Ägypten Geschichte

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    Vorzeit

    Die ältesten erhaltenen Besiedlungsspuren auf ägyptischem Boden stammen aus der Zeitum 60 000 v.Chr., als die Sahara austrocknete und das Niltal sich bildete. Die altsteinzeitliche Kultur Ägyptens entstand in Verbindung mit den westeuropäischen bzw. mittelmeerischen Kulturkreisen.

    Frühzeit bis Spätzeit

    Frühzeit

    Etwa um 3000 v.Chr. entstand die ägyptische Hieroglyphenschrift, seit diesem Zeitpunkt existieren schriftliche Belege für die Geschichte des Landes. Zwischen 3000 v.Chr. und der Eroberung durch Alexander den Großen im Jahr 332 v.Chr. wird die ägyptische Geschichte in drei große Reiche und entsprechende Zwischen- bzw. Übergangszeiten eingeteilt: Altes Reich (2900 bis 2130 v.Chr.), Mittleres Reich (2040 bis 1650 v.Chr.) und Neues Reich (1551 bis 1075 v.Chr.). Die Einteilung der ägyptischen Geschichte in 30 Dynastien geht auf den hellenistisch-gebildeten Priester Manetho zurück, der diese um 250 v.Chr. aufschrieb.

    Altes Reich

    Um 3200 v.Chr. soll der Pharao Menes, an dessen realer Existenz heute gezweifelt wird, Ober- und Unterägypten vereinigt haben. Unter dem Pharao Djoser, dem ersten Pharao der 3. Dynastie, war das ägyptische Reich in 42 Gaue aufgeteilt, Zentrum war Memphis (in der Nähe des heutigen Kairo). Aus der Zeit Djosers stammt die Stufenpyramide von Sakkara. Aus der Zeit seiner Nachfolger sind Handelsbeziehungen bis nach Vorderasien überliefert. Während der 4. Dynastie (bis 2563 v.Chr.) herrschten die Pharaonen Cheops, Chephren und Mykerinos, die die großen Pyramiden von Giseh errichten ließen. Unter den Pharaonen der 5. Dynastie (Userkaf, Sahure, Unas) dehnte sich das ägyptische Reichsgebiet bis südlich von Assuan aus. Die Pharaonen galten als Söhne des verehrten Sonnengottes Re. Ab 2260 v.Chr. zerfiel das Reich auf Grund politischer und sozialer Unruhen wieder in mehrere Einzelreiche und Fürstentümer.

    Mittleres Reich

    Nach einer so genannten Zwischenzeit einten die Könige von Theben (heute Luxor) ab 2160 v.Chr. Ägypten wieder zu einem Großreich (Beginn der 9. Dynastie bzw. des Mittleren Reiches). Nach kurzer Zeit wurde Memphis im Norden des Landes wieder Zentrum. Im Mittleren Reich kam es zu einer Ausdehnung nach Nubien bis zum dritten Nilwasserfall (Nilkatarakt), diese Gebiete mussten aber ab etwa 1785 v.Chr. wieder aufgegeben werden, als das Mittlere Reich aus noch ungeklärter Ursache sich aufzulösen begann.

    In einer Zwischenphase herrschte eine aus Asien stammende Gruppe (Hyksos) in Ägypten, ihr Zentrum war Auaris im östlichen Nildelta. Sie brachten vermutlich Pferde und Streitwagen mit ins Land.

    Neues Reich

    Mit dem Ende der Hyksos-Herrschaft begann das Neue Reich um 1550 v.Chr. (18.-20. Dynastie), in dem wieder ägyptische Pharaonen herrschten und das Land zu einer Großmacht aufstieg. Unter Amenophis I. und Thutmosis I. dehnte sich das Reich bis nach Nubien und zum Euphrat aus. Nach der Pharaonin Hatschepsut regierte Thutmosis III., der das Reich gegen konkurrierende Völker (Babylonier, Assyrer, Hethiter) behaupten und sichern konnte. Eine kulturelle und wirtschftliche Hochzeit des Neuen Reiches wird heute in Zusammenhang mit den Pharaonen Amenophis III. (1403-1365) und Amenophis IV. gesehen: Letzterer nannte sich Echnaton (Gattin: Nofretete) und erhob den Sonnengott Aton zum alleinigen Gott (erstmalig: Monotheismus). Unter Echnaton war Tell el-Amarna das Zentrum des ägyptischen Reiches. Echnatons Sohn Tutenchamun wurde von der aufgebrachten Priesterschaft dazu gebracht, den Monotheismus zugunsten einer Dreiheit des göttlichen Prinzips abzuschaffen. Der letzte große Pharao des Neuen Reiches war Ramses II. (20. Dynastie, ca. 1290 bis 1224 v.Chr.), der vormals verloren gegangene Gebiete in Asien noch einmal zurückerobern konnte. In der Folgezeit begann der langsame Niedergang des ägyptischen Großreiches, ausgelöst durch von außen immer wieder angreifende Völker und die daraus resultierenden Kriege und durch innere Unruhen. In der folgenden Zwischenzeit (ca. 1075-715 v.Chr.) entstanden erneut mehrere regionale Machtzentren.

    Spätzeit

    Ab 745 v.Chr. herrschten aus Nubien stammende Könige über Ägypten, ihnen folgten die Assyrer. Deren Herrschaft beendete der Pharao Psammetich I. (26. Dynastie, 664-610 v.Chr.). 525 geriet Ägypten erneut unter Fremdherrschaft, diesmal waren es die Perser, die das Land abgesehen von kurzen Unterbrechungen bis zur Eroberung durch Alexander den Großen im Jahr 332 besetzt hielten.

    3. Hellenistische bis byzantinische Zeit

    Unter Alexander dem Großen war Ägypten Teil des Makedonischen Reiches, das zu diesem Zeitpunkt ganz Klein- und Vorderasien umfasste und bis zu Alexanders Tod noch fast um das gesamte Reich der Perser erweitert wurde. Anschließend übernahm ein Feldherr Alexanders, Ptolemaios, als König von Ägypten die Verwaltung des Landes. Das Herrscherhaus der Ptolemäer regierte Ägypten fast 300 Jahre lang. Zentrum war die Stadt Alexandria an der Mittelmeerküste. Im Jahr 31 v.Chr. verlor die Flotte der letzten ägyptischen Königin Kleopatra VII. eine entscheidende Seeschlacht gegen die Römer, Ägypten wurde zur römischen Provinz. Nach der Teilung des Römischen Reiches gehörte das Land zum Reich von Byzanz (oströmischer Teil) und wurde teilweise christianisiert.

    Arabische Zeit

    Im 7. Jahrhundert nach Christus kamen die islamischen Araber nach Ägypten und besiedelten das gesamte Niltal, das Land wurde Teil des Kalifenreiches. Unter den Fatimiden wurde 969 die Stadt Kairo gegründet. Im 12. Jahrhundert wurde Kairo das Zentrum des muslimischen Widerstandes gegen die christlichen Kreuzzüge. Um 1250 übernahm die Palastgarde der Mamelucken (Söldner und Sklaven, die meist aus der Türkei stammten) die Macht in Ägypten, die sie bis zur ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts innehatten. 1517 wurde Ägypten eine weitgehend autonome Provinz des Osmanischen Reiches, das u.a. die heutigen Staaten Libanon, Syrien, Irak, Israel und Jordanien umfasste.

    Neuzeit

    1798 eroberten französische Truppen unter Napoleon Bonaparte Ägypten und vertrieben die Mamelucken, die Franzosen wurden aber schon drei Jahre später wieder durch türkische und britische Soldaten aus Ägypten verdrängt. Der türkische Offizier Mehmed Ali machte sich 1805 zum Statthalter von Ägypten. Er herrschte bis 1849 über das Land, das unter türkischer Oberherrschaft stand, und führte im Auftrag des Osmanischen Reiches erfolgreiche militärische Aktionen durch (z.B. gegen das Wahhabitenreich im heutigen Saudi-Arabien 1812 bis 14). Der Bau des Suezkanals (1859-69) führte zu einer extrem hohen Auslandsverschuldung Ägyptens und zur Zerrüttung der Staatsfinanzen. Großbritannien eignete sich 1875 die Aktienmehrheit über den Suezkanal an, um den Verbindungsweg nach Indien abzusichern. Nach inneren Unruhen und dem Versuch einer Militärrevolte wurde Ägypten 1882 von britischen Truppen besetzt.

    1888 kam es zu einem in Istanbul unterzeichneten Abkommen über die völkerrechtliche Nutzung des Suezkanals, das die Durchfahrt für Handels- und Kriegsschiffe aller Nationen zusichert und Kriegshandlungen gegen den Kanal untersagt. 1922 sah sich Großbritannien auf Grund einer breiten Unabhängigkeitsbewegung gezwungen, seine Herrschaft über Ägypten aufzugeben, ohne dabei ihre Rechte über die Sicherung des Suezkanals aus den Händen zu geben. Bis 1946 blieben britische Truppen noch im Land stationiert.

    Die nächsten Jahrzehnte wurden durch die Auseinandersetzung der neuen Monarchie unter König Fuad I. (ab 1936 Faruk) und der Wafd-Partei als Träger der Unabhängigkeitsbewegung bestimmt. Die Wafd-Partei hatte bei den ersten Parlamentswahlen im April 1923 die Mehrheit der Stimmen erhalten und war die führende politische Kraft in Ägypten. Im März 1945 gehörte Ägypten zu den Gründungsmitgliedern der "Arabischen Liga", deren Ziel eine verbesserte wirtschaftliche, politische und militärische Zusammenarbeit zwischen den arabischen Staaten war. 1948 scheiterte der Versuch, die Etablierung des Staates Israel zu verhindern. Innenpolitisch führten Arbeitslosigkeit und Massenarmut zu sozialen Spannungen und Streiks, die außerparlamentarischen Kräfte wie die Kommunisten und die reaktionäre Muslimbruderschaft gewannen zunehmend an Einfluss.

    1952 kam es zu einem unblutigen Putsch unter Oberst Gamal Abd el-Nasser (arabisch: Gamal Abd An Nasir), das Militär übernahm die Macht in Ägypten. Die Verfassung von 1923 wurde außer Kraft gesetzt und eine Bodenreform durchgeführt, im Juni 1953 wurde die Republik ausgerufen. Ein Jahr später wurde Gamal Abd el-Nasser Minister- und Staatspräsident des Landes. Die Rechte des Staatspräsidenten wurden durch die Verfassung von 1956 noch weiter ausgebaut. Nasser versuchte den Weg eines arabischen Sozialismus zu gehen, er baute ein Einparteiensystem auf unter der Führung der Sozialistischen Union und hielt engen Kontakt zur Sowjetunion, die Ägypten finanziell, technisch und militärisch unterstützte.

    Als Nasser im Juli 1956 den Suezkanal verstaatlichte, kam es zur Konfrontation mit Großbritannien und Frankreich, den beiden Hauptaktionären der Kanalgesellschaft. Nur die Intervention der USA und der Sowjetunion verhinderten einen Krieg, als Israel auf eine Konzentration ägyptischer Truppen im Sinai mit der Besetzung der Halbinsel reagierte. Ein Intermezzo blieb die 1958 mit Syrien geschlossene Verbindung zur "Vereinigten Arabischen Republik", die 1961 von Syrien wieder gelöst wurde. Im so genannten "Sechs-Tage-Krieg" im Juni 1967 gegen Israel musste Ägypten eine verheerende militärische Niederlage hinnehmen: Israel eroberte die syrischen Golanhöhen, den Gazastreifen, die Sinai-Halbinsel und das Westjordanland.

    Nassers Nachfolger als Staatspräsident wurde 1970 Muhammad Anwar As Sadat. Im gleichen Jahr wurde nach 12 Jahren der Bau des Assuan-Staudammes abgeschlossen, mit dem künftig der Wasserhaushalt des Nils kontrolliert werden konnte. Sadat suchte im Konflikt mit Israel zunächst diplomatische Lösungen um die Befreiung der Sinai-Halbinsel, im Oktober 1973 kam es zum Angriff Ägyptens und anderer arabischer Staaten auf Israel (Yom-Kippur-Krieg). Der für beide Seiten verlustreiche Krieg endete noch im gleichen Monat durch einen Waffenstillstandsvertrag, der von der UNO kontrolliert wurde. An der Lage auf dem Sinai hatte sich durch den Krieg keine großen Änderungen ergeben.

    1974 kam es zum Bruch zwischen Ägypten und der Sowjetunion, 1977 mussten alle sowjetischen Militärberater das Land verlassen. 1977 startete der ägyptische Staatspräsident Sadat eine Friedensinitiave und besuchte Israel. Durch die Vermittlung des amerikanischen Präsidenten Jimmy Carter kam es nach Gesprächen zwischen Sadat und dem israelischen Regierungschef Menachem Begin 1978 zu einem ägyptisch-israelischen Friedensvertrag (Camp David). Israel verpflichtete sich dabei zur Rückgabe der Sinai-Halbinsel an Ägypten, während im Gegenzug Ägypten den Staat Israel völkerrechtlich anerkannte. Dadurch kam es zu einer Isolation Ägyptens im arabischen Lager (Ausschluss aus der Arabischen Liga) und innenpolitisch zu einem Erstarken muslimischer Gruppierungen. Im Oktober 1981 wurde Anwar As Sadat von einem islamischen Fundamentalisten erschossen.

    Sein Nachfolger wurde der bisherige Vizepräsident Hosni Mubarak. Er versuchte, den Friedensprozess mit Israel weiterzuführen und gleichzeitig eine Annäherung an das arabische Lager zu vollziehen. 1989 wurde Ägypten wieder Vollmitglied in der Arabischen Liga. Im Golfkrieg im Januar 1991 stellte sich das Land auf die Seite der multinationalen Streitkräfte gegen den Irak, im Gegenzug wurde dem Land von den USA und den Ölstaaten der Arabischen Halbinsel ein Schuldenerlass von knapp 15 Milliarden US-Dollar gewährt. Ein weiteres Ziel ist die Normalisierung der Beziehungen zum Sudan, mit dem es immer wieder zu Grenzkonflikten kam. Im Juni 2001 beschlossen Ägypten, Libyen, Irak und Syrien die Errichtung einer Freihandelszone zur Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Nach dem Vorbild der Europäischen Union soll ein gemeinsamer Markt der arabischen Staaten geschaffen werden.

    In den 1980er und 90er Jahren gewannen die Fundamentalisten immer mehr an Gewicht, die die Errichtung eines islamischen Staates auf der Grundlage des Koran forderten und die zu weltliche Regierung Mubaraks verurteilten. Es kam wiederholt zu Attentaten, auch auf ausländische Besucher, die von der Regierung mit Verhaftungen und Todesurteilen beantwortet wurden. Die Regierung ergriff verschärfte Maßnahmen vor allem gegen die Muslim-Brüder, eine der einflussreichsten islamisch-fundamentalistischen Bewegungen im Nahen Osten.

    Auf wachsenden innen- und außenpolitischen Druck hin revidierte Mubarak für die Präsidentschaftswahlen 2005 die Verfassung: Erstmals waren Gegenkandidaten zugelassen, über die die Bevölkerung in direkter Wahl entscheiden konnte. Die Wiederwahl und die Machtstellung Mubaraks blieben jedoch ungefährdet. Seine fünfte Amtszeit begann im September 2005.

    Das Volk stimmte in einem Referendum im März 2007 mit einer Dreiviertel-Mehrheit für weitreichende Verfassungsänderungen, die unter anderem Parteien verbieten, die sich auf Religion, Rasse oder Ethnie gründen. Darüber hinaus erhielt der Staatspräsident weitere Machtbefugnisse. Die Opposition hatte zum Boykott der Volksabstimmung aufgerufen.

    Im März 2008 begann Ägypten mit dem Bau einer Schutzmauer an der 14 Kilometer langen Grenze zum Gazastreifen, nachdem dessen Bewohner die Grenze zwei Monate vorher bedingt durch die israelische Wirtschaftsblockade durchbrochen hatten, um sich mit Lebensmitteln und Medikamenten einzudecken. Das ägyptische Militär hatte zunächst nicht eingegriffen, begann jedoch nach Streitigkeiten mit Israel über die Grenzsicherung mit dem Mauerbau.

    Im selben Jahr kämpfte Ägypten gegen eine Lebensmittelkrise. Das hohe Wirtschaftswachstum von rund 7 % kam nicht bei der Bevölkerung an, während sich gleichzeitig die Preise für Brot und weitere Nahrungsmittel dramatisch erhöhten. Versorgungsengpässe führten zu Streikdrohungen und Protesten, die jedoch mit einem massiven Polizeiaufgebot unterbunden wurden.

    Nach den von Betrugsvorwürfen überschatteten Parlamentswahlen 2010 kam es zu schweren Ausschreitungen. Die Opposition konnte gegenüber der Nationaldemokratischen Partei von Mubarak nur noch wenige Sitze behaupten.

    Revolution 2011 und Staatskrise 2013

    Aufgrund der offenen Proteste im Rahmen des Arabischen Frühlings im Januar/Februar 2011 und des schwindenden Rückhalts im Militär trat Mubarak am 11. Februar 2011 zurück. Etwa 850 Demonstranten waren bei den Protesten ums Leben gekommen. Mubaraks Amtsgeschäfte übernahm ein Oberster Militärrat. Dieser setzte die Verfassung außer Kraft und löste das Parlament auf, um die Grundlagen für Neuwahlen zu schaffen. Mubarak wurde verhaftet und im Juni 2012 im Zusammenhang mit der tödlichen Gewalt gegen Demonstranten zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.

    Blutige Auseinandersetzungen zwischen Kopten, radikalen Muslimen und Sicherheitskräften im Oktober 2011 in Assuan belasteten die innenpolitische Entwicklung. Im November 2011 kam es auf dem Tahrir-Platz in Kairo sowie in andereren ägyptischen Städten zu Massendemonstrationen gegen den herrschenden Obersten Militärrat. Daher wurde eine neue Regierung ernannt. Trotz der krisenhaften Umstände fanden im Dezember/Januar 2011/12 Wahlen zur Volksversammlung statt, bei denen die islamistischen Kräfte mehr als zwei Drittel der Mandate gewannen. Im Juli 2012 erklärte das Verfassungsgericht das Gesetz zur Parlamentswahl in Teilen für ungültig und damit die Zusammensetzung der Volksvertretung für illegal. Gleichzeitig bestätigten die Richter die Rechtmäßigkeit der Präsidentschaftskandidatur des ehemaligen Generals und Regierungschefs Schafiqs. Daraufhin löste der Oberste Militärrat das Parlament auf und übernahm die Gesetzgebungshoheit. Muhammed Mursi, der Kandidat der Muslimbrüder, gewann die Stichwahl um das Präsidentenamt wenig später knapp gegen Schafiq.

    Im November 2012 verabschiedete die Verfassungskommision den Entwurf für die neue Verfassung. Diese wurde in einer Volksabstimmung angenommen. Trotzdem blieb die innenpolitische Situation kritisch, der politische Widerstand gegen den Präsidenten und die mit ihm verbundene Muslimbruderschaft verstärkte sich. Es kam zu von Gewalttaten überschatteten Massendemonstrationen. Angesichts der Eskalation stellte der Armeechef allen politischen Gruppierungen ein Ultimatum, sich zu einigen. Nachdem Präsident Mursi sich gegen das Ultimatum gestellt hatte, erklärte ihn das ägyptische Militär am 3. Juli 2013 für abgesetzt. Es beauftragte tags darauf Verfassungsgerichtspräsident Adli Mansur übergangsweise mit der Staatsführung. Dieser hat einen Übergangsfahrplan vorgestellt. Hasem al-Beblawi wurde am 9. Juli 2013 zum Interims-Premierminister ernannt. Das Übergangskabinett wurde wenige Tage später vereidigt. Bis Oktober 2013 lag die Anzahl der seit dem Putsch am 3. Juli Getöteten bei etwa 2000 Menschen.