Arktis

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Gebiet um den Nordpol, hauptsächlich bestehend aus Meer, das mit einer fünf Meter starken Eisschicht bedeckt ist, die im Sommer teilweise aufbricht. An die Arktis grenzen Nordamerika, Asien und Europa; zahlreiche Inselgruppen wie Grönland, Baffinland, Spitzbergen u.a.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Die Arktis erstreckt sich über ein Gebiet von rund 20 Millionen Quadratkilometern zwischen Nordpol und 66˚33’ nördlicher Breite. Ihre Fläche ist mehr als sechsmal so groß wie die des Mittelmeers. Etwa die Hälfte ist Festland mit den ihm vorgelagerten Inseln, die andere Hälfte bildet der Arktische Ozean. Dieser Ozean wird von fünf so genannten "Polarstaaten" eingerahmt: Norwegen (mit Spitzbergen), Russische Föderation (mit Sibirien), Vereinigte Staaten von Amerika (mit Alaska), Kanada und Dänemark (mit Grönland). Island gilt als "sub-arktischer" Staat.

Der Boden ist bis in große Tiefe gefroren (Permafrostboden). Vor allem in der Hocharktis bedecken Schnee und Eis ganzjährig einen großen Teil der Land- und Meeresoberfläche, während in den südlicheren Arktisgebieten größere Oberflächenbereiche im Sommer abtauen und deshalb lebensfreundlicher sind. In diesen Regionen sind Pingos – durch Eislinsen gebildete runde Hügel – ein typisches Landschaftsphänomen.

Klima

Insgesamt herrschen in der Arktis ungeachtet zunehmender Klimaveränderungen extreme Umweltbedingungen: starke Temperaturunterschiede, Permafrost, extrem wechselnde Sonneneinstrahlung und heftige Schneestürme. In den langen, sehr kalten Polarwintern steigt die Sonne wochenlang nicht über den Horizont. In den nebelreichen, kühlen Polarsommern erreichen die Sonnenstrahlen die Erdoberfläche nur in einem flachen Einfallswinkel, so dass der Boden nur oberflächlich auftaut. Entsprechend ist die Vegetationsperiode sehr kurz und das Land auch dort, wo es nicht dauerhaft vom Eis bedeckt ist, sehr kahl.

Die Folgen des Klimawandels in der Arktis sind schon heute dramatisch. Die Arktisregion erwärmt sich dreimal so schnell wie mittlere Breitengrade der Welt, weil durch das schmelzende Polareis die Fläche kleiner wird, die die Sonnenstrahlung ins All reflektiert. Der Klimawandel macht sich hier also am frühesten und am deutlichsten bemerkbar (Arktis als "Frühwarnsystem"). Die arktische Sommereisfläche ist in den letzten Jahren um eine Fläche viermal so groß wie Deutschland geschrumpft. Im Sommer 2012 hatte das arktische Meereis die geringste Ausdehnung seit Beginn der systematischen Beobachtung.

Tier- und Pflanzenwelt

Obwohl die arktische Zone lebensfeindlich ist, finden sich Formen des Lebens, die an die schwierigen Lebensbedingungen vor Ort optimal angepasst sind. Charakteristische hoch entwickelte Tierarten sind See- und Watvögel sowie Gänse, Wale, Robben, Rentiere und Karibus. Als Symbol für die arktische Tierwelt gilt der Eisbär, der hier weltweit sein einziges Verbreitungsgebiet hat. Schätzungen zufolge kommen in den arktisch geprägten Regionen rund 1000 Insektenarten vor.

Nur relativ wenigen Pflanzen gelingt es, in der polaren Klimazone zu überleben. Wenn die Sonnenstrahlung die Eisdecke zum schmelzen bringt, treten dort einige Flechtenarten, Gräserarten (z. B. Bültgras) und Moosarten zutage. Dies ist besonders auf den antarktischen Inseln und im Südwesten Grönlands der Fall.

Entdeckungsgeschichte

Erste Kenntnisse wurden von irischen Mönchen und den Normannen im 8. und 9. Jahrhundert gesammelt. Im 16. und 17. Jahrhundert erkundeten Engländer und Niederländer auf der Suche nach der Nordwestpassage und Nordostpassage die Westküste Grönlands und die Ostküsten des nördlichen Nordamerika sowie des Kanadisch-Arktischen Archipels. Bäreninsel und Nowaja Semlja wurden erreicht. Es folgte die Entdeckung Alaskas, der Beringstraße und des Beringmeers durch russische Forscher, um 1750 erste Kartierung der Nordküste Sibiriens. Nachdem Ende des 18. Jahrhunderts in Nordamerika die arktische Küste erreicht war, setzte im 19. Jahrhundert eine intensive Erforschung ein: Bezwingung der Nordwestpassage durch McClure 1850 bis 54, der Nordostpassage durch A. E. von Nordenskiöld 1878-1880, Nachweis, dass der Nordpol von Meer umgeben ist, durch F. Nansen mit der "Fram" 1893-96, Erreichung des Pols durch F.A. Cook 1908 (angezweifelt) und Robert E. Peary 1909. Erster Flug zum Pol (Byrd) 1926.

Menschliche Siedlungen finden sich in diesen Gebieten nur wenige, die meisten werden von Inuit im Norden Alaskas und auf Grönland bewohnt. Alert, Nunavut, gelegen auf 82°28′ nördlicher Breite, ist die nördlichste dauerhaft besetzte menschliche Ansiedlung der Erde. Der antarktische Kontinent selbst ist, bis auf wenige Wetter- und Forschungsstationen, unbewohnt.

Arktischer Rat

Der 1996 gegründete Arktische Rat ist das einzige multilaterale Gremium, das sich ausschließlich mit der Arktis befasst. Der Rat ist ein politischer Zusammenschluss, dessen Beschlüsse nicht rechtsverbindlich sind. 2013 wurde das Ständige Sekretariat des Arktischen Rats in Tromsö (Norwegen) eröffnet. Ihm gehören neben den fünf arktischen Anrainerstaaten (Dänemark, Kanada, Norwegen, Russische Föderation, Vereinigte Staaten von Amerika) und Island auch Schweden und Finnland an – daher wird oft auch von "acht" Arktisstaaten gesprochen. Hinzu kommen so genannte "Permanent Participants" (sechs indigene Gruppen). Deutschland gehört neben Frankreich, Polen, Spanien, Niederlande, Großbritannien, Italien, Japan, China, Südkorea, Indien und Singapur zu den ständigen Beobachterstaaten. Eine der Hauptaufgaben des Rates ist die Umsetzung der Arctic Environmental Protection Strategy von 1991.