San Marino Geschichte

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Inhaltsverzeichnis

Anfänge

Der Legende nach soll der später heilig gesprochene Marinus am 3. September 301 n.Chr. auf dem schwer zugänglichen Monte Titano die erste Einheit eines Klosters geschaffen haben, nachdem er vor der Christenverfolgung unter dem römischen Kaiser Diokletian aus Rimini flüchten musste. Dieser Tag ist heute noch der Nationalfeiertag der kleinen Republik.

Mittelalter

Eine erste schriftliche Erwähnung als "Castellum Sancti Marini" ist aus dem Jahr 754 bekannt. Rund 50 Jahre später kam das Kloster unter die Hoheit der Grafen von Monfeltro, aus denen sich das Herrschergeschlecht der Grafen von Urbino entwickelte. Eine erste urkundliche Nennung der Stadt San Marino stammt aus dem Jahr 855.

Im 13. Jh., als es zu mehreren kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den Grafen von Urbino und dem Stadtstaat Rimini kam, konnte sich San Marino – wie auch in den folgenden Jahrhunderten – durch seine strategische günstige Berglage und seine guten Befestigungen die Eigenständigkeit bewahren.

Bereits im 13. Jh. wurden die Grundlagen für eine demokratische Verfassung geschaffen, die Mitte des 14. Jh.s von der "Res publica San Marino" schriftlich in Form eines Grundgesetzes festgehalten wurden. Damit ist San Marino heute die Republik mit der ältesten demokratischen Tradition. 1599 wurde das Gesetz nochmals geändert und erhielt die im wesentlichen bis heute gültige Form. Die Herrschaft wurde von einem "Großen Rat" ausgeübt, der sich damals wie heute aus 60 Mitgliedern zusammensetzte, die meist aus einflussreichen Familien stammten.

Neuzeit

Mitte des 15. Jh.s konnte der Stadtstaat sein Gebiet nach Kämpfen mit der in Rimini herrschenden Familie Maltesta ausdehnen und das Land erhielt im wesentlichen sein heutiges Staatsgebiet. Die Unabhängigkeit San Marinos wurde vom Papst als Führer des italienischen Kirchenstaates 1549 und erneut 1631 anerkannt. Als Napoleon Bonaparte die gesamte Appeninhalbinsel eroberte, ließ auch er das Staatsterritorium von San Marino unangetastet. Sein Angebot einer Ausdehnung des Staatsgebietes lehnte der Große Rat ab. Nach dem Ende der Napoleonischen Kriege wurde die Souveränität des Landes auf dem Wiener Kongress 1814/15 durch die europäischen Großmächte erneut bestätigt.

Während der Bildung eines italienischen Nationalstaates im 19. Jh. gewährte San Marino - wie es in der Verfassung festgelegt war - politisch Verfolgten Asyl auf ihrem Staatsgebiet. Auch der Befreiungskämpfer und Führer der italienischen Unabhängigkeitsbewegung, Giuseppe Garibaldi, suchte 1849 Unterschlupf in den Mauern der Stadt. Als 1861 das Königreich Italien entstand, erkannte dieses die Eigenständigkeit der kleinen Republik innerhalb ihres Staatsterritoriums an. Einer Zoll- und Währungsunion (1867) folgte 1897 der erste einer Reihe von Freundschafts- und Kooperationsabkommen zwischen den beiden Staaten (erneuert 1939 und 1971).

Zeitgeschichte

Zu Beginn des 20. Jh.s wanderten zahlreiche San-Marinesen nach Italien und in die USA aus, im Gegenzug ließen sich viele Italiener in San Marino nieder. Im Ersten Weltkrieg blieb San Marino neutral. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Land trotz erklärter Neutralität nach dem Sturz des faschistischen Regimes in Italien von Truppen des Deutschen Reiches besetzt (1943). Die Truppen der Alliierten Westmächte befreiten das Land etwa ein Jahr später von der Besatzung.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs übernahm eine kommunistisch-sozialistische Regierung die politische Führung der Republik. Zahlreiche Unternehmen wurden verstaatlicht und eine Landreform durchgeführt. 1957 (nach dem Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen in Ungarn) verloren die Kommunisten und Sozialisten ihre Mehrheit und eine Koalition aus Christ- und Sozialdemokraten übernahmen die Regierung bis 1978. Dann gingen die Christdemokraten (PDCS) eine Koalition mit der Sozialistischen Partei (PSS) ein, die 1986 an einem Korruptionsskandal zerbrach. 1986 bis 1990 regierten die Christdemokraten gemeinsam mit der Kommunistischen Partei, ab 1990 mit der Demokratischen Fortschrittlichen Partei (PDP), der Nachfolgepartei der Kommunistischen (ab 1993 Koalition Christdemokraten und Sozialisten). 1992 wurde San Marino Vollmitglied der Vereinten Nationen (UNO). Bei den Wahlen im Juni 2001 wurden die Christdemokraten stärkste Partei im Parlament, gefolgt von den Sozialisten.

Trotz der engen wirtschaftlichen und kulturellen Verflechtungen mit Italien betont San Marino seine Eigenständigkeit. Im Dezember 2000 unterzeichneten beide Länder ein Abkommen, das eine Einführung des Euro als offizielle Währung ab Januar 2002 auch in San Marino vorsah (bis dahin war die italienische Lira die offizielle Währung).

Ab 2006 regierte eine Mitte-Links-Koalition, bestehend aus den zur PSD verschmolzenen Sozialisten und Demokraten sowie den kleinen Parteien Volksallianz und Vereinigte Linke. Die Koalition nahm nach einer Regierungskrise im Herbst 2007 eine weitere Kleinstpartei auf. Aus den Parlamentswahlen im November 2012 ging eine Koalition aus Christemokraten (PDCS), Sozialisten und Demokraten (PSD) sowie Volksallianz hervor.