Uganda Geschichte

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Inhaltsverzeichnis

Königreiche und britisches Protektorat

Auf dem Gebiet des heutigen Uganda herrschten bis ins 19. Jahrhundert hinein verschiedene Königreiche, unter denen Buganda ("Ganda-Land") ab dem 17. Jahrhundert eine Vormachtsstellung innehatte. Anfang des 19. Jahrhunderts kamen sowohl arabische Kaufleute als auch Europäer ins Land. Während der Islam keinen Fuß fassen konnte, hatten die christlichen Missionare mehr Erfolg. Der herrschende König ("Kabaka") Mutesa I. (1857 bis 1884) ließ sowohl Forschungsreisende wie z.B. den Briten Sir Henry Morton Stanley (1875), der sich auf der Suche nach den Quellen des Nils befand, als auch anglikanische und katholische Missionare ins Land. Ende des 19. Jahrhunderts wurden die fünf maßgeblichen Königreiche Buganda, Toro, Ankole, Busoga und Bunyora zum britischen Protektoratsgebiet Uganda zusammengelegt. Der amtierende Kabaka Mwanga II. blieb weiterhin als Herrscher in Amt und Würde, ebenso erhielten Bugander mehr Privilegien als Angehörige der anderen Stämme. Der südliche Teil des Landes, Stammgebiet der Buganda, wurde von den Briten zum wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum Ostafrikas ausgebildet, der wirtschaftlich weniger attraktive Norden des heutigen Uganda dagegen vernachlässigt.

Unabhängigkeit

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs versuchte die britische Kolonialmacht, in Uganda eine Regierung unter Beteiligung aller Königreiche aufzubauen, was jedoch scheiterte. Der Wunsch nach Unabhängigkeit führte in den nächsten zwei Jahrzehnten zur Gründung verschiedener Parteien, von denen sich die UCP (Uganda People’s Congress) bei Wahlen 1961 durchsetzen konnte. Der Parteivorsitzende Milton Apollo Obote wurde Premierminister (1961 bis 1971). Uganda wurde innerhalb des Britischen Commonwealth unabhängig. 1963 wurde das Land zur Republik erklärt, mit König Mutesa II. als Staatspräsident. Ab 1966 übernahm Obote auch dieses Amt und setzte den König ab. Eine neue Verfassung von 1967 verbot sämtliche Oppositionsparteien und schaffte die Königreiche ab. Ziel war ein zentralistisch regierter Einheitsstaat nach sozialistischem Muster.

Die Herrschaft von Idi Amin

1971 wurde Milton Apollo Obote in Abwesenheit von seinem General und Armeechef Idi Amin gestürzt. Unter dessen Militärherrschaft, die bis 1979 dauerte, fanden mehr als 250 000 Menschen in Uganda den Tod. Idi Amin ließ alle politischen Aktivitäten verbieten und setzte die Verfassung außer Kraft. 1972 verwies er unter dem Vorwand der wirtschaftlichen Unabhängigkeit alle in Uganda lebenden Asiaten, denen ein wesentlicher Teil der Unternehmen gehörte, des Landes. Das bedeutete für die Wirtschaft Ugandas auf Grund des dadurch verloren gegangenen Kapitals einen schweren Einbruch.

Neuere Entwicklungen

1979 musste Idi Amin flüchten, als die von Exil-Ugandern gegründete UNLF (Uganda National Liberation Front) mithilfe tansanischer Truppen die Hauptstadt Kampala einnahm. Erneut kam der aus dem Exil zurückgekehrte Milton Apollo Obote an die Macht. Seine Mittel zur Unterdrückung oppositioneller Parteien und Andersdenkender waren nicht weniger blutig als die seines Vorgängers Idi Amin. Auch dem Nachfolger Obotes, Tito Okello (1985) gelang es nicht, die Lage im Land unter Kontrolle zu bringen.

1986 übernahm die Guerilla-Organisation "National Resistance Army" unter der Führung von Yoweri Kaguta Museveni die Macht, Museveni wurde neuer Staatspräsident. Das "National Resistance Movement" (NRM) wurde zur Einheitspartei erklärt. Trotz des Verbots politischer Parteien beteiligte Museveni deren Vertreter an der Regierung, was im Laufe der nächsten Jahre zu einer Beruhigung der innenpolitischen Lage führte. Ab 1993 wurden die fünf aufgelösten Königreiche wieder errichtet, wobei die Monarchen keine politische Macht erhielten. Diese Wiedereinsetzung der Monarchie stellte eine Anerkennung von und Rückbesinnung auf traditionelle afrikanische Strukturen dar und brachte Museveni einiges an Ansehen beim Volk.

1995 trat eine neue Verfassung in Kraft, die zwar weiterhin die freie Betätigung von politischen Parteien (außer der Regierungspartei NRM) verbot, aber dem Parlament weitere Machtbefugnisse erteilte und einen Katalog von Grundrechten enthält. Durch die Wiedereinführung des Mehrparteiensystems 2005 wurde 2006 erstmals wieder eine "echte" Opposition ins Parlament gewählt. Eine Bestimmung über die Amtszeitbeschränkung des Staatsoberhaupts auf zwei Wahlperioden wurde 2005 aufgehoben. Obwohl sich die Lage innenpolitisch weitgehend stabilisiert hat und das Land wirtschaftlich erstarkt ist, bleibt Uganda nach wie vor hoch verschuldet und ein großer Teil der Bevölkerung leidet weiterhin an Armut und mangelnder medizinischer Versorgung.

Seit 2009 wird vor allem der verarmte Norden, Schauplatz schwerer ethnischer Konflikte, wiederaufgebaut, wo bis 2008 die Lord’s Resistance Army, die Befreiungsarmee unter dem Rebellenführer Joseph Kony, gewütet hat.