Simbabwe Geschichte

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Simbabwe verdankt seinen Namen einer Stadt, die vermutlich bereits um 800 herum gegründet wurde und später zum Mittelpunkt des Bantu-Großreichs Monomotapa wurde (siehe Ruinenstätte Simbabwe).

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wanderte das Bantuvolk der Ndebele ein und unterwarf das Volk der Shona. Zur gleichen Zeit kamen auch die ersten weißen Siedler auf das Gebiet des heutigen Simbabwe. Mitte des 19. Jahrhunderts war es David Livingstone, ein schottischer Entdecker und Missionar, der das Land erforschte (und u.a. den Victoriafällen zu Ehren der britischen Königin ihren Namen gab). 1888 erwarb Cecil Rhodes vom Ndebelekönig Lobengula erste Bergbaukonzessionen. Rhodes‘ British-South-African-Company erhielt durch die britische Krone Hoheitsbefugnisse und nahm das Gebiet von "South-Rhodesia" (1895) in Besitz, nachdem mit dem Ndebelekönig ein so genannter Landabtretungsvertrag geschlossen wurde und dieser das britische Protektorat anerkannte.

Bis 1923 stand das Land unter der Verwaltung der Britsh-South-African-Company. Aufstände der beiden führenden ethnischen Gruppen Shona und Ndebele wurden blutig niedergeschlagen. Südrhodesien wurde eine von weißen Siedlern selbstverwaltete Kolonie der britischen Krone. 1930 wurde das Land per Landverteilungsgesetz in Siedlungsgebiete für Weiße und Afrikaner unterteilt. De facto bedeutete dies, dass innerhalb weniger Jahre rund vier Fünftel des Landes in Besitz von Weißen war. Trotz offizieller Rassengleichheit waren Schwarze vom politischen Leben ausgeschlossen.

Mitte der 50er Jahre begannen sich kleinere politische Gruppierungen von Schwarzen zu formieren, die sich zum "African National Congress" ANC zusammenschlossen und allgemeine und freie Wahlen forderten. Der ANC wurde ebenso wie andere Gruppierungen verboten und im Laufe der Jahre kam es wiederholt zu Verhaftungen von Mitgliedern. Bereits zu diesem Zeitpunkt war in der politischen Befreiungsbewegung eine Spaltung in zwei Lager erkennbar, die u.a. ethnisch bedingt war und sich in den Folgejahren vertiefte: Die Ndebele waren überwiegend Anhänger der Afrikanischen Volksunion (ZAPU, Zimbabwes African People‘s Union), die Mehrheit der Shona unterstützten die Afrikanische Nationalunion (ZANU, Zimbabwe African National Union).

Neuere Entwicklungen

Der seit 1962 regierenden Partei der Rhodesischen Front unter Führung des Weißen Ian Smith verweigerte Großbritannien die geforderte Unabhängigkeit, da die politische Gleichberechtigung der schwarzafrikanischen Minderheit nicht gewährleistet war. Daraufhin kam es 1965 zu einer einseitigen Unabhängigkeitserklärung der rhodesischen weißen Minderheitsregierung. 1970 wurde die Republik Rhodesien ausgerufen (das Präfix "Süd" wurde seit 1965 weggelassen). Mitte der 70er Jahre musste die Regierung unter zunehmendem internationalen Druck und auf Grund des anhaltenden Guerillakrieges ihre kompromisslose Haltung aufgeben: Teile der schwarzen politischen Bewegung wurden an der Regierung beteiligt. 1979 wurde eine neue Verfassung herausgegeben, die ein Mitbestimmungsrecht der Schwarzen proklamierte. Das Land hieß nun Simbabwe-Rhodesien. 1980 erhielt Robert Gabriel Mugabe’s Partei ZANU knapp drei Viertel der Parlamentssitze, Mugabe selbst wurde Premierminister. An der Regierung beteiligt war auch die Partei ZAPU unter Joshua Nkomo.

Die Republik Simbabwe mit der Hauptstadt Harare (ehemals Salisbury) erklärte am 18. April 1980 ihre Unabhängigkeit. Die aus ZAPU und ZANU vor den entscheidenden Wahlen gebildete Patriotische Front hatte nicht lange Bestand: Mugabe drängte seinen stärksten Widersacher Nkomo zunehmend aus der Regierung und propagierte mit seiner Partei ein Einparteiensystem. Durch die Verfassungsänderungen 1987 wurde das Präsidialsystem eingeführt, die bis dahin für Weiße reservierten Abgeordnetensitze abgeschafft und Mugabe Staatspräsident mit verstärkten Machtbefugnissen. Ein Zusammenschluss von ZAPU und ZANU führte zur ZANU-PF-Partei unter Vorsitz von Mugabe (Dezember 1989). Bei den Wahlen 1990 bekam die neue Partei fast alle Abgeordnetensitze. Für neuerliche Unruhen sorgte bald darauf ein Beschluss der Regierung, weißen Großgrundbesitzern gegen eine gewisse Entschädigungssumme Teile ihres Landes abzunehmen und unter der Bevölkerung neu zu verteilen. 1996 wurde Mugabe erneut im Amt bestätigt, die extrem niedrige Wahlbeteiligung wies allerdings auf den Wahlboykott der Oppositionsparteien hin, die dem Präsidenten und seiner Partei Unfähigkeit und Korruption vorwarfen. Naturkatastrophen wie die langanhaltende Dürre 1992 und ein strenger Sparkurs der Regierung hatten zu hoher Arbeitslosigkeit und schlechten wirtschaftlichen Bedingungen für die Bevölkerung geführt. Im Februar 2000 verschlechterte sich die wirtschaftliche Situation Simbabwes durch die Folgen einer schweren Hochwasserkatastrophe erneut. Im Vorfeld der Wahlen im selben Jahr wurde der Regierungspartei ZANU-PF vorgeworfen, durch gezielte Einschüchterungsversuche und gewalttätige Anschläge auf Farmen von Anhängern der Oppositionspartei "Bewegung für den demokratischen Wandel" (MDC) wirklich faire und freie Wahlen zu verhindern. Eine Ankündigung des Vorsitzenden der Regierungspartei, Nkomo, dass Mugabe und seine Partei unabhängig vom Ausgang der Wahl weiterregieren würden, bestätigte diese Befürchtung.

Bei der Wahl im Juni 2000 verlor die Regierungspartei ihre Zwei-Drittel-Mehrheit und musste schwere Verluste hinnehmen, blieb aber dennoch an der Macht. Robert Mugabe wurde im März 2002 im Amt bestätigt; die Opposition sowie die westlichen Staaten erkannten das Wahlergebnis jedoch nicht an; Simbabwe wurde für ein Jahr und neun Monate aus dem Commonwealth ausgeschlossen. Die Europäische Union (EU) und die USA hatten bereits vorher wegen eines die Pressefreiheit einschränkenden neuen Mediengesetzes Mugabe Einreiseverbot erteilt und Sanktionen verhängt. 2005 konnte die ZANU-PF bei den Parlamentswahlen erneut die Zwei-Drittel-Mehrheit erreichen. Aufgrund der sich zuspitzenden Wirtschaftskrise verstärkte die Regierung Mugabe die Unterdrückungsmaßnahmen gegenüber Opposition, Gewerkschaften und Human Rights Movements (erneute Verfassungsänderung im September).

Bei den Präsidentschaftswahlen im März 2008 wurde eine Stichwahl notwendig; Mugabes Gegenkandidat, der Vorsitzende der MDC, Morgan Tsvangirai, verzichtete jedoch wegen der anhaltenden Gewalt gegen seine Anhänger auf eine Teilnahme. Mugabe wurde im Juni im Amt bestätigt. Bei den gleichzeitig stattfindenden Parlamentswahlen konnte die Opposition eine leichte Mehrheit erzielen. Unter der Vermittlung Südafrikas stimmten Regierung und Opposition Verhandlungen über eine Aufteilung der Macht zu: Im September wurde ein Abkommen unterzeichnet, das Mugabe als Präsident und Tsvangirai als Regierungschef festschrieb - allerdings nicht umgesetzt. Durch den totalen politischen und wirtschaftlichen Stillstand stand Simbabwe Ende 2008 vor dem Zusammenbruch. Mitte Februar 2009 kam es schließlich zur Bildung der aus allen drei Parteien bestehenden Übergangsregierung. Mugabe blieb Präsident. Neuer Premierminister wurde Morgan Tsvangirai. Die Koalitionsregierung wurde von einer ungleichen Machtverteilung zugunsten Präsident Mugabes geprägt; die wichtigsten Abmachungen des Abkommens wurden erneut nicht umgesetzt. Sehr schnell gelang es jedoch, durch die Einführung von US-Dollar und Südafrikanischem Rand die Wirtschaft zu stabilisieren.

Die Regierungsparteien einigten sich Anfang 2012, gemeinsam für die Annahme eines in einem Verfassungsauschuss erarbeiteten neuen Verfassungstextes zu werben. Der Entwurf garantiert Gewaltenteilung sowie freie und regelmäßige Wahlen. Die Amtszeit des Präsidenten wird auf zwei Mandate zu je fünf Jahren begrenzt, seine Immunität endet mit dem Ende der Amtszeit. Die Bevölkerung wird besser vor willkürlichen Festnahmen und Verfolgung geschützt. Die neue Verfassung wurde im Volksentscheid vom 16. März 2013 mit 95 % Mehrheit angenommen. Parlaments- und Präsidentschaftswahlen fanden im Juli 2013 statt. Auf Mugabe entfielen 61 % der Stimmen. Im Parlament hat die ZANU-PF nun eine Zweidrittel-Mehrheit inne.