisch das republikanische Südjemen, Saudi-Arabien den Nordjemen). Weder an diesem Krieg noch am so genannten "Oktoberkrieg" 1973 gegen Israel nahm das Land direkt teil, unterstützte aber massiv das arabische Lager, unter anderem durch Waffenlieferungen und die zeitweilige Reduzierung der Öllieferungen in die USA und Großbritannien, was zu drastischen Preiserhöhungen für Rohöl führte. Dennoch blieben die guten wirtschaftlichen Beziehungen Saudi-Arabiens zum Westen prinzipiell erhalten.

Nachfolger König Faisals wurde 1975 dessen Halbbruder Chalid, der 1982 von König Fahd Ibn Abd Al Aziz abgelöst wurde. Im Rahmen des 1. Golfkriegs zwischen dem Irak und Iran (1980-88) stand Saudi-Arabien auf Seiten des Irak, im 2. Golfkrieg (1990-91) war das Land Verbündeter der USA gegen den Irak und stellte den anti-irakischen Streitkräften das Land als Aufmarschbasis zur Verfügung, nicht zuletzt als Schutzmaßnahme vor einer irakischen Invasion.

1993 kam es in Saudi-Arabien zu einigen demokratischen Reformen, wie z.B. der Gründung der Beratenden Versammlung, die dem König zur Seite steht, ohne allerdings eigene Kompetenzen zu haben. Mitte und Ende der 90er Jahre kam es erneut zu Grenzzwischenfällen zwischen Saudi-Arabien und dem Jemen, Anlass waren vermutete Erdöllager in den umstrittenen Gebieten. Zu diesem Zeitpunkt war Saudi-Arabien mit rund 400 Millionen Tonnen Rohöl jährlich bereits zum größten Erdölproduzenten der Welt aufgestiegen. Mit den Gewinnen wurde eine leistungsfähige, vom Erdölsektor unabhängige Industrie aufgebaut (Petrochemie, Stahlindustrie). Im Juni 2000 schlossen der Jemen und Saudi-Arabien ein Abkommen, in dem der lange bestehende Territorialkonflikt durch einen neuen Grenzverlauf zwischen den beiden Ländern beigelegt wurde. Um weitere Grenzzwischenfälle zu vermeiden, wurde eine 20 km breiter entmilitarisierter Streifen eingerichtet.

Ab 2005 war Abdullah Ibn Abdul-Aziz König und Premierminister, sein Nachfolger seit 2015 ist Salman Ibn Abd al-Aziz. Der pro-westlichen Politik der Königsfamilie sowie reformorientierten Kräften steht ein immer fundamentalistischer werdender Bevölkerungsteil entgegen, aus dem viele der gesuchtesten Terroristen, darunter Osama bin Laden, kommen. So gab das Innenministerium Ende 2007 bekannt, dass in diesem Jahr über 200 Personen verhaftet worden waren, die zu Al-Kaida-Zellen gehörten. Ihnen wurde vorgeworfen, Anschläge auf Gebäude, Erdölanlagen und Zivilisten geplant zu haben. Mit einer umfangreichen Justizreform wurde das Rechtsystem noch unter Abdullah Ibn Abdul-Aziz an die Bedingungen der Weltwirtschaft angepasst, so gibt es erstmals Gerichte für Handels- und Arbeitsrecht; Grundlage der Rechtssprechung bleibt weiterhin die Scharia.