Kuwait Geschichte

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    Anfänge

    Aufgrund archäologischer Funde wird vermutet, dass die Insel Failaka, die rund 30 km nordöstlich vor der Hauptstadt des heutigen Kuwait im Persischen Golf liegt, bereits im 3. Jt. v.Chr. ein Handelsstützpunkt für Seefahrervölker war. Im 3. Jh. n.Chr. wurde das Gebiet des heutigen Kuwait Teil des Persischen Reiches, ab dem 7. Jh. wurde es islamisiert. Ab 762 unterstand das Land der Oberherrschaft des Kalifats von Bagdad (Abbasiden-Dynastie).

    Vom 16. bis zum 20. Jahrhundert

    Anfang des 16. Jh.s hielten sich portugiesische Seefahrer vorübergehend an den Küsten Kuwaits auf, gaben ihre Niederlassungen aber bald wieder auf. Um 1715 siedelten sich mehrere Gruppen des sunnitisch geprägten Anaiza-Stammes im Gebiet an, die aus dem Westen der Arabischen Halbinsel stammten. 1756 gründete die bedeutende Familie Al-Sabah (die bis heute das Emirat beherrscht) die Stadt Kuwait an der Bucht am Persischen Golf. Von hier aus wurde reger Handel mit Persien, dem Osmanischen Reich und Indien betrieben.

    Ende des 19. Jh.s wurde Kuwait britisches Protektorat, um der Übermacht durch das Osmanische Reich zu entgehen. Im Gegenzug für seine Schutzfunktion erhielt Großbritannien Fischerei- und Kontrollrechte für die Küstengewässer am Persischen Golf und die Zusage des Scheich Mubarak Al-Sabah, Beziehungen zu anderen Staaten nur nach Absprache mit der Großmacht einzugehen. Im Rahmen dieser Absprachen musste Kuwait 1922 zwei Drittel seines ursprünglichen Staatsgebietes an das benachbarte Saudi-Arabien abgeben (Vertrag von Uquair).

    Beginn der Erdölförderung

    1938 wurden auf kuwaitischem Boden die ersten Erdölquellen entdeckt, aufgrund des ausbrechenden Zweiten Weltkriegs begann die Förderung erst 1946. 1950 wurde Scheich Abdullah Al-Sabah Emir von Kuwait und damit gleichzeitig geistliches und weltliches Oberhaupt des Landes. Mit den immensen Einnahmen aus dem Ölexport (Kuwait verfügt über rund ein Zehntel der Erdölreserven weltweit, zudem ist durch die geringe Bodentiefe der Lagerstätten die Förderung preiswert) wurde zugunsten der kuwaitischen Bevölkerung ein gut strukturiertes Gesundheits- und Sozialwesen aufgebaut.

    1960 gehörte Kuwait zu den Gründungsmitgliedern der OPEC (Organization of the Petroleum Exporting Countries), einer Interessensgemeinschaft der erdölexportierenden Staaten. Ziel der Organisation, zu der zu dieser Zeit neben Kuwait der Iran, Irak, Saudi-Arabien und Venezuela gehörten, war die Stabilisierung der Weltmarktpreise für Rohöl und die Sicherung von stabilen Einkünften für die Förderländer.

    Unabhängiger Staat

    1961 wurde der britische Protektoratsvertrag von 1899 aufgehoben und das Emirat unabhängig. Eine im Dezember 1961 gewählte verfassungsgebende Versammlung legte die Staatsform für Kuwait fest als ein erbliches Emirat mit parlamentarischen Elementen. Gebietsforderungen seitens des Irak an Kuwait machte die weitere Stationierung britischer Truppen notwendig. Nur wenig später wurden diese teilweise von Einheiten der Arabischen Liga (1945 gegründete Organisation für die wirtschaftliche, politische und militärische Zusammenarbeit arabischer Staaten, Aufnahme Kuwait Juli 1961) ersetzt. Trotz der Truppen kam es wiederholt zu Grenzkonflikten mit dem benachbarten Irak (1967, 1972).

    Erster und Zweiter Golfkrieg

    Im Ersten Golfkrieg (1980-88) zwischen dem Iran und dem Irak unterstützte Emir Dschabir Al Ahmad Al Dschabir Al-Sabah (Emir seit 1977) aus Furcht vor dem iranischen Fundamentalismus den Irak. Umfangreiche finanzielle Mittel wurden dem irakischen Diktator Sadam Hussein zur Verfügung gestellt, deren Rückzahlung dieser nach Ende des Konflikts verweigerte. Im August 1990 wurde in einer nächtlichen Blitzaktion Kuwait von irakischen Truppen besetzt und das Land von Sadam Hussein zur 19. Provinz des Irak erklärt. Aufgrund der Bedeutung der kuwaitischen Ölfelder bildete sich eine internationale Front gegen den Irak, und nach dem Verstreichen eines von der UNO gestellten Ultimatums wurde Kuwait von einer multinationalen Truppe (bestehend aus Einheiten aus insgesamt 24 westlichen und arabischen Staaten) im Januar 1991 befreit. Während des Rückzugs der irakischen Truppen richteten diese verheerende Schäden an den Erdölförder- und Ölverarbeitungsanlagen an: 80 % der Anlagen wurden zerstört, rund 700 Ölquellen wurden in Brand gesteckt. Das in den Persischen Golf und in die Wüste geleitete Öl löste eine Umweltkatastrophe aus.

    Nach den Kriegen

    Infolge dieses Zweiten Golfkriegs wies Kuwait Gruppierungen, die den Irak unterstützt hatten, aus dem Land aus (Palästinenser, Jordanier, Jemeniten). Zwischen 1990 und 1996 ging die Einwohnerzahl um knapp 6 % zurück. Als weitere Folge des Golfkonfliktes zeigte sich eine immer stärker werdende Opposition im Lande: Bei den ersten freien Wahlen zur Nationalversammlung seit 1986 errangen die Anhänger des Emirs weniger als die Hälfte der Sitze und waren damit in der Minderheit. Dennoch regierte de facto der Emir, indem er sich per Dekret über die Beschlüsse der Nationalversammlung hinwegsetzte bzw. die Mitglieder der Regierung selbst bestimmte.

    Mitte der 1990er Jahre waren die meisten der zerstörten Erdölförder- und Verarbeitungsanlagen wieder aufgebaut. Aus Angst vor erneuten Übergriffen des Irak wurden in den 1990er Jahren für militärische Zwecke Milliarden von US-Dollar ausgegeben, wobei ein Großteil des militärischen Schutzes Kuwaits von britischen und US-amerikanischen Truppen übernommen wurde - entweder im Land direkt oder auf Flugzeugträgern im Persischen Golf stationiert. Kuwait hatte nach der Befreiung 1991 Verteidigungsabkommen mit allen Staaten abgeschlossen, die einen ständigen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen haben. Auf der anderen Seite bemüht sich Kuwait im Rahmen der Arabischen Liga, nicht in die Isolation zu geraten und die Beziehungen zu den Staaten, die den Irak unterstützt hatten, zu normalisieren.

    Nach jahrelangen Auseinandersetzungen beschloss das Parlament 2005 das Frauenwahlrecht. Kurz darauf ernannte der Emir die erste weibliche Ministerin. Im Januar 2006 starb der Emir, Sheikh Jaber bin Ahmad al-Jaber al-Sabah; sein Nachfolger wurde der vorherige Premierminister Sabah bin Ahmad al-Jabir as-Sabah. Beständige Auseinandersetzungen zwischen Parlament und Regierung führten in seiner Regierungszeit bereits zu einer Vielzahl von Parlaments- und Regierungsneubildungen.