Bahamas Geschichte

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Inhaltsverzeichnis

Spanische Herrschaft

Bevor Christoph Kolumbus Ende des 15. Jahrhunderts eine Insel der heutigen Bahamas betrat, lebten dort Aruak-Indianer, die die Inseln "Guanahani" nannten und sich selbst "Lukku-Cairi" (Inselmenschen). Von Kolumbus, der sich auf einer westindischen Insel wähnte, wurden sie kurzerhand Indios genannt. Später wurden die Inseln von den Spaniern "baja mar" (Niedrigwasser) genannt, aus dem sich dann der Name Bahamas entwickelte. Die ansässigen Indios wurden von den Spaniern in die Bergwerke der Insel Hispaniola verschleppt (heute teils Haiti, teils Dominikanische Republik), wo sie innerhalb kürzester Zeit an den Folgen der Zwangsarbeit und an durch die Kolonialisten eingeschleppten Krankheiten starben.

Britische Kolonisation

Mitte des 17. Jahrhunderts wurden Niederlassungen von britischen Siedlern auf der Insel Cigatoo gegründet, die von ihnen umbenannt wurde in Eleuthera (griechisch für Freiheit). Wenig später wurde die Insel New Providence besiedelt. 1656 wurde hier die Stadt Charles Town gegründet, die ab 1697 Nassau hieß (zu Ehren des britischen Königs William III. aus dem Hause Oranien-Nassau). Die Briten konzipierten eine erste Verfassung und wählten ihren ersten eigenen Gouverneur (1671). Gleichzeitig begannen sie mit dem Anbau von Baumwolle, für die Arbeit auf den Pflanzungen wurden erste schwarze Sklaven aus Westafrika geholt. 1718 wurden die Bahamas britische Kronkolonie und erhielten eine Verfassung, die in ihren Grundzügen bis ins 20. Jahrhundert erhalten blieb. Gegen die ständigen Übergriffe der Piraten, die auf einigen der Inseln Stützpunkte hatten, entsandte das britische Mutterland zum Schutz ihrer Kolonie britische Truppen, die die letzten Freibeuter vertrieben.

Von der Mitte 18. Jh.s bis zum 20. Jh.

Während des nordamerikanischen Unabhängigkeitskrieges (1775-83) wurden die Bahamas vorübergehend von den Amerikanern unter John Paul Jones besetzt, 1782 für kurze Zeit von den Spaniern. Nach dem Sieg der Nordamerikaner über Großbritannien ließen sich viele amerikanische Loyalisten, Anhänger der britischen Krone, auf den Bahamas nieder (nach 1783), die den Aufbau einer Plantagenwirtschaft fortführten. Nach der Abschaffung der Sklaverei 1834 musste ein Großteil der Plantagen auf Grund des Mangels an (unbezahlten) Arbeitskräften aufgegeben werden, es bildeten sich überwiegend agrarische Kleinbetriebe. Rund 12 000 der insgesamt um die 17 000 Menschen umfassenden Bevölkerung zu diesem Zeitpunkt waren Schwarze.

Einen wirtschaftlichen Aufschwung erfuhren die Bahamas in der Zeit des amerikanischen Sezessionskrieges (1861 bis 65) als Zentrale für den Waffenschmuggel.

Das 20. Jahrhundert

In der Zeit der Prohibition in Amerika von 1920 bis 1930 wurde auf den Inseln Alkohol in großem Umfang geschmuggelt, was sich als sehr lukrativ erwies und für zahlreiche Besucher auf den Inseln sorgte. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde neben dem Fischfang, dem Holz- und Salzhandel (auf der Insel Inagua befindet sich eine der größten Salzgewinnungsanlagen weltweit) der Fremdenverkehr zum Hauptdevisenbringer.

1964 gewährte Großbritannien den Bahamas die innere Autonomie. Das Wahlsystem wurde grundlegend geändert zu Ungunsten der weißen Minderheit, die bisher die politischen Schlüsselpositionen innehatte. Die ersten allgemeinen und freien Wahlen 1967 gewann Lyndon Pindling mit der Progressive Liberal Party (PLP) klar vor der United Party (Partei der weißen Bevölkerungsschicht), Pindling wurde erster schwarzer Premierminister der Bahamas.

Am 10. Juli 1973 erlangten die Bahamas ihre staatliche Unabhängigkeit, verblieben aber im britischen Commonwealth. Damit blieb Königin Elizabeth II. Staatsoberhaupt und wurde auf den Inseln durch einen einheimischen Generalgouverneur vertreten.

Erst 1992 wurde die seit 1967 regierende Progressive Liberal Party von der konservativen Partei Free National Movement (FNM) unter Hubert Alexander Ingraham abgelöst. Grund für den politischen Wechsel waren die schon den 1980er Jahren aufgedeckten Verwicklung hoher Politiker in Drogengeschäfte (die Bahamas dien[t]en als Zwischenstation für zahlreiche Drogentransporte in die USA) und Korruptionsvorwürfe, die immer wieder zu Rücktritten von einzelnen Ministern führte. Ein Jahr später erließ die neue Regierung unter Premier Ingraham ein Abschiebungsgesetz, nachdem die Insel durch eine Flüchtlingswelle aus Haiti und Kuba überschwemmt worden war. In den folgenden Jahren litt das Land unter der schlechten Wirtschaftslage in der USA, die sich negativ auf den Fremdenverkehr - Haupteinnahmequelle der Bahamas - auswirkte. Erst 1998 stiegen diese für den Staat so wichtigen Einnahmen wieder an.

Die bereits unter Pindling eingeführte Gewährung von Steuervorteilen und die konsequente Wahrung des Bankgeheimnisses machten die Bahamas zu einem internationalen Finanzplatz und einer der so genannten "Steueroasen" auf der Welt. Die OECD (Organization for Economic Cooperation and Development/Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) warf in ihrem Bericht Ende 2000 den Bahamas (wie auch einigen anderen Steueroasen) mangelnde Kooperation bei der Bekämpfung der Geldwäsche bzw. eine unlautere Steuerpolitik vor.

2002 gewann die Progressive Liberal Party (PLP) unter Perry Christie die Parlamentswahlen mit absoluter Mehrheit. Die Parlamentswahlen im Mai 2007 brachten allerdings einen Regierungswechsel: Sieger wurde das Free National Movement (FNM) unter Hubert Ingraham. Dieser war bereits von 1992 bis 2002 Regierungschef. Als Grund für die Niederlage der PLP gilt eine Reihe von Skandalen, in die die Regierung Christie in den vorhergegangenen Monaten verwickelt war.

Die Bahamas gehören zu der Gruppe der 15 CARIFORUM-Staaten, mit denen die EU Ende 2007 so genannte Wirtschaftspartnerschaften vereinbart hat. Die Unterzeichnung der Abkommen und deren Inkrafttreten wurde Mitte 2008 allerdings verschoben. In jüngster Zeit hat der Inselstaat vermehrt mit dem Problem haitianischer Bootsflüchtlinge zu kämpfen. Schätzungen zufolge halten sich auf den Bahamas 60 000 Haitianer auf, davon etwa die Hälfte illegal.