Seychellen Geschichte

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    Entdeckung und Besiedlung

    Vermutlich betraten bereits im 7. Jahrhundert arabische Seefahrer die Seychellen. Auch als der portugiesische Seefahrer Vasco da Gama die Inselgruppe zu Beginn des 16. Jahrhunderts entdeckte und auf seinen Seekarten verzeichnete, waren sie noch unbewohnt. Aufgrund ihrer Lage abseits der üblichen Seefahrtswege wurden die Inseln auch weiterhin nicht besiedelt. Erst 1743 wurden sie von Frankreich offiziell in Besitz genommen und nach dem damals amtierenden französischen Finanzminister Jean Moreau de Séchelles benannt.

    Ab 1770 begann die Besiedelung der Hauptinsel Mahé. Auf den fruchtbaren Böden wurden Plantagen angelegt, für deren Bewirtschaftung vom afrikanischen Festland und von der Insel Madagaskar schwarze Sklaven auf die Insel gebracht wurden. Nur wenig später wurden auch die Inseln Praslin, Silhouette, Félicité und La Digue besiedelt.

    Britische Vorherrschaft

    Im Verlauf der französisch-britischen Kriege wurden die Seychellen von britischen Soldaten besetzt. Nach der Niederlage Frankreichs bekam Großbritannien die Inselgruppe durch den Frieden von Paris (1814) zugesprochen. Von Mauritius aus verwaltet, wurden die Inseln von den Briten u.a. als Strafkolonie genutzt (bis 1960).

    1834 verbot Großbritannien offiziell die Sklaverei in ihren Kolonien. Ab dem Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der Anbau von Kokospalmen zur Gewinnung von Kopra zum wichtigsten Bereich der Landwirtschaft. 1903 wurden die Seychellen eigenständige britische Kronkolonie, der Verwaltungssitz des britischen Gouverneurs wurde Victoria auf Mahé.

    1948 erhielten die Seychellen die beschränkte innere Selbstverwaltung und es wurden erstmals Wahlen auf den Inseln abgehalten. Doch durch das wirksame Zensuswahlrecht waren nur rund 10 % der Gesamtbevölkerung wahlberechtigt, überwiegend wohlhabende Großgrundbesitzer und Weiße. Das nach Steuereinnahmen gestaffelte Wahlrecht wurde 1959 abgeschafft. Mitte der 1960er Jahre formierten sich zwei politische Parteien: die sozialistische Partei "Seychelles People's United Party" (SPUP) unter der Führung von France-Albert René, und die konservative "Seychelles Democratic Party" (SDP) von James Mancham. Während die SPUP die Unabhängigkeit der Inseln vom britischen Mutterland forderte, sprach sich die SDP für einen Verbleib bei Großbritannien aus.

    Unabhängiger Staat

    Bei den ersten allgemeinen Wahlen im Jahr 1967 konnte sich die SDP gegen die sozialistische Partei als stärkste politische Kraft durchsetzen. Dieses Ergebnis wurde in den Wahlen 1970 und 1974 jeweils knapp bestätigt. 1975 bildeten beide Parteien auf Drängen Großbritanniens hin eine Regierungskoalition unter Mancham als Ministerpräsident. Ein Jahr später wurden die Seychellen als Republik innerhalb des britischen Commonwealth unabhängig. Mancham von der SDP wurde Staatspräsident, René Ministerpräsident und damit Chef der Regierung.

    Im Juni 1977 kam es zu einem Staatsstreich. France-Albert René übernahm das Amt des Staatspräsidenten, der entmachtete James Mancham ging nach London ins Exil. René benannte ein Jahr später seine sozialistische Partei in "Seychelles People's Progressive Front" (SPPF) um und erhob sie zur Einheitspartei, oppositionelle Gruppierungen wurden verboten. Außenpolitisch suchte der neue Staatspräsident die enge Anlehnung an Frankreich. 1984 gründeten die Seychellen gemeinsam mit Madagaskar und Mauritius die "Indian Ocean Commission" (IOC) zur Verbesserung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen diesen Ländern.

    1992 kehrte der Oppositionspolitiker James Mancham aus dem Exil auf die Seychellen zurück. Auf politischen Druck der Hauptgeberländer Frankreich und Großbritannien hin erklärte sich der amtierende Staatspräsident René zu einer Demokratisierung des Landes bereit. Eine neue Verfassung wurde ausgearbeitet, in der unter anderem das Mehrparteiensystem festgehalten wurde. Im Juli 1993 wurden Wahlen abgehalten, bei denen France-Albert René in seinem Amt als Staats- und Regierungschef bestätigt wurde, seine sozialistische SPPF konnte 28 von insgesamt 33 Sitzen im Parlament erringen. Auch im März 1998 konnte sich René und die Sozialisten gegenüber der Opposition behaupten. Im September 2001 wurden vorgezogene Neuwahlen abgehalten, bei denen René erneut im Amt des Staatspräsidenten bestätigt wurde. Er trat im April 2004 von seinem Amt zurück, blieb aber weiterhin Vorsitzender der regierenden sozialistischen SPPF. Sein Nachfolger wurde der langjährige Vizepräsident und Sozialist James Alix Michel. 2006 und 2011 wurde es als Staatspräsident wiedergewählt.

    Die University of Seychelles bildet die erste unabhängige Hochschule des Landes. Sie wurde im September 2009 eröffnet.

    Der Inselstaat ist vom Klimawandel massiv betroffen: Er ist stark vom Anstieg des Meeresspiegels bedroht.