Vereinigte Arabische Emirate Geschichte

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Archäologische Funde weisen auf eine Besiedlung der Inseln vor der Küste der heutigen V.A.E. bereits im 3. Jahrtausend v.Chr. hin. Auf dem Festland lebten vermutlich nomadisierende Stämme. Erste größere Siedlungen in der Küstenregion entstanden erst ab dem 8. Jahrhundert n.Chr. als Handelsstützpunkte. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts gründeten Portugiesen auch im Küstengebiet der heutigen V.A.E. Niederlassungen, gehandelt wurde überwiegend mit Perlen, später auch mit Sklaven. Im 18. Jahrhundert wurden von Beduinen die Siedlungen Dubai und Abu Dhabi gegründet. Die Küste wurde auch "Piratenküste" genannt, die vorhandenen Inseln, Sandbänke und Korallenriffe, die die Durchfahrt dieser Gewässer auch heute noch schwierig machen, dienten zahlreichen Piraten als Ausgangsbasis.

Um den Seeweg nach Indien zu sichern und um sich gegen die ständigen Überfälle auf ihre Schiffe zu wehren, kam es zum Konflikt zwischen der Handels- und Kolonialmacht Großbritannien und den Scheichtümern (Emiraten), die an der "Piratenküste" tätig waren. Nach einer Reihe militärischer Auseinandersetzungen wurden Ende des 18. Jahrhunderts zwischen Großbritannien und den verschiedenen Emiraten Verträge geschlossen, die den britischen Schiffen freie Fahrt und im Gegenzug wirtschaftliche Unterstützung und Waffenhilfe für die Scheichtümer gegen rivalisierende Völker zusicherten. Die Emirate wurden offiziell zu Protektoraten unter britischer Oberhoheit. 1853 wurde zwischen der europäischen Macht und den sieben heute in den V.A.E. zusammengeschlossenen Scheichtümern der so genannte "Vertrag des Ewigen Friedens" geschlossen, der die Schutzherrschaft der Briten erneut bestätigte, während sich die Emire dazu verpflichteten, den Sklavenhandel und die Piraterie einzustellen.

Die Perlfischerei wurde zum wichtigsten Handelszweig der Region. Als ab dem Beginn der 1930er Jahre des 20. Jahrhunderts Zuchtperlen auf den Markt kamen, ging die Nachfrage nach echten Perlen stark zurück. Die wirtschaftliche und finanzielle Abhängigkeit der Scheichtümer von Großbritannien nahm weiter zu.

In den 1950er Jahren wurden im Emirat Abu Dhabi die ersten Erdölfelder entdeckt. 1962 begann die Förderung, sieben Jahre später auch in Dubai. Durch die Erlöse aus dem Verkauf des "schwarzen Goldes" gelangte die Region schlagartig zu großem Wohlstand. Meerwasserentsalzungsanlagen wurden gebaut und beendeten den ständigen Trinkwassermangel. Durch die nun mögliche Bewässerung wurde die Kultivierung landwirtschaftlicher Nutzpflanzen möglich. Scheich Said ibn Sultan Al-Nahayan bemühte sich ab 1966 in dem Emirat Abu Dhabi um den Ausbau des sozialen Netzes, das u.a. die kostenlose medizinische Versorgung der Bevölkerung und eine Altersvorsorge vorsah. Von seinem Entwicklungsprogramm sollten auch die umliegenden Nachbaremirate profitieren.

Ende der 1960er Jahre zog sich Großbritannien aus der Region am Persischen Golf zurück. Anstelle der Protektoratsgebiete war ein Zusammenschluss der Emirate von Bahrain bis Oman geplant, dieser kam aber nicht zustande.

Im Dezember 1971 schlossen sich die sechs Emirate Abu Dhabi (Abu Zaby), Dubai (Dubayy), Schardscha (Ash Shariqah), Adschman (Ajman), Fudschschaira (Al Fujairah) und Umm al-Quaiwan zusammen zu einer bundesstaatlichen Föderation mit dem Namen "Vereinigte Arabische Emirate" (Al-Imarat al-Arabiyah al-Muttahidah). 1972 trat das kleine Scheichtum Ras al-Khaimah als siebtes Emirat bei. Der Regierungssitz wurde die Stadt Abu Dhabi im größten und reichsten der Emirate. Als Präsident der Föderation wurde Said Ibn Sultan Al-Nahayan (seit 1966 Emir von Abu Dhabi) vom "Obersten Rat der Herrscher", der sich aus den sieben Emiren zusammensetzt, gewählt.

Noch im gleichen Jahr traten die V.A.E. der "Arabischen Liga" bei (diese Organisation arabischer Staaten war 1945 in Kairo gegründet worden mit dem Ziel der wirtschaftlichen, politischen und militärischen Zusammenarbeit). 1974 wurde der Staat vom benachbarten Saudi-Arabien offiziell anerkannt, nachdem die Grenzlinie zwischen den beiden Staaten neu definiert worden war (die Grenze zwischen den beiden Ländern ist bis heute nicht exakt festgelegt).

Im 1. Golfkrieg (1980-1988) schlossen sich die V.A.E. dem Rat der Golfstaaten unter der Führung Saudi-Arabiens an und unterstützten den Irak gegen den fundamentalistischen Iran. 1990 und 1992 (2. Golfkrieg) unterstützten die V.A.E. die antiirakische Koalition unter Führung der USA vor allem mit finanziellen Mitteln. In den 1990er Jahren schlossen die V.A.E. mehrere Verteidigungsbündnisse mit westlichen Staaten (1994 USA, 1995 Frankreich, 1997 Deutschland). 1996 wurde Abu Dhabi endgültig als Hauptstadt festgelegt und die vorher provisorische Konstitution als permanent verabschiedet.

Im November 2004 starb Präsident Said Ibn Sultan Al-Nahayan. Sein ältester Sohn, Scheich Khalifa bin Zayid Al Nahayan, folgte ihm auf den Thron von Abu Dhabi; außerdem wählte ihn der Oberste Herrscherrat gemäß der Verfassung zum Präsidenten der V.A.E.

Im Jahr 2006 wurden zum ersten Mal 20 der 40 Mitglieder der Föderationsversammlung durch Staatsbürger gewählt. Die Wahlberechtigung war allerdings auf knapp 7 000 von den Emiren ausgewählte Bürger beschränkt und schloss islamistische Gruppierungen aus.