Vanuatu Geschichte

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    Archäologische Funde weisen auf eine erste Besiedlung der Inseln Vanuatus vor rund 3 000 Jahren hin. Vermutlich handelte es sich dabei um dunkelhäutige Volksstämme, die ursprünglich aus Neuguinea stammten.

    Der erste Europäer, der die Inseln im Jahr 1606 entdeckte, war der unter spanischer Flagge segelnde Pedro Fernández de Quirós. Näher erforscht wurden die Inseln erst ab 1768 durch den Franzosen Louis Antoine de Bougainville. Der englische Seefahrer James Cook kartographierte die Inseln auf seiner zweiten Südseefahrt (1772-75) und gab ihnen den bis 1980 gebräuchlichen Namen "Neue Hebriden".

    In der ersten Hälfte des 19. Jh.s ließen sich europäische Kaufleute und Missionare auf den Inseln nieder. Zur Gewinnung des wertvollen Sandelholzes wurden weite Gebiete abgeholzt. Die einheimische Bevölkerung wurde innerhalb von 100 Jahren von ursprünglich einer halben Million auf etwa 40 000 Menschen dezimiert: viele von ihnen starben an eingeschleppten Krankheiten, rund 60 000 wurden als Zwangsarbeiter auf die Plantagen in Australien und auf den Fidschi-Inseln verschleppt.

    In der zweiten Hälfte des 19.  Jh.s ließen sich zahlreiche Siedler aus Großbritannien und Frankreich auf den Inseln nieder. Um australischen Gebietsansprüchen vorzubeugen, einigten sich die beiden Kolonialmächte nach jahrelangem Ringen um die Vorherrschaft auf eine gemeinsame Verwaltung. 1906 wurden die "New Hebrides" bzw. "Nouvelles Hébrides" ein Kondominium, d.h. ein Gebiet, das unter der Herrschaft mehrerer Staaten stand. Beide Mächte bauten jeweils ein eigenes Rechts- und Bildungssystem auf und führten ihre Sprache als Amtssprache ein.

    Im Zweiten Weltkrieg blieben die Neuen Hebriden von Kampfhandlungen verschont, die hier errichteten amerikanischen Militärstützpunkte dienten nur als Nachschublager für die Streitkräfte. Nach dem Ende des Krieges übernahmen erneut Frankreich und Großbritannien die Verwaltung der Inseln.

    In den 1960er Jahren formierten sich auf den Inseln erste Widerstandsgruppen gegen die Kolonialmächte. Die Forderung nach Unabhängigkeit wurde von Parteien wie z.B. "Na-Griamel" auf Espiritu Santo unter der Führung von Jimmy Stevens und der "Nationalen Partei der Neuen Hebriden" (die spätere "Vanuaaku Pati"/ VP) unter Pater Walter Hayde Lini vorgetragen.

    1974 wurden den Inseln die begrenzte innere Selbstverwaltung zugestanden und ein Jahr später die ersten freien Wahlen abgehalten. 1977 erhielten die Neuen Hebriden die volle innere Autonomie. Als Regierungssitz fungierte die Stadt Port Vila auf Efaté. Sezessionsversuche der Inseln Espiritu Santo und Tanna wurden unterdrückt.

    Am 30. Juli 1980 wurden die Neuen Hebriden unter dem Namen Vanuatu (was in der Sprache Bislama etwa "Auf ewig unser Land" bedeutet) als parlamentarische Republik im Rahmen des britischen Commonwealth of Nations unabhängig. Ein Jahr nach Staatsgründung wurde Vanuatu Mitglied der Vereinten Nationen. Zum ersten Staatspräsidenten mit überwiegend repräsentativen Aufgaben wurde Ati George Sokomanu gewählt, erster Premierminister und damit Regierungschef des Staates wurde Walter Lini (bis 1991). Er vertrat den so genannten "melanesischen Sozialismus". Zusammen mit Fidschi, Papua-Neuguinea und den Salomonen gründete Vanuatu 1993 die "Melanesian Spearhead Group", um die Handelsbeziehungen zwischen den Staaten zu verbessern. Innenpolitisch ist die junge Demokratie seit dem Ende der Regierungszeit von Lini von Turbulenzen geprägt, die Regierungen wechseln häufig. Premierminister ist seit Mai 2014 Joe Natuman, der unter Vorgängerregierungen bereits mehrfach Ministerposten inne hatte.