Schweden Geschichte

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Inhaltsverzeichnis

Stammeskönige und Waräger

Archäologische Funde weisen auf eine Besiedlung des heutigen Schweden bereits ab 7000 v.Chr. hin. Etwa ab 1800 v.Chr. wanderten altgermanische Stämme aus Osteuropa ein. Im 6. Jahrhundert n.Chr. hatten sich Stammeskönigreiche gebildet, wobei die Svaer, nach denen das Land später benannt wurde, sich gegen die weiter im Süden lebenden Gauter (Göten) durchsetzen konnten und diese unterwarfen. Am Ende des ersten Jahrtausends n.Chr. hatte die Ynglingar-Dynastie der Svaer das Gebiet des heutigen Mittel- und Südschweden sowie die Ostseeinseln Öland und Gotland zu einem Reich vereint. Schwedische Wikinger drangen bis in das Gebiet des heutigen Russland vor und gründeten dort z.B. Nowgorod und Kiew. Über die osteuropäischen Flüsse wurde von diesen Städten aus Handel mit Byzanz und dem kleinasiatischen Raum betrieben. Die ansässigen Slawen gaben den schwedischen Wikingern den Namen "Waräger".

Vom 11. bis zum 14. Jahrhundert

Als Folge der Christianisierung durch Missionare aus dem deutschen Raum war König Olaf III. im Jahr 1008 n.Chr. der erste schwedische Herrscher, der sich taufen ließ. Unter Erik IX. wurde mit der Eroberung Finnlands begonnen, das 1266 dem "Svea-Rike" (Schwedenreich) angegliedert wurde. Ab der Mitte des 13. Jahrhunderts herrschte die Dynastie der Folkunger in Schweden, König Magnus II. Eriksson vereinte im 14. Jahrhundert die norwegische und die schwedische Krone. Im gleichen Jahrhundert musste Schweden nach Kriegen mit Dänemark die Ostseeinseln Öland und Gotland sowie die Südspitze des Landes (Schonen) abgeben.

Die Kalmarer Union

1389 wurde Margarete von Dänemark, Regentin von Norwegen und Dänemark, vom schwedischen Adel zur Königin von Schweden gewählt. Sie vereinte die drei Länder 1397 zur Kalmarer Union. Im 15. Jahrhundert erhoben sich Teile der schwedischen Bevölkerung gegen die dänische Vorherrschaft und der schwedische Reichstag und die jeweiligen Reichsverwesern gelangten zu mehr politischer Macht. Der dänische König Christian II. versuchte, den dänischen Einfluss in Schweden wieder zu verstärken und ordnete Massenhinrichtungen unter den Mitgliedern der schwedischen Unabhängigkeitsbewegung an ("Stockholmer Blutbad", 1520).

Schweden als Großmacht

Unter Führung des Reichsverwesers Gustav Wasa gelang Schweden 1523 die Loslösung aus der Union mit Dänemark. Gustav Wasa wurde als Gustav I. zum schwedischen König gekrönt und erklärte den lutheranischen Protestantismus zur Staatsreligion. 1544 wurde in Schweden die Erbmonarchie eingeführt.

Unter der Herrschaft des Hauses Wasa wurde Schweden eine europäische Großmacht. Anfang des 17. Jahrhunderts wurden große Teile Dänemarks, Estland, Livland und Teile Russlands durch schwedische Truppen besetzt. König Gustav II. Adolf griff 1630 in den Dreißigjährigen Krieg (1618-48) ein und rückte mit seinen Truppen in Deutschland bis an den Main vor. Der Westfälische Friede von 1648 sprach Schweden den Besitz von Vorpommern, Wismar, Bremen und Verden zu. Mitte des 17. Jahrhunderts wurde die Dynastie der Wasa abgelöst durch das Haus Pfalz-Zweibrücken. In diesem Jahrhundert erlangte das schwedische Königreich seine größte Ausdehnung (und besaß sogar für knapp 20 Jahre eine Siedlung in Nordamerika).

Gebietsverluste nach dem "Großen Nordischen Krieg" und den Napoleonischen Kriegen

Im 18. Jahrhundert musste Schweden große Gebietsverluste hinnehmen: Nachdem sich Russland, Polen, Dänemark und Polen gegen das schwedische Königreich vereint hatten, verlor das Land nach dem "Großen Nordischen Krieg" (1700-21) seine Vormachtstellung. Die eroberten deutschen, dänischen, russischen und polnischen Gebiete mussten zurückgegeben werden. Wenig später verlor Schweden auch das südöstliche Finnland (Karelien) an Russland.

In Schweden selbst gewannen inzwischen die im Reichstag vertretenen Stände (Adel, Klerus, Bürger, Bauern) immer mehr an Macht und beschränkten die Macht des Königs. Dagegen ging König Gustav III. vor, er beendete die Ständeherrschaft und führte den Absolutismus wieder ein. Unter seiner Ägide wurde die Schwedische Akademie der Wissenschaften in Uppsala gegründet (1786), die von ihm durchgeführten Wirtschaftsreformen gelten heute als eine der Grundlagen für die Entwicklung des modernen Schweden.

1809 verlor Schweden Finnland im Rahmen der Napoleonischen Kriege an Russland, das sich mit Frankreich verbündet hatte. König Karl XIII. machte den französischen Marschall Jean-Baptiste Bernadotte zu seinem Nachfolger, dieser übernahm als Kronprinz bereits 1811 die Regentschaft über Schweden (1818 als Karl XIV. Johann gekrönt). Er verbündete sich mit Russland und Großbritannien gegen Frankreich. Die Beschlüsse des Wiener Kongresses (1814/15) führten zu einer Neuordnung in Europa nach dem Ende der napoleonischen Kriege. Finnland wurde Russland zugesprochen, im Ausgleich erhielt Schweden von Dänemark (das sich mit Frankreich verbündet hatte) Norwegen.

Reformen und Industriezeitalter

Im Verlauf des 19. Jahrhunderts kam es in Schweden zu einer Reihe von Reformen wie z.B. die Einführung der Gewerbefreiheit (1841) und des Freihandels (1860), anstelle des Ständereichstages wurden durch eine neue Verfassung 1865 das Zweikammern-Parlament und das Zensuswahlrecht eingeführt. Außenpolitisch eignete sich das Land eine neutrale Haltung an, die ab dem Ende des Krimkriegs 1856 zur Staatsdoktrin wurde.

In Schweden begann ab der Mitte des 19. Jahrhunderts das Industriezeitalter, das zur Bildung der Schicht der Arbeiter (Proletariat) führte. 1889 wurde die Sozialdemokratische Partei Schwedens (SAP) gegründet. 1905 wurde das benachbarte Norwegen mit Zustimmung Schwedens als parlamentarische Demokratie unabhängig. 1909 wurde in Schweden das allgemeine Wahlrecht (zunächst nur für die zweite Kammer und für Männer) eingeführt. Neue Verfassungen von 1919 und 1921 legten die Staatsform der parlamentarischen Erbmonarchie für Schweden fest, wobei der König zunehmend nur noch repräsentative Funktion hatte. 1919 wurde das allgemeine Wahlrecht für beide Kammern des Parlaments und auch für Frauen eingeführt. Die sozialdemokratische Partei SAP gewann die Wahlen von 1920.

Durch Modernisierungsmaßnahmen und soziale Reformen wurden in den 1920er und 1930er Jahren durch die sozialdemokratischen Regierungen die Grundlagen des schwedischen Wohlfahrtsstaates gelegt ("Schwedisches Modell"). Z.B. wurden Familien nicht nur mit Kindergeld, sondern auch mit Urlaubsgeld, kostenlosen Kindergartenplätzen und umfangreichen Wohnungsbauhilfen unterstützt. Ab dem Ende des Zweiten Weltkriegs setzte der Sozialdemokrat Tage Erlander als schwedischer Regierungschef den Ausbau des Wohlfahrtsstaates fort.

Schweden nach 1945

Sowohl im Ersten als auch im Zweiten Weltkrieg war es Schweden gelungen, seine außenpolitische Neutralität zu bewahren. Nach 1945 trat das Land der UNO bei, 1949 wurde es Mitglied des Europarats, trat aber nicht dem Nordatlantischen Verteidigungsbündnis (NATO) bei. 1951 gründete Schweden gemeinsam mit Dänemark und Norwegen den "Nordischen Rat" (1952 trat Island bei, 1955 Finnland). Ziel der Organisation war eine verbesserte Zusammenarbeit zwischen den skandinavischen Staaten. 1960 gehörte Schweden zu den Gründungsmitgliedern der EFTA (European Free Trade Association), die als Gegengewicht zur "Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft" (EWG) gegründet wurde.

1969 wurde das schwedische Zweikammernparlament in ein Einkammernsystem umgewandelt. Erlanders Nachfolger als Ministerpräsident des Landes wurde der Sozialdemokrat Olof Palme. Auch er hielt am so genannten Schwedischen Modell fest, obwohl sich im Verlauf der 1970er Jahre die kostenintensive staatliche Unterstützung zunehmend negativ auf die Wirtschaft auswirkte. Palmes sozialdemokratische Regierung wurde 1976 durch eine Koalition aus konservativen und liberalen Parteien abgelöst, neuer Ministerpräsident wurde Thorbjörn Fälldin (ab 1982 wieder Olof Palme, der 1986 einem Attentat zum Opfer fiel).

Zu Beginn der 1990er Jahre steckte Schweden in einer schweren Wirtschaftskrise. 1991 verloren die Sozialdemokraten die Wahlen und Carl Bildt von der Gemäßigten Sammlungspartei (Moderata Samlingspartiet, MS) wurde neuer Ministerpräsident. Um die hohe Staatsverschuldung zu senken, wurde ein drastisches Sparpaket beschlossen, das u.a. eine Senkung der Sozialausgaben und Steuererhöhungen beinhaltete.

1993 wurde den rund 16 000 in Schweden lebenden Samen (Lappen), die bereits Anfang der 1980er Jahre ein eigenes Territorium gefordert hatten, die Bildung eines eigenen Parlaments in Kiruna zugestanden. Damit erhielt die Minderheit kulturelle Autonomie, die sich allerdings nicht auf die Sprache erstreckte (Schwedisch ist die einzige Amtssprache im Land).

1994 konnte die Sozialdemokratische Partei die Parlamentswahlen erneut für sich entscheiden. Ein Jahr später wurde Schweden Vollmitglied der Europäischen Union (EU). Bei den Wahlen im September 1998 mussten die Sozialdemokraten schwere Einbußen hinnehmen, blieben aber dennoch stärkste politische Kraft im Parlament. Göran Persson blieb weiterhin im Amt des Ministerpräsidenten. Die Regierung wurde durch eine Koalition aus Sozialdemokraten, Linkspartei und Grünen gebildet.

Nach wie vor gehörte Schweden keiner militärischen Allianz an und behielt die Neutralität als außenpolitische Doktrin bei. Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks und dem Wegfall der sowjetischen Bedrohung wurden die Streitkräfte Schwedens seit Beginn der 1990er Jahre um rund 50 % verringert. Als neue Aufgabe für die Truppen wurde der Einsatz an internationalen Friedenseinsätzen definiert.

Im Januar 2001 übernahm Schweden turnusmäßig den Ratsvorsitz in der Europäischen Union (für ein halbes Jahr). Die 44-jährige schwedische Außenministerin Anna Lindh wurde EU-Ratspräsidentin. Schätzungsweise die Hälfte der schwedischen Bevölkerung gehören zu den Befürwortern der EU. Abgelehnt wurde bisher jedoch mit großer Mehrheit ein Beitritt zur europäischen Währungsunion.

Im Juni 2001 kam es beim EU-Gipfel der Staats- und Regierungschefs der 15 Mitgliedsländer sowie den Beitrittskandidaten in Göteborg zu schweren Ausschreitungen. Ein Teil der insgesamt rund 100 000 Globalisierungsgegner und die schwedische Polizei lieferten sich Straßenschlachten, rund 600 Personen wurden verhaftet.

Die schwedische Regierung gab im Februar 2002 die Abkehr von der politischen und militärischen Neutralität bekannt. Bei den Parlamentswahlen im September 2002 erhielt die regierende Sozialdemokratische Partei 53 % der Stimmen. Bei den Wahlen 2006 verlor die Sozialdemokratische Partei stark an Stimmen, wurde aber mit nur noch knapp 35 % erneut stärkste Partei. Die bürgerlichen Parteien bildeten eine "Allianz für Schweden" und stellen seitdem den amtierenden Premierminister Fredrik Reinfeldt (Moderate Sammlungspartei). 2010 gewann der konservative Reinfeldt die Wahl zwar wieder, aber die Rechtspopulisten zogen nach dieser Wahl zum ersten Mal mit ins Parlament ein.