Tunesien
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Geografie
Die Tunesische Republik liegt in Nordafrika und grenzt im Osten und im Norden an das Mittelmeer, im Westen an Algerien und im Südosten an Libyen. Mit einer Fläche von 163 610 km2 ist das Land etwa doppelt so groß wie Österreich.
Landschaftlich lässt sich Tunesien in vier Regionen aufteilen. Ganz im Norden durchziehen die Ausläufer des Atlasgebirges mit fruchtbaren Tälern und Ebenen das Land, hier werden Höhen von ca. 600 bis 1 200 m erreicht. Auch der größte Fluss Tunesiens, der Wadi Medjerda, durchfließt diese Region von Westen nach Osten und mündet in den Golf von Tunis (hier liegt auch die gleichnamige Hauptstadt des Landes mit rund 1,9 Millionen Einwohnern im Großraum). Südlich des Flusses bildet die so genannte Medjerda-Ebene das wichtigste landwirtschaftliche Nutzgebiet Tunesiens. Weiter im Süden findet sich ein Höhenzug, der Dorsale (französisch für Rückgrat) genannt wird, mit dem höchsten Berg des Landes, dem Djebel Chambi mit rund 1 544 m. Dadurch wird der überwiegend aride Südteil des Landes vom Norden abgetrennt. Über Steppenlandschaften fällt das Land ab bis zu den so genannten Schotts, einer Reihe von Salzseen, die teilweise unterhalb des Meeresspiegels liegen. Im Sommer trocknen diese vollkommen aus, in der Regenzeit können sie sich kurzzeitig in eine sumpfartige Landschaft verwandeln. Der größte Schott ist der Schott El Jerid. Weiter im Süden liegt die Sahara-Wüste, die rund 40 % der gesamten Landesfläche einnimmt.
Klima
Im Norden Tunesiens herrscht mildes, mediterranes Klima mit heißen Sommern und milden Wintern. Die Temperaturen in Tunis liegen im Januar bei ca. 10 °C, im Juli bei ca. 26 °C. Die Niederschläge liegen bei durchschnittlich ca. 500 mm und fallen überwiegend in den Wintermonaten. Nach Süden hin steigen die Temperaturen an und die Niederschlagsmenge wird geringer. Die Durchschnittstemperaturen in Gafsa liegen im Januar bei ca. 9 °C, im Juli bei ca. 30 °C, während die Niederschlagsmenge 150 mm nur im Ausnahmefall überschreitet.
Flora und Fauna
Im ariden Süden des Landes herrscht Steppenvegetation mit Wildgräsern, Sträuchern und dem typischen Espartogras vor. Eine Ausnahme bilden die Oasengärten, in denen durch angelegte Bewässerungskanäle auf engstem Raum eine Vielzahl von Nutzpflanzen kultiviert werden (vgl. Wirtschaft). Die wenn auch nur selten auftretenden Regenfälle können die Vegetation über Nacht für kurze Zeit erblühen lassen.
Im Nordteil des Landes herrscht eine typisch mediterrane Vegetation. Je nach Höhe sind hier Aleppo-Kiefern und Wacholderbäume, Laubwälder, Korkeichen und Weinberge typisch.
In den Wäldern leben noch Luchse, Wildschweine und eine Vielzahl von Schlangenarten, unter ihnen auch Giftschlangen wie die Kobra oder die Hornviper. In den trockeneren Regionen finden sich Hyänen, Schakale, Gazellen, Wildziegen und typische Wüstentiere wie z.B. die Wüstenspringmaus und der Fennek. Die Restbestände an Wildeseln sind durch Jagdverbot geschützt. Die Vogelwelt umfasst unter anderem Bartgeier, Fischadler, Wanderfalken und Waldohreulen.
Bevölkerung
Fast alle 10,08 Millionen Tunesier sind arabischer Abstammung. Nur rund 2 % gehören anderen ethnischen Gruppen an, sind teils europäischer Abstammung. Zwei Drittel der Bevölkerung leben in den Städten, bevorzugt in den Küstenregionen. Die zweitgrößte Stadt ist Al-Ariana (245 000), gefolgt von Safaqis (230 000 im Stadtgebiet). Die offizielle Amtssprache ist Arabisch, gesprochen wird neben der tunesischen Arabisch-Variante Derija aber vielerorts auch Französisch, vor allem in geschäftlichen und offiziellen Bereichen, und die Berbersprache. Staatsreligion ist der Islam und der Großteil der Bevölkerung sind Moslems der sunnitischen Glaubensrichtung. Daneben gibt es verschwindend kleine jüdische und christliche Minderheiten.
Tunesien ist eines der fortschrittlichsten islamischen Länder, z.B. ist die vom Islam erlaubte Polygamie (Vielehe) per Gesetz verboten, die religiöse Gerichtsbarkeit wurde abgeschafft und es gibt ein modernes Scheidungsrecht. Auch beim Thema Frauenrecht erweist sich Tunesien als fortschrittlicher Staat, z.B. sind allein erziehende Mütter zumindest in Städten keine Seltenheit mehr und in der Arbeitswelt finden sich Frauen auch in leitenden Positionen.
Dennoch können zwar rund 84 % der männlichen Tunesier, aber nur 64 % der Frauen lesen und schreiben. Die Lebenserwartung beträgt im Schnitt 75 Jahre, das Bevölkerungswachstum liegt bei 1 %.
Politisches System
Gemäß der Verfassung von 1959 ist Tunesien eine freie, unabhängige Präsidialrepublik. Die staatliche Exekutive liegt beim Staatspräsidenten (seit 1987 Zain al-Abidin Ben Ali), der für fünf Jahre vom Volk gewählt wird. Er ist Staatsoberhaupt und Oberbefehlshaber der Streitkräfte und ernennt die Mitglieder des Kabinetts, dem der Ministerpräsident (seit November 1999 Mohamed Ghannouchi) vorsteht.
Das Parlament besteht aus zwei Kammern: Die Ratsversammlung hat 126 indirekt gewählte bzw. ernannte Mitglieder. Das Abgeordnetenhaus (Majlis al-Nuwaab) besteht aus 189 Mitgliedern, die nach dem gemischten Verhältniswahlrecht vom Volk für fünf Jahre gewählt werden. Regierungspartei ist die Rassemblement Constitutionnel Démocratique (RCD). Die wahlberechtigen Bürger müssen mindestens 20 Jahre alt sein und seit fünf Jahren die tunesische Staatsbürgerschaft besitzen.
Tunesien ist in 24 Gouvernemente untergliedert.
Wirtschaft
Tunesien hat sich in der Region als Schwellenland eine führende Stellung erarbeitet. Seit 1986 setzt das Land auf den Rückzug des Staates aus der Wirtschaft und die Integration in die Weltwirtschaft. Die Wachstumsraten des Bruttoinlandproduktes (BIP) liegen um 5 % (2007: 6,3 %). Nur noch 4 % der Menschen leben unterhalb der Armutsgrenze, die Arbeitslosigkeit liegt bei 14 %.
Der früher wichtigste Landwirtschaftssektor hat an Bedeutung verloren: Ein Fünftel der arbeitenden Bevölkerung ist hier tätig, das 11 % des BIP erwirtschaftet. Im fruchtbaren Norden werden Getreide (vor allem Weizen und Gerste), Gemüse, Melonen, Zitrusfrüchte und Weintrauben angebaut. Auch Viehzucht (Ziegen, Schafe und Kamele) und Forstwirtschaft (Korkeichen) werden betrieben. Im trockenen Süden des Landes werden vor allem Dattelpalmen kultiviert. In den Oasengärten werden unter anderem im so genannten Stockwerkanbau auch andere Nutzpflanzen kultiviert: Dattelpalmen überragen die Mandel-, Oliven- und Obstbäume, die wiederum ein Schutzdach für Bodenkulturen wie Gemüse, Getreide und Futtergräser bilden.
Durch die Assoziation mit der EU will Tunesien in den Kreis der Industrieländer aufsteigen (aktueller Anteil des Industriesektors am BIP: 27 %). Das Land ist relativ arm an Rohstoffen. An Bodenschätzen sind Erdöl und Phospate am wichtigsten. Daneben werden Zink, Blei, Eisenerz, Erdgas und Salz gewonnen.
Hauptexportgüter sind Erdöl, Textilien, Olivenöl und Phosphate, wichtigste Handelspartner sind Frankreich, Italien, Deutschland und Spanien. Importiert werden vor allem Maschinen, Elektrogeräte, Nahrungsmittel und Erdölprodukte.
Tunesien ist ein beliebtes Urlaubsziel für jährlich über vier Millionen Urlauber. Die historischen Stätten wie z.B. die Ruinen Karthagos und lange Sandstrände verhelfen zu wichtigen Deviseneinnahmen, auf die die tunesische Wirtschaft nicht verzichten kann.
Währung ist der Tunesische Dinar (= 1 000 Millimes).
Weblinks
| al-Dschumhūriyya at-Tūnisiyya | |
|---|---|
| Amtssprache | Arabisch, Französisch |
| Hauptstadt | Tunis |
| Staatsform | Präsidialrepublik |
| Fläche | 163.610 km² |
| Einwohner | 10.080.000 |
| Währung | Tunesischer Dinar |
| Zeitzone | MEZ (UTC +1) |
| KFZ-Kennzeichen | TN |
| Internet-TLD | .tn |
| Telefonvorwahl | 00216 |