Pakistan Geschichte

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Inhaltsverzeichnis

Anfänge

Die Geschichte Pakistans ist eng mit der Indiens verknüpft. Die Harappakultur, die etwa im 3. Jt. v.Chr. im Industal entstand, gilt als eine ältesten Hochkulturen der Welt. Etwa ab Mitte des 2. Jt.s v.Chr. wanderten aus dem Iran und Afghanistan arische Volksstämme ein. Etwa um 1000 v.Chr. ist erstmals das von den Ariern ("arya", Edle) geschaffene Kastensystem belegt, das dazu diente, eine Vermischung zwischen den Völkern zu verhindern.

Ab dem 6. Jh. v.Chr. geriet das Gebiet des heutigen Pakistan unter persischen Einfluss und gehörte zum Achämenidenreich. Nach der Zerschlagung des persischen Großreiches durch Alexander den Großen im 4. Jh. v.Chr. wurde das Gebiet von einer griechisch-persischen Oberschicht regiert. Ab dem 3. Jh. v.Chr. übernahm das indische Maurya-Reich die Herrschaft über den gesamten indischen Subkontinent und der Buddhismus verbreitete sich als dominante Religion.

Islamisches Einflussgebiet

Nach mehreren indisch beeinflussten Reichen geriet das Gebiet des heutigen Pakistan im 7. Jh. n.Chr. unter den Einfluss des Islam. 712 n.Chr. etablierten sich in den Provinzen Sind und Multan (heute in Südostpakistan) die ersten islamischen Reiche. Vom Ende des 10. bis zum 12. Jh. gehörte die Region zum islamischen Ghasnawiden-Reich, das durch Sultan Mahmud von Ghazni begründet worden war. Lahore, heute Hauptstadt der pakistanischen Provinz Panjab, wurde zu einer der Sultansresidenzen. Mitte des 12. Jh.s übernahmen die Ghuriden die Macht. Im Verlauf der verschiedenen muslimischen Herrscherdynastien (14. Jh.: Reich des Timur-Leng; 16.-19. Jh.: Mogulreiche) festigte sich der Islam als dominante Religion auf dem Gebiet des heutigen Pakistan.

Britische Vorherrschaft

Im 18. Jh. entbrannte zwischen den Kolonialmächten Frankreich und Großbritannien der Streit um die Besitzungen auf dem indischen Subkontinent. Mitte des 18. Jh.s konnten sich die Briten durchsetzen. Vor dem Hintergrund des ersten Afghanisch-Britischen Krieges (1839-42) übernahm die Kolonialmacht in Pakistan relativ zügig die Kontrolle: 1843 wurde Sind, bis 1856 der ganze Pandschab erobert. Nach mehreren Aufständen gegen die Briten erklärten diese das Mogulreich für aufgelöst und Pakistan wurde Teil der neugeschaffenen Kronkolonie Britisch-Indien (1858). Zu diesem Zeitpunkt war die Mehrheit der Bevölkerung Anhänger des Hinduismus, während Muslime eine Minderheit waren. Nachdem die britische Regierung die Verwaltung des Kolonialgebietes übernommen hatte (bis 1858 britische Ostindische Kompanie), bildeten sich politische Gruppierungen. 1885 wurde der Indische Nationalkongress (INC) als Interessensvertretung der Hindus gebildet. 1906 gründete sich in Dhaka (Ostpakisten, heute Bangladesch) die Muslimliga (All Indian Muslim League), die ab 1916 von Mohammad Ali Dschinnah geführt wurde und die die Interessen der moslemischen Minderheiten vertrat.

Bereits in den 30er Jahren des 20. Jh.s forderten die Vertreter der Muslimliga eine Teilung der Kronkolonie Indien in zwei Staaten, da sie die Dominanz einer hinduistischen Mehrheit fürchteten. Ihr Führer Mohammad Ali Dschinnah gilt allgemein als Gründervater Pakistans. Aus dieser Zeit stammt auch die Namensschöpfung Pakistan, das sich aus den Anfangs- bzw. Endbuchstaben der muslimisch geprägten Provinzen Punjab, Afghanien, Kaschmir, Indus, Sind und Belutschistan zusammensetzte.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs fanden Gespräche zwischen der Kolonialmacht und den beiden Volksvertretungen des INC und der Muslimliga statt. Während der INC einen hinduistisch-muslimischen Gesamtstaat forderte, forderten die Vertreter der Muslimliga die Teilung der ehemaligen Kolonie. Nach einer Reihe von bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen kam es am 15. August 1945 zur Bildung der Indischen Union (Indien) und Pakistans als zwei getrennte Staaten.

Der Staat Pakistan

Der neue Staat Pakistan bestand aus zwei Landesteilen, die über 1 500 km durch indisches Staatsgebiet voneinander getrennt waren: Westpakistan entsprach im wesentlichen dem heutigen Pakistan, Ostpakistan entspricht dem heutigen Bangladesch.

Nach der Gründung der beiden Staaten kam es zur Massenflucht von schätzungsweise sechs Millionen Hindus und Sikhs aus Pakistan nach Indien. Ebenso flohen rund acht Millionen Muslime aus Indien in die pakistanischen Gebiete. Diese Umschichtungen wurden von zahlreichen Gewalttaten der Ethnien untereinander begleitet, denen rund eine halbe Million Menschen zum Opfer fielen. Dies führte zu ersten außenpolitischen Spannungen zwischen den beiden jungen Staaten, hinzu kamen Gebietsstreitigkeiten über ehemalige Fürstentümer, die sich noch keinem der beiden Staaten angeschlossen hatten und auf Eigenstaatlichkeit bestanden. Drei von ihnen, Junagadh, Hyderabad und Kaschmir, erhielten im August 1947 offiziell ihre Unabhängigkeit. Während Junagadh und Hyderabad von Indien binnen kurzer Zeit annektiert wurden, wurde Kaschmir von den Truppen beider Mächte besetzt, wobei Pakistan den Westen und Norden einnahm (1. Indisch-Pakistanischer Krieg). Durch UN-Vermittlung wurde 1949 ein Waffenstillstand ausgehandelt, doch bis heute ist der Kaschmir-Konflikt nicht gelöst und sorgt immer wieder für Spannungen zwischen Indien und Pakistan.

Nach dem Tode des Muslimführers Mohammad Ali Dschinnah 1948 kam es zu einem Auseinanderdriften der beiden Teile Pakistans. Zahlreiche Regierungswechsel zeigten die instabile politische Lage in Pakistan. Im März 1956 kam es nach einer Änderung der Verfassung zur Ausrufung der "Islamischen Republik Pakistan". Im Oktober 1958 wurde das Kriegsrecht verhängt, die Nationalversammlung aufgelöst und die Verfassung außer Kraft gesetzt. Mohammad Ayub Khan (1958-69) regierte autoritär und gestand Ostpakistan mehr politische Rechte zu (eigenes Parlament ab 1962). Trotz der von ihm durchgeführten Landreform blieben die feudalen Strukturen in Pakistan (Großgrundbesitzer) weitgehend erhalten. Zu den USA pflegte Ayub gute Beziehungen, von hier erhielt das Land militärische und wirtschaftliche Hilfe.

Die Abtrennung Bangladeschs

Unter General Aga Muhammad Yahya Khan (bis 1971), der von Ayub als Nachfolger ernannt wurde, wurden im Dezember 1970 freie Wahlen für ein gesamtpakistanisches Parlament abgehalten. Während in Westpakistan die sozialistische "Pakistan People's Party" (PPP) unter der Führung von Zulfikar Ali-Khan Bhutto stärkste politische Kraft wurde, gewann in Ostpakistan die Awamiliga unter Scheich Mujib ur-Rahman, die eine Loslösung ihres Landesteiles forderte, alle Sitze und damit die Mehrheit der Sitze im Gesamtparlament. Nach bürgerkriegsähnlichen Unruhen erklärte ur-Rhaman in Ostpakistan den unabhängigen Staat Bangladesch. Nach Intervention Westpakistans griffen indische Truppen in den Konflikt ein (3. Indisch-Pakistanischer Krieg), der im Dezember 1971 mit der Anerkennung des Staates Bangladesch endete.

Entwicklungen seit 1972

Zulfikar Ali-Khan Bhutto wurde der neue Staatsführer in (West-)Pakistan. 1973 wechselte er in das Amt des Premierministers (bis 1977) und Fazal Elahi Chaudry wurde neuer Staatspräsident.

Im Vorfeld der Wahlen von 1977 schlossen sich neun oppositionelle Parteien zu einem Bündnis zusammen (Pakistan National Alliance, PNA). Nach dem Wahlsieg der PPP (Pakistans People's Party) des amtierenden Bhutto beschuldigte die Allianz die Regierung des Wahlbetrugs. Wochenlang kam es zu Unruhen im ganzen Land. Im Juli 1977 übernahm das Militär unter Führung von General Mohammad Zia ul-Haq nach einem unblutigen Putsch die Macht in Pakistan. Erneut wurden Parteien verboten, die Verfassung außer Kraft gesetzt und das Kriegsrecht erklärt. Der ehemalige Premier Bhutto wurde unter dem Vorwurf der Anstiftung zum Mord vor Gericht gestellt und zwei Jahre später hingerichtet.

Zia ul-Haq führte die islamische Scharia als Rechtsgrundlage des Staates ein. Nach dem Einmarsch sowjetischer Truppen in Afghanistan im Dezember 1979 stieg die Zahl der afghanischen Flüchtlinge binnen kurzer Zeit auf rund drei Millionen an. Nach Zia ul-Haqs Tod im Mai 1988 wurden im November 1988 neue Wahlen abgehalten, die die PPP unter Führung von Benazir Bhutto, der Tochter des hingerichteten Premiers, gewann. Benazir Bhutto wurde der erste weibliche Regierungschef eines islamischen Staates. Ihre Regierungszeit dauerte nur kurz, 1990 wurde Mian Nawaz Sharif von der "Islamischen Demokratischen Allianz" (IDA) neuer Premier des Landes (bis 1993). Benazir Bhutto war von 1993 bis 1997 erneut Regierungschefin Pakistans, dann führte Mian Nawaz Sharif wieder die Regierungsgeschäfte.

Sowohl Indien als auch Pakistan erklärten sich 1998 zu Atommächten. Im Oktober 1999 wurde die Regierung Sharif durch einen Militärputsch gestürzt. Sharif ging ins Exil zuerst nach Saudi-Arabien und dann nach London; Bhutto nach Dubai. Bhutto wurde in Abwesenheit zu fünf Jahren Haft verurteilt. Pervez Musharraf setzte die Verfassung außer Kraft und erklärte sich zum "Exekutivchef der Islamischen Republik Pakistan". Musharraf wurde im Jahr 2000 vom Obersten Gericht Pakistans rückwirkend als Staatsoberhaupt anerkannt. Im Juni 2001 erklärte er sich offiziell zum Staatspräsidenten. Im August 2002 festigte er mit 29 Verfassungsänderungen seine Position als starker Mann im Staat. Nach den Wahlen 2002 übergab Musharraf die Regierungsgeschäfte an die neue Regierung, deren Chef Zafarullah Jamali war. Dieser wurde 2004 vom Wirtschaftsexperten und vormaligen Finanzminister Schaukat Aziz abgelöst.

Nach den Anschlägen der Terrororganisation al Qaida auf die USA am 11. September 2001 erklärte sich das Land zur Zusammenarbeit mit den USA gegen den internationalen Terror bereit. Damit verbesserte sich das Verhältnis zu den USA wieder, das sich durch die Nukleartests Ende der 1990er Jahre verschlechtert hatte. Zuvor hatte die pakistanische Führung das Taliban-Regime unterstützt. Die Flüchtlinge aus Afghanistan, deren Zahl nach den Angriffen der USA stark zunahmen, waren eine große wirtschaftliche Belastung für den Staat. Mittelfristig ausbleibende Erfolge bei der Bekämpfung islamistischer Vereinigungen sowie die Tatsache, dass Pakistan weiterhin als Nachschubbasis von den Taliban genutzt wurde, hatten Kritik aus den USA und Afghanistan zur Folge. Die Beziehungen zu Indien sind durch den ungelösten Kaschmir-Konflikt nach wie vor angespannt und äußern sich immer wieder in Kampfhandlungen in der Region.

Im Oktober 2005 verwüstete ein Erdbeben der Stärke 7,6 zahlreiche Siedlungen v.a. in der Kaschmirregion; mindestens 40 000 Menschen kamen ums Leben, über zwei Millionen wurden obdachlos.

Die Absetzung des Obersten Richters Iftikhar Chaudhry im März 2007 durch Musharraf hatte wochenlange Demonstrationen zur Folge, die in Straßenschlachten und einem Generalstreik gipfelten. Zu heftigen Kämpfen zwischen radikalen Islamisten und Sicherheitskräften kam es in Islamabad im Juli des Jahres, nachdem sich bewaffnete Koranschüler in der "Roten Moschee" verbarrikadiert hatten. Auch in den Unruheprovinzen im Nordwesten des Landes kam es zu teilweise schweren Kämpfen mit ausländischen Islamisten. Die Wiederwahl Musharrafs zum Präsidenten im Oktober 2007 erfolgte unter dem Vorbehalt einer rechtlichen Prüfung durch den Obersten Gerichtshof.

Am 18. Oktober 2007 kehrte die ehemalige Regierungschefin und zu diesem Zeitpunkt Oppositionsleiterin Benazir Bhutto aus ihrem achtjährigen Exil zurück. Ihre umjubelte Rückkehr wurde von einem Selbstmordattentat überschattet. Musharraf verhängte am 3. November den Ausnahmezustand. Nach dem Versuch Bhuttos, eine gemeinsame Strategie der Oppositionsparteien gegen den Ausnahmezustand auszuhandeln und nach ihrem Aufruf zu Massendemonstrationen wurde sie wiederholt unter Hausarrest gestellt. Das personell neu zusammengesetzte Oberste Gericht bestätigte die Rechtmäßigkeit von Musharrafs Wiederwahl endgültig. Dieser legte sein Amt als Generalstabschef nieder und trat im November 2007 seine zweite Amtszeit als Staatspräsident an. Im Dezember hob er den Ausnahmezustand auf. Unter dem Druck der USA kündigte Musharraf schließlich Parlamentswahlen für den 8. Januar 2008 an.

Auf einer Wahlkampfveranstaltung wurde Benazir Bhutto am 27. Dezember 2007 erschossen. Nach dem Mord kam es zu Ausschreitungen, die über 40 Menschenleben forderten. Nachfolger Bhuttos als Leiter der Oppositionspartei "Pakistan's People Party" (PPP) wurde ihr Sohn Bilawal Bhutto Zardari. Bei den Parlamentswahlen im Februar 2008 erlitt die regierende Pakistanische Muslim-Liga, die Präsident Musharraf unterstützt, eine Niederlage. Der neue, erstmals seit acht Jahren vom Parlament gewählte Ministerpräsident, Yusuf Raza Gilani, gehörte der PPP an.

Im Nordwesten des Landes nahmen die Auseinandersetzungen mit militanten Islamisten zu. Stark steigende Energie- und Lebensmittelpreise stürzten die pakistanische Wirtschaft in eine schwere Krise. Gleichzeitig entbrannte ein innenpolitischer Machtkampf mit dem Präsidenten. Nach der Androhung eines Amtsenthebungsverfahrens durch die Regierung trat Musharraf im August 2008 schließlich zurück. Im September 2008 wurde Asif Ali Zardari (PPP), der Witwer von Benazir Bhutto, zum neuen Staatspräsidenten gewählt. In der Folge militärischer Auseinandersetzungen zwischen der Armee und Talibankämpfern flohen 2008/09 Hunderttausende aus Nordwestpakistan. Seit Ende April 2009 haben sich die militärischen Auseinandersetzungen zwischen dem pakistanischen Militär und den pakistanischen Taliban verschärft. Die Taliban verüben anhaltend z. T. schwere Terroranschläge.

Im April 2010 wurde eine weitreichende Verfassungsreform verabschiedet, mit dem Ziel, zur Grundgestalt der Verfassung von 1973 zurückzukehren, die nach zahlreichen Eingriffen der Militärherrscher Zia-ul Haq und Musharraf fast bis zur Unkenntlichkeit verändert worden war.

Durch ein Urteil des Obersten Gerichthofes vom Juni 2012 verlor Premierminister Gilani sein Amt. Sein Nachfolger wurde der PPP-Politiker Raja Pervez Ashraf. Bei den Parlamentswahlen im Mai 2013 wurde die bisherige Regierungspartei "Pakistan's People Party" (PPP) von der "Pakistan Muslim League-N" (PML-N) unter Nawaz Sharif abgelöst. Es war das erste Mal in der Geschichte des Landes, dass der demokratische Wechsel verfassungsgemäß ablief. Im Juli 2013 wurde der PML-N-Politiker Mamnoon Hussain zum neuen pakistanischen Staatsoberhaupt gewählt.