Italien Geschichte

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Inhaltsverzeichnis

Vorgeschichte bis Völkerwanderung

Funde weisen darauf hin, dass Italien bereits seit dem Paläolithikum vor etwa einer Million Jahren besiedelt war. Etwa ab 1200 v.Chr. wanderten Italiker und Illyrier in das Land ein, später auch Etrusker und Griechen, von denen der Name "Italia" - zuerst für die Kalabrische Halbinsel, dann für ganz Süditalien - stammt.

Der Name wurde von den Römern im 3. Jahrhundert v.Chr. übernommen und für das Gebiet bis zum nördlichen Apennin, später bis zu den Alpen verwendet. Nach der Legende war 650 v.Chr. Rom von den Zwillingsbrüdern Romulus und Remus erbaut worden; Romulus ermordete seinen Bruder kurz vor Gründung der Stadt und wurde dann erster König Roms. In den folgenden Jahrhunderten war Rom Zentrum des Römischen Imperiums, das neben großen Teilen der damals bekannten Welt auch die Zentralprovinz Italien umfasste. 395 n.Chr. wurde das Römische Reich geteilt in einen Ost- und einen Westteil. Nach dem Sturz des letzten weströmischen Kaisers Romulus Augustus 476 begann sich die Einheit Italiens aufzulösen und wurde endgültig durch den Einbruch der Langobarden im Jahr 568 n.Chr. gebrochen. Die Küstenlandschaften Genua, Rom, Ravenna, Venedig und Unteritalien sowie Sardinien und Sizilien blieben in den Händen von Byzanz; in Mittel- und Süditalien entstanden selbstständige Kleinreiche.

Frühmittelalter

Neben den Langobarden und Byzantinern wurden ab dem 7. Jahrhundert die Päpste zu einem weiteren Machtfaktor in Italien. Selbst militärisch zu schwach, um sich durchzusetzen, verbündeten sie sich mit fränkischen Königen, was zur fränkisch-deutschen Vorherrschaft vom 9. bis etwa zur Mitte des 13. Jahrhunderts führte. Bereits Mitte des 8. Jahrhunderts hatte Pippin III. den Langobardenkönig Aistulf von der Eroberung Roms abgehalten und mit der "Pippinschen Schenkung" dem Papsttum neben Rom auch den Besitz des byzantinischen Ravenna überlassen. Karl der Große unterwarf 774 die Langobarden und band Ende des 8. Jahrhunderts das "Regnum Italicum" erstmals an das Fränkische Reich. Im Jahr 800 wurde er in Rom zum Kaiser gekrönt und erneuerte dadurch das abendländische Kaisertum. Als "Heiliges Römisches Reich" wurde Nord- und Mittel-Italien von deutschen Kaisern regiert. Die Normannen hatten im Laufe des 11. Jahrhundert Unteritalien und Sizilien besetzt und das eroberte Land vom Papst als Lehen bekommen. Etwa zeitgleich kam es im so genannten "Investiturstreit" zur Auseinandersetzung zwischen kaiserlicher (weltlicher) und päpstlicher (geistlicher) Gewalt. Streitpunkt war die Vergabe (Investitur) von Bischofs- und Abtämtern, die ein wichtiges Herrschafts- und Verwaltungsinstrument der Könige geworden waren. Unmittelbarer Anlass war die Besetzung des Erzbistums Mailand. Papst Gregor VII. drohte König Heinrich mit Absetzung, Heinrich ließ daraufhin 1076 seinerseits den Papst absetzen und dieser reagierte, indem er den König bannte. Nach dem sprichwörtlich gewordenen Gang nach Canossa durch Heinrich IV. 1077 wurde der Bann gelöst. Heinrich setzte sich politisch durch und ließ, nachdem er nochmals durch Papst Gregor gebannt wurde, einen neuen Papst einsetzen, der ihn 1084 zum Kaiser krönte.

Hoch- und Spätmittelalter

Trotz des offensichtlichen Erfolgs des Kaisers begann nach dem Investiturstreit die allmähliche Ablösung Italiens vom Heiligen Römischen Reich. Das Papsttum wurde nach und nach zur stärksten Kraft in Italien, zugleich nahm aber auch der Einfluss der Langobardischen Stadtstaaten zu: Venedig, Genua, Pisa und Florenz, aber auch Mailand im Landesinneren entwickelten sich zu eigenständigen Handelsstaaten, die ihr Zentrum am Mittelmeer hatten. Bereits seit dem 11. Jahrhundert waren von den oberitalienischen Städten die Grundlagen erfolgreicher kapitalistischer Handlungs- und Denkweise gelegt worden. Geldverkehr, Börsen und moderne Buchhaltung verbanden sich mit den ersten Universitätsgründungen in Parma und Bologna. Der Versuch Barbarossas, die kaiserliche Herrschaft nochmals durchzusetzen, misslang ebenso wie die Bemühungen Kaiser Friedrichs II., der in Sizilien einen hoch organisierten Staat begründet hatte. Mit dessen Tod im Jahr 1250 endete entgültig die Zeit der staufischen Vorherrschaft in Italien und ein Jahrhundert französischer Vorherrschaft begann, während das Papsttum von 1309-1376 nach Avignon übersiedelte. Machtkämpfe zwischen päpstlich gesinnten Guelfen und kaisertreuen Ghibellinen verhinderten zudem, dass eine neue Zentralmacht entstehen konnte. Territorialfürstentümer lösten die mächtig gewordenen Stadtrepubliken ab, so besaßen Genua und Venedig im 14. Jahrhundert weitgehend selbstständige Adelsrepubliken, Piemont wurde von den Herzögen von Savoyen regiert. In Mittelitalien war 1354 der Kirchenstaat wiederhergestellt worden, Sizilien war mit Neapel vereinigt.

Neuzeit

Im 15. Jahrhundert wurde Italien zum Zentrum von Humanismus und Renaissance. 1440 war in Florenz die Platonische Akademie gegründet worden, Pico della Mirandola entwarf ein Weltbild aus christlichen, antiken und jüdischen Kulturbestandteilen. In Rom gründete sich die Vatikanische Bibliothek und ein philologischer Humanismus mit Text- und Bibelkritik begann. Das humanistische Studium ("studia humanista") mit den Basisfächern Rhetorik, Grammatik und Poetik wurde sowohl an Schulen als auch an Universitäten gelehrt. Kunst und Wissenschaften vereinigten sich und ein neues Lebensgefühl drückte sich durch ein verändertes Weltbild aus: Der Pilger zur himmlischen Heimat "Viator mundi" war zum "Faber mundi", dem Schöpfer und Beherrscher der Welt geworden.

Nach Beginn der Neuzeit, die durch die Entdeckung Amerikas symbolisiert wird, begannen sich die Handelsströme vom Mittelmeerraum zum Atlantik hin zu verschieben. Dies bedeutete Machtverlust und schließlich das Ende der einst florierenden Territorialfürstentümer. Zum wiederholten Male stritten sich ausländische Mächte um die Vorherrschaft in Italien. Nach der Niederlage Frankreichs gegen Habsburg kamen Mailand, Sardinien und Neapel-Sizilien zu Spanien, das damit die Vorherrschaft in Italien erwarb, auch wenn es Frankreich 1659 gelungen war, in Oberitalien an Einfluss zu gewinnen. Anfang des 18. Jahrhunderts kam es in Italien zu einer Neuverteilung der Macht. Innerhalb weniger Jahrzehnte starben sämtliche einheimischen Dynastien mit Ausnahme der savoyischen aus und ein Ringen zwischen dem französischen Herrscherhaus der Bourbonen und der deutsch-österreichischen Linie der Habsburger um das spanische Erbe in Italien begann. Dieses wurde im Spanischen Erbfolgekrieg zugunsten der neu entstandenen Macht Österreich entschieden. Mailand, Neapel und Sardinien kamen unter österreichische Vorherrschaft, Korsika wurde an Frankreich verkauft.

19. Jahrhundert

Im Rahmen der Revolutionskriege gelang es Napoleon, die Österreicher für kurze Zeit zu verdrängen und sich 1805 in Mailand zum italienischen König krönen zu lassen. Doch die Französische Vorherrschaft währte nur kurz: Nach dem Wiener Kongress 1815 wurden Kirchenstaat und österreichische Vorherrschaft in Norditalien wiederhergestellt.

Die Zeit zwischen 1815 und 1870 war vom so genannten "risorgimento" (italienisch für Wiedererstehung) des Bewusstseins geprägt, das nach einem politisch geeinten und kulturell wieder bedeutsamen Italien strebte. Damit einher gingen Widerstandsbewegungen gegen die restaurative österreichische Hegemonie, doch die von Mazzini geleiteten Aufstände in den 30er und 40er Jahren des 19. Jahrhunderts schlugen fehl. Erst nachdem sich Italien 1848 der Revolution in Europa anschloss, gelang es den Freiheitskämpfern, die Österreicher aus Venedig und Mailand zu vertreiben. Mazzini und Garibaldi riefen in Rom die italienische Republik aus. Doch die Unabhängigkeit währte nur kurz. Französische Hilfscorps des Papstes eroberten die befreiten Regionen Stück für Stück zurück und mit dem Fall Venedigs zog die Reaktion in Form österreichischer Truppen wieder im nördlichen Italien ein. Nur der sardisch-piemontische König, der in den Kämpfen auf Seiten der Republikaner gestanden hatte, behielt eine parlamentarisch verfasste Republik bei und wurde gemeinsam mit seinen Ministerpräsidenten C. Benso Graf Cavour zum Führer im weiteren Kampf für einen geeinten italienischen Nationalstaat. Innerhalb einiger Jahre gelang es Sardinien, italienische Republikaner zu sammeln. Als der französische König Napoleon III. durch Gebietszusagen von Savoyen und Nizza auf ihre Seite gebracht war, wurden die Österreicher abermals angegriffen und 1858 mehrfach besiegt. Im Frieden von Zürich ging die Lombardei an Piemont, Venetien blieb bei Österreich. In der Toskana, in Parma und Modena waren zwischenzeitlich die Herrscher vertrieben worden und auch die Romagna hatte sich aus der päpstlichen Vorherrschaft gelöst.

Königreich Italien

Im Jahr 1860 gelang es G. Garibaldi mit dem "Zug der Tausend", die Bourbonenherrschaft in Neapel-Sizilien zu stürzen. Nach Volksabstimmungen gliederten sich diese Gebiete Piemont an und nach ersten Parlamentswahlen wurde 1861 das Königreich Italien unter König Viktor Emanuel II. ausgerufen. Da französische Truppen Rom besetzt hielten, wurde Florenz für kurze Zeit italienische Hauptstadt. 1866 wurde Venetien mit preußischer Hilfe befreit, 1870 Rom als Hauptstadt sowie der übrige Teil des Kirchenstaats nach Abzug der Franzosen in die italienische Republik integriert. Der politisch entmachtete Papst empfand sich als Gefangener im Vatikan und rief die katholischen Italiener dazu auf, den Parlamentswahlen fernzubleiben.

Gegensätze zum einstigen Verbündeten Frankreich ließen Italien mit dem Dreibund Anschluss an Österreich-Ungarn und Deutschland suchen. Außenpolitisch begann in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts auch Italien nach kolonialen Besitzungen zu streben. Eritrea und die Somaliküste wurden besetzt, der Versuch, auch Äthiopien zu erobern, scheiterte jedoch mehrmals. Innenpolitisch setzte sich nach sozialen Unruhen und Umbrüchen mit dem liberalen G. Giolitti ein Reformpolitiker durch, der mit Unterbrechungen von 1903 bis 1921 Ministerpräsident war und u.a. in der Sozial- und Arbeitsgesetzgebung, aber auch im Wahlrecht umfassende Reformen einleitete.

Erster und Zweiter Weltkrieg

Im Ersten Weltkrieg verhielt sich Italien vorerst neutral, trat dann jedoch, nachdem es in Geheimverträgen mit England und Frankreich Gebietsgewinne versprochen bekam, in den Krieg gegen Österreich (23 5.1915) und Deutschland (28 8.1916) ein. Der gewonnene Krieg brachte mit Südtirol, dem Trentino, Görz und Triest nur einen Teil der versprochenen territorialen Zugewinne. Die Enttäuschung drohte in einen Bürgerkrieg zwischen radikalen linken und rechten Gruppen zu münden. Dies nutzte die bereits 1919 durch den einstigen Sozialisten Mussolini gegründete Faschistische Bewegung aus und zwang durch den "Marsch auf Rom" den König dazu, Mussolini 1922 an die Spitze einer Koalitionsregierung zu berufen. Terror und Machtmissbrauch brachten in den folgenden Jahren der faschistischen Minderheit die Alleinherrschaft, die Demokratie wurde totalitär umgebaut.

Anfangs standen sich italienischer und deutscher Faschismus ablehnend gegenüber, doch nach dem gemeinsamen Einsatz im Spanischen Bürgerkrieg wurde 1936 eine Annäherung erzielt und in Folge die Achse Berlin-Rom gebildet. Italien trat aus dem Völkerbund aus, verabschiedete antisemitische Rassengesetze und ging 1939 mit Deutschland und Japan ein Militärbündnis ein. Am 10 6.1940 griff Italien auf deutscher Seite in den Zweiten Weltkrieg ein.

Bereits 1943 verstärkte sich jedoch die antifaschistische Stimmung in der Bevölkerung, es kam zu Streiks und am 24.07.1943 wurde Mussolini vom König gefangen gesetzt und die faschistische Partei aufgelöst. P. Badoglio gelang es nach Geheimverhandlungen im September 1943, einen Waffenstillstand mit den Alliierten auszuhandeln. Doch Hitler-Deutschland reagierte mit der Entwaffnung und Gefangennahme der italienischen Truppen in den von Deutschland besetzten Gebieten, befreite noch im gleichen Monat Mussolini und setzte ihn als Führer der von Deutschen besetzten italienischen Regionen ein. Der König und Badoglio flohen nach Sizilien und ein Partisanenkrieg gegen die deutsche Besatzung begann. 1944 wurde Rom befreit und eine Übergangsregierung gebildet, am 28 4.1945 erschossen Partisanen Mussolini.

Im Pariser Friedensvertrag verlor Italien bis auf Südtirol und Triest die übrigen 1919 erlangten Gebietszugewinne.

Nachkriegszeit und neues Jahrtausend

1946 schaffte ein Referendum die Monarchie ab und der König verließ mit seiner Familie das Land. 1948 trat eine neue Verfassung in Kraft und mit dem Ministerpräsidenten Gasperi von der Democrazia Christiana (DC) kam ein Mitglied der Partei an die Macht, die bis 1994 stärkste politische Kraft in Italien bleiben sollte. Im gleichen Jahr wurde der Sardischen Autonomiebewegung die Errichtung einer mit Sonderstatut ausgestatteten Region Sardinien gestattet. Bereits 1946 hatte Sizilien das gleiche Ziel erreicht. Zahlreiche Entwicklungsprogramme versuchten in den folgenden Jahrzehnten, die durch Verquickung von Mafia und Bürokratie sowie Korruption gebeutelte Insel wirtschaftlich und politisch zu fördern.

1949 trat Italien der NATO bei und die Römischen Verträge banden 1957 Italien in die EWG ein. Der Marshallplan ermöglichte den raschen Wiederaufbau und bereits in den 50er Jahren erreichte das Wirtschaftswachstum Rekordzahlen. Zahlreiche Sozial- und Landreformen wurden verabschiedet. 1953 verlor die DC ihre absolute Mehrheit und eine Mitte-Rechts-Koalitionsregierung unter Führung der DC löste die Regierung bis 1962 ab. Auch der Kirchenstaat reformierte sich im Zweiten Vatikanischen Konzil, in dem unter anderem die Forderung nach Rückkehr der anderen Kirchen aufgegeben wurde.

Unter der Regierung Aldo Moro (1963-1968) durchlief die Republik Jahre innenpolitischer Stabilität, die Anfang der 70er Jahre von einer politischen Polarisierung abgelöst wurde, die mit einer wirtschaftlichen Krise einherging. Die Auseinandersetzungen zwischen linken und rechten terroristischen Vereinigungen gipfelten 1978 in der Ermordung von Aldo Moro durch die linksterroristischen "Roten Brigaden". Wechselnde Regierungen konnten sich in Folge jeweils nur kurze Zeit im Amt halten und 1981 standen mit den Ministerpräsidenten Spadolini (1981 bis 1982) und Craxi (1983-1987) erstmals Nicht-Mitglieder der DC einer italienischen Nachkriegsregierung vor.

Die 90er Jahre des 20. Jahrhunderts waren weltpolitisch durch die Auflösung der Sowjetunion geprägt. Die Kommunisten, zweitstärkste italienische Partei, benannten sich 1991 in "Demokratische Partei der Linken" um und entwarfen ein neues Parteiprogramm. Dem Staatspräsidenten Cossiga folgte 1992 O.L. Scalfaro nach, der aber den Vertrauensverlust in die etablierten Parteien angesichts eines unveränderten Nord-Süd-Gefälles und einer sehr hohen Staatsverschuldung nicht stoppen konnte. Die Wahl zum neuen Parlament brachte 1992 erstmals Regionalparteien, insbesondere der norditalienischen Lega Nord, zahlreiche Stimmen. Zugleich wurde das politische Establishment durch Korruptionsskandale, Mafiamorde an hohen Justizbeamten und einer vermuteten Verstrickung zwischen Politik und Mafia diskreditiert, was 1993 zu einer Staatskrise führte. In der Aktion "Saubere Hände" hatten Mailänder Staatsanwälte ein ausgeklügeltes System an Korruption zwischen Politik, Wirtschaft und organisierter Kriminalität aufgedeckt und gegen mehr als 6 000 Menschen Anklage erhoben, darunter die einstigen Ministerpräsidenten Andreotti und Craxi. Noch im gleichen Jahr wurde per Referendum eine umfassende politische Reform auf den Weg gebracht. Unmittelbare Folge war die Auflösung der DC im Jahr 1993.

1994 trat Amato zurück und die Wahlen nach neuem Wahlrecht brachten einen Wahlsieg des Rechtspopulisten Silvio Berlusconi, der einem Mitte-Rechts-Bündnis aus den Parteien Forza Italia, Nationale Allianz und Lega Nord vorstand. Er geriet jedoch noch im gleichen Jahr unter Korruptionsverdacht und musste zurücktreten. Im April gewann ein Mitte-Links-Bündnis "L'Ulivo" aus PDS, PPI, Liste Dini und Grünen und stellte mit R. Prodi bis 1998, M. D’Alema bis 2000 und Giuliano Amato den Ministerpräsidenten. Bei den Wahlen 2001 konnte sich Berlusconi mit seinem Mitte-Rechts-Bündnis "Haus der Freiheiten" jedoch erneut durchsetzen und wurde zum zweiten Mal zum Regierungschef ernannt, 2005 nach einem (formalen) Rücktritt zum dritten Mal. Bei den Wahlen 2006 setzte sich das Mitte-Links-Bündnis durch, Romano Prodi wurde erneut Ministerpräsident. Nachdem sein Bündnis Anfang 2008 die Mehrheit im Senat verloren hatte, wurde er im Mai wieder durch Berlusconi abgelöst (Bündnis "Volk der Freiheit"). Berlusconi, zum vierten Mal Ministerpräsident, erklärte die Modernisierung des Landes zu seiner Hauptaufgabe. Nach den Parlamentswahlen 2008 hatte sich das italienische Parteienspektrum deutlich vereinfacht. Im neu gewählten Parlament waren daher deutlich weniger Parteien vertreten. Diese für italienische Verhältnisse völlig neue Konstellation ließ viele Beobachter vom Aufbruch in eine "Dritten Republik" sprechen.

Berlusconi geriet durch Berichte über private Skandale sowie juristische Auseinandersetzungen zunehmend unter Druck. Wegen der Vorwürfe des Amtsmissbrauchs und der Begünstigung der Prostitution Minderjähriger kam es 2011 zu einem Strafprozess gegen den Ministerpräsidenten. Gleichzeitig musste seine Regierung auch mehrere Niederlagen hinnehmen, als sich die Bevölkerung in Referenden 2011 u. a. gegen den Bau von Atomkraftwerken und gegen ein neues Prozessgesetz aussprach. Vor dem Hintergrund der europäischen Schuldenkrise stimmten Senat und Abgeordnetenhaus ab Juli mehreren Sparpaketen zu. Berlusconi sah sich im Zuge einer Ausweitung der italienischen Staatsschuldenkrise auch innerhalb der EU immer größerem Druck ausgesetzt. Nach der Verabschiedung weiterer Sparmaßnahmen durch das italienische Parlament erklärte er schließlich am im November 2011 seinen Rücktritt. Eine Übergangsregierung unter Mario Monti und seiner "Technikerregierung" folgte. Nach den vorgezogenen Wahlen im Februar 2013 erwies sich die Regierungsbildung als äußerst schwierig. Schließlich wurde ein von dem PD-Politiker Enrico Letta geführtes Kabinett aus PD, der Popolo della Liberta (PdL) und der Zentrumspartei vereidigt. Im Mittelpunkt der Politik von Regierungschef Letta stehen wie bei seinem Vorgänger Monti umfassende Wachstums- und Reformmaßnahmen, um die Finanz- und Wirtschaftskrise in den Griff zu bekommen.