Zentralafrikanische Republik Geschichte

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Die Ureinwohner auf dem Gebiet der heutigen Zentralafrikanischen Republik waren vermutlich Pygmäen, die als Sammler und Jäger lebten. Etwa ab Beginn der christlichen Zeitrechnung wanderten bantusprechende Völker ein, die die Pygmäen weitgehend vertrieben. Um 1500 waren im Westen des Landes Angehörige der Bongo (Banda) ansässig, während im Osten Sanda siedelten.

Im 17. Jahrhundert kamen portugiesische und niederländische Sklavenhändler von der Westküste aus ins Land (das nach dem Fluss Ubangi genannt wurde), ihnen folgten später von Nordosten her kommend arabische Händler. Durch die Verschleppung zahlloser Menschen als Sklaven wurden weite Teile des Landes bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts entvölkert.

Vom französischen Protektorat Kongo aus drangen Franzosen ab 1885 in Oubangi ein und gründeten 1889 die spätere Hauptstadt Bangui am Lauf des gleichnamigen Flusses. Bei der Landnahme mussten sich die Franzosen gegen die von Kamerun aus vorrückenden deutschen und aus Belgisch-Kongo (Zaire) vorrückenden belgischen Truppen behaupten.

Durch verschiedene Abkommen und Absprachen wurde der französische Anspruch auf das Gebiet der heutigen Zentralafrikanischen Republik von den europäischen Großmächten anerkannt und 1910 wurde das Gebiet als Kolonie Ubangi-Schari an Französisch-Äquatorialafrika (Gabun, Tschad, Mittel-Kongo) angegliedert. Immer wieder aufflackernde Aufstände der schwarzen Bevölkerung (1928, 1930) gegen die Kolonialherren und die Ausbeutung des Landes durch private Gesellschaften (vor allem Elfenbein, Gold und Edelhölzer wurden ausgeführt) wurden unterdrückt.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Ubangi-Schari zum französischen Überseeterritorium erklärt, 1958 als autonomes Gebiet innerhalb der Französischen Union zur Zentralafrikanischen Republik. Die ersten Wahlen im Dezember 1958 gewann der katholische Priester Barthélemy Boganda, der bereits 1949 die Unabhängigkeitsbewegung "Mouvement d'Evolution Sociale de l'Afrique Noire" (MESAN) gegründet hatte. Nach seinem Tod nur ein Jahr später übernahm David Dacko das Amt des Staatsführers (bis 1965).

Im August 1960 wurde die Zentralafrikanische Republik in die Unabhängigkeit entlassen. David Dacko erklärte 1962 seine Partei MESAN zur Einheitspartei. Vier Jahre später wurde er durch einen Militärputsch gestürzt, sein Nachfolger wurde der Generalstabschef Jean Bedel Bokassa (bis 1979), der über zwanzig Jahre lang Offizier bei den französischen Streitkräften im Land gewesen war. Bokassa errichtete ein vom Ausland geduldetes Terrorregime, unter dem Oppositionelle und Andersdenkende ausgeschaltet wurden. Ende der 60er Jahre begann die Förderung von Rohstoffen in der Zentralafrikanischen Republik (Diamanten, Uran).

Im März 1972 ernannte sich Bokassa zum Präsident auf Lebenszeit, vier Jahre später ließ er sich zum Kaiser krönen, nachdem er die konstitutionelle Monarchie als Staatssystem eingeführt hatte ("Zentralafrikanisches Kaiserreich").

Mit französischer Unterstützung putschte im September 1979 das Militär im Land und stürzte Bokassa (der sich gerade in Libyen aufhielt) vom Thron. Der von Bokassa 13 Jahre zuvor gestürzte David Dacko wurde erneut Staatschef der neu ausgerufenen Republik, in der nun auch wieder politische Parteien zugelassen wurden. Dacko wurde bei den Präsidentschaftswahlen im Januar 1981 im Amt bestätigt. Bokassa ging zunächst ins Exil, kehrte 1986 zurück und wurde zu lebenslanger Haft mit Zwangsarbeit verurteilt.

Nur wenige Monate später kam es in der Zentralafrikanischen Republik zu einem erneuten Putsch unter General André Kolingba, der ebenfalls von Frankreich unterstützt wurde. Er setzte die Verfassung außer Kraft und erklärte sich zum neuen Staatschef der Zentralafrikanischen Republik (bis 1993), anstelle des Parlaments wurde ein "Militärausschuss für Nationalen Wiederaufbau" eingesetzt. Kolingbas Partei "Rassemblement Démocratique Centrafricain" (RDC) wurde zur einzig legalen Partei erklärt.

Zu Beginn der 90er Jahre musste Staatschef Kolingba auf internationalen Druck (die Zentralafrikanische Republik war in hohem Maße von ausländischen Finanzhilfen abhängig) der Zulassung von politischen Parteien und Gewerkschaften zustimmen. Auch das von ihm abgeschaffte Amt des Premierministers wurde wieder eingeführt. Bei den ersten freien Parlamentswahlen im August 1993 gewann die Nachfolgeorganisation der früheren Befreiungsbewegung, "Mouvement pour la Libération du Peuple Centrafricain" (MPLC, 1979 im Exil gegründet), die Mehrheit der Stimmen. Ange-Félix Patassé, früher Ministerpräsident unter Bokassa, wurde neuer Staatspräsident der Zentralafrikanischen Republik. Premierminister einer Koalitionsregierung der "Nationalen Union" wurde Jean-Luc Mandaba.

Binnen kurzer Zeit sah sich der neue Staatschef mit Korruptionsvorwürfen konfrontiert. Als 1996 mehrere Einheiten der Armee Patassés Rücktritt forderten und gegen die Regierung meuterten, kam es wiederholt zu Unruhen in der Hauptstadt Bangui, die mit Hilfe französischer Truppen beendet wurden. Auch in den folgenden Jahren hielten die Konflikte zwischen den Einheiten der Armee und der Staatsführung an und es kam immer wieder zu bewaffneten Auseinandersetzungen.

1998 zog die französische Staatsführung ihre Truppen aus der Zentralafrikanischen Republik ab. Eine UN-Friedenstruppe (MINURCA) wurde stationiert mit der Aufgabe, die Entwaffnung der regierungsfeindlichen Truppen zu überwachen und Neuwahlen vorzubereiten, die im Dezember 1998 abgehalten wurden. Die MPLC ("Mouvement pour la Libération du Peuple Centrafricain") von Präsident Ange-Félix Patassé konnte 47 von insgesamt 109 Sitzen gewinnen. Patassé wurde bei den Präsidentschaftswahlen im September 1999 mit knapp 52 % der Stimmen für weitere sechs Jahre im Amt des Staatspräsidenten bestätigt. Im Mai 2001 kam es zu einem Putschversuch von Ex-Staatschef André Kolingba und Teilen des Militärs, der von regierungstreuen Truppen niedergeschlagen werden konnte. Patassé wurde schließlich 2006 in Abwesenheit wegen Betrugs und Missbrauchs öffentlicher Ämter verurteilt.

Im Frühjahr 2003 übernahm der entlassene Oberkommandeur der Armee, François Bozizé, mit Unterstützung der Rebellen die Macht. Die Verfassung wurde aufgehoben, das Parlament aufgelöst. Eine neue Verfassung trat am 5. Dezember 2004 in Kraft. Bozizé wurde im Mai 2005 durch allgemeine Wahlen für fünf Jahre in seinem Amt bestätigt. Im Norden des Landes bekämpften sich ab 2006 Rebellen der UFDR und Regierungstruppen. Auch die bewaffneten Auseinandersetzungen in Dafur und Tschad griffen auf die Zentralafrikanische Republik über. Ein Konflikt mit der (den gestürzten Staatspräsidenten Patassé unterstützenden) Rebellengruppe APRD im Nordwesten des Landes folgte; alle Konflikte konnten schließlich beigelegt werden. Im Juni 2008 wurde ein Gesamtfriedensabkommen unterzeichnet, außerdem wurde eine EUFOR-Truppe stationiert. Bereits einige Monate nach der Unterzeichnung des Friedensabkommens kam es zu erneuten Kämpfen vor allem im Norden und Nordosten des Landes, da sich die Regierung nicht an Zusagen gehalten hatte. Hinzu kamen vor allem im Südosten (Präfektur Haut-Mbomou) Überfälle durch die Rebellengruppe LRA auf die Zivilbevölkerung. Militäreinheiten aus Uganda unterstützten die schlecht ausgebildeten zentralafrikanischen Truppen bei der Bekämpfung der LRA.

Ab Dezember 2012 nahm die vorwiegend islamische Rebellenkoalition Séléka nach und nach wichtige Städte ein. Eine Übergangsregierung, der Bozizé weiterhin als Präsident vorstand und der auch Rebellen angehörten, scheiterte. Rebellenführer Michel Djotodia ernannte sich im März 2013 selbst zum neuen Staatsoberhaupt. Auseinandersetzungen zwischen der Séléka und und der christlichen Gegenbewegung "Anti-Balaka" führten zu einem vollständigen Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung. Frankreich entsendete im Dezember 2013 zusätzliche Truppen im Rahmen einer Friedensmission. Trotzdem gelang die Bewältigung der humanitären Krise bisher nur teilweise. Djotodia trat unter internationalem Druck im Januar 2014 zurück. Der Nationale Übergangsrat wählte Cathérine Samba-Panza als Interimspräsidentin.