Jordanien Geschichte

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Frühzeit bis 19. Jahrhundert

Archäologische Funde auf dem heutigen Staatsterritorium verweisen auf Jäger, die bereits in der Altsteinzeit die Region bewohnten. Das Ostjordanland war bereits in der Frühzeit eng mit der Geschichte Palästinas und damit der der israelitischen Stämme verbunden. Die Moabiter waren ethnisch mit den Israeliten verwandt und teilten mit diesen den Baal-Kult. Unter König David wurde Moab zu einem Vasallenstaat, der sich aber im 9. Jahrhundert v.Chr. wieder befreien konnte. Es folgten die Herrschaft der Assyrer, dann der Babylonier und ab dem 5. Jahrhundert v.Chr. die der Nabatäer.

Im 1. Jahrhundert v.Chr. wurde das von den Nabatäern errichtete Königreich von den Römern besetzt, blieb aber politisch - bei Tributzahlungen - weitgehend unabhängig. Unter römischer Herrschaft wurden neue Städte und Dörfer gegründet und ein wirtschaftlicher Aufschwung erfasste den gesamten Landstrich, der als Arabia Petraea bekannt war und Petra zur ersten Hauptstadt hatte. Das Christentum wurde ab 313 n.Chr. anerkannt und zahlreiche Kirchen entstanden in dieser Zeit. Bei byzantinischer Oberhoheit stand es unter der Herrschaft arabisch-christlicher Ghassaniden. Ab dem 6. Jahrhundert n.Chr. eroberten muslimische Araber das Land und es gehörte fortan zu Syrien. Parallel zur Eroberung setzte die Islamisierung des Landes ein. Ein einschneidender Wandel vollzog sich nach etwa 800 Jahren, also im 16. Jahrhundert, als Jordanien unter die Herrschaft der Provinz Damaskus und damit der osmanischen Sultane kam.

Britische Vorherrschaft

Südtor in Jerash, Jordanien

Nach rund 400 Jahren osmanischer Herrschaft wurde das Land 1920 gemeinsam mit ganz Palästina britisches Mandatsgebiet. Im Gebiet östlich des Jordans lag das Emirat Transjordanien, das ebenfalls unter britischem Mandat stand. Grund für die Abtrennung dieser Region waren wachsende Unruhen zwischen der jüdischen und der arabischen Bevölkerung. Juden wurde die Besiedlung Transjordaniens untersagt und 1923 wurde das Gebiet selbstständiges Emirat mit Amman als Hauptstadt. Es blieb aber weiterhin unter britischem Mandat. Der Hafen Akaba am Roten Meer wurde Saudi-Arabien abgekauft.

Bis 1946 blieb Großbritannien Mandatsmacht des künstlichen Staatsgebildes, das ohne finanzielle Zuschüsse aus dem Ausland nicht lebensfähig war. Nachdem 1945 die Arabische Liga mit dem Ziel größerer Zusammenarbeit unter den arabischen Staaten gegründet worden war, entließ Großbritannien Transjordanien 1946 in die Unabhängigkeit und Emir Abdullah wurde zum König erklärt.

Staatsgründung

Abdullah von Transjordanien; Porträt

1948 - nach dem ersten arabisch-israelischen Krieg - wurden das Westjordanland und Ostjerusalem in das Königreich eingegliedert. Hunderttausende Juden flohen aus den arabischen Ländern nach Israel, bis zu eine Million Araber verließen ihrerseits Israel und flohen in Auffanglager, die von den arabischen Nachbarländern auf ihrem Territorium aufgebaut wurden. Im April 1950 wurde Transjordanien offiziell in "Haschemitisches Königreich" umbenannt und gab sich eine neue Verfassung. Doch als König Abdullah I. 1950 einem Attentat zum Opfer fiel, konnte sich sein Sohn und Nachfolger nur kurz an der Macht halten, und am 11. August 1952 erklärte man dessen Sohn Hussein Bin Talai im Alter von 17 Jahren zum neuen König des Landes (König Hussein II.). Bereits Anfang 1952 wurde die Verfassung Jordaniens nochmals verändert und eine parlamentarische Monarchie mit Erbkönigtum als Regierungsform ausgerufen.

1964 gründete sich im jordanischen Teil Jerusalems die PLO (Palästinensische Befreiungsorganisation), die sich bald zu einer Bedrohung für das Königshaus und den jungen Staat entwickelte. 1967 folgte der Sechs-Tage-Krieg, in dessen Verlauf israelische Truppen das Land westlich des Jordans (Westjordanland) sowie Ostjerusalem, die Golanhöhen und die Sinai-Halbinsel besetzten. Dies hatte auf Jordanien schwer wiegende Auswirkungen. 350 000 Palästinenser flohen aus den besetzten Regionen ins Land, überdies verlor Jordanien die fruchtbaren Landwirtschaftsgebiete auf der Westbank (Westjordanland). Zusätzlich wurde die innenpolitische Situation zunehmend schwieriger. Nachdem verschiedene PLO-Gruppen zum Sturz der Monarchie aufgerufen hatten und sich Bombenanschläge in jordanischen Städten häuften, schränkte König Hussein deren Einfluss im Rahmen der Aktionen "Schwarzer September" stark ein. In einem blutigen Bürgerkrieg, der tausende Menschenleben forderte, wurden die Fedajin (arabisch für "einer der sich opfert") aus dem Land getrieben und die politischen Strukturen der PLO im Königreich zerschlagen. Trotzdem musste Jordanien wenige Jahre später im Jahr 1974 den Beschluss einer Gipfelkonferenz der arabischen Staaten akzeptieren, die die PLO zum Vertreter aller Palästinenser ernannte. Das Königreich verzichtete in den folgenden Jahren zugunsten der PLO auf das Westjordanland und 1988 verkündete König Hussein auch formell den Verzicht auf die Westbank und schränkte die administrative und rechtliche Verankerung seines Königreichs auf das Gebiet östlich des Jordans ein.

Doch die innenpolitische Lage bedurfte noch weiterer politischer Veränderungen. Nach sozialen Unruhen stimmte König Hussein II. politischen Reformen zu und 1989 gingen aus den freien Wahlen zum Abgeordnetenhaus etwa zu gleichen Teilen fundamentalistische Islamisten und königstreue Konservative als gewählte Abgeordnete hervor. Mudar Badran wurde Regierungschef.

Im Golfkrieg nahm Jordanien eine ambivalente Position ein; das Königshaus stellte sich nicht eindeutig auf die Seite der USA und ihrer arabischen Alliierten, wodurch es sich mehrere Jahre sowohl in der arabischen als auch in der westlichen Welt politisch isolierte. Zahlreiche Flüchtlinge aus dem Irak, aber vor allem viele aus den Golfstaaten ausgewiesene jordanische Gastarbeiter vertieften die bestehenden wirtschaftlichen Probleme des Landes zusätzlich.

Im November 1993 wurden bei Neuwahlen Befürworter einer Versöhnungspolitik mit Israel an die Regierung gewählt und Abdal Salam Majali wurde Ministerpräsident. Eine merkliche wirtschaftliche und politische Wende brachte der Friedensvertrag zwischen Israel und Jordanien, der nach mehrjährigen teilweise geheimen Verhandlungen 1994 unterzeichnet werden konnte. 1995 trat Abdal Salam Majali zurück und Sharif Said Ibn Shakir wurde zum neuen Regierungschef ernannt, dem bereits im folgenden Jahr Abdul Karim al-Kabariti nachfolgte. Die Jahre vor der Jahrtausendwende waren von den Bemühungen des mittlerweile dienstältesten arabischen Staatsoberhaupts König Hussein II. geprägt, eine endgültige Lösung für die Probleme in Palästina zu finden. 1997 übernahm erneut Abdal Salam Majali das Amt des Regierungschefs. Die Wahlen zum Unterhaus ergaben eine deutliche Mehrheit für die königstreuen Stammesführer, nachdem die islamistisch orientierten Parteien zum Boykott aufgerufen hatten. 1998 trat der König Jordaniens ein letztes Mal ins Licht der Weltöffentlichkeit, als er - bereits schwerkrank - eine wichtige Vermittlerrolle in direkten Verhandlungen zwischen PLO und Israel in den USA spielte. Anfang 1999 starb Hussein II. nach 47 Regierungsjahren und sein Sohn König Abdullah II. Ibn al-Hussein trat seine Nachfolge an. Zu den politischen Zielen des neuen Königs gehört - neben einer Weiterführung der Vermittlerrolle im Nahostkonflikt - die systematische Modernisierung Jordaniens.

König Abdullah II. gelang es, das Verhältnis zu Ägypten, Syrien und den Golfstaaten zu normalisieren und gleichzeitig insbesondere zu Großbritannien und den USA starke Bindungen zu erhalten. Der Irak-Krieg drohte diese Anstrengungen zunichte zu machen: Auf Druck der jordanischen Bevölkerung distanzierte sich Abdullah II. von den USA, ermöglichte dem US-amerikanischen Militär jedoch einen Zugang zum Irak über jordanisches Staatsgebiet. 2005 setzte der König ein Komitee ein, das mit der "Nationalen Agenda" einen Reform- und Entwicklungsplan für das nächste Jahrzehnt erarbeitete. Mitte 2006 brachte der König eine weitere Reforminitiative ("Wir sind alle Jordanien") auf den Weg. Nach den Parlamentswahlen im November 2007 ernannte Abdullah II. mit Nader Dahabi einen reformorientierten Ministerpräsidenten; die Islamisten hatten überraschend schlecht abgeschnitten. Nach Auseinandersetzungen über die Effektivität der Volksvertretung löste der König diese im November 2009 auf und ordnete Neuwahlen an, die 2010 stattfanden. Sie wurden von der oppositionellen Islamischen Aktionsfront boykottiert. Wie schon bei den Wahlen zuvor zogen hauptsächlich königstreue Vertreter der traditionellen Eliten und Stammesführer in das Parlament ein.

In der Folge des Umsturzes in Tunesien kam es im Januar 2011 in Amman und anderen Städten zu Protesten gegen soziale Missstände und mangelhafte politische Teilnahmemöglichkeiten. Daraufhin ernannte der König im Februar 2011 eine neue Regierung, um wirtschaftliche und politische Reformen durchzuführen. Im Verlauf des Jahres 2012 brachten die Verabschiedung eines neuen Wahl- und Parteiengesetzes sowie die Einsetzung einer Unabhängigen Wahlkommission und eines Verfassungsgerichts denn auch wichtige Änderungen in den politischen Rahmensetzungen. Das Parlament wurde im Oktober 2012 vom König erneut aufgelöst, um den Weg für vorgezogene Neuwahlen im Januar 2013 freizumachen. Die Islamische Aktionsfront boykottierte auch diese Wahlen. Die neue Regierung unter Premierminister Abdullah Ensur wurde im April 2013 vereidigt. Ensur gilt als Befürworter von Reformen.