Slowakei Geschichte

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Inhaltsverzeichnis

Ansiedlung der Slawen

Ab dem 5. Jahrhundert wanderten slawische Stämme in das Gebiet der heutigen Slowakei ein und vertrieben die dort ansässigen Germanen. Im 9. Jahrhundert entstand das Großmährische Reich unter Fürst Borivoj, dem neben dem Gebiet der heutigen Slowakei Teile Ungarns und Polens und Böhmen angehörten. Das Christentum verbreitete sich und der Grundstein für die spätere Stadt Prag (heute Tschechische Republik) wurde gelegt.

Ungarische Vorherrschaft

Die Ungarn (Magyaren) zerschlugen im 10. Jahrhundert das Großmährische Reich. Die Gebiete der heutigen Slowakei gerieten für mehrere hundert Jahre unter die Herrschaft der ungarischen Könige. Unter ihrer Oberhoheit wanderten im Verlauf der nächsten Jahrhunderte viele deutsche Bauern, Handwerker und Kaufleute in die Slowakei ein, die viele Städte gründeten.

Als das ungarische Kernland in die Hände des Osmanischen Reiches gefallen war (Schlacht bei Mohács in Südungarn), verlegten die ungarischen Könige ihre Residenz nach Pressburg (heute Bratislava).

Ende des 18. Jahrhunderts begann sich allmählich eine slowakische nationale Bewegung zu bilden. Mitte des 19. Jahrhunderts (1848) kam es auch in Ungarn zur Revolution, der Monarch aus dem Hause Habsburg wurde abgesetzt und eine konstitutionelle Regierung gebildet. Auch die Slowaken versuchten einen Aufstand und forderten die Autonomie ihres Landesteiles ("Forderungen der Slowakischen Nation"), der ihnen vom ungarischen Reichstag aber verweigert wurde. Auch nach Bildung der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn (1867) behielt Ungarn die Herrschaft über das slowakische Volk und hatte dessen Verwaltung in Händen. Durch die massive Unterdrückung der slowakischen Kultur (Magyarisierung) kam es zur Auswanderung von rund einer halben Million Slowaken überwiegend nach Amerika.

Die Slowakei als Teil der Tschechoslowakei

Die Mitglieder der nationalen Bewegung in der Slowakei orientierten sich zunehmend an einer Zusammenarbeit mit den Tschechen gegen Österreich-Ungarn. Kurz vor dem Ende des Ersten Weltkriegs 1918 und dem damit einhergehenden Zerfall der Doppelmonarchie wurde ein tschechoslowakischer Staat gegründet, in dem der Slowakei Autonomie zugesichert wurde. Im Friedensvertrag von Paris 1920 wurde die völkerrechtliche Abtrennung der Slowakei von Ungarn und ihr neuer Status als Teil eines tschechoslowakischen Staates anerkannt.

Innenpolitisch ergaben sich in dem gemeinsamen Staat bald Spannungen, als die Umsetzung der versprochenen Autonomie auf sich warten ließ. Einen weiteren Konfliktpunkt bildete die Tatsache, dass alle wichtigen Ämter und Posten in Politik, Wirtschaft und Militär von Tschechen besetzt wurden (die Slowaken hatten einen Anteil von rund 30 % an der Gesamtbevölkerung). An der Spitze der slowakischen Nationalbewegung stand die "Slowakische Volkspartei" (SVP). Erst 1938, als die Tschechoslowakei gezwungen wurde, die deutsch besiedelten Gebiete ihres Territoriums an das nationalsozialistische Deutschland abzugeben, wurde der Slowakei die Autonomie zugestanden. Nachdem die Tschechoslowakei 1939 von deutschen Truppen besetzt worden war, erklärte die Slowakei am 14.3.1939 ihre Unabhängigkeit als Slowakischer Freistaat, musste sich aber unter deutschen Schutz stellen und war damit de facto von Deutschland abhängig.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Niederlage Deutschlands wurde die Slowakei erneut Teil eines gemeinsamen tschechoslowakischen Staates. 1945 war das Land von russischen Truppen besetzt worden. Nach der Machtergreifung der von der UdSSR unterstützten Kommunisten wurde 1948 die Volksrepublik ausgerufen und in der verabschiedeten Verfassung wurde die Führungsrolle der Kommunistischen Partei festgehalten.

1960 wurde das Land in "Tschechoslowakische Sozialistische Republik" (CSSR) umbenannt. Einer der bekanntesten slowakischen Politiker innerhalb der CSSR war Alexander Dubcek, der im Januar 1968 Erster Parteisekretär der Kommunistischen Partei wurde. Sein Versuch der Demokratisierung des Parlaments ("Prager Frühling") scheiterte bereits nach wenigen Monaten durch den Einmarsch von Truppen des Warschauer Pakts unter Führung der UdSSR. Dubcek wurde ein Jahr später seines Amtes als Parteisekretär enthoben, sein Nachfolger (Gustáv Husák, ab 1975 auch Staatspräsident) schwenkte wieder auf einen pro-sowjetischen Kurs ein.

Unabhängiger Staat

1989 wurde das Machtmonopol der Kommunistischen Partei in der CSSR beendet, als in mehreren Ostblockländern bereits Reformbewegungen im Gange waren. In allen Landesteilen kam es zu großen und friedlichen Demonstrationen ("sanfte Revolution") gegen die kommunistische Staatsführung, worauf sowohl der Staatspräsident als auch der Ministerpräsident der CSSR Ende 1989 von ihren Ämtern zurücktraten. Am 1. März 1990 wurde die "Tschechische und Slowakische Föderative Republik" (CSFR) ausgerufen.

Im slowakischen Teil der CSFR siegte bei Wahlen 1992 die Bewegung für eine Demokratische Slowakei (HZDS) unter der Führung von Vladimir Meciar, der Ministerpräsident wurde. Im August 1992 einigten sich der tschechische (Václav Klaus) und der slowakische Regierungschef Meciar auf eine Auflösung der Förderation. Das slowakische Parlament stimmte im September 1992 für eine eigene Verfassung, damit war der Weg in die Unabhängigkeit geebnet.

Am 1. Januar 1993 wurde die Slowakei als Republik ein souveräner Staat, der noch im gleichen Jahr in die UNO aufgenommen wurde. Zum neuen Staatspräsidenten wurde der nationalistisch orientierte Michal Kovac gewählt.

Bei den Parlaments- und Kommunalwahlen 1994 kam es zu einer Koalition aus der nationalistischen Partei SNS des amtierenden Staatspräsidenten Kovac und der "Bewegung für eine Demokratische Slowakei" (HZDS) von Ministerpräsident Vladimir Meciar. Während die Wirtschaft einen Aufschwung zu verzeichnen hatte, schritt die Demokratisierung des Landes nur langsam voran. Aus diesem Grunde wurden der Slowakei 1997 und 1998 die Aufnahme von offiziellen Beitrittsverhandlungen in die EU noch verwehrt.

Nach Wahlen zum Parlament wurde 1998 der Oppositionsführer Mikulaš Dzurinda, der dem Oppositionsbündnis "Slowakische Demokratische Koalition" (SDK) vorstand, neuer Ministerpräsident und damit Regierungschef der Slowakei. 1999 wurde nach einer Verfassungsänderung der erste Staatspräsident der Slowakei direkt vom Volk gewählt. Im Juni trat Rudolf Schuster, der sich bei den Wahlen gegen seinen Gegner Vladimir Meciar klar durchsetzen konnte, sein Amt als Staatsoberhaupt an. Auch er erklärte die Aufnahme seines Landes in die EU und in die NATO als vorrangige Ziele seiner Politik.

Im Februar 2000 wurden zwischen der Slowakei und der Europäischen Union offizielle Beitrittsverhandlungen aufgenommen. 2001 kam es zu einer Reformierung des Grundgesetzes, um die Auflagen der EU zu erfüllen. Seitens der EU kam es zu Vorwürfen über Korruption innerhalb der slowakischen Regierung: hohe Geldsummen aus Fördermitteln der EU waren veruntreut worden, worauf der slowakische Vizeministerpräsident von Regierungschef Mikulaš Dzurinda entlassen wurde. Der Beitritt der Slowakei zu NATO erfolgte schließlich im März 2004, zur EU im Mai desselben Jahres.

Bei den Parlamentswahlen 2002 wurde das Mitte-Rechts-Bündnis von Dzurinda mit knapper Mehrheit bestätigt. Dzurinda musste allerdings zusätzlich die wirtschaftsnahe "Allianz des Neuen Bürgers" (ANO) in die Regierungskoalition aufnehmen, um seine Mehrheit zu halten. Der ehemalige Parlamentspräsident Ivan Gasparovic ist seit 2004 Staatspräsident. Bei den Parlamentswahlen 2006 errang die sozialdemokratische Partei (SMER) die Mehrheit und stellte den linkspopulistischen Ministerpräsidenten Robert Fico. Die neoliberale Wirtschaftspolitik der Ära Dzurinda wurde von der Regierung Fico beendet und Arbeiterrechte ausgebaut. Von 2010 bis 2011 kam es erneut zu einer kurzfristigen wirtschaftsliberalen Regierung unter Ministerpräsidentin Iveta Radičová. Die Regierungskoalition zerbrach aber 2011 vorzeitig aufgrund der Uneinigkeit der Regierungsparteien bezüglich des EU-Rettungsschirms. Bei den Parlamentswahlen 2012 gewannen die Sozialdemokraten von Robert Fico die absolute Mehrheit der Stimmen und bildeten eine sozialdemokratische Alleinregierung.