Kap Verde Geschichte

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    Als 1456 der Seefahrer Alvise Cadamosto als erster Europäer eine der Kapverdischen Inseln betrat, waren diese nicht besiedelt. Vier Jahre später nahmen die portugiesischen Seefahrer Diego Gomes und António da Noli die Inseln für Portugal in Besitz. 1495 wurden sie offiziell zur portugiesischen Kolonie erklärt.

    Der Hafen Ribeira Grande (heute Cidade Velha) auf der Insel Santo Antão wurde zu einer wichtigen Zwischenstation für die portugiesischen Schiffe, die Sklaven aus dem Westen Afrikas nach Mittel- und Südamerika brachten. Auch dienten die Inseln als Stützpunkt Portugals auf dem Seeweg nach Indien. Zusätzlich wurden Plantagen angelegt, die von Sklaven aus Westafrika bearbeitet wurden.

    Die auf den Inseln siedelnden Portugiesen gelangten zu großem Wohlstand, was dazu führte, dass sie im 17. Jahrhundert immer wieder von Piraten heimgesucht wurden (u.a. englische Freibeuter unter der Führung von Sir Francis Drake). Da vor allem die Insel Santo Antão im Mittelpunkt der Angriffe stand, wurde 1614 der Bischofssitz von Ribeira Grande auf die südlich gelegene Insel São Tiago verlegt (in die neugegründete Stadt Praia).

    Von Praia aus wurde ab 1650 auch die portugiesische Kolonie des heutigen Guinea-Bissau auf dem afrikanischen Festland verwaltet. Aufgrund der Wanderungsbewegungen zwischen der Bevölkerung (ein Großteil der Schwarzafrikaner auf den Kapverden stammte aus Guinea) blieben die Inseln und das Festlandsgebiet lange Zeit eng verbunden (auch nachdem die gemeinsame Verwaltung von Portugiesisch-Guinea und den Kapverden 1879 beendet worden war).

    Mit dem Niedergang des Sklavenhandels (Portugal verbot als letzte Kolonialmacht 1876 den Handel mit Menschen) verloren auch die Kapverdischen Inseln an Bedeutung. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts fiel annähernd die Hälfte der Bevölkerung einer Hungerkatastrophe zum Opfer. Grund dafür waren langanhaltende Dürren und die fortschreitende Bodenerosion, die durch die radikale Abholzung der Wälder für die Anlage von Kaffee- und Zuckerrohrplantagen verursacht wurde. Aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage wanderten rund 180 000 Inselbewohner im Laufe des 19. Jahrhunderts aus, ein großer Teil von ihnen in die USA.

    1951 erhielt die Inselgruppe der Kapverden aufgrund der wachsenden Unabhängigkeitsbestrebungen der schwarzafrikanischen Bevölkerung den Status einer portugiesischen Überseeprovinz und damit die beschränkte innere Autonomie. Wie in den übrigen portugiesischen Kolonien auch galt ab 1954 das sogenannte "Eingeborenenstatut", das es einer kleinen Gruppe der Bevölkerung ermöglichte, unter bestimmten Voraussetzungen (wie z.B. einem regelmäßigen Einkommen und portugiesischen Sprachkenntnissen) das portugiesische Bürgerrecht und damit den Stand eines "Assimilado" zu erlangen.

    1956 gründete Amilcar Cabral die Unabhängigkeitsbewegung "Partido Africano da Independência da Guiné e Cabo Verde" (PAIGC/Afrikanische Partei für die Unabhängigkeit von Guinea-Bissau und der Kapverden). Diese forderte die volle Selbstverwaltung und den Zusammenschluß der Kapverden mit der portugiesischen Überseeprovinz Portugiesisch-Guinea (heute Guinea-Bissau). 1961 wurde das Statut von 1954 aufgehoben und die gesamte Bevölkerung der ehemaligen Kolonien wurde zu portugiesischen Staatsbürgern erklärt.

    Auf dem Festland begannen die Milizen der PAIGC den bewaffneten Kampf gegen die Vertreter Portugals, nachdem ihre Forderungen nach uneingeschränkter Souveränität nicht beachtet worden waren. Auf den Kapverden selbst kam es kaum zu bewaffneten Konflikten. Ende der 60er Jahre hatten die Truppen der PAIGC große Gebiete des späteren Guinea-Bissaus unter ihrer Kontrolle. Doch erst 1974, als in Portugal durch die "Nelkenrevolution" die Staatsführung gewechselt hatte, wurde Guinea-Bissau und ein Jahr später den Kapverdischen Inseln die volle Souveränität zugestanden. Nach ersten Wahlen, bei denen die PAIGC die Mehrheit der Stimmen erhielt, wurde Aristidès Pereira zum Staatspräsidenten gewählt, Chef der Regierung wurde Pedro Pires. Das legislative Organ der Republik Kap Verde wurde die Nationale Volksversammlung mit den vom Volk gewählten Abgeordneten. Die PAIGC dominierte als Einheitspartei das politische Geschehen.

    Der Plan eines gemeinsamen Staates wurde von den politischen Führungen von Guinea-Bissau und Kap Verde bis Anfang der 1980er Jahre verfolgt. Nach einem Putsch in Guinea-Bissau, bei dem zahlreiche führende Positionen (die bis dahin Kapverdier innehatten) neu besetzt wurden, verschlechterten sich die Beziehungen zwischen beiden Staaten und das Ziel eines gemeinsamen Staates wurde aufgegeben. In Kap Verde wurde 1981 die PAIGC in PAICV (Partido Africano da Independência de Cabo Verde/Afrikanische Partei für die Unabhängigkeit der Kap Verden) umbenannt. Staatspräsident Pereira wurde im Amt bestätigt und führte seinen sozialistischen Regierungskurs fort, bemühte sich aber dennoch um gute Beziehungen zu den westlichen Industrienationen.

    Aufgrund des wachsenden Drucks von oppositionellen Bewegungen wurde 1990 das Mehrparteiensystem eingeführt. Bei Parlamentswahlen im Januar 1991 erreichte die liberale MPD (Movimento para a Democracia/Bewegung für Demokratie) eine deutliche Mehrheit über die bis zu diesem Zeitpunkt regierende PAICV. António Mascarenhas Monteiro (MPD) wurde neues Staatsoberhaupt von Kap Verde, zum Regierungschef wurde Carlos Alberto Wahnon de Carvalho Veiga ernannt. Verfassungsänderungen im Jahre 1993 stärkten die Position des Ministerpräsidenten und wiesen dem Präsidenten eine Rolle als Repräsentant und moralische Institution zu. Beide konnten sich bei den Wahlen 1995 behaupten. Das marktwirtschaftlich orientierte Programm der liberalen Regierung konnte nicht verhindern, dass die Auslandsverschuldung der Republik stetig anstieg (1999 ca. 215 Millionen US-Dollar). Obwohl die Produktivität in der Landwirtschaft stieg, mußten aufgrund der klimatischen Bedingungen (akuter Süßwassermangel) Nahrungsmittel in großem Umfang importiert werden.

    Im Januar 2001 fanden erneut Parlamentswahlen in Kap Verde statt, bei denen die sozialdemokratische PAICV die Mehrheit der Sitze erhielt und damit die MPD als Regierungspartei ablöste. Neuer Regierungschef wurde José Maria Neves (PAICV). Im Februar 2001 wurde Pedro Pires von der PAICV mit sehr knapper Mehrheit zum neuen Staatspräsidenten von Kap Verde gewählt und trat sein Amt im März an. Bei den Parlamentswahlen im Januar 2006 konnte die PAICV ihren Vorsprung zu einer soliden absoluten Mehrheit ausbauen und im Februar gewann Pedro Pires die Wahlen erneut. Auch bei den Parlamentswahlen im Februar 2011 errang die PAICV eine Mehrheit, im August wurde jedoch Jorge Carlos Fonseca als Vertreter der Oppositionspartei MPD zum neuen Präsidenten gewählt.