Tadschikistan Geschichte

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Inhaltsverzeichnis

Frühgeschichte bis Spätantike

Die Tadschiken sind direkte Abkömmlinge iranischer Einwanderer, die bereits im ersten Jahrtausend vor Christus im Territorium der heutigen Republik Tadschikistan siedelten. Dort entstanden die kulturellen und politischen Zentren der Reiche der Baktrer und Sogdier. Baktrien war ab dem 7. Jahrhundert v.Chr. ein selbstständiges Reich, das zwischen dem Fluß Murgab im Südwesten, dem Hindukusch im Süden und dem Gissargebirge im Nordosten lag. Das altpersische Sogdien (auch Sogdiana) hatte seine Lage zwischen dem Mittellauf des Amudarja und dem Syrdarja und umfasste damit sowohl das heutige Usbekistan als auch Teile von Kirgisistan, Turkmenistan und Tadschikistan. Hauptstadt der Oasenlandschaft war Marakanda (später Samarkand).

Es folgten verschiedene Fremdherrschaften. Im 6. Jahrhundert v.Chr. fielen die Perser ein und im 4. Jahrhundert v.Chr. mussten sich die Stämme, die in der tadschikischen Region lebten, unter die Herrschaft Alexander des Großen fügen. Weitere Unterwerfungen folgten, darunter die unter das Reich der Hephthaliten, die etwa im 4. Jahrhundert n.Chr. aus der Altairegion in das Amudarja-Gebiet einwanderten und sich in den folgenden Jahrhunderten mit den Einheimischen vermischten.

Islamisierung

Einen Einschnitt stellte die Eroberung durch die Araber dar, die die in der Region Lebenden islamisierten. Doch Stammesfehden schwächten die Eindringlinge und mit dem Mächtigerwerden der Samaniden kamen die Tadschiken im 9. und 10. Jahrhundert christlicher Zeitrechnung unter die Herrschaft dieser persischen Dynastie aus dem Raum Transoxanien und Chorasan.

Die Samaniden beherrschten im 10. Jahrhundert den größten Teil Persiens, doch bereits ab Ende des Jahrhunderts wurde das Gebiet von türkischen Invasoren erobert. Auf Grund der Tatsache, dass sowohl die Invasoren als auch die Eroberten muslimischen Glaubens waren, wurden die Tadschiken in den am stärksten bevölkerten Tälern des Syrdarja und Amudarja türkisiert. Dieser ehemals iranisch orientierte Landstrich wurde entsprechend zu Turkistan.

Drei weitere Eroberer prägten die folgenden Jahrhunderte: im 13. Jahrhundert die Mongolen, im 16. Jahrhundert die Usbeken und im 19. Jahrhundert die Russen.

Bis Mitte des 18. Jahrhunderts gehörten die Tadschiken zum Emirat von Buchara. Das in einer Oase der Wüste Kysylkum in Usbekistan gelegene Buchara war im Mittelalter eine bedeutende islamische Kulturstätte und ein wichtiges Handelszentrum. Afghanische Stämme eroberten südlich und südwestlich des Amudarja Teile des Landes. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts musste Buchara jedoch die russische Oberhoheit anerkennen. Einige nördlich gelegene Landstriche kamen als Gouvernement Turkestan unter russische Oberhoheit, der übrige Teil des Landes blieb nominell Teil Buchara.

Sowjetische Vorherrschaft

Nach der Russischen Revolution von 1917 wurde das Territorium des heutigen Tadschikistan neu aufgeteilt. Aus den nördlichen Bereichen entstand 1918 die "Autonome Sozialistische Sowjetrepublik Turkistan". Als die Revolution 1920 auch weiter südlich erfolgreich war, wurde aus dem Khanat Buchara die Sozialistische Volksrepublik Buchara, die einen Großteil des heutigen Tadschikistan umfasste. 1924 wurde die Autonome Sowjetische Sozialistische Republik als Teil der Usbekischen Sowjetrepublik ausgerufen und schließlich im Jahr 1929 zur (innerhalb der Sowjetunion) eigenständigen Sozialistischen Republik Tadschikistan aufgewertet.

Die in den Revolutionsjahren entstandene protürkisch-islamische Widerstandsbewegung, die Basmatschen, wurden in den folgenden Jahren besiegt und die Industrialisierung des Landes vorangetrieben. Herausragender kommunistischer Führer in der Zeit von 1926-56 war B.G. Gafurov, ein auch im Westen angesehener Historiker, dem es gelang, ein Nationalgefühl unter den vielsprachigen Tadschiken zu wecken. Hauptergebnis der Entwicklungsarbeiten waren Verbesserungen im Ausbildungs- und Gesundheitswesen.

Unabhängigkeit

Einen tiefen Einschnitt - wie für die meisten asiatischen Sowjetrepubliken - bedeutete die von Gorbatschow eingeleitete Perestroika, die Tadschikistan widerstrebend dazu veranlasste, am 9. September 1991 die Unabhängigkeit auszurufen. In ersten freien Präsidentschaftswahlen wurde der Kommunist Rahman Nabijew zum Präsidenten gewählt. Eine Zeit wirtschaftlicher und politischer Unruhen folgte, die 1992 zu einem Bürgerkrieg eskalierten. In den offen ausbrechenden politischen Auseinandersetzungen hatten sich drei nach Macht strebende Interessengruppen herauskristallisiert: zum einen die Kommunisten, die sich an der Macht zu halten versuchten, zum anderen demokratisch orientierte Kräfte und drittens die rasch an Zulauf und Radikalität gewinnenden Islamisten, die die Republik in einen Gottesstaat umwandeln wollten. Aus vorerst gewaltfreien Demonstrationen in der Hauptstadt im Jahr 1992 breitete sich der Unmut auf andere Städte aus, als Regierungskräfte das Feuer auf die Demonstranten eröffneten. Nachdem kurzzeitig die Opposition den regierenden Nabijev aus dem Amt gedrängt hatte, gelang es einer neuen Regierung unter Emomalii Rachmonow, mithilfe russischer Truppen die Kontrolle zu gewinnen. Es folgten blutige Kämpfe im Süden des Landes zwischen islamistischen, demokratischen, nationalistischen und kommunistischen Kräften, in die zudem noch regionale Clans und Banden eintraten. Die Hauptgegner jedoch waren die prokommmunistische neue Regierung unter dem 1994 gewählten Präsidenten Rachmonow auf der einen Seite und die islamische Opposition auf der anderen Seite. Rachmonow blieb mithilfe russischer Truppen an der Macht, konnte aber die aus afghanischen Stützpunkten heraus operierenden islamistischen Freischärler nicht entscheidend schwächen. Mehr als eine halbe Million Flüchtlinge und bis zu Hunderttausend Tote waren die traurige Bilanz des Bürgerkriegs, als im Juli 1997 unter UNO-Vermittlung ein Friedensvertrag unterzeichnet wurde. In diesem wurde den Islamisten unter Said Abdullah Nuri die Mitarbeit in der Regierung zugesichert. 2001 schlossen Tadschikistan, Russland, Weißrussland, Kirgisistan und Kasachstan einen Sicherheitspakt.

Die ersten Wahlen zum Unterhaus fanden im Februar 2000 statt. Präsident Rachmonow wurde bei den Wahlen 2006 im Amt bestätigt (dies war durch eine Verfassungsänderung 2003 möglich geworden). Allerdings kritisierte die OSZE Unregelmäßigkeiten. Die wichtigsten Oppositionsparteien boykottierten die Abstimmung, da sie die für Rachmonow geltende viermalige Wiederwahl nicht akzeptieren. In einem Erlass forderte Rachmonow 2007 eine Rückkehr zu den persischen Wurzeln durch eine Eliminierung der slawischen Namens-Endungen. Künftig nennt er sich Rahmon. Klimatische Unregelmäßigkeiten (Fehlernten, ein ungewöhnlich kalter Winter, Überschwemmungen) hatten 2007/08 die schwerste Notlage in der Bevölkerung seit Ende des Bürgerkriegs zur Folge. Nachdem im Frühjahr 2008 zusätzlich die Lebensmittelpreise noch einmal stark anstiegen, kam es zu Unruhen. Tadschikistan ist vom Klimawandel außerdem durch Gletscherschmelze stark betroffen. Die Präsidentschaftswahlen im November 2013 gewann Rachmonow/Rahmon mit angeblich 86,6 % der Stimmen. Echte Gegenkandidaten gab es nicht.