Zypern Geschichte

    Aus Länder-Lexikon.de


    Anfänge

    Archäologische Funde weisen auf eine Besiedlung der Insel bereits ab dem 7. Jt. v.Chr. hin. Vermutlich im 3. Jt. wurden hier Kupfervorkommen entdeckt, vom griechischen Wort "Kypros" für Kupfer leitete sich später der Name der Insel ab. Dieser Rohstoff sowie die strategisch günstige Lage machten Zypern zu einer wichtigen Insel im mediterranen Raum. Immer wieder wurde sie von neuen Herrschern erobert. Etwa um 1500 v.Chr. gehörte Zypern zum ägyptischen Pharaonenreich, etwa ab 1400 v.Chr. entwickelten sich entlang der Küsten achäische Handelskolonien, aus denen sich wohlhabende Stadtkönigreiche entwickelten.

    Ab 800 v.Chr. herrschten die Phönizier über die Insel, im Verlauf des 8. Jh.s kam sie unter den Einfluss der Assyrer. Anschließend herrschten erneut die Ägypter, ab etwa 525 v.Chr. gehörte die Insel zum persischen Großreich, das von dem Makedonier Alexander dem Großen erobert wurde. Nach dessen Tod 323 v.Chr. fiel die Insel an das ptolemäische Ägypten.

    58 v.Chr. wurde Zypern von römischen Truppen erobert, rund 30 Jahre später wurde die Insel zur eigenständigen römischen Provinz. Ab dem ersten Jahrhundert n.Chr. verbreitete sich das Christentum. Nach der Teilung des Römischen Reiches 395 n.Chr. gehörte Zypern zum oströmischen (byzantinischen) Reich. Neben dem römischen Recht herrschte die griechische Kultur und Sprache vor sowie der christliche Glaube als Staatsreligion. Ab 431 erhielt die zyprisch-orthodoxe Kirche ihren selbstständigen Status mit einem eigenen kirchlichen Oberhaupt.

    Mittelalter

    Im 7. Jh. überfielen islamische Araber die Insel, konnten sie aber nicht dauerhaft erobern. 965 wurden die Araber von byzantinischen Truppen sowohl von Zypern als auch vom kleinasiatischen Festland wieder vertrieben.

    1191 wurde Zypern während des dritten Kreuzzuges vom englischen König Richard Löwenherz erobert, der es weiter an den Templerorden verkaufte. Der erbitterte Widerstand der zyprischen Bevölkerung gegen die neue Herrschaft führte dazu, dass die Insel knapp ein Jahr später erneut den Besitzer wechselte: das französische Haus Lusignan führte die Feudalherrschaft auf der Insel ein und etablierte die "Franken" als Lehensherren, denen die Bevölkerung Abgaben zu leisten hatte.

    Neuzeit

    Ab 1489 war Zypern in Besitz Venedigs, dann wurde die Insel 1570 von den Osmanen (Türken) erobert. Das Feudalsystem wurde abgeschafft, die zyprisch-orthodoxe Kirche anerkannt. Zahlreiche Osmanen ließen sich hier nieder und nahmen wichtige Ämter ein.

    Durch die Entdeckung des Seewegs nach Indien hatte Zypern ab Beginn des 16. Jh.s an strategischer Bedeutung verloren. Durch Ausbeutung und natürliche Ursachen wie Dürren und Heuschreckenplagen verarmte die zyprische Bevölkerung soweit, dass Tausende die Insel verließen. Um 1754 war die Zahl der auf Zypern lebenden Menschen auf schätzungsweise 10 000 gesunken. Der orthodoxe Erzbischof der Insel wurde vom Osmanischen Reich als Sprecher und Vertreter des griechisch-zypriotischen Volkes anerkannt. Während das Osmanische Reich etwa ab dem Ende des 18. Jh.s allmählich an Macht verlor, gewannen die orthodoxen Bischöfe auf der Insel an Bedeutung und erweiterten ihren Einfluss. Immer wieder kam es zu Aufständen der griechisch-zypriotischen Bevölkerung gegen die Osmanen, die von diesen blutig niedergeschlagen wurden.

    1878 überließ der Sultan des mittlerweile stark geschwächten Osmanischen Reiches gegen eine jährliche Pacht die Insel Zypern der Kolonialmacht Großbritannien, wobei die osmanische Oberhoheit offiziell gewahrt blieb. Für Großbritannien hatte die Insel weniger wirtschaftliche als strategische Bedeutung: hier wurden Marinestützpunkte errichtet, um den Seeweg zum 1869 eröffneten Suez-Kanal zu schützen.

    Als das Osmanische Reich 1914 an der Seite Deutschlands und Österreich-Ungarns in den Ersten Weltkrieg eintrat, annektierten britische Truppen die Insel und erklärten das bis dahin gültige türkische Hoheitsrecht für aufgehoben.

    Zeitgeschichte

    Auf Zypern selbst hatte sich seit Ende des 19. Jh.s eine Unabhängigkeitsbewegung unter Führung der orthodoxen Kirche gebildet, die den Anschluss der Insel an Griechenland forderte. 1925 wurde die Insel zur britischen Kronkolonie erklärt. Sowohl die griechische als auch die türkische Bevölkerung der Insel waren gemäß ihrem Anteil in der Bevölkerung in Gremien vertreten. Aufstände gegen die britische Kolonialmacht wurden unterdrückt.

    Zypern trat 1940 auf der Seite Großbritanniens in den Zweiten Weltkrieg ein. Nach dem Ende des Krieges gewann die Unabhängigkeitsbewegung an Bedeutung. Es bildeten sich politische Parteien: Die linksgerichtete Fortschrittspartei AKEL und die gemäßigte sozialistische Partei PESP traten für die Unabhängigkeit Zyperns ein, während die rechtsorientierte Bauernpartei PEK und die klerusnahe, nationalistische Partei KEK den Anschluss (Enosis) an Griechenland forderten. An der Spitze der Enosis-Bewegung setzte sich das neue Oberhaupt der griechisch-orthodoxen Kirche auf Zypern, Erzbischof Makários III. Eine zweite Bewegung gegen die britische Oberhoheit bildete die "Nationale Organisation Zyprischer Kämpfer (EOKA) unter dem nationalistischen General Georgios Grívas, die einen bewaffneten Guerillakampf begann. Nachdem zunehmend auch die türkische Bevölkerung auf Zypern Ziele der Anschläge der EOKA wurden, verstärkten sich die ohnehin bestehenden Spannungen zwischen der griechischen und der türkischen Bevölkerung. Die Türkei, die sich als Schutzmacht der türkischen Minderheit auf Zypern sah, wollte einen Anschluss der Insel an den Erzfeind Griechenland auf jeden Fall verhindern. Die türkische Untergrundorganisation TMT nahm ihrerseits den Kampf auf und verübte Anschläge auf den griechischen Teil der Bevölkerung.

    Unabhängigkeit

    Ende der 1950er Jahre einigten sich Großbritannien, die Türkei und Griechenland auf einen Kompromiss: Zypern sollte als eigener Staat in die Unabhängigkeit entlassen werden, wobei alle drei Mächte das Recht auf die Stationierung von Truppen zugesichert wurde. In Regierung, öffentlichem Dienst und Verwaltung sollten Griechen und Türken gemäß ihrem Anteil an der Bevölkerung vertreten sein. Der Präsident als Staatsoberhaupt sollte Grieche, dessen Vize ein Türke sein. Dabei war der Vizepräsident dem Präsidenten laut Verfassung annähernd gleichgestellt.

    Am 16. August 1960 wurde die unabhängige Republik Zypern ausgerufen mit Nikosia (Lefkosia) als Hauptstadt. Staatspräsident wurde der orthodoxe Erzbischof Makários III., Fazil Küçük als türkischer Zyprer wurde Vizepräsident. 1961 wurde die Republik Zypern Mitglied im britischen Commonwealth of Nations.

    Als der zyprische Präsident Makrários 1963 eine Verfassungsreform forderte, die die Rechte der türkischen Bevölkerung beschränkte, brachen bürgerkriegsähnliche Unruhen aus, die erst 1964 von einer UN-Friedenstruppe beendet werden konnten. Während des Bürgerkriegs zogen die meisten türkischstämmigen Bewohner der Insel in den Norden Zyperns.

    Teilung der Insel

    Im Juli 1974 kam es zu einem von der Athener Militärjunta gestützten Putsch auf Zypern gegen den amtierenden Präsidenten Makários, der sich nach dem Umsturz in Griechenland 1967 für ein selbstständiges und geeintes Zypern ausgesprochen hatte. Als Nachfolger von Makários wurde Nikos Samson eingesetzt, der den Anschluss der Insel an Griechenland forderte. Nur wenige Tage später landeten türkische Truppen im Norden Zyperns und brachten den ganzen Nordosten (knapp 40 % der Insel) unter ihre Kontrolle. Damit war Zypern de facto zweigeteilt, wobei die Grenzlinie ("Attila-Linie") mitten durch die Hauptstadt Nikosia verlief. Während auf internationaler Ebene der Einmarsch der Türkei in Zypern verurteilt wurde, wanderten aus dem türkisch-besetzten Teil die Griechen in den Süden des Landes bzw. wurden vertrieben. Umgekehrt verhielt es sich mit den restlichen türkischstämmigen Bewohnern im Süden, die in den Norden des Landes abwanderten.

    Im Dezember 1974, als in Griechenland die Militärjunta erneut gestürzt worden war, übernahm der Erzbischof Makários erneut das Präsidentenamt auf Zypern. Dennoch blieb die Teilung der Insel auch weiterhin bestehen und hat sich bis heute nicht verändert. Während die Griechen einen Einheitsstaat mit autonomen Provinzen fordern, besteht der türkische Teil der Bevölkerung auf eine lose Föderation zweier weitgehend selbstständiger Staaten.

    Im Februar 1975 erklärte sich der türkische Norden Zypern einseitig zum "Türkischen Föderationsstaat von Zypern" (ab 1983 "Türkische Republik von Nordzypern"). Eine eigene gesetzgebende Versammlung wurde ins Leben gerufen und das Amt des Präsidenten übernahm im Juni 1976 Rauf Denktasch. Zu diesem Zeitpunkt lebten schätzungsweise 105 000 türkischstämmige Zyprer und rund 40 000 neu angesiedelte Festlandstürken im Norden der Insel, darüber hinaus rund 40 000 türkische Soldaten. Nur die Türkei erkannte die Republik als rechtmäßigen Staat an. Seit diesem Zeitpunkt bemühen sich Vertreter der UN um eine Lösung des Zypern-Konflikts, bisher ohne Erfolg.

    1990 beantragte die völkerrechtlich anerkannte Republik Zypern die Aufnahme in die Europäische Gemeinschaft (seit 1993 Europäische Union, EU). Bei einem getrennten Referendum zur Wiedervereinigung stimmten 2004 die griechischen Zyprioten zu 75,8 Prozent mit "Nein", die türkischen Zyprioten zu 64,9 Prozent mit "Ja". Deshalb trat Zypern der EU im Mai 2004 als geteiltes Land bei. 2007 ließ Präsident Papadopoulos als symbolische Handlung einen Teil der Grenzmauer in der Hauptstadt Nikosia einreißen, trotzdem stagniert der Einigungsprozess weiter. Papadopoulos' Nachfolger waren der Kommunist Demetris Christofias (2008-2013) und der christdemokratisch-konservative Nikos Anastasiadis (seit 2013). Präsident Nordzyperns ist seit 2010 Derviş Eroğlu.

    Am 1. Januar 2008 trat die Republik Zypern der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion bei und führte damit den Euro ein.