Laos Geschichte

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Inhaltsverzeichnis

Anfänge

Archäologische Funde belegen eine Besiedlung des Gebiets bereits ab dem 6. Jt. v.Chr. Die Funde auf dem Tran-Ninh-Plateau (Plateau de Xiangkhoang, Ebene der Tonkrüge) im Norden des Landes lassen auf eine hochentwickelte Kultur zu Beginn der christlichen Zeitrechnung schließen. Vermutlich ab dem 8. Jh. n.Chr. wanderten die zu den Thaivölkern gehörenden Laoten, die aus Südwestchina kamen, in das Gebiet des heutigen Laos ein. Jahrhundertelang standen die Bewohner unter der Oberherrschaft des mächtigen Khmer-Reiches von Angkor, bis die Khmer von den Herrschern des Sukhothai-Reiches vertrieben wurden. Das Sukhothai-Reich herrschte zeitweise über das heutige Thailand, Laos und Kambodscha, zerfiel aber im 14. Jh. in kleinere Einzelreiche, bevor es als Reich von Ayutthaya wieder geeint wurde. 1353 konnten die Laoten sich unter der Führung ihres Herrschers Fa Ngum von dem Großreich loslösen und es kam zur Gründung des laotischen Königreichs Lan Chang (Land der Millionen Elefanten). Hauptstadt war Muong Swang (heute Luang Prabang). Der Buddhismus wurde Staatsreligion. 1563 wurde die Hauptstadt des Reiches nach Viang Chan (Vientiane) verlegt.

Im 15. und 16. Jh kam es zu mehreren kriegerischen Auseinandersetzungen mit den benachbarten Vietnamesen und Birmanen, vorübergehend wurde das Reichsgebiet besetzt. 1707 zerfiel das Reich Lan Chang in die zwei rivalisierenden Königreiche Vientiane und Luang Prabang, sechs Jahre später entstand ein drittes Reich im Süden des Landes, Champassak. In der zweiten Hälfte des 18. Jh. kamen alle Kleinreiche unter die Oberherrschaft des Reiches von Siam (Thailand). Luang Prabang gelang es, durch Kooperation mit Siam gegen das aufständische Vientiane eine gewisse Eigenständig zu bewahren.

Kolonialzeit

Bis 1887 hatte die europäische Großmacht Frankreich die Gebiete des heutigen Vietnam und Kambodscha unter ihre Herrschaft gebracht, ab 1888 führte es mit Siam Kämpfe um die Gebiete von Laos. 1893 wurden die drei Reiche Vientiane, Luang Prabang und Champassak unter dem Namen Laos gemeinsames französisches Protektorat und an Französisch-Indochina angegliedert. Für Frankreich hatte Laos vor allem eine strategische Bedeutung (als Abgrenzung zum britischen Kolonialreich), wirtschaftlich bestanden kaum Interessen. Mehrere Widerstandsbewegungen wurden in der ersten Hälfte des 20. Jh. gegründet (z.B. 1944 die kommunistische Untergrundbewegung Pathet Lao unter der Führung von Prinz Suvanna Vong). Als Frankreich 1940 im Zweiten Weltkrieg von Deutschland besetzt wurde, erhob Japan Ansprüche auf die französischen Gebiete in Indochina. 1945 wurde die Unabhängigkeit des Landes ausgerufen, doch die sich bildende Regierung wurde 1946 von Frankreich wieder abgesetzt, das erneut die Oberhoheit über Laos übernahm. Dem Land wurde eine beschränkte innere Selbstverwaltung gewährt. 1947 erklärte eine neue Verfassung Laos zur konstitutionellen Monarchie mit König Sisavong Vong auf dem Thron (dieser war bereits seit 1904 König von Luang Prabang). 1949 wurde Laos unabhängiges Königreich innerhalb der Französischen Union.

Weg in die Unabhängigkeit

Frankreich konnte seine Vorherrschaft in Indochina nicht mehr auf Dauer halten: Im Rahmen des Indochina-Krieges (1946-54) gewannen die oppositionellen Kräfte in Laos immer mehr an Bedeutung. Bis 1954 hatte die kommunistische Bewegung des Pathet Lao, die sich mit den nordvietnamesischen Vietminh verbündet hatten, etwa die Hälfte von Laos eingenommen. Das Genfer Indochina-Abkommen 1954 brachte für Laos die endgültige Unabhängigkeit von Frankreich, gleichzeitig wurde ein Waffenstillstand zwischen den Regierungstruppen und den Partisanen des Pathet Lao ausgehandelt, der allerdings nicht von Dauer war. Ende 1958 brach ein offener Bürgerkrieg aus zwischen kommunistischen (Pathet Lao) und prowestlichen (Regierung) Kräften in Laos, wobei sowohl die Sowjetunion als auch die USA durch Waffenlieferungen versuchten, der ihnen jeweils genehmen Gruppierung zum Sieg zu verhelfen. Als dritte politische Kraft im Land agierte die Gruppe um den Prinzen Suvanna Phuma, die einen neutralistischen Kurs vertrat.

Im Mai 1961 fand in Genf die Laos-Konferenz statt, auf der eine Koalitionsregierung zwischen Neutralisten (Prinz Suvanna Phuma), Kommunisten (Prinz Suvanna Vong) und Anhängern des Königs (Prinz Boun Oum) beschlossen wurde. Doch auch die neu gebildete Regierung der Nationalen Einheit verhinderte nicht ein erneutes Ausbrechen des Bürgerkriegs in Laos.

Mitte der 60er Jahre wurde Laos in den Vietnam-Krieg mithineingezogen. Die USA bombardierten Gebiete im Osten von Laos, durch die der so genannten Ho-Chi-Minh-Pfad führte, auf dem Nordvietnam die kommunistischen Vietcong in Südvietnam mit Nachschub versorgte. Nachdem die USA ihre Truppen 1973 aus Südvietnam abgezogen hatten, kam es in Laos erneut zu einem Waffenstillstand zwischen den verfeindeten Lagern und einer Regierung der Nationalen Einheit unter der Führung von Suvanna Phuma. Größte politische Kraft im Land war zu dieser Zeit die aus der Pathet-Lao-Bewegung abstammende Laotische Revolutionäre Volkspartei (LRVP). Als in Vietnam und in Kambodscha die kommunistischen Kräfte an die Macht kamen, vollzog sich auch in Laos ein Umsturz, bei dem den laotischen Kommunisten die Machtübernahme gelang.

1975 wurde die Monarchie abgeschafft und statt dessen die Demokratische Republik Laos ausgerufen, die unter starkem Einfluss des kommunistischen Vietnam stand. Erster Staatspräsident wurde Suvanna Vong, der die LRVP zur Einheitspartei machte und alle anderen politischen Parteien verbot. Die sozialistische Planwirtschaft führte zu einer weiteren Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage des Landes, das durch den langen Bürgerkrieg ohnehin geschwächt war. Unter den vielen Laoten, die vor den Umerziehungslagern der Kommunisten außer Landes flohen, waren viele Intellektuelle und Oppositionelle sowie hohe Würdenträger des Buddhismus.

Aufgabe des Staatsziels Sozialismus

1991 wurde eine neue Verfassung verabschiedet, die zwar nach wie vor den Führungsanspruch der Regierungspartei LRVP festschrieb, jedoch den Sozialismus nicht mehr als Staatsziel nannte und das Recht auf freie Religionsausübung zusicherte. Auch in der Wirtschaft zeigten sich Liberalisierungstendenzen in Form marktwirtschaftlicher Grundsätze. Die laotische Regierung führt den Kurs einer vorsichtigen Liberalisierung fort. 1996 kam es zu einem Kooperationsabkommen mit der Europäischen Union, 1997 wurde Laos in den südostasiatischen Staatenverbund ASEAN (Association of Southeast Asian Nations) aufgenommen, der 1967 von Thailand, Malaysia, Singapur, Indonesien und den Philippinen gegründet worden war. Während der Wirtschafts- und Währungskrise im asiatischen Raum Ende der 1990er Jahre, die zu schweren Verlusten in der laotischen Wirtschaft führte, häuften sich die Proteste im Land gegen die kommunistische Regierung. Die Sonderzone Saysomboun, die 1994 gebildet worden war, um die ansässige Bevölkerung besser kontrollieren zu können, wurde Anfang 2006 wieder aufgelöst. Internationalen Menschenrechtsorganisationen zufolge soll es zu schwersten Menschenrechtsverletzungen des Militärs gegenüber den dort ansässigen Hmong gekommen sein.

Im Dezember 2009 wurden ca. 4500 Angehörige der Volksgruppe Hmong von Thailand nach Laos ausgewiesen. Da das für sie vorgesehene Siedlungsgebiet Xaisomboun von ausländischen Beobachtern nicht betreten werden durfte, ist nicht bekannt, was die Ankömmlinge dort erwartete.

Im Norden des Landes wird illegal Schlafmohn als Grundlage für Opium und Heroin angebaut; dies stellte für die Bevölkerung eine bedeutende Einnahmequelle dar. Laut UNODC (Büro für Drogen- und Verbrechensbekämpfung der Vereinten Nationen) konnte die Anbaufläche durch Bereitstellung alternativer Einkommensmöglichkeiten aber um 94 % reduziert werden.