Suriname Geschichte

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    Kolonialzeit

    Die ersten Bewohner des südamerikanischen Landes waren die so genannten Surinen, ein indianischer Stamm, auf den der Landesname zurückgeht. Diese waren jedoch bereits von anderen Indianerstämmen vertrieben worden, als Christoph Kolumbus als vermutlich erster Europäer im Jahr 1498 die surinamesische Küste sichtete. Verschiedene Versuche von Spaniern, Holländern, Briten und Franzosen, in den folgenden Jahrzehnten Siedlungen an den surinamesischen Küsten zu gründen, scheiterten teils am Widerstand der Indianer, teils an den schwierigen Lebensbedingungen.

    Eine Veränderung trat ein, als 1667 die Niederländer Suriname und Britisch-Guayana mit den Briten gegen die nordamerikanische Siedlung Neu-Amsterdam (heute New York) tauschten. Mit Ausnahme von zwei kurzen Phasen in den Jahren 1799-1802 und 1804-1814 sollte Suriname bis zur Unabhängigkeit des Landes 1975 in niederländischem Besitz bleiben. Die Niederländer machten das Land zu einer einträglichen Kolonie im Rahmen eines Dreieckshandels zwischen Europa, Afrika und Südamerika. Die Indianer wurden größtenteils vertrieben. Zucker-, Kaffee-, Kakao-, Baumwoll- und Holzplantagen produzierten gewinnbringende Exportgüter. Als billige Arbeitskräfte dienten Sklaven von der afrikanischen Westküste, die bis Mitte des 19. Jahrhunderts die Mehrheit der Bevölkerung bildeten. Diese Form des Handels endete, als 1863 die Sklaverei in Suriname abgeschafft wurde. Die Plantagenarbeiten wurde nun von sogenannten Kontraktarbeitern getätigt, die sich zum Teil aus ehemaligen Sklaven, zum Teil aus einwandernden Chinesen und Madeiranern, später auch Indern und Javanern rekrutierten. Doch mit der Entdeckung und Ausbeutung von Bauxit ab den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts und ab 1945 nahm die Bedeutung der Plantagenwirtschaft ab.

    Unabhängigkeit

    Auch politisch änderten sich nach dem Zweiten Weltkrieg die Verhältnisse und es begannen Gespräche über eine Unabhängigkeit der ehemaligen Kolonie. 1954 erhielt Suriname den Status eines autonomen Teils des niederländischen Mutterlandes, 1975 wurde es unabhängig. Zusammen mit der Unabhängigkeit wurde allen Surinamesen die niederländische Staatsbürgerschaft zuerkannt, was dazu führte, dass sehr viele Einwohner (man spricht von Zahlen, die bis zur Hälfte der Gesamteinwohnerschaft gehen) innerhalb weniger Jahre in die Niederlande auswanderten.

    Eine Zeit politischer und ethnischer Konflikte setzte ein, und nach fünf Jahren Zivilregierung übernahm ein Militärrat durch einen Putsch die Macht im Land. Desiré Bouterse übernahm 1980 die Führung des Landes. Nach fünf Jahren Militärherrschaft arbeitete 1985 eine Nationalversammlung eine neue Verfassung aus, und 1987 wurde der ehemalige Putschist Bouterse offizielles Staatsoberhaupt. In den Parlamentswahlen, die noch im gleichen Jahr stattfanden, unterlag er jedoch dem oppositionellen R. Shankar, der neuer Präsident Surinames wurde. Eine zweiter Putsch Bouterses unterbrach 1990 die demokratische Entwicklung, aber bei den Parlamentswahlen 1991 erhielt die aus vier Parteien bestehende New Front Coalition (NF) unter Ronald Venetiaan die Mehrheit, die bis 1996 regierte. Venetiaan wurde 1991 Präsident. 1996 wurde J.A. Wijdenbosch von der Nationaldemokratischen Partei NDP bei den Präsidentschaftswahlen gewählt. Wirtschaftliche Schwierigkeiten führten 1999 zu Demonstrationen und Wijdenbosch ließ Neuwahlen ausrufen. Diese gewann im Mai 2000 die New Front Coalition. Ronald Venetiaan wurde im August 2000 Präsident des Landes und 2005 für eine weitere Amtszeit bestätigt. Im Juli 2010 wurde Desiré Bouterse (NDP) erneut zum Präsidenten Surinames gewählt. Er führt seit August 2010 eine Koalitionsregierung an. Bouterse und elf weitere Angeklagte müssen sich seit 2007 wegen den sogenannten Dezember-Morden (Ermordung von 15 Oppositionellen im Jahr 1982) vor Gericht verantworten. Im April 2012 verabschiedete das Parlament ein umstrittenes Amnestiegesetz, dass die Beschuldigten vor einer Strafverfolgung schützen soll.

    Suriname ist seit 1995 Mitglied der CARICOM, einem Zusammenschluss von vierzehn Staaten des karibischen Raums bei. Im seit Jahrzehnten andauernden Seegrenzkonflikt mit Guyana erging 2007 ein Urteil des Internationalen Seegerichtshofs, das das Meeresgebiet unter beiden Staaten aufteilt. 2008 gründete Suriname zusammen mit den anderen elf unabhängigen Staaten Südamerikas die Union Südamerikanischer Nationen (Unasur) nach Vorbild der Europäischen Union.