Peru Geschichte

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    Indianische Hochkulturen

    Archäologische Funde weisen auf eine menschliche Besiedlung im Gebiet des heutigen Peru etwa ab 12 000 v.Chr. hin. Zunächst lebten die Menschen nur als herumziehende Jäger und Sammler, später kamen Ackerbau und Viehzucht und eine sesshafte Lebensweise hinzu. Etwa ab 1500 v.Chr. bis ins 16. Jh. n.Chr. entwickelten sich auf peruanischem Boden (und darüber hinaus) verschiedene indianische Hochkulturen. Zu den ersten gehörte die so genannte Chavín-Kultur mit der monumentalen Pilgerstätte Chavín de Huántar als Zentrum. Verehrt als Götter wurden Tiere wie z.B. der Jaguar. In etwa zeitgleich bildete sich die Paracas-Kultur heraus (etwa 700-200 v.Chr.), später die Nazca-Kultur (etwa 200 v.Chr. bis 600 n.Chr.). Das Gebiet um den Titicacasee gehörte zum Reich Tiahuanacu (etwa 100 v.Chr. bis 1200 n.Chr.), dessen Zentrum in Bolivien lag. Im Norden entwickelte sich ab etwa 1000 n.Chr. die Chimú-Kultur als mächtiges Reich mit der Hauptstadt Chanchan (nördlich des heutigen Trujillo).

    Ab etwa 1200 entwickelte sich in der Gegend um Cuzco die Kultur der Inkas, deren Reich in der Blütezeit um 1500 fast das gesamte Gebiet der heutigen Andenstaaten umfasste (Südkolumbien, Ecuador, Bolvien, Nord- und Mittelchile). Dieses streng hierarchisch aufgebaute Reich, dessen Bevölkerung zeitweise rund zwölf Millionen Menschen ausmachte, wurde zentral regiert durch einen Priesterkönig (Sapa Inka), der als Sohn des Sonnengottes galt. Unter ihm standen der Hochadel und die Priesterkaste. Zu den bekanntesten Überresten der Inka-Kultur gehören Ruinenstädte wie z.B. Machu Picchu, das etwa 100 km nordwestlich von Cuzco liegt.

    Spanische Kolonisierung

    Im Jahr 1532 landete der Spanier Francisco Pizarro mit rund 180 Mann an der Nordküste Perus. Innerhalb von wenigen Monaten eroberte er das Gebiet des heutigen Peru und zerstörte 1533 die Inka-Hauptstadt Cuzco. 1543 wurde das spanische Vizekönigreich Peru mit der Hauptstadt Lima gegründet, das bis ins 18. Jh. hinein fast ganz Südamerika beherrschte. Bis zu diesem Zeitpunkt war ein Großteil der einheimischen Indianer ausgerottet bzw. versklavt worden. Der letzte Inka-König (Tupac Amaru) wurde 1572 besiegt und hingerichtet.

    Peru war durch Silber- und Quecksilbervorkommen lange Zeit die reichste spanische Kolonie in Südamerika, dazu kam Lima als wichtiger Handelshafen nach Europa. Etwa ab 1700 begann der Niedergang der Kolonie. Die Edelmetallvorkommen waren erschöpft, und es kam zur Gründung neuer spanischer Vizekönigreiche auf dem Kontinent: 1717 Neugranada (heute Ecuador, Kolumbien, Venezuela, Panama) und 1776 La Plata (heute Paraguay, Uruguay, Nord-Argentinien und Bolivien).

    Unabhängigkeit Perus

    1780 kam es unter Führung von José Gabriel Condorcanqui zum ersten großen Aufstand des Volkes gegen die spanischen Kolonialherren und die Großgrundbesitzer. Auch in den übrigen südamerikanischen Ländern erstarkte die Widerstandsbewegung gegen die Spanier. 1821 besiegte der argentinische General José de San Martín mit seinen Truppen die spanische Armee und vertrieb die Spanier zunächst aus Argentinien, anschließend aus Chile und aus Peru. In etwa zeitgleich begann der Siegeszug des Venezolaners Simón Bolívar gegen die Spanier. 1821 rief General José de San Martín in der peruanischen Hauptstadt Lima die Unabhängigkeit des Landes unter seinem Protektorat aus. 1824 gelang einem General von Simòn Bolívar bei der Schlacht von Ayacucho die endgültige Vertreibung der spanischen Truppen aus Peru und Ober-Peru, das ein Jahr später als Bolivien für unabhängig erklärt wurde.

    Ab 1845 stabilisierte sich die teilweise anarchische innenpolitische Lage unter der Führung von General Ramón Castilla als peruanischem Staatsoberhaupt (bis 1862). Er ließ die Sklaverei abschaffen und baute die Wirtschaft durch den Handel mit Guanodünger und Salpeter aus. Als Ersatz für die Sklaven wurden in den folgenden Jahren rund 100 000 Asiaten als Arbeiter nach Peru geholt. Castilla gilt heute als der eigentliche Staatsgründer von Peru.

    1864 und 1879 unternahmen die Spanier erfolglose Versuche, das Land erneut zu unterwerfen. Nach dem so genannten "Salpeterkrieg" zwischen Chile und Bolivien (1879-83), in den Peru mithineingezogen wurde, verlor das Land seine rohstoffreichen Provinzen Arica, Tacna (bis 1929) und Tarapacá an Chile. Daraufhin kam es zu einer Stagnation der Wirtschaft, vermehrt gerieten peruanische Gesellschaften und Betriebe in ausländische Hände.

    Das 20. Jahrhundert

    Um die Jahrhundertwende begann ein Wiederaufschwung, als in Peru größere Kupfervorkommen entdeckt wurden und Kautschuk auf dem Weltmarkt immer bessere Preise erzielte. Die breite Masse der Bevölkerung allerdings hatte keinen Anteil an den verbesserten Bedingungen. 1924 wurde in Peru die "Alianza Popular Revolucionaria Americana" (APRA) unter Victor Raúl Haya de la Torre gegründet, eine sozialistische Bewegung, die sich für soziale Gerechtigkeit, die politische Einheit Lateinamerikas und gegen den Einfluss des US-amerikanischen Kapitals aussprach. Infolge kam es zu häufigen Konflikten zwischen der APRA und den peruanischen Militärs.

    1930 wurde während der Weltwirtschaftskrise der liberale Präsident Augusto Bernardino Leguía gestürzt. Unter seinem Nachfolger Oscar Raimundo Benavides (bis 1939) kam es zu einem Verbot der APRA. Bis in die 50er Jahre wechselten sich gewählte Regierungen und Militärjuntas an der Spitze Perus ab. 1941 kam es zu Grenzstreitigkeiten zwischen Peru und Ecuador, ein Friedensvertrag ein Jahr später führte dazu, dass Ecuador einen Teil seines Staatgebietes an Peru abgeben musste, was lange Zeit zu Spannungen zwischen den beiden Ländern führte.

    Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Industrie in Peru mit Hilfe ausländischer Investoren weiter ausgebaut. 1962 wurde der Führer der APRA, Victor Raúl Haya de la Torre, neues Staatsoberhaupt Perus und führte die von seinem Vorgänger Manuel Prado begonnenen Reformen fort. Bei vom Militär erzwungenen Neuwahlen nur ein Jahr später durfte die APRA nicht mehr antreten, neues Staatsoberhaupt wurde Fernando Belaunde Terry (zunächst bis 1968, erneut von 1980-85). 1968 kam General Juan Velasco Alvarado durch einen neuerlichen Militärputsch an die Macht. Er leitete die Verstaatlichung eines Teils der industriellen Betriebe, eine Nationalisierung von Unternehmen, die sich bis dahin in US-amerikanischer Hand befanden und eine Agrarreform ein. Etwas gemäßigter regierte sein Nachfolger General Morales Bermudes, der 1975 durch einen Putsch die Macht übernahm. 1979 erhielt das Land eine neue demokratische Verfassung und es wurden erstmals seit 1963 freie Wahlen durchgeführt. Zum zweiten Mal nach 1963 wurde der gemäßigte Linke Fernando Belaunde Terry zum Staatsoberhaupt Perus. Zu seinem liberalen Wirtschaftsprogramm gehörten Maßnahmen wie die Reprivatisierung von industriellen Betrieben und eine Öffnung des peruanischen Marktes.

    Ab Anfang der 80er Jahre nahmen die Terroranschläge der kommunistischen Guerillaorganisation "Leuchtender Pfad" (Sendero Luminoso) im Land zu, so dass der Staatspräsident im Mai 1983 den Ausnahmezustand über das Land verhängen musste. 1985 übernahm der Sozialdemokrat Alan García Pérez die Staatsführung. Seine Wirtschaftspolitik war von rigoroser Schuldenpolitik und Hyperinflation gekennzeichnet.

    Das Fujimori-Regime

    Bei den Präsidentschaftswahlen 1990 siegte der japanisch-stämmige Agrarwissenschaftler Alberto Kenya Fujimori von der Bürgerbewegung "Cambio 90". Als er ein rigoroses Sparprogramm zum Abbau der hohen Staatsverschuldung ankündigte, kam es landesweit zu Aufständen der mittellosen Bauern und der Arbeiter in den Betrieben. 1992 löste Fujimori das Parlament auf und setzte die Verfassung vorübergehend außer Kraft. Oppositionelle Politiker wurden teilweise unter Hausarrest gestellt. Die Neuwahlen im November 1992 wurden von den oppositionellen Parteien APRA (Alianza Popular Revolucinonaria Americana) und AP (Acción Popular) boykottiert. Im gleichen Jahr gelang die Verhaftung des Führers der Guerillaorganisation "Leuchtender Pfad", woraufhin dessen Organisation zunächst eine neue Terrorwelle startete. 1994 stellten sich rund 4 000 Guerillas den Behörden, die restlichen zogen sich in den Norden Perus zurück.

    In einer Verfassungsänderung vom Oktober 1993 wurde die Stellung des Präsidenten in Peru mit weitreichenden Machtbefugnissen festgeschrieben, ebenso die Möglichkeit einer unmittelbaren Wiederwahl. 1995 erhielt Fujimori erneut die Mehrheit der Stimmen und begann seine zweite Amtszeit als peruanischer Staatspräsident. Grund für seine Wiederwahl trotz des autokratischen Führungsstils waren nicht nur die Erfolge im Kampf gegen den Terrorismus, sondern die Stabilisierung der Wirtschaft, die zu Wachstumsraten von 12 % und einer drastischen Senkung der Inflationsrate geführt hatte. Dennoch lebten nach wie vor rund 70 % der Bevölkerung in Armut.

    Auch bei den Präsidentschaftswahlen im April 2000 trat Fujimori (entgegen den Verfassungsbestimmungen) erneut zur Wahl an, die durch landesweite Unruhen begleitetet wurden. Fujumori verfehlte die Mehrheit. Das Bündnis der Regierungsparteien ("Perú 2000") verlor bei den Parlamentswahlen die Mehrheit der Sitze. Fujimoris Kontrahent Alejandro Toledo trat zur entscheidenden Stichwahl um das Präsidentenamt einen Monat später nicht mehr an und rief zum Boykott auf. Anhaltende Unruhen und Streiks führten dazu, dass Fujimori im November 2000 sein Amt niederlegte und Neuwahlen angesetzt wurden. Fujimori wurde im September 2009 wegen Bestechung von Abgeordneten und aufgrund illegaler Telefonüberwachungen zu sechs Jahren Haft und einer Geldstrafe von 8,3 Mio. US-$ verurteilt.

    Demokratischer Neuanfang

    Bei den Wahlen im April 2001 traten Alejandro Toledo von der Partei "Perú Posible" und der ehemalige Präsident Alan García Pérez (1985-90) gegeneinander an, erneut kam es zu einer Stichwahl, die Toledo für sich entscheiden konnte (Juni 2001). Alan García Pérez wurde 2006 erneut zum Präsidenten gewählt. Sein erklärtes Ziel war die Bekämpfung der Armut. Er führte (im Gegensatz zu seiner früheren Amtszeit) mit Erfolg den von seinem Vorgänger eingeschlagenen marktwirtschaftlich orientierten Kurs fort. Da der wirtschaftliche Aufschwung jedoch nicht bei der armen Bevölkerung ankam, kam es zu Protesten, Blockaden und Streiks, seit 2008 verstärkt gegen die Ernährungskrise und die gestiegenen Lebensmittelpreise gerichtet. Im Mai 2008 gründete Peru zusammen mit den anderen elf unabhängigen Staaten Südamerikas die Union Südamerikanischer Nationen (Unasur) nach Vorbild der Europäischen Union. Im Februar 2010 verabschiedeten Peru und die EU ein Freihandelsabkommen.

    2009 erließ die Regierung Gesetze zur Nutzung der natürlichen Ressourcen. Die indigene Bevölkerung reagiert mit Protesten. Die Regierung verhängte daraufhin über mehrere Regionen im Nordosten des Landes für zwei Monate den Ausnahmezustand. Nach blutigen Auseinandersetzungen zog die Regierung die umstrittenen Gesetze zurück. Seit Juli 2011 ist der linksnationale Politiker Ollanta Humala Präsident. Er setzte sich in der Stichwahl gegen Keiko Fujimori durch, die Tochter des früheren Präsidenten.