Athen

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    griechisch "Athenai";

    Hauptstadt von Griechenland mit der Hafenstadt Piräus. Athen hat 3,23 Millionen Einwohner in der Agglomeration, im reinen Stadtgebiet etwa 760 000. Es gibt mehrere Universitäten. Die Stadt ist ein Industrie- und Handelszentrum, aber auch der Tourismus ist heute eine wichtige Einnahmequelle. 2001 wurde der neue Flughafen der Stadt, Eleftherios Venizelos, in Betrieb genommen. Er ersetzt den alten Flughafen Hellenikon.


    Athen war Austragungsort der Olympischen Sommerspiele von 1896 und 2004 sowie der Olympischen Zwischenspiele von 1906.

    Kunst und Kultur

    Zahlreiche kunsthistorisch bedeutende Bauten sind erhalten geblieben, besonders auf der Burg Akropolis, dem ältesten Teil der Stadt: Parthenon, Erechtheion, Tempel der Nike und Propyläen. Die Gebäude auf der Akropolis stammen v.a. aus dem 5. Jh. vor Christus. Südlich der Akropolis liegt das Odeion des Herodes Attikus (161 n.Chr.), ein antikes Amphitheater, das auch heute noch für Theateraufführungen genutzt wird. Unter der Herrschaft des Wittelsbachers König Otto entstanden im 19. Jh. zahlreiche klassizistische Bauten. Hiervon sind besonders das Alte Schloss, in dem heute das Parlament tagt, die Akademie und die Nationalbibliothek zu erwähnen.

    Geschichte

    Neben Sparta der bedeutendste Stadtstaat (Polis) der klassischen griechischen Antike und ihr geistiger Mittelpunkt. Im 2. Jt. v.Chr. Unterwerfung der (vorindogermanischen) pelasgischen Urbevölkerung durch eingewanderte Ionier, die sich auf der und um die Akropolis niederließen; in der mykenischen Zeit war der die Ebene bis zum Meer beherrschende Burgberg (Akropolis) Herrschersitz (Reste der mykenischen Mauer und des Königspalastes). Seit dem 9. (oder 8.) Jh. kam es zum politischen Zusammenschluss der Orte auf der Halbinsel Attika unter der Führung Athens (die Geschichte der Einigung klingt nach in der Sage vom "Synoikismus" ("Vereinigung" des Theseus); Athen (Stadtgöttin: die vielleicht aus dem kretischen Kulturkreis übernommene Pallas Athene) und Attika seitdem ein politischer und kultureller Begriff. Im 7. Jh. Übergang vom Königtum zum Adelsstaat (Archontat mit jährlich gewählten Archonten), die Archontenliste beginnt 683. Um 624 wurde das geltende Recht von Drakon aufgezeichnet. Um 594/93 Reformen Solons zu Gunsten des Volkes (Seisachtheia: "Lastenabschüttelung"). 561 Beginn der Alleinherrschaft der Peisistratiden; 510 Sturz der Tyrannis, Übergang zur Demokratie, 508/07 demokratische Reformen (Kleisthenes); politische, wirtschaftliche und kulturelle Blüte: Athen als Seemacht, Stadt des Handels, der Künste und Wissenschaften, mit demokratischer Verfassung - Gegenpol zur konservativen, auf Königtum und Kriegeradel beruhenden Landmacht Sparta. Im Entscheidungskampf gegen Persien 500 bis 479 v.Chr. trug Athen die Hauptlast des Kampfes (493 Verteidigungsprogramm des Themistokles: Flottenbau, Befestigung von Piräus), Rivale Miltiades; Sieg des Miltiades bei Marathon über die Perser (490); Höhe- und Wendepunkt des Perserkrieges (480): Einbruch der Perser in Attika. Verwüstung des Landes und Zerstörung Athens und der Akropolis; Seesieg des Themistokles bei Salamis über die persische Flotte; 476 griechischer Sieg (Pausanias) bei Platää, die Persergefahr dadurch beseitigt. Seit Gründung des 1. Attischen Seebundes (477-404) wachsende Feindschaft der schwächeren Staaten gegen das erstarkende Athen, Erfolge Kimons gegen die Perser; 449 v.Chr. Seesieg der Athener beim zypriotischen Salamis: Niederlage Athens gegen die Böotier bei Koroneia

    (447). Seit 445 klassische Epoche des Perikleischen Zeitalters (Ausbau der langen Mauern und der Akropolis, Perikles); totale Niederlage Athens im Peloponnesischen Krieg; die von Sparta eingesetzte "Herrschaft der Dreißig" 403 v.Chr. von den Demokraten gestürzt; der nochmalige Kampf um außenpolitische Vormacht erfolglos (355 v.Chr. Auflösung des zweiten Attischen Seebundes). Kulturelle Bedeutung unter makedonischer und (seit 86 v.Chr.) römischer Herrschaft noch bewahrt (Rhetoren- und Philosophenschulen); 87 v.Chr. Verwüstung durch Sulla; neue Blüte unter Kaiser Hadrian (Tempelbau, Akademie); Eroberung durch die Goten (267 und 395); Christianisierung ließ die heidnischen Bildungsstätten veröden (529 n.Chr. Schließung der Akademie durch den byzantinischen Kaiser Justinian). Im Mittelalter bedeutungslos; 1205 errichteten Kreuzfahrer das Herzogtum Athen (Attika und Böotien umfassend), das bis zur Eroberung durch die Türken (1456) bestand; Athen erhielt in türkischer Zeit den Namen Setine (2 000 Einwohner); 1687 von den Venezianern belagert (Zerstörung des Parthenon durch Explosion); 1788 wieder türkisch, neuer Befestigungsring; Anfang des 19. Jh.s hatte Athen 10 000 Einwohner: erneute Zerstörung der Stadt im griechischen Befreiungskampf (1826/27). Seit 1834 ist Athen die Hauptstadt des neu gegründeten Staates Griechenlands. Die Schutzmächte des neuen Staates, Großbritannien, Russland und Frankreich, setzten den Wittelsbacher Otto I. (Sohn König Ludwig I. von Bayern) als Regenten ein, der die bauliche Erneurung vorantrieb.