Rabat

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    Rabat ist die Hauptstadt und die viertgrößte Stadt Marokkos mit einer Bevölkerung von etwa 620 000 Menschen (über 1,8 Millionen im Großraum). Die Stadt liegt am Atlantischen Ozean an der Mündung des Flusses Bou-Regreg. Versandung hat Rabats Rolle als Hafen verkleinert; wichtig ist jedoch weiterhin die Textil-, Lebensmittelverarbeitungs- und Bauindustrie. Darüber hinaus ist Rabat aufgrund des Tourismus und der Anwesenheit aller ausländischen Botschaften in Marokko eine der wichtigsten Städte des Landes. Rabat ist eine der vier Königsstädte Marokkos. Die gesamte Stadt wurde in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen.

    Kunst und Kultur

    Tor in Rabat

    Das größte Theater ist das Theater Mohammed V. in der Stadtmitte. Die Stadt besitzt zahlreiche Galerien und ein archäologisches Museum. Wichtige Sehenswürdigkeiten sind das Mausoleum von Mohammed V., die Universität sowie der Hassan-Turm. Der heute freistehende Turm ist das unvollendete Minarett der Großen Moschee, die der Almohadenkalif Yaqub al-Mansur 1191 in Auftrag gab. Die Totenstadt Chellah befindet sich südöstlich der almohadischen Mauer. Die Festungsanlage Kasbah des Oudaïas liegt an der Mündung des Bou-Regreg in den Atlantik. Die weiß verputzten Häuser in den verwinkelten Fußgängergassen hinter der Kasbah sind sorgfältig restauriert. Innerhalb der Kasbah ist die Jama al Atiq, die älteste Moschee der Stadt, zu finden.

    Geschichte

    Bereits um 300 v. Chr. gab es einen phönizischen Hafen. Rabats eigentliche Geschichte beginnt jedoch im 10. Jahrhundert mit der Errichtung einer islamischen Grenzfestung (Ribat) an der Stelle der heutigen Kasbah des Oudaïas. Etwa 100 Jahre später wurde auch die Stadt Salé am anderen Ufer des Bou-Regreg gegründet. 1146 wurde die Küstenregion Marokkos durch den Almohaden-Kalifen Abd al-Mu'min erobert. Er ließ Salé zerstören, Rabat jedoch ausbauen, wobei auch die Kasbah entstand. Kalif Yaqub al-Mansur setzte den Ausbau der Hafenstadt fort. Er errichtete die Große Moschee. Unter seinem Nachfolger wurde die Residenz der Almohaden jedoch wieder nach Marrakesch verlegt. Unter den nachfolgenden Herrscherdynastien – insbesondere den Meriniden – konzentrierte sich das wirtschaftliche Leben auf den Seehafen der Nachbarstadt Salé.

    Zu einem erneuten Aufschwung Rabats kam es im 17. Jahrhundert, als aus Spanien vertriebene Mauren sich in Rabat niederließen. Sie wurden zu Kämpfern der 1627 gegründeten unabhängigen Piratenrepublik Bou-Regreg. In der Folgezeit wurden beide Städte durch Freibeuterei und Sklavenhandel reich, so dass in diese Epoche auch die Errichtung der Medina von Rabat fällt. Die Piratenrepublik bestand bis 1668, als der erste alawidische Sultan Mulai ar-Raschid die Stadt einnahm und der Zentralgewalt unterstellte. 1755 wurden große Teile der Stadt durch ein Erdbeben zerstört.

    Mit der Niedergang der Piraterie kam es abermals zum Niedergang von Rabat. Die Lage besserte sich erst im 20. Jahrhundert, nachdem Rabat unter dem französischen Protektorat 1912 zum Verwaltungshauptsitz Marokkos bestimmt worden war. Auch der von Frankreich eingesetzte Sultan Mulai Yusuf residierte in Rabat. Nach der Unabhängigkeit 1956 blieb Rabat die Hauptstadt des Landes, der Sultanspalast mit seiner bisherigen symbolischen Funktion wurde zum Machtzentrum umgewandelt, in dem auch der heutige König seine Residenz hat.