Gabun Geschichte

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    Vorkoloniale Zeit

    Über das vorkoloniale Geschehen auf dem heutigen Territorium des Staates ist wenig bekannt, was zum Teil darauf zurückzuführen ist, dass die ursprünglich in der Region lebenden Stämme keine kulturellen oder schriftlichen Zeugnisse hinterließen. Es wird vermutet, dass der südliche Teil des Landes lose mit der Provinz Loango verknüpft war, die wiederum Teil des Königreichs Kongo war.

    Die Geschichte der europäischen Präsenz begann im Jahr 1492, als Portugiesen von der vorgelagerten und bereits kolonialisierten und mit Plantagen versehenen Inselgruppe São Tomé und Príncipe zur Küstenregion Gabuns vordrangen und mit den dort ansässigen Stämmen Handel trieben. Auch holländische, französische, spanische und englische Händler segelten in den folgenden Jahrhunderten die Küsten Gabuns an, um zumeist Kleidung, Eisenprodukte, Alkohol und Waffen gegen Holz, Elfenbein und - vorerst vereinzelt - Sklaven zu tauschen.

    Sklavenhandel und Kolonialisierung

    Der Sklavenhandel intensivierte sich ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, da insbesondere für die Plantagen der Kolonien in Brasilien und Kuba Arbeitskräfte benötigt wurden. Gefangene oder aus ihren Stämmen Ausgestoßene wurden von afrikanischen Stämmen an die Küste gebracht und dort an die europäischen Seeleute verkauft. Einzig die Stämme der kriegerischen Fang weigerten sich, am Sklavenhandel zu partizipieren, zugleich sorgten auch sie durch ihr Vordringen zum Atlantik dafür, dass sich der Küstenabschnitt weitgehend entvölkerte. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Sklavenhandel beendet, die Französen gründeten 1849 Libreville (auf deutsch: freie Stadt) im Norden der gabunischen Atlantikküste. Schon 1843 hatten die Franzosen mit der Befestigung Fort d’Aumale einen Stützpunkt an diesem Ort gegründet und mit den dort ansässigen Stämmen Verträge abgeschlossen, die die französische Souveränität in der Region festschrieben. Weitere Gebiete wurden hinzugekauft und 1886 das vergrößerte Gabun zur Kolonie ernannt.

    Der Weg zur Unabhängigkeit

    1910 wurde Gabun Teil von Französisch-Äquatorialafrika. Verträge mit der deutschen Kolonialmacht in Kamerun und Spanien in Spanisch-Guinea im Norden hatten den Verlauf der Grenzen geklärt und ließen in Folge weitere ungestörte Vorstöße, Erkundungen und Landgewinne im Landesinneren zu.

    Zugleich begannen die Franzosen im Land Ausbildungsmöglichkeiten für die afrikanische Bevölkerung einzurichten, so dass zwischen den Weltkriegen eine afrikanische Elite entstand, aus der sich in der Zeit der Vierten Republik Frankreichs die Gabunischen Politiker rekrutierten, die Gabun 1960 zur Unabhängigkeit führten. Umfangreiche französische Mittel flossen in Wirtschaft, Ausbildung und Gesundheitssystem des afrikanischen Landes, was unter anderem dazu führte, dass auch das unabhängig gewordene Gabun weiterhin enge wirtschaftliche, kulturelle und militärische Beziehungen zu Frankreich unterhielt.

    Erster Präsident der Republik war Léon Mba, der seit 1960 - durch französische militärische Intervention im Jahr 1964 gestützt - bis zu seinem Tod 1967 im Amt blieb. Ihm folgte Omar Bongo Ondimba als Staatspräsident. Er führte ein Einparteiensystem (Parti Démocratique Gabonais, PDG) ein und wurde mehrfach wiedergewählt.

    Die neueste Zeit

    Versuche der Opposition Anfang der 1980er Jahre, eine parlamentarische Mehrparteiendemokratie einzuführen, blieben erfolglos. Erst im Jahr 1990 wurden oppositionelle Parteien zugelassen. Die ersten Wahlen mit zugelassenen Oppositionskandidaten bestätigten Omar Bongo Ondimba im Amt. Im In- und Ausland wurde die ordnungsgemäße Durchführung der Wahlen angezweifelt, so dass 1994 in einem Abkommen die Regierungsbeteiligung der Opposition ausgehandelt sowie Neuwahlen für 1996 vereinbart wurden. Diese gewann die amtierenden Regierungspartei PDG. 1998 und 2005 bestätigte das Volk Ondimba jeweils für weitere sieben Jahre im Amt des Staatsoberhaupts und Präsidenten.

    2009 verstarb Omar Bongo Ondimba. Bei den Neuwahlen im August 2009 wurde Ali Ben Bongo Ondimba, Sohn Omar Bongos und bisheriger Verteidigungsminister, mit knapp 42 % der Stimmen zum neuen Präsidenten gewählt. Da die Mitkandidaten André Mba Obame (ehemaliger Innenminister) und Pierre Mamboundou (langjähriger Oppositionsführer) jeweils etwas mehr als 25 % der Stimmen erhielten, erhoben auch sie Anspruch auf den Wahlsieg. Ausschreitungen und massive Proteste im ganzen Land führten zu einer Neuauszählung der Stimmen, bei der das frühere Ergebnis mit nur minimaler Abweichung bestätigt wurde. Der neue Präsident Ali Ben Bongo Ondimba wurde im Oktober 2009 vereidigt.