Angola

Aus Länder-Lexikon.de

Staat in Südwestafrika mit 1 246 700 km² (inklusive Exklave Cabinda) und 12,5 Millionen Einwohnern, Hauptstadt Luanda.

Das Küstentiefland von Angola ist 70 bis 150 km breit, die Hochflächen in Mittelangola senken sich nach Südosten zum Sambesi- und zum Kalaharibecken, im Norden zum Kongobecken ab. Die Einwohner sind überwiegend Bantus.

1483 entdeckten die Portugiesen Angola. Die Einwohner wurden bis 1869 als Sklaven nach Brasilien verbracht. 1951 erhielt Angola den Status einer portugiesischen Überseeprovinz. Nach militärischen Aktionen der rivalisierenden Befreiungsbewegungen MPLA, FNLA und UNITA entließ Portugal Angola 1975 in die Unabhängigkeit. Im Kampf um die Macht setzte sich die von Kuba und der Sowjetunion unterstützte marxististische MPLA durch. 1991 schlossen die Gruppen Frieden. Bis zu den Wahlen übernahm eine Gemeinsame Politische Militärische Kommission (CCPM) die Macht. Zwischen 1998 und 2002 herrschte erneut Bürgerkrieg zwischen UNITA und Regierungstruppen im Norden des Landes. Im September 2008 fanden zum ersten Mal seit Ende des Bürgerkriegs Parlamentswahlen statt.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Die Republik Angola liegt im Südwesten Afrikas und ist mit einer Größe von 1 246 700 km² das siebtgrößte Land des Kontinents und etwa dreieinhalbmal so groß wie Deutschland. Im Westen grenzt das Land an den Atlantischen Ozean, im Norden an den Kongo und an die Demokratische Republik Kongo, im Osten an Sambia und im Süden an Namibia. Die nördlichste Provinz Angolas (Cabinda, rund 7 000 km²) an der Atlantikküste ist durch einen schmalen Landstreifen (der zur Demokratischen Republik Kongo gehört) vom übrigen Staatsgebiet getrennt.

Die Küste Angolas ist durch zahlreiche Buchten und Flussmündungen gegliedert. Landeinwärts schließt sich das Küstentiefland an, das bis zu 150 km breit ist und im südlichen Teil von der Wüste Namib bestimmt ist. Das Land steigt in Stufen an bis zum zentralen Binnenhochland, das den Großteil der Landesfläche einnimmt (durchschnittlich 1 000 bis 1 500 m über dem Meeresspiegel). Einzelne Inselberge erreichen Höhen bis über 2 000 m. In der Mitte wird das Plateau von der Lundaschwelle durchzogen, einem Gebirgszug, der in Ost-West-Richtung verläuft und die Wasserscheide zwischen den Flusssystemen von Kongo und Okavango bildet. Die höchste Erhebung Angolas (Môcco, 2 620 m) befindet sich im Westen Angolas. Im Norden der Lundaschwelle fällt das Land allmählich zum Kongobecken, in Richtung Süden zum Kalaharibecken bzw. zum Sambesigebiet ab.

Zahlreiche Flüsse durchziehen das Hochland, die längsten innerhalb Angolas sind der Kunene (1 200 km) und der Cuanza (960 km). Cuango und Cassai sind Zuflüsse des Kongo, der Cubango, der auf einer Länge von rund 1 300 km durch Angola fließt, setzt sich als Okavango in Botswana fort.

Luanda, die Hauptstadt von Angola, liegt an der Atlantikküste.

Klima

In Angola herrscht wechselfeuchtes Tropenklima. Die Jahresdurchschnittstemperaturen an der Küste liegen bei 24 °C, im zentralen Hochland bei rund 20 °C. Im Hochland kann es erhebliche Tagesschwankungen geben (Minimum 5 °C, Maximum über 30 °C). Das Küstentiefland steht unter dem Einfluss des kühlen Benguelastroms. Hier nehmen die Niederschläge von Norden (600 mm) in Richtung Süden (50 mm) ab. In der Hauptstadt Luanda werden jährliche Durchschnittsmengen von 300 mm gemessen. Die größten Niederschlagsmengen werden an den Hängen gemessen, die den Übergang zum Hochland darstellen (1 500 mm im Norden, 750 mm im Süden). Während die Regenzeit im Norden des Landes ungefähr von Oktober bis Mai andauert, verkürzt sie sich im Süden auf die Monate November bis März.

Flora und Fauna

Die Flora Angolas ist sehr vielfältig. Im südlichen Küstenbereich hat Angola Anteil an der Wüste Namib, hier ist die Vegetation äußerst spärlich, nur sehr gut angepasste Pflanzen können überleben. In Richtung Norden geht die Wüste in Feuchtsavanne über, in Richtung Osten in Dornstrauchsavanne. Im Zentrum Angolas finden sich Trockenwälder mit Schirmakazien und Affenbrotbäumen, an den niederschlagsreichen Hängen des Hochlands immergrüne tropische Bergwälder. In der nördlichsten Provinz des Landes, Cabinda, finden sich große Bestände an tropischem Regenwald.

Entsprechend der unterschiedlichen Vegetation gestaltet sich auch die Tierwelt in Angola. In den Regenwäldern Cabindas leben neben anderen Affenarten auch Schimpansen und Gorillas, in großen Teilen des Landes kommen Leoparden, Antilopen, Zebras, Strauße, Flusspferde und Krokodile vor. Einige Tierarten wie z.B. Löwen und Elefanten sind durch Wilderei stark dezimiert worden.

Bevölkerung

Die Bevölkerung Angolas umfasst insgesamt rund 12,5 Millionen Menschen, etwa ein Drittel davon lebt in Städten. Die Hauptstadt Luanda an der Atlantikküste hat rund 3,8 Millionen Einwohner, zweitgrößte Stadt ist Huambo mit rund 230 000 Einwohnern. Mit durchschnittlich 10 Einwohnern pro Quadratkilometer weist das Land eine geringe Bevölkerungsdichte auf.

Ingesamt leben rund 100 verschiedene Ethnien in Angola. Die meisten Bewohner des Landes gehören den Bantuvölkern an, größte Gruppe sind die Ovimbundu mit rund 37 % Anteil an der Gesamtbevölkerung, gefolgt von den Kimbundu (23 %) und den Bakongo (12 %). Weitere Völker sind z.B. die Tschokwe, Humbe, Lunda, Luimbe-Nganguela und Ovambo. Über 50 % der Gesamtbevölkerung sind Christen, meist Katholiken. Von rund 12 % werden Naturreligionen praktiziert. Allerdings kommt es häufig zu einer Vermischung christlicher und indigener Glaubenspraktiken.

Der lang anhaltende Bürgerkrieg bzw. seine Folgen stellen für das Land und seine Bevölkerung eine schwere Belastung dar. Hungersnöte sind für die sehr hohe Säuglings- und Kindersterblichkeitsrate maßgeblich mitverantwortlich (18 %). Die medizinische Versorgung ist auf Grund der schwer beschädigten Infrastruktur absolut unzureichend. Allgemein liegt die Lebenserwartung für Frauen und Männer bei ca. 38 Jahren. Trotz Schulpflicht wird die Alphabetisierungsquote auf nur 67 % geschätzt. Fast die Hälfte der Bevölkerung ist jünger als 15 Jahre. Ein großes Problem stellen die neun bis 15 Millionen vermuteten Landminen dar, für deren Räumung keine finanziellen Mittel zur Verfügung stehen.

Die Amtssprache Angolas ist Portugiesisch, weiter werden verschiedene Bantu- und andere afrikanische Sprachen gesprochen.

Politisches System

Angola ist eine Präsidialrepublik, die Verfassung wurde 2010 verabschiedet.

Der Staatspräsident ist sowohl Staatsoberhaupt wie auch Regierungschef und Oberbefehlshaber der Streitkräfte (seit 1979 José Eduardo dos Santos, MLPA) und wird von der Nationalversammlung für eine fünfjährige Amtszeit gewählt.

Die Legislative liegt bei der Nationalversammlung (Assembleia Nacional), die aus einer Kammer besteht. Die 220 Mitglieder werden für vier Jahre direkt gewählt.

Angola ist in 18 Provinzen gegliedert, die jeweils einem Provinzgouverneur unterstehen.

Wirtschaft

Angola verfügt über große Ressourcen an Erdöl, Diamanten, Gold und fruchtbare Böden, doch der Bürgerkrieg hatte die Wirtschaft des Landes annähernd ruiniert. Seit 2002 hat die Regierung eine Vielzahl von Reformen begonnen (Reform des Bankensektors, Freigabe des Wechselkurses, Liberalisierung des Außenhandels durch Abschaffung von Importlizenzen und die Reduzierung von Zollsätzen usw.). 2007 trat Angola der OPEC bei. Angola erlebte seit dem Ende des Bürgerkrieges 2002 unter den Volkswirtschaften der Welt das stärkste Wirtschaftswachstum. Trotzdem herrscht besonders unter der Landbevölkerung noch immer bittere Armut, die Arbeitslosigkeit liegt bei 40 %.

90 % der Exporterlöse werden durch Erdöl bestritten, das vor allem vor der Küste Cabindas gefördert wird. Prognosen gehen davon aus, dass Angola bis zum Jahr 2020 zu den wichtigsten Erdöl exportierenden Ländern weltweit gehören wird. Die Schwerpunkte der Industrie liegen bei der Erdölverarbeitung und bei der Textilindustrie, weiter bei der Verarbeitung von Tabak, Zucker und Nahrungsmitteln. Neben Erdöl, Diamanten und Gold verfügt das Land über Vorkommen an Eisenerz, Phosphat, Bauxit und Uran. Der Energiebedarf des Landes wird zu einem Großteil aus Wasserkraft gedeckt.

Mehr als drei Viertel der Erwerbstätigen Angolas sind in der Landwirtschaft beschäftigt, die aber nur 10 % des Bruttoinlandsproduktes erwirtschaftet und meist eine Subsistenzwirtschaft darstellt. Für den Export wird vor allem Kaffee angebaut, für den Eigenbedarf Mais, Maniok, Süßkartoffeln, Hülsenfrüchte, Zuckerrohr und Bananen. Der Eigenbedarf der Bevölkerung kann nicht gedeckt werden. Der Fischfang spielt eine wichtige Rolle in der Landwirtschaft, der Ausbau der Fischindustrie wird von der Regierung gefördert.

Der schlechte Stand der Landwirtschaft erklärt sich u.a. aus der hohen Zahl unsicherer, d.h. verminter Landstriche. Ein großer Prozentsatz der Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter wurde durch die Kampfhandlungen getötet, verstümmelt oder vertrieben. Jugendliche wurden als Kindersoldaten rekrutiert. Diese demografischen Probleme weisen darauf hin, dass auch das offizielle Ende des Krieges 2002 nicht zu einer raschen Verbesserung der Wirtschaftslage führen wird. Der wachsende Wohlstand bleibt extrem ungleich verteilt.

Die Haupthandelspartner von Angola sind im Export die VR China und die USA, im Import Portugal und die VR China. Exportiert werden neben Brennstoffen und technischen Ölen vor allem Diamanten. Zu den wichtigsten Importprodukten gehören Nahrungsmittel und Maschinen.

Die Währung Angolas ist der Kwanza (= 100 Lwei).


Fl angola.jpg Wappen angola.svg
República de Angola
Amtssprache

Portugiesisch

Hauptstadt

Luanda

Staatsform Präsidialrepublik
Fläche 1.246.700 km²
Einwohner 12.500.000
Währung Kwanza
Zeitzone WAT (UTC+1)
KFZ-Kennzeichen ANG
Internet-TLD .ao
Telefonvorwahl 00244