Prag

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    tschechisch: Praha;

    Hauptstadt der Tschechischen Republik. Die an der Moldau gelegene Stadt hat 1,31 Millionen Einwohner. Prag hat zahlreiche Hoch- und Fachschulen (Karls-Universität, gegründet 1348). Es gibt Metall-, Textil-, chemische und andere Industrien. Prag ist eine internationale Messestadt.

    Kunst und Kultur

    In der Kulturstadt gibt es neben der Kunstakademie zahlreiche Museen. Über 20 ständige Bühnen sorgen für ein reichhaltiges kulturelles Leben (Nationaltheater, Laterna Magica, Schwarzes Theater u.a.).

    Auf dem Hradschin liegt die Prager Burg (Grundmauern zum Teil noch aus dem 9. und 10. Jh.). Zum alten Palast gehören der spätgotische Wladislawsaal (1502), aus der Renaissance der Ludwigsbau (1503-10) und der Alte Landtagssaal (1560 bis 63). Im Zentrum der Burg liegt der gotische Sankt-Veits-Dom (1344-85) mit sechs Grabmälern der Przemysliden und 21 Bildnisbüsten vom Architekten Peter Parler. Hier befindet sich auch die romanische Georgsbasilika (12. Jh.). Außerhalb des Hradschin liegen die Loretokirche (Barockfassade), das Lustschloss Belvedere (1536-58), der Palais Schwarzenberg (1545-63) und der Cerninpalast (1669ff.). Unterhalb der Burg steht die Nikolauskirche (Barock, 1703ff. erbaut). Die Verbindung zwischen Hradschin und Altstadt bildet die Karlsbrücke (514 m, 1357ff. erbaut), die mit gotischen Brückentürmen verziert ist. In der Altstadt steht die gotische Bethlehemskirche. Sie wurde ab 1391 erbaut. Jan Hus und Thomas Müntzer predigten in ihr. Weitere Kirchen der Altstadt sind die Sankt-Nikolaus-Kirche (1732-35) und die gotische Teynkirche (14./15. Jh.). Das Altstädter Rathaus entstand ab 1338. Bedeutende Profanbauten sind: Palais Kinsky (1755-65), Palais Clam-Gallas (1713), Karolinum (erster Universitätssitz), mittelalterlicher Pulverturm u.a. In der Neustadt befinden sich das Neustädter Rathaus (14.-16. Jh.), die gotische Kirche Maria Schnee (1348-93, 1611 wiederhergestellt) und das Nationaltheater (1883). Im ehemaligen Judenviertel liegen die frühgotische Synagoge (1273) und der jüdische Friedhof.

    Geschichte

    Im 9. Jh. bestand eine slawische Burg Praha, um die herum sich schnell eine Siedlung entwickelte. Bereits 1255 erhielt Prag das deutsche Stadtrecht. Prag war unter anderem Residenz Karls IV.

    Durch den Prager Fenstersturz 1618 wurde der Dreißigjährige Krieg ausgelöst. Böhmische Protestanten warfen drei kaiserliche Beamte aus dem Fenster des Rathauses, weil sie mit der Rekatholisierungspolitik des Kaisers nicht einverstanden waren. Damit begann der böhmische Aufstand, der dreißig Jahre Krieg in Europa nach sich zog. Die kaiserlichen Beamten überlebten den Sturz übrigens, weil ein Misthaufen für eine weiche Landung sorgte. Schon 1419 stürzten Hussiten Ratsherren aus dem Fenster, um Glaubensgenossen zu befreien. 1948 starb Jan Masaryk, der tschechoslowakische Außenminister, als er aus einem Fenster stürzte. Ob es sich dabei um einen Mord oder um eine Protestaktion gegen die Übernahme der Macht durch die Kommunisten handelte, ist umstritten.

    1848 scheiterte ein Aufstand gegen die österreichische Herrschaft. Erst nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Tschechoslowakei unabhängig. Seit 1918 ist Prag Hauptstadt des neu gegründeten tschechoslowakischen Staates. 1968 wurde in Prag der Reformkurs der Regierung Dubcek durch sowjetische Truppen gewaltsam beendet (Prager Frühling). Nach der Landesteilung wurde Prag 1993 Hauptstadt der Tschechischen Republik.