Sri Lanka Geschichte

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    Frühzeit bis 15. Jahrhundert

    Die Wedda sind die am längsten auf der tropischen Insel lebende Volksgruppe. Nur noch knapp 1000 Abkommen von ihnen leben heute im Landesinneren. Ebenfalls in vorchristlicher Zeit wanderten die Vorfahren der Singhalesen in Sri Lanka ein und unterwarfen die damals noch zahlreichen im Westen lebenden Wedda. Hauptstadt des Singhalesischen Königreichs war bis ins 8. Jahrhundert n.Chr. Anuradhapura im Landesinneren. Das Königreich unterhielt Handelsbeziehungen zu den südindischen Reichen der Tamilen. Nachdem König und Volk der Insel dem Buddhismus beigetreten waren, entstanden im 3. Jahrhundert v.Chr. zahlreiche Tempel. Dadurch wurde der Grundstein für einen bis heute anhaltenden Konflikt gelegt, da die Tamilen, die ab dem 2. Jahrhundert v.Chr. immer wieder versuchten, den Norden der Insel zu erobern, am Brahmanismus festhielten (aus dem sich später der Hinduismus entwickelte).

    Über Jahrhunderte hinweg konnten die einfallenden Tamilen immer wieder von der Insel vertrieben werden, König Dutthagami galt seitdem als Nationalheld. Bis ins 13. Jahrhundert n.Chr. wurden die singhalesischen Königreiche immer wieder in Auseinandersetzungen mit den südindischen Reichen verwickelt und zerfielen dabei wiederholt in Teilreiche. Dies führte im 11. Jahrhundert dazu, dass nach der Zerstörung der Hauptstadt Anuradhapura durch Südinder Polonnaruwa die neue Hauptstadt der Insel wurde. Aber auch diese musste auf Grund der ständigen Tamilenangriffe im 13. Jahrhundert von den Singhalesen aufgegeben werden und im Norden der Insel entstand ein hinduistisches Tamilenreich. Die Singhalesischen Könige dagegen waren gezwungen, in den folgenden zwei Jahrhunderten ihre Hauptstädte kontinuierlich zu verlegen. Zwar gelang es dem singhalesischen König Parakkamabahu VI. in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts, die Insel nochmals für fünfzig Jahre unter eine gemeinsame Herrschaft zu bringen, doch nach seinem Tode zerfiel das entstandene Reich wieder in Teilstaaten.

    Kolonialzeit

    1505 landete eine portugiesische Expedition auf der Insel. Im 16. Jahrhundert gelang es den Europäern, die westlichen Küstengebiete und den Norden in Besitz zu nehmen. Für die Kolonialherren lukrative Gewürzplantagen wurden angelegt und die Bevölkerung zum Christentum bekehrt.

    1658 vertrieben die Holländer die Portugiesen und machten die Insel zu einer profitablen Wirtschaftskolonie. Weder ihnen noch den Portugiesen gelang es jedoch, das selbstständige singhalesische Königreich um die Hauptstadt Kandy im inneren Bergland zu unterwerfen.

    1796 vertrieb die britische Ostindien-Handelsgesellschaft die Holländer. Die Insel wurde in "Ceylon" umbenannt und Teil von Britisch-Indien. 1802 wurde Ceylon eigenständige Kronkolonie und Columbo an der Küste des Indischen Ozeans Verwaltungssitz. Wenige Jahre später gelang es den Kolonialherren, auch das Kandy-Reich unter ihre Herrschaft zu bringen und durch Straßenbau das zentrale Hochland zu erschließen und für den Kaffeeanbau nutzbar zu machen. Hierzu wurden ab 1840 Zehntausende südindische Tamilen als Plantagenarbeiter ins Land gebracht. Ab 1870 stellten die Kolonialherren die Pflanzungen auf den Anbau von Tee um, und machten die Insel zu einem der wichtigsten Teeproduzenten der Welt.

    Unabhängigkeit

    Ab dem Ende des 18. Jahrhunderts erwachte das National- und Geschichtsbewusstsein der Singhalesen und der Ruf nach Unabhängigkeit wurde lauter. Gleichzeitig wurden die Gegensätze zwischen tamilischer Minderheit und singhalesischer Mehrheit immer deutlicher. Nach hinhaltenden Zugeständnissen wurde Ceylon am 4. Februar 1948 die volle Unabhängigkeit zuerkannt und eine konservative Regierung unter Don Stephen Senanayake (UNP) übernahm bis 1952 die Macht. In dessen Regierungszeit fiel der Versuch der Außenminister des Commonwealth, angesichts des vordringenden Kommunismus mit dem Columbo-Plan eine demokratische Entwicklung Süd- und Südostasiens sicherzustellen. Nach dem Tod von Senanayake übernahm dessen Sohn kurz die Regierungsgeschäfte, wurde aber bereits 1953 von John Kotelawala abgelöst, der sich mit sozialen Unruhen auf Grund von Reispreiserhöhungen konfrontiert sah.

    1956 kam der mit einer Mischung aus sozialistischen und singhalesisch-buddhistisch-nationalistischen Methoden regierende Solomon Bandaranaike (SLFP) an die Macht. Per Gesetz nahm er den hinduistischen Tamilen Staatsbürgerschaft und Wahlrecht und als sein Vorhaben bekannt wurde, Tamilisch als Staatssprache abzuschaffen, kam es zu blutigen Aufständen der Tamilen. Nach der Ermordung Bandaranaikes folgten schnell wechselnde Regierungen, bis 1959 Sirimavo Rattwate Dias Bandaranaike, die Witwe Solomon Bandaranaikes, an die Macht kam. Sie ergänzte die antitamilische Innenpolitik ihres Mannes mit einer Erziehungspolitik, die gegen die Minderheit der Christen gerichtet war. Nach fünf Jahren konservativer Regierung ab 1965 (D. Senanayake) kam sie 1970 erneut an die Macht, schaffte 1972 per Verfassungsreform den demokratischen Senat ab und benannte das Land in Demokratische Republik Sri Lanka um. In einem buddhistisch-marxistischen Sozialisierungsprogramm übernahm der Staat die Kontrolle über die Wirtschaft und 1975 waren sämtliche Plantagen verstaatlicht.

    Einen Wandel brachte die Wahl von J. R. Jayawardene (UNP) 1977, der zwar die Rückkehr zur freien Marktwirtschaft einleitete, aber das Problem mit der tamilischen Minderheit nicht grundlegend lösen konnte. Ein neues Präsidialsystem wurde eingeführt, dem Jayawardene als Staatspräsident und der von ihm ernannte Ranasinghe Premadesa als Regierungschef vorstand. Nach schweren Rassenunruhen wurde nach der Wiederwahl Jayawardenes 1982 per Plebiszit die Legislaturperiode des Parlaments bis 1989 verlängert und Kotte zur Hauptstadt ernannt. All dies konnte nicht verhindern, dass 1983 ein offener Bürgerkrieg zwischen tamilischen Rebellen und singhalesischen Regierungstruppen ausbrach. Zwar schien er 1987 durch das Zugeständnis weitgehender Selbstverwaltung für die Tamilen im Norden des Landes beigelegt, doch flammten die Kämpfe bald wieder auf. 1988 fanden Präsidentschaftswahlen statt, aus denen der vorherige Regierungschef Ranasinghe Premadasa siegreich hervorging, die Parlamentswahlen 1989 gewann erneut die UNP und Dingiri Banda Wijetunge wurde Regierungschef.

    Bombenanschläge und politische Attentate rissen auch in den 90er Jahren nicht ab: 1992 wurde der Oppositionsführer Lalith Akhulathmudali erschossen und 1993 fiel Präsident Ranasinghe Premadasa einem Bombenanschlag zum Opfer, Nachfolger wurde Dingiri Banda Wijetunga, neuer Regierungschef Ranil Wickremasinghe. 1994 wurde fast die gesamte Führung der UNP, darunter auch Präsidentschaftskandidat Gamini Dissanayake, bei einem weiteren Bombenanschlag getötet. 1994 wurde die UNP abgewählt und Chandrika Bandaranaike Kumaratunga, die Spitzenkandidatin der People's Alliance (PA, ein Parteienbündnis aus neun Linksparteien), zur Staatspräsidentin gewählt, zur Regierungschefin machte sie ihre Mutter Sirimavo Rattwate Dias Bandaranaike.

    Ein Anfang 1995 geschlossener Waffenstillstand mit den tamilischen Rebellen (Liberation Tigers of Tamil Eelam, LTTE) hielt nicht und es kam zu weiteren kriegerischen Auseinandersetzungen. 1999 wurde Amtsinhaberin Chandrika Kumaratunga bei den Präsidentschaftswahlen wiedergewählt. 2000 trat die Regierungschefin Sirimavo Rattwate Dias Bandaranaike aus gesundheitlichen Gründen zurück und der bisherige Innenminister Ratnasiri Wickremanayake übernahm ihr Amt.

    Nachdem das Regierungsbündnis von Präsidentin Kumaratunga bei vorgezogenen Neuwahlen im Dezember 2001 die Parlamentsmehrheit verloren hatte, wurde der bisherige Oppositionsführer Ranil Wickremasinghe von der UNP Regierungschef. Präsidentin Chandrika Kumaratunga erklärte im November 2003 die Auflösung des Parlaments, entließ drei Kabinettminister von Wickremasinghe und rief den Ausnahmezustand aus. Dazu nutzte sie die Abwesenheit des Regierungschefs, der sich auf einem Staatsbesuch in den USA befand. Nach der Rückkehr von Wickremasinghe wurde der Ausnahmezustand wieder aufgehoben und das Parlament trat wieder zusammen. Hintergrund der politischen Krise waren Spannungen zwischen Präsidentin und Regierungschef: Die Präsidentin warf Wickremasinghe ein zu laxes Vorgehen bei den Friedensverhandlungen mit den Tamilenrebellen vor. Nach vorgezogenen Parlamentswahlen im April 2004 kam es zum Machtwechsel: Die linksgerichtete PA von Kumaratunga erhielt 105 von 225 Parlamentssitzen, die von der UNP Wickremasinghes angeführte Parteienkoalition "Vereinte Nationale Front" (UNF) erhielt nur noch 81 Sitze. Als neuer Ministerpräsident wurde daraufhin Mahinda Rajapakse vereidigt.

    Im Dezember 2004 war für Sri Lanka der Notstand ausgerufen worden, nachdem der Tsunami, die Folge eines Seebebens vor Sumatra, die Küste traf, zahlreiche Siedlungen zerstörte und insgesamt rund 30 000 Menschen das Leben kostete. Zumindest die wirtschaftlichen Folgen sind inzwischen jedoch nicht mehr spürbar.

    Über 26 Jahre lang verhinderte der mit Unterbrechungen andauernde Bürgerkrieg mit den rebellierenden Tamilen eine friedliche Entwicklung des Inselstaats. 2002 war ein Waffenstillstand unterzeichnet worden und erste Schritte zur Beilegung des Konflikts wurden unternommen. Einige Jahre später jedoch flammte er jedoch wieder voll auf: Außenminister Kadirgamar wurde am 12. August 2005 ermordet. Im Juli 2006 begann die von Rajapaksa verstärkte Armee ihre militärische Offensive, die sie bis zum Sieg über die LTTE im Mai 2009 fortsetzte. Damit war der Bürgerkrieg beendet.

    Im Januar 2010 wurde Mahinda Rajapakse bei vorgezogenen Präsidentschaftswahlen mit 57,9 % der Stimmen wiedergewählt. Rajapakse übernahm mit der Vereidigung des Kabinetts im April 2010 selbst die Zuständigkeit für die Bereiche Verteidigung, Verkehr und Finanzen. Weitere wichtige Positionen erhielten die Brüder des Präsidenten. Mit einer Verfassungsänderung im September 2010 konnte Rajapakse seine Machtbefugnisse stark erweitern. Sein Konkurrent, der frühere Armeechef General Sarath Fonseka, sowie einige seiner Anhänger wurden nach der Präsidentschaftswahl verhaftet. Fonseka wurde in mehreren Verfahren (u.a. wegen politischer Betätigung im Amt und Korruption) von einem Militärgericht verurteilt. Zwar hob die Regierung 2011 den seit 1971 geltenden Ausnahmezustand auf, doch verschärfte sie zugleich die Bestimmungen des Antiterror-Gesetzes. Zur Beschwichtigung der internationalen Kritik an seiner repressiven Politik begnadigte Präsident Rajapakse Fonseka im Mai 2012. Angesichts der offensichtlich schwindenden Popularität der Regierung entschied sich Rajapaksa zu vorgezogenen Neuwahlen. Diese fanden im Januar 2015 statt. Der von einem breiten Parteienbündnis getragene gemeinsame Kandidat der Opposition, Maithripala Sirisena, gewann die Wahl.